Bey Frankreichs Feier

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Autor: Sophie Mereau
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Titel: Bey Frankreichs Feier
Untertitel:
aus: Thalia - Dritter Band, Eilftes Heft (1790), S. 141–142
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Georg Joachim Göschen
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Dieses Revolutionsgedicht ist das erste, noch anonym veröffentlichte Lyrikwerk Sophie Mereaus
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[141]

VII.

Bey Frankreichs Feier.

den 14ten Junius 1790.

von Demoiselle ***


Genius der Freiheit! Du der glühend
sich ins Herz der Nationen taucht,
wo ein Strahl von Menschenwürde schlummert,
schnell den Strahl in lohe Flammen haucht,

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     Wo, an welchem Himmelsfeuer zündest

du die Fackel? – Welche Sonne leiht
ihren Strahl dir, daß von ihm erwärmet
jede Zone dir Altäre weiht? –

     Mächtig zwar rührt auch der Liebe Zauber

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Menschenseelen, adelt Herz und Muth,

aber selbst der Flammenhauch der Liebe
wird verschlungen von der Freiheit Gluth.

     Wo dein hoher, kühner Flügel rauschet
stehn entschlossen Nationen auf,

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fühlen ihre Kräfte, richten muthig

zu des Ruhmes Tempel ihren Lauf.

     Wo du fern bist, ach! da sinken nieder
zu der Knechtschaft tödendem Gefühl
alle Tugenden der, Künste Adel

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wird erniedrigt zu des Schwelgers Spiel.
[142]

     Gallien, von Dankgefühl durchglühet
bringt dir heut der Huldigungen viel –
Dir o Geist der Freiheit, ihrem Schöpfer
rührt die Freude dort ihr goldnes Spiel.

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     Dort, wo unter dem verhaßten Drucke

weniger Tyrannen, denen nie
Menschlichkeit im Busen schlug, vergebens
nach Gerechtigkeit die Unschuld schrie.

     Dort hebt endlich – so bewegt des Meeres

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stillen Spiegel zürnend der Orkan –

die verstummte Menschheit ihre Stimme
hält der Willkühr stolzen Zügel an.

     Freiheit adelt! und nach ihr zu ringen
ist der Kräfte jedes Edlen werth,

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ist auch jedem nicht die Siegespalme

von des Schicksals hoher Hand beschert.

     Sinkt ihr rückwärts vom erstiegnen Gipfel
in der Knechtschaft fürchterlichen Schooß,
jeder Edle wird euch Thränen weihen!

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– doch auch dann bleibt, was ihr thatet, groß! –


     Doch hinweg die schwarze Ahndung heute,
wo der Freude süße Thräne rinnt,
wo von hohem Selbstgenusse trunken
dreimal glücklich Frankreichs Bürger sind.

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     Unbekümmert ob die Sein’, der Ganges,

ob der Nil durch seine Länder fließt,
nehm ich Theil an jedes Volkes Freude,
das der Freiheit goldnes Glück genießt.