Bock’s neuester Mahnruf

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Textdaten
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Autor: A. Fr.
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Titel: Bock’s neuester Mahnruf
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 608
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[608] Bock’s neuester Mahnruf. „Ueber die Pflege der körperlichen und geistigen Gesundheit des Schulkindes!“ So lautet der schlichte Titel einer in hohem Grade ernsten, tief in die Gewissen greifenden „Mahnung“, welche Professor Bock in Leipzig soeben in einem selbstständig veröffentlichten Schriftchen an Eltern, Lehrer und Schulbehörden gerichtet hat. Die Wichtigkeit des Themas wird seit Jahren nicht mehr in Zweifel gezogen, da ja sehr viel und schon manches Tüchtige darüber gesagt und geschrieben worden. Noch niemals aber ist es in seiner Bedeutung, seinem ganzen Zusammenhange und in allen seinen Einzelnheiten so scharf als eine öffentliche Frage betont, noch niemals so gemeinverständlich und mit einer solchen Wärme nachdrücklicher Ueberzeugung der Gesammtheit an’s Herz gelegt worden, wie wir es jetzt von dem verdienten und weithin anerkannten Gesundheitslehrer des Volks auf den wenigen Seiten seines neuesten Schriftchens behandelt sehen.

Bock zieht nur die Summe, verfolgt nur die natürliche und nothwendige Consequenz seines langjährigen volksthümlichen Wirkens, wenn er jetzt mit so hingebender Aufmerksamkeit bei den Erziehungsaufgaben verweilt, und das wirre Durcheinander der vielen ungelösten pädagogischen Fragen auf die Gesetze des menschlichen Organismus, die unwidersprechlichen Erkenntnisse und Forderungen der wissenschaftlichen Menschen- und Gesundheitskunde zurückzuführen sucht. Die Masse der heute Erwachsenen ist zum großen Theil schon durch anerzogene Irrthümer und Gewohnheiten für eine naturgemäße Verbesserung ihres Lebens verdorben. Was in dieser Hinsicht der Fortschritt der neueren Forschung an sicheren Einsichten, an positiven Lehren und Regeln gewonnen hat, wird erst ein kommendes Geschlecht in ausreichender Weise für sein Glück und Gedeihen, sowie zur Verscheuchung und Fernhaltung störender und herabdrückender Uebel verwerthen können. Zu einer solchen Verwerthung aber muß die heranwachsende Jugend körperlich und geistig befähigt und erzogen werden. Wie in Deutschland die Bewegung unseres Jahrhunderts, die Verwirklichung des modernen Humanitätsgedankens zuerst mit einer pädagogischen Bewegung, einer Reform des Erziehungs- und Unterrichtswesens begann, so wird auch erst eine durchgreifende Umbildung der Erziehung und der Schule den Boden bereiten, dem ein gesundes und ungebrochenes Volk entwachsen, auf dem es ein wahrhaft freies und menschenwürdiges Dasein sich gestalten kann.

Das sind die großen politischen und socialen Gesichtspunkte, welche in Bezug auf die innere und äußere Einrichtung der Schulen, auf die Bildung der Lehrer und die Behandlung der Kinder den ganz bestimmten Anweisungen und Forderungen Bock’s zu Grunde liegen. Zugleich aber pochen dieselben auch jedem Einzelnen an’s Herz, decken sie die Ursachen wesentlicher Störungen, schwerer Sorgen und Leiden des Familienlebens auf, erinnern sie Eltern und Lehrer an die aus Unwissenheit und gedankenlosem Schlendrian so oft von ihnen vernachlässigten Pflichten gegen die ihnen anvertrauten Menschenleben. Dies Alles in der knappen, klaren und eindringlichen Weise, welche den Darlegungen des Verfassers ihre anregende und charakteristische Färbung giebt. Ganz abgesehen von dem bedeutsamen Gesammtinhalt finden sich viele goldene Sprüche in dem Büchlein, die jeder Denkende in sein Notizbuch schreiben mag.

Da man in Deutschland noch auf die Stimme wissenschaftlicher Autoritäten zu hören pflegt, wird hoffentlich das hier von Bock unserer Zeit vorgehaltene Sündenregister nicht ohne die entsprechende tiefe Wirkung bleiben.
A. Fr.