Beschreibung des Oberamts Wangen/Kapitel B 23

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23. Gemeinde Siggen,
bestehend aus 9 (12 Parzellen) auf Einer Markung, mit 149 kath. Einw., die kleinste Gemeinde des Oberamts hinsichtlich der Bevölkerung; an Areal steht ihr nur Kißlegg nach. Die Lage des Bezirks ist hoch, das Klima rauh, der Boden nicht sehr dankbar; den westlichen Theil bedeckt der Siggenwald. Der Ausfluß des Neuweihers oder der Eschbach rinnt nach der untern, der des Buch- und Schloßweihers nach dem Giesbach und der obern Argen. Der Bezirk ist ziemlich abgeschieden, da nicht einmal eine frequente Vicinalstraße durch denselben führt. Die Bewohner gehören zu den minder wohlhabenden. Gewerbebetrieb findet sich mit Ausnahme einer Bierbrauerei beinahe gar keiner. Die Vereinödung datirt sich von 1764. Grundherr ist der Fürst von Windisch-Grätz. Die historischen Verhältnisse der ehemaligen Herrschaft Siggen, wozu diese Gemeinde nebst| Göttlishofen gehörte, sind oben bei Eglofs, S. 168, angegeben. Der Pfarrsprengel begreift die Gemeinde, nebst Aufreute und Buch (Göttlishofen). Statt des Zehnten reicht die Gemeinde der Pfarrei gemäß einem Vertrag von 1820, ein Geldsurrogat von 139 fl.
  • 1) Siggen, kath. Pfarrweiler mit 72 Einw., 21/2 St. ostnordöstlich von Wangen. Am südwestl. Ende des Orts lag auf einer Anhöhe über einem Weiher das alte Schloß Siggen, welches der Herrschaft ihren Namen gab. Schon 1128 findet sich in einer Ochsenhauser Urkunde ein Odalricus de Siccun. Wahrscheinlich war schon dieser ein Stift Kemptenscher Lehenmann, da nach der Urkunde K. Ludwig des Frommen von 832 dieses Stift bedeutende Güter in dieser Gegend besaß. Später war das Lehen in den Händen der Linie Humpiß-Waltrams, s. oben bei Eglofs. In der Kirche finden sich noch die Familiengruft und die Wappenschilde dieser Humpisse. Der Letzte derselben war Maximilian, der als Kind von 6 Jahren 1698 starb und in der Kirche (Kapelle des h. Anton) begraben liegt. Die neueren Besitzer, Traun und Windisch-Grätz, ließen das Schloß verfallen, bis es endlich den 23. Sept. 1830 einstürzte, so daß gegenwärtig nur noch eine Mauer davon übrig ist. Die Pfarrkirche zum h. Sebastian steht mit dem 1758 neu und massiv erbauten Pfarrhause auf einer Anhöhe. Die Kirche ist alt; zwei kleinere Nebenkapellen sind angebaut. In Folge einer starken Beschädigung durch einen Blitzstrahl 1810 wurde sie ausgebessert. Ein gothischer Taufstein trägt die Jahrszahl 1486. Patron der Pfarrei ist der Fürst, der ein Vogtrecht bezieht. Zur Pfarrei gehört ein Widdumgut; die Baulast an den Pfarrgebäuden ruht auf der Gemeinde. Der Kirchenfonds beträgt 1445 fl. Kapitalien, mit ungefähr 60 fl. jährliche Grundzinsen und Gülten. An der Schule steht 1 Lehrer.
  • 2) Siggener Einöden oder die Höfe: a) Ammanshanses mit 7 Einw., b) Balthases mit 5 Einw., c) Nägele am Wald mit 7 Einw., d) Pfeifenmacher mit 5 Einw.
  • 3) Biegen, Hof mit 10 Einw., 4) Bergbauer, Hof mit 13 Einw., 5) Fahles am Weiher, Hof mit 2 Einw., 6) Hösis, Hof mit 7 Einw., 7) Reutenen, Hof mit 10 Einw., 8) Rosis, Hof mit 4 Einw., 9) Unger, Hof mit 7 Einw.


24. Gemeinde Sommersried,

25. Gemeinde Wiggenreute,