Chronicon der mecklenburgischen Regenten/Das Erste Buch

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[565]
Das Erste Buch.
Von dem Uhrsprunge des Königlichen Hauses zu Mecklenburg, etwann Obetriten genandt.
Das erste Capitel.

DIeweil ich mich hab unterstahn Origo Regiae Domus Obotritarum.[s 1]
So will ich auch nicht abelahn
Von dem ersten Herkommen sprechen,
Der Obetriten Könige rechen.
Und welcher was vergessen gantz
Bringen in der Schrifft Glantz
Ihr Uhrsprung reicht von Alter schon,
Vom grossen Alexander und Amason
Das zeigen an die Bücher und Wende
Die stehend gemahlt nicht unbehände.
Den ersten Platz die Amason han,
Orethia die Königin trägt die Fahn
Der Obersten Königin Tochter werth,
Nu möget ihr hörgen wer begehrt
Wie Mecklenburg von Alexandro kömt
Und solt das niemand haben frembd
Als Alexander die Welt fast gar,
Uberwunden hatte mit seiner Schaar
So kam er auch in Schyter Land,
Das ist den Gewanderten wohl bekand.
Da wohnete inne zu der Zeit
Frauen geschicket zu den Streit,
Die wahren genennt Amason
Thalestris trug die Zeit die Crohn,[1]
Die kam do ihm entgegen vorwahr
Mit 300. Jungfrauen was ihr Schaar.
Und begehrten von ihm zu empfahen Frucht
Und seinen Obersten Herren mit Zucht
Dreysig Tage[2] sie in Freuden lebten
Darnach Alexander do dannen strebten.
Und kam in Babilon in die Stadt,
Seine Herren machten einen Rath
Wie sie mit Gifft ihm umme brächten,
Die Lande so brächten zu ihren Geschlechten.
Antipater was der Hauptmann ein
Drey Söhne er hatte gar schön und rein
Cassander Philippus Jolba (Tolla) genant
Die Credentzen dem Könige aus ihrer Hand.
Sein oberster Artz hieß Thessalus
Der lud den König in sein Huß
Ein Gifft er zuricht solcher Krafft
In keinem Metall möcht werden behafft,
Allein ein Pferdes-Hufft könte das halten,
Beybrachten das dem König zu unsalten,[3]
Von Stund an als er den Trunck gethan
Ihn bedaucht ihn hätte ein Strahl durchgahn
Auf den höchsten Berg der Stadt gar eben
Da wolte er nehmen ein Ende seines Leben.
Seine Herren und Ritter groß und kleine
Er gesegnet gar freundlich in gemeine
Und befohl ihn auch aus milder Arth
Ihren Eltern u. Freunden ein glückseelig Fahrt.
Seine Tugend er auch am Ende gar milde
Beweiset als zimbt einem treuen Hilde,
Sie fragten wer nach ihm solt walten
Unter seinen Söhnen jung oder alten
Er sprach mein Kind, dich wähl ich nicht
Unter euch den besten hält Königl. Pflicht.
So lag er biß in den sechsten Tag
Bis daß dem Helde seine Stimme erlag,
Da gab er seinen Daumen-Ring reine
Perdiciæ dem Fürsten, da ward gemeine
Erhaben ein Haß unter allen Herren
Umb die verlassen Land sich hub ein Zerren.
Ein jeglicher wolte ein Stücke haben,
Da schlugen sich todt die truen Knaben.
Unter einander keiner länger wolte harren
Das weissaget der König am Leben den Narren
Daß sie von solcher Untreu wegen
Begängniß mit ihrem Blute solten pflegen.
Die Zeit da flohe solch Ungemach
Einer der Herren und fürchte die Rach Anthyrius
Der nahm mit sich eine grosse Schaar
Die wurden genant Obetriten fürwahr
Das ist in Grichischer Sprache, harde,[4]
So viel gesagt die bunte[5] Garde, Obetritarum etymon.
Und kahmen erst an diesen Ort
Ein Ochsen-Kopff ward ihr Schild do fort.

Das II. Capitel.
Woher dann der Ochsen-Kopff kommen.

DEn Ochsen-Kopff führte die Schaare do alle, Bucephalus Alexandri.
Aus Alexander Gedächtniß und Schalle.
Denn er ein Pferd hatte Bucephalus genant
Das hatte ein Ochsen-Kopff wohl bekandt
Und dazu fornen Menschen-Füsse
Menschen-Fleisch dat schmeckt em süsse,
Sonst aß er nichts, das gab man ihm gnug
Derjenen, die verdient den Todt mit Unfug.

[567]

Der König Capadociens seinem Vater das schanck,
Philippo, das war ihm grossen Danck,
Als Alexander eben was alt
Funffzehen Jahr, er ritte das bald
Ohn Wissen seines Vaters durch die Stadt
So wilde, der Vater erkandte aus Rath
Solches Wunders, er würde nach ihm regieren
Und schenckte ihm das zu seinen Zieren.
Und setzte ihm auf einen Königlichen Wagen
Hundert Pferde do seiner Hute pflagen
Darzu gab er ihm Goldes Krafft
Des Pferdes Tugend was mannighafft
Wenn es mit seiner Decke beladen,
Kein ander darauf kont sitzen ohn Schaden
Denn Alexander. Nun höret fort an
Unter ihm ward wund im Streit Theban.
Doch wolt es den König nicht verlassen
Es liebte den König in solcher massen.
Kein anders ihn nicht wolt lassen schreiten
Nicht wolt das Pferd von seiner Seiten.
Und darum war der König ihm so hold
Er liebte das Pferd über Silber und Gold.
In Indien that es ihm Hülffe zu hand
Gegen Porum den König auf einem Elephant;
Den König überwand Alexander harte,
Der wundet ihm aber das Pferd Bucephal unzarte.
Doch wolt es nicht dem König übergeben,
Es trug ihn aus dem Kampff noch leben
Darnach fiel es nieder und starb,
Alexander do dannen groß Leyd erwarb.
Er ließ es begahn, wie man Königen pflegt,
So zu grossen Leyd ward er bewegt,
Und bauet do an dem Ort ein Stadt
Der Ochsen-Kopff ward genant mit Rath Bucephalia.
Zu Gedächtnis des Kampff und Pferdes guht,
Das da vergossen hat sein Blut.
Dadurch er Porum überwand
Und gab ihm doch wieder sein Land,
Darum, daß er sich also theure
Männlich beweiset ungeheure.
Die Stadt nicht ferne liegt gar schön
An Orten da wohnen die Amason.
Die bunte Garde mit derselben Schaar Obotrita.
Erst kommen hieher das siehet man klar
In Büchern und alten Wenden Glantz,
Die Amason tragen die erste Schantz
Den Ochsen mit der güldenen Crohn,
Die Obotriten noch führen der ist schon.

Das III. Capitel.
Von den Ursprung der Amason.

NUn will ich kürtzlichen überschlagen Origo Amazonum.
Vom Uhrsprung der Amason auch euch sagen.
Zwene Jünglinge Plinos, Scholopitos zwar
In Zeiten als lebte Vesores fürwahr,
Egypter König, er Rom began,
Vier hundert und achtzig Jahr Sünder wahn.
Die jünglich hatten zu rauben Lust
Darumb sie vertrieben der Adel mit Kost.
So flohen sie in Capadocien bald
An das Wasser Thermodoonten kalt
Do trieben sie Raub nach alten Sitt
Mit ihrer Gesellschafft ihn hülffen mit.
So lang ihr Nachtbahr schlugen sie todt
Mit alle den ihren in solcher Noth
Ihre Frauen gedachten ihn do gantz leide
Ahne Mann zu seyn, waren ungeneide;
Und funden nach Ahrt einen schnellen Rath
Schlugen fort zu Tode mit Männigl. That
Die Alten und Jungen zur Uebermaß,
Ihr Wapen sie nahmen und lobten fürbaß
All ihr Nachbahr ümme sie gleich,
Und machten all ein frölich Reich.
Ueber die Insull sie behielten dar
Etzliche Manne zu dem sie für wahr
In den Mey zogen und worden groß
Gebahren die Mägdlein, waren ihr genoß
Und brandten ihn bald die lincke Brust
Auf daß nicht irret mit Streit mit Lust.
Den Knäblein sie brachen Arm und Bein
Und schickten sie ihren Vätern so klein
Die rechte Brust nähret die Mägdlein zart.
Nu höret weiter von ihret Arht.
Jagen und reiten müssen sie alle,
Schiessen und streiten mit grossen Schalle
Marpesia und Lampedo rein und schon
Erst trugen derselben Frauen Crohn.
Und baueten eine Stadt Themiscina (Themscira) genand,
Ihrer Reiche das heisset der Amason Land.

Das IV. Capitel.
Von den Gesetzen der Amason.

IHre erste Königin ihne gab Gebot
Vor allen Dingen solten ihren Gott Earum Leges & instituta.
Martem und Dianam milde,
Sie gewonnen bald mit Heeres Schilde
Thraciam, lieget über Tanaim den Fließ
Die Türcken do wohnen zu ihrem Genieß.
Scheidet Europam und Asiam Reich
Aus dem Raub die baueten Tempel gleich
Und bezwungen sie der mit ihrer Gewalt
Assirien in Heydenschafft mit Kriege bald
Ueberwunden Europa das grosse Theil,
Wenden und Teutschen mit grossen Heyl.
Bis an das Welsche Gebirge mit Rath
In Schwaben sie baueten eine Stadt
Nu heisset Auspurg und der vielmehr,
In Heydenschafften Ephesum anzeiget der Ehre (die Lehr)
Darnach erschlagen ward im Streit,
Marpesia in Beschirmung ihres Reichs weit.
Ihre Tochter Orethia ihr folgte nach
Zu streiten in all ihr Däge was Jach

Das V. Capitel.
Wie das Reich der Amasonen ist untergangen.

NAch solchen Streiten fest und hart Et interitus.
Von ihnen geschehen zu mancher Fart
Hercules der starcke und würdige Mann
Welchen kaum Schrifft voll loben kan
Dem ward gegeben unter andern Gebot,
Von Euristro dem Könige sunder Spott.
Dieweil er so berühmt wolt seyn,
So solt er hohlen mit Tugend fein
Der Amazon Königin Hypollite genand,
Gortel der was do wohl bekant
Hercules hatte des groß bedacht
Und darauf trachte bey Tag und Nacht
Nahm zu ihm, da die Jüngling all,
Aus Grichen welche hatten von Ruhm ein Schall.

[569]

Aber nachdem wahren die Knaben jung
Getraut er ihm nicht nach sein Bedunck
Die Amazon anzugreiffen sunder List
Uberschifft das schwarze Meer sunder frist
Und kam bis an den Fluß Thermodont
Sein Gezelt so schlug er zu der Stund,
Neben der Stadt Themisora genant
Heimlich erst ward sein Kommen bekandt.
Zur selbigen Zeit so waren gar schon
Antiope und Orethia der Amazon Cron
Zu dem schickete Hercules werth
Von ihnen Hypolyten Görtel begehrt
Das was den Amazon seltzsahme Mähre,
Wer sie so schmähet, und wer der wäre?
Da Hercules Bottschafft wieder kam
Er ihrer streitlichen Kommen vernahm
Dir erste im Streit Aella zart,
Hercules erschlug in schneller Fahrt
Darnach so kam Philippis bald
Prothoe macht sich auch in Halt,
Die was so theurste und lobesahm
Sieben Kampff gewonnen von dem Mann.
Die blieben alle schnellig todt
Euripia die hatte guten Moth
Die höchste erfahren in Streite Recht
Getrauet ihr selbst über fräulich Geschlecht
Ihr folget Theleno, Phaste, Arthemis,
Dejamira, Asteria, Marpesalis
Darzu Thermessa und Achlippe fein
Ein Huter in Hypolite Görtlein:
Die hatte Gott ewig Keuschheit versprochen
Behielt die, wie wohl ihr Leben gebrochen
Menalippe da hatte den Oebersten Staat,
Sie sprach ich weiß dem Wesen kein Rath
Den Scepter warff sie auf der Erden
Als nun Hercules ertödet die Wehrden,
Die andere brachte er bald in Flucht
Er solt das aber nie haben geducht.
Wie sie des Streits wären gewarnet
Er muste das haben theuer erarnet,
Dann sie in Frieden hoch da waren
Als je gewest in vielen Jahren,
Besorgten sich nicht der frembden Gäste
Ueberfallen sie in ihrer Veste
Unter den gefangenen Jungfrauen schon
Antiope und Menalippe der Amazon Cron
Von Hercule worden des Lebens getröst
Hyppolite ward auch vom Tode erlöst
Vom Hercule und gab sie Theseo hold
Mit Hypoliten Gortel vor sein Sold
Die nahm der Held zu einer Frauen
Menalippen Hercules; Nu möcht ihr schauen,
Aus rechter Milde er wiederschenckte,
Antiope ihrer Schwester, damit sein gedenckte.
Das waren der alten Helden Gebehrde
Man findet ihr nun gar wenig auf Erde.
Ihr Keuschheit Er der Jungfrauen ließ
Nahm allein ihr Wapen zu genieß.
Nach solchen Streit die andere Land
Verschmähten auch der Amazon Hand
Und dachten sollen uns so Frauen zwingen
Mit Macht brachen sie aus ihren Gedingen,
Und nach Orethyam der König werth
Pentasilia trug der Cronen Schwerdt.
Die kam gegen Troja zu Solde reich
Mit tausend Jungfrauen zum Streit gleich
Zu Hülffe dem grossen Hectori eben
Nach seinen Todt auch ließ ihr Leben.
Von der so spricht Virgilius milde,
In Trojen war untern höchsten ein Hilde (Held)
Nach ihren Todt sie kommen in Noth
Ein Theil von Bellerophonte in Todt.
Was Glauci Sohn ein König Corinthier
Alexander überfiel sie seither
Doch that er wenig ihn in Streits Krafft
Mit Freundschafft was ihm mehr behafft
So ist vergangen der Amazon Reich
Wenig find man nu ihnen gleich.

Das VI. Capitel.
Von den Göttern der Obetriten, welche fast alle Wenden angebethet haben.

DEr Obetriten Sitten was dar Idola Obetritorum.
Die Abgötter ehreten Sie alle fürwahr
Doch beten sie nicht an wie Gott,
Umb Fürbitt sie ruffen sonder Spott
Zu ihnen bey den Schöpffer gleich,
Der gemachet Himmel und Erdreich
Welchen Menschliche Sorge kümmert nicht
So was ihr Gemüth zu ihnen verpflicht
Am heil. Tage kam jung und alt
Nach Lehre des Priesters mannigfalt
Ein Altar aufgerichtet hoch
Zu dem so was dem Volcke Joch,
Sie brachten Schaafe und Rinder viel
Hüner und Gänse war ohn Ziel
Die Thiere sie für dem Altar schlugen
Das Blut sie auf dem Altar trugen
Das was ihre Weise und dabey neben
Die Christen sie brachten von dem Leben.
Ihre Gedärme sie ihnen wanten aus dem Leib
Es waren gleich Mann und Weib
Wie etwann Sanct Erasmo geschehen
Denn sahe man den Priester abe hergehen
Vom Altar, und truncke das warme Blut
Und sprach das düncket unserm Heiland gut.
Und wenn das Ambt ein Ende nahm
Essen und Trincken häuffig kam
Und nach der Fülle man sang und sprang
Biß daß die fenster Nacht her drang
Ihr Priester geboht ihnen allzeitgleich
Dem Armen solt mittheilen der Reich
Und Spital haben zu den Armen
Der Wanderer solt man sich erbarmen
Und wer dem Herberge je versagt
Die andern kahmen unverzagt,
Und brandten ihm abe Hauß und Hoff
Trieben hinweg die Kälber und Schaaff,
Wann ehe sie Streits wolten pflegen
Ihr Korn sie vergruben allerwegen.
Und was sie hatten in dem Wald.
Sie bezwungen ihre Feinde zu Schiffe gar bald.

Das VII. Capitel.
In welchen Städten ihre Götter gewohnet Radegast, Siva, Prone, Svantevit, Flies.

ZU Mecklenburg in der wehrten Stadt Radegast.
Radegast[s 2] man da viel Ehre that
In sein Tempel und noch vielmehr
In einer Stadt genant Rethre[s 3]
Die lag etwann von Malchin nicht weit
Was groß und mächtig bey der Zeit
Neun Pforten hatte die Stadt gar eben
Mit einem tieffen Teich umbgeben
Die Stadt hatte nur einen Ausgang
Ueber eine Brücke schmal und lang

[571]

Die Brücke reicht bis über die Poen[s 4]
Da dürffte niemand übergehn
Er wolte den Opffern Radagast
Der saß in einem grossen Pallast
Unter vielen Göttern eben
Alle Wenden müssen ihm Opffer geben.

Das IIX. Capitel.
Vom Prone dem Gott.

PRone der wohnt zu Stargard weit Prone, Holstedt, Holsat.
Heist Aldenburg welche in Holsted leit
Aussen der Stadt das was sein Anger
Auf einer Eichen verzaunet durch Pranger
In seine Anger gingen ein 2. Pforte,
Da lieff man zu von allem Orte
Sein Bild stund auf einer Eichen Glantz
Um ihn den Gott ein grosser Tantz,
Da pflegen sie hin zu kommen alle
Jeglich Wochen mit grossem Schalle
Der Priester und des Priesters alten
Der Eichen alleine hatten zu gewalten,
Des Volckes greiff die niemand an,
Es wären Frauen oder Mann.
Bey deme Gott schwur niemand nicht
Und kam es aber von ungeschicht,[6]
Und daß er falsch schwur bey dem Gott
So kam er bald in Todes Noth
Tausend Götter stunden im Ring
Mit ihren Köpffen in seltzsahm Ding
Etzlich zweyen, dreyen und mehr
Von dem so gab ihrer Priester Lehr.

Das IX. Capitel.
Von Siva der Göttinnen.

ZU Ratzeburg in dem lustigen Ahrt Siwa.
Man Sivam ehrete zu der Fahrt
An der Pegnitz mit Silber und Gold
Der Göttin was man sünderlich hold
Sie was geziehret hoch mit Lusten
Mit Rosen und Lilien an die Brusten.

Das X. Capitel.
Von Svantevit[s 5] dem Gott.

IN Rügen der Insulen alt bekant Svantewit.
Liegt ein Stadt Archuna[s 6] genant
Gantz lustig und etwan fast und starck
Am Meer darinnen war sünder arg
Im Mittel ein Tempel groß und fein
Einen Gotte gemacht mit grossen Schein
Der hatte vier Stirn und Augen darnach
Damit er an alle Orte sach.
Ein Horn trug er in der rechten Hand
Ein Pferdes Sattel hing an der Wand
Zu deme so kommen alle Jahr
Die Wenden im Herbst, das ist wahr,
Und brachten dem Gott Silber und Gold
Sein Priester der hatte reichen Sold
Er hatte einen Bart, der was wat lang
Sein Haar zurück in Schnürlein zwang
Gleichwie die Mägdlein Zöpffe tragen
Dem kamen viel Opffer in sein Kragen
Wann er den ersten Tag bedacht
Das Amt, den andern Tag er bracht
Das Horn und schauet das gar gleich,
Und was das voll, so rieff er reich,
Wollen wir leben alle dis Jahr!
Was es aber leer vor war,
Es wird ein Theurung dis Jahr werden
In diesem Ort und unser Erden.
Darnach so trang er nicht geringe
Das Horn gantz aus war sein Gedinge
Und füllet das wieder, und ließ es stahn
Bis über ein Jahr, die Frauen und Mann
Die Zeit auch kauffen der Fische viel
Hering den fing man zu dem Ziel.
Ich bin noch nicht berichtet eben
Was Nahmen dem Gott erst was gegeben
Woll find ich daß Kayser Carolus Sohn
Von Franckreich König Ludwig schon
Der sandte ihn etliche Mönche dar
Von Corvei mit Sanct Viti Lahr
Sanct Vit sie solten ehren alle
So nahmen sie bald mit grossen Schalle
Und satzten ihren Gott an seiner Statt
Erworchten die Mönchen aus bösen Rath
Und nanten ihren Gott Svantevit,
Von Dennemarck Boldomar[s 7] nach der Tit
Ein König gewahn die Stadt und brach
Den Tempel zustört, in ungemach
Ihr Gott do kam, man nahm das Bloch
Die Speise mit machte des Königes Koch.
Man lest den Teuffel gantz schwartz und wilde
Selbst viert er ausfloh von dem Bilde.

Das XI. Capitel.
Von dem Flinß dem Gott.

DIe Lausitzern hatten auch einen Gott Flins.
Und hielten mit die Wendisch Gebott
Auf seiner Schulter er trug gar schon
Einen Löwen der was so gethon.
Er rieff wohl in der Lufft gar helle,
Sie hofft nach ihrem Tod gar schnelle,
Er sie sollt wecken und bringen mit Schalle
Zu dem lustigen Paradise alle.

Das XII. Capitel.
Von dem Begräbniß der alten Obetriten.

DEr Obetriten Begräbnis schlecht Modas Sepultura Obotriterum.
Auf Bergen darumb gantz gerecht
Gelegt Steine groß im Ring
Daß was uff die Zeit ein herlich Ding.
Im Mitten da wurden die Herren begraben,
Oder ander herrlich und mächtige Knaben.
Der ist das Land noch allenhalben voll
Dabey man sie erkennen soll
Ein Theil haben auch verbrennen lassen
Gelegt im Krüge recht an die Strassen
All man jetzo zu grossem Heil
Herren Heinrichen dem Fürsten gebracht ein Theil,
Ungefehrlich ausgraben und funden
Dem löblichen Fürsten bey sein Stunden
Er würdig, daß er erst möge schauen
Seiner Vorfahren Altheit mit seinen Augen
Die Lande haben itzt noch vor Sitt
Der kömt den Schyten eben mit.
Wann ehr der Frauen verstirbt der Mann
Ihr besten Braut-Kleider thut sie an
So hilfft sie ihn zu Erden tragen,
Ist wohlgeziert, ich will das sagen,
Die Nacht auch weil die Leich noch stet,
Man trauret nicht fast es ist ihr söt,
Sie trincken und murmeln die gantze Nacht,
Nach Schytischer Weise, als hergebracht.

[573]
Das XIII. Capitel.
Von der Verbündniß, die die Obetriten haben gehabt mit dem Reiche, das nun Franckreich heist, ehe es noch Franckreich geheissen, vor dem grossen Carolo, als sie noch Galli hiessen.

VIel Jahr vor Carolo Kayser werth Obotritarum Foedera cum Francis.
Welchem der Frantzosen Reich beschert,
Welcher erst aus Orient das Römische Reich
Her wieder gebracht an Teutschland gleich.
So hatten der Obetriten König
Mit den Gallen alte versöhnlich
Das schreibt Kayser Carol ihnen selbst nach
In dem Buch, das Ludwig sein Sohn ersach,
Er hat auch ihnen bey seinen Zeiten
Geholffen wieder ihre Feinde streiten.
Als ihre Nachtbahren sie alle befielen
Die Obetriten thaten Bohtschafft wielen
Gegen Franckreich zu Carol dem werthen Mann,
Der nahm die Bothschafft würdig an,
Darum sie waren der alte Bund
Der Gallen und sprach do zu der Stund
Ihr sollet frölich ziehen nach Hauß
Und folgte ihnen balde und machte sich aus
Mit grossem Schaar in Obetriten Land
Und verjagte ihre Feinde mit seiner Hand
Auch verschafft so viel der theure Hild
Nicht solten kehren ihren Schild
Die Feinde mehr über Obetriten
Dem alten Bund mit Raub und Striten.
Man findet auch Anzeige, daß
Er jung in König Oritbertus Hofe was,
Und als er der Sachsen Streit vorwahr
Umb den Glauben gab 33. Jahr
Die Obetriten Heyden waren und wilde
So begriff er doch mit seinem Schilde
Nie der Obetriten Reich,
Vielleicht beschehen darum gleich,
Er wolt den Bund nicht brechen vor allen
Den sie vor ihm hatten mit den Gallen.
Er beschreibt selbst des Landes Ort
Darumb will ichs sagen fort.

Das XIV. Capitel.
Von Gelegenheit des Landes, das etwan Obetritae, und nun die von Mecklenburg heissen, mit den Fürstenthumb die darin gehören, und mit daran sind.

OBetriten liegen hart an der Trabe Situs regionis.
Die gehet von Lübeck nach Meere hinabe
Zwischen dem Oder und Elben breit
Von Mitternacht an das Meer geleit
Den Mittag nimmt die Elbe fin,
Der Aufgang Pommern und Stettin,
Von dem Abend die Regnitz und Trabe
Die Ratzeburger stossen auch dar abe
Nach Gadebusch da was alt Radegast
Anzeiget, das Wasser die Stadt macht fast,
Das heist nach Radegast sünder Spott
Der Nahme kömt von ihrem Gott
Entspringet ein halb Meile lang
Ueber die Stadt der Anfang.
Der Wismar gegnet an dem Meere
Da liegt die Stadt, die suchen sehre.
Die Schiffer nach der Mitternacht
Zu schiffen ist sie wohl bedacht
Hart dabey da liegt auch Poele
Die Insel hat der Hafen viele,
Mecklenburg etwa lag an der Seite
Und war wohl fünff Meil Weges breite,
Nu ist es gantz verstöhrt und wilde
Die Gelegenheit man schauet mit ihrem Gefilde,
Der Seiten nach dem Aufgang wart,
Da liegt Rostock hübsch und zart,
Auch an dem Meer, da schifft man abe
Gegen Dennemarck nach der Dänischen Habe
Nach Rostock da liegen eben gleich
Lutitii[s 8], das ist ein altes Reich
Getheilet in vier Volck nach der Aelt
Zwey sind über die Peene gestält
Das ist Stargardt, und die von Rhete[s 9]
Die alte Stadt ist nun nicht mete,
Nien Brandenburg das ist baß bekant
Zwey Volck liegen an der Peen genant
Die Kyssiner[s 10] und ihre Mitgenossen
Welch von der Peen gantz an sie stossen Circipaner.
Von Malchin kömt man auf Wahren
Nach Taterau[s 11] und Güstrau sonder fahren
Da hebet sich an das Wendisch Land
Do Sternberg liegt gantz wohl bekand
Darnach so folget auf der Seite
Plaue und Lübs, do dannen nicht weite
Parchim stösset an die Thür
Den Gabelheiten wird ihr Leben führ, Gabelheider Wenden.
Die sind allein der Sprache nach Wenden
Die verstreuet zu manchen Enden
Dieselbige haben Gewohnheit alt
Wann jemand ward vom Tode kalt
Sie folgen ihn mit Gesange zu graben
Zuletzt muß er einen Ehrentrunck haben Eorum mores.
Den Giessen sie ihm woll in die Gruben.
Im Sommer so lauffen sie üm ihre Huben
Wohl über ihr Feld mit grossem Sange
Ihr Pucken sie schlan mit einer Stange,
Die Pucke von eines Hunds-Haut zwar
Sie machen sie zu mit Haut und Haar.
Und meinen so weit die Laut erklingt
Ihr Regen und Donner nicht Schaden bringt.
Ihr Priester ist der erste in Reihen
Der tritt ihm vor dem Tantz in Meyen
Wendischer Sitt ist ihm bekant
Jetzo ist er Sclavasco genant.
Der Wasser haben Obetriten genug,
Viel hundert See ist ihr Gefug
Die Stepnitz Elde und Havel zuvorn,
In Stargard da entstehet ihr Born.
Die Süde laufft über die Gabelheyde
Mit der Schaal kommen in die Elbe beyde.
Warnau fliest von Werla dan
Dem Schloß nach Rostocker Bahn.
Der grösten See ist einer Plaue
Daran so stossen 12. Städte genaue,
Schwerin ich halte vor die Crone, (Schwerinum)
Das Schloß ümbfleust ein See, ist schone.
Von dreyen Meylen ist er lang
Im Meyen umb ihn viel Vogelgesang
Und wo in vor Zeiten gewohnet han
Die Wenden, da sind nun ander Mann.
Umb Mecklenburg der Flemmige grosse Macht Teutsche Colonien in Wenden-Land.
Ihr Hauptmann der Zeit der heiß da Schacht,
Westphalen, Jülichr und von der Maaß

[575]

Gellren und Holländer, war ist das.
Do danne ist ihre Sitte nicht gleich
Die haben nun innen der Wenden Reich.

Hier fähet an das Leben der Könige der Obetriten, und folgenden Fürsten.

VIel grösser Streite und Zahl der Jahr Vita Obotritarum.
Die haben vergessen viel Könige vor wahr
Der Leben und Nahmen ich finden nicht kan
Darümb so will ich heben an
Von den so öffentlich von geschrieben
Was sie in ihren Leben getrieben.

Das XV. Capitel.
Vom Könige Wisimaro dem ersten, der hatte Wismar inne gehabt, von dem Wismar die Stadt den Nahmen hat.

IN Zeiten, als lebete Constantin Rex Wisimarus.
Der Kayser, die Gottländer alle mit Schien
Die Wendischen Herren sie griffen an,
Im Streit verjagten manchen Mann.
Die Zeit ihr König Wisimar
Der macht sich auf mit grosser Schaar
Und kam also gegen Ungern gleich
Der Kayser gab ihm in das Reich
Denn es war von Leuten bloß
Sie wurden des Landes Mitgenoß
Und blieben da viertzig Jahr
Die Zeit viel Streits offenbahr
In allen Orten sich entzund
Die Gottländer aber machten Bund,
Und jageten den König hinter sich
Er müste ihnen weichen sicherlich
So kommen sie wieder an das Meere
Seerauben pflagen sie die Zeit sehre.

Das XVI. Capitel.
Von dem Könige Radegast.
Da dannen auch noch Dörffer, Wasser und Abgötter ihre Nahmen haben, und wie der im Solde im Welschland ümbkommen, auch stehet in diesem Capitel von vier Königen die nach ihm kamen, von zweyen, welche etlicher genandt.
Wislaus, von einem genant Oritberthus, von einem genannt Bilungus, das ist der Allermächtigste gewesen.

MIt der Zeit alle Dinge verändert sich Radegastus.
Ein Wendischer Herr gedacht, will mich
In Streiten halten solcher massen
Ich will meiner That eine Ehre lassen.
Stilico was derselbige genannt
Theodosio dem Kayser wohl bekant
Er ward mit der Zeit so hoch im Saal,
Sein Sohn der Kayser ihm befahl;
Arcadium und Honorium werth
Der Wendische Herr fort dann begehrt,
Heimlich sein Sohn zum Kayser machen
Euterium genandt durch solche Sachen
Bedürfft er Hülffe und schrieb gar bald
Den Wendischen Herren, sie mit Gewalt
In Welschland kommen, da wäre gut Zeit,
Sie gedachten alle, möchten wir durch Streit
Kommen in so fruchtbahr Land
Sein Süßigkeit wird ihn so bekant
So ward versamlet ein grosse Schaar
Der Lande, die an die Wenden gehen gar.
Aus Schweden kam ihm auch eine Steuer
Radegast der war ungeheuer
Der solt der aller Haubtman seyn
Das that er gern im hohen Schein
Er zog mit 200000. Mann. (alii 400000.)
Damit er wolte Welschland bestahn,
Franckreich müst sich erst leiden
Nach Rom er zog in Storm und Streiten,
Die Römer hatten des wenig Lust
Sie schickten Leute mit Gelde und Kost
Begegnen dem Herren in frischer Fahrt,
Zurücke der König gejaget ward
Das geschahe ohn seinem Schaden nicht
Die Römer ihn fingen zu der Pflicht
Am Teutschen Gebirge er wolt davon
So must er da sein Leben lahn.
Sie würgeten ihn in dem Gefängnis abe
Sein Halß; ein solch Ende er muste habe
Und kam nicht wieder in sein Reich.
Nach seinen Jahren kämen gleich
Welcher That vergessen ist
An diesen Ort bis zu der Frist.
Die zween Wislai mit grossen gelingen
Viel Landes hatten von streitbahren Dingen
Des erbeten sie an Orithbertum dar;
Bey Orithberto dem Könige man lest fürwahr
Zu Hoffe ein Zeit Carolus jung,
Darnach so folgte König Billung
Der war der mächtigst unter ihnen fast
Von der Wichsel durch Pommern und Rügen mit Rast
Und Stargardt[7] da wohnten auch vor alt
Grosse Könige, er hatte innen mit Salt[8]
Die grosse Stadt Rhete und alle das Land
Das nun zu Mecklenburg ist genant
Die Ratzeburger Hosteter und Siegebergk
Und an der Trabe Nie Lübisch Wergk.
Hamburg und über die Elbe gar,
Bis an die Weser erst ende sich dar
Sein Reich, und wohnet zu Mecklenburg schon,
Den wahl man noch zeigt ein Königlich Crohn
Er macht zu Mecklenburg erst ein Tempel
Den Closter Jungfrauen zu einen Exempel
Er setzte darin seine Tochter eben
Odica genandt solt geistlich leben
Ihre Brüder trugen des nicht Freude
Mizislaus, Fredrich, Naco mit Leyde,
Sie waren ihre Brüder von der Mutter recht
Darnach ihr Vater nahm ander Geschlecht,
Wagonis des Bischoffs Schwester Sohn
Von Stargardt solt tragen ein Königlich Cron.
Mizislao solch Aendrung gantz that Zorn,
Sein Stieff-Mutter der Vater must lassen zuvorn.
Darnach stöhrte der Heyde unmilde
Das Closter und nahm seine Schwester so wilde,
Die Aebtißin, und gab sie auf der Fahrt
Booslav von Pohlen[s 12], dem König sie ward.
Die andern Jungfrauen gab er allen
Seinen Rittern, zu Frauen nach seinen Gefallen,
Im Rügen und Stargarder Land
Ihre Nahmen die wahren da wohl bekant.

[577]
Das XVII. Capitel.
Von König Billungs Söhnen, Mitislao, Frederich, Nacone.

DRey Söhne der König Billungus ließ, Filii Bilungi.
Sind oben genennet, sich ohn Verdrieß,
Mislaus des Reiches unterstund
Der Heydenschafft war ein fester Grund
Der bey seines Vaters Zeiten bedacht
Daß er seine Stieff-Mutter von ihm bracht
Welche war mit Christliche Lehre behende
Er bracht seinem Vater vor seinem Ende
Gantz von dem Glauben und daß er brandte
Die heil. Städte, ihre Diener schandte.
Da nun er starb, so ließ er nach
Mistevoy den Sohn und Misidrach.

Das XIIX. Capitel.
Von Misislai Söhnen, Mistevoi und Misidrach.

MIstevojus und sein Bruder schon Filii Misislai Mistevoi & Misidrach.
Die trugen des Reiches Oberste Crohn.
Nach ihrem Vater und dachten eben
Sie wolten führen Christen Leben
Mit den Sachsen hatten sie viel Streit
Pommern das war ihr noch die Zeit
So begab sich dabey seinen Tagen,
Kayser Hinrich thät sich fast beklagen
Ueber Hertzogen Berend von Sachsen stoltz,
Den folgte Mistevojus über Berg und Holtz
Mit tausend Pferden, durch seine Bete
In Walland er und auch seine Rähte,
Verlohren darin ein Michel[9] Theil
Derselbigen man in grossen Unheil,
Der Hertzog hat ihm zugesagt
So er den Zog mit ihm gewagt
Er wolt ihm geben die Tochter seyn,
Das wehrt Marggraff Diederich und sprach, das Schwein,
Ist nicht ihr wehrt, der Wendische Hund.
Der König zog von dem Tage zur Stund,
Der darüm was geleget gar
In Beysein vieler Fürsten Schaar.
Der König berieff sein Land do gar
Gegen Rethen die Stadt, und sprach fürwahr
Die weil ich werd geschätzt ein Hund,
Zähne will ich haben in mein Mund.
Wie wohl nun zu ihm die Seinen sprachen
Wir solten wohl gar faul sein zurachen,
Du hast dich zu den Christen wolt kehren
Vom Wendischen Blut, das thut uns sehren.
Doch zogen sie mit dem Könige bald
Dieweil der Hertzog in Waland stallt,
Zurächen an den Kayser sich,
Holstein du nahmst über dich
Stormarn und Dittmarn er do brandt
Alle Kirchen und Diener allenthalben schandt,
Zu Stargardt, das nun Altenburg heist,
Der Priester erwürget er allermeist,
Die schlachte er wie man pflegt das Viehe
Ein Theil er führte durch Wendland je
Den waren gebunden zurück ihr Hände
Von einem Ort zum andern Ende
Er schneit ihren Kopff Creutzweise,
Unter ihnen ihr Probst Odoacer leise
Mit ihm do nahm die Marter Cron,
Hamburg auch nahm von ihm den Lohn.
Do waren die Zeit geflohen hin all
Der Christen Obersten mit Ungefall,
Die erwürgte da in grosser Schaar
Und tilgete den Glauben, der vor war
Unter dem Otten von Sachsen frey
Er wurtzelt auch, must an die Rey
Marggraff Diedrich von Soltwedelkreich so last,
Er ward seines Landes do gantz ein Gast,
Zu Magdeburg krieg er ein Praebende
Do must er bleiben an sein Ende.
Erst als König Mistevoy worden alt
In solcher Tyrannischer Gewalt
Da kam Ihm Reu und ward ihm leyd,
Gegen Bardewick zog er ungeneyd
Und lebte in Elend alle seine Tage,
Und starb so Christlich fromm mit Klage.

Das XIX. Capitel.
Von den Söhnen die Mistevoi hinter sich ließ, genand Udo Anadrachus und Gneus.

ALs Mistevoi was gestorben die farth Filii Mistevoi.
Er ließ drey Söhne die waren zart
Udo der älteste der nahm das Reich
Er war sein Vater in Tugend ungleich
Seinem Vater er in Glauben nicht nachging
Das war den Christen schwerlich Ding
Den Glauben er stöhret, so meist er kunt
Das roch an ihm Gott in der Stund
In seinem Hoff er hat einen Gast
Der war aus Sachsen entronnen mit Last
Und gab sich unter dem Könige gar eben
Und bracht ihm bald von seinem Leben.
Durchstach ihm, so krieg er seinen Lohn
Wie wohl er sonst was weiß und schon.
Denn als zu Werben das Reich einen Tag
An der Elben hielt, da lag
Derselbige König gefodert dar,
Seines Rahts nahm der Kayser wahr,
Und hielt ihn für ein klugen Mann
Doch wolt er nicht den Glauben entfahn
Nach seinem Tode seine Brüder beyde
Das Reich einnahm mit grossem Leyde,
Anadrach ließ einen Sohn die Zeit,
Nicolothus des Gerüchte was nicht weit
Gneus auch ohne Erben verstarb
Nachdem das Reich Godeschalck erwarb
Der war des Grimmen Udonis Sohn
Der da folgte GOtt in Tugend schon.

Das XX. Capitel.
Von Könige Godeschalck des Grimmen Udonis Sohn, und von König Godeschalck Schwester, welcher Nahmen vergessen, kriegt einen Fürsten Blusso genandt.

König Godeschalck nach seinem Vatern Todt Godeschalcus.
Das Reich nahm alle unter sein Geboth
Doch ehe ihm das Reich genommen
Die Tauffe er wolt, und hat bekommen
Die Buchstab lernet jung mit Rath
Zu Lüneburg in der Wenden Stadt.

[579]

Was in der Jugend fromm und gut,
Aber da er hörte, wie hatte sein Blut
Vergossen Udo der Vater sein,
Ubergab die Lahr, und zog ohne Schein
Heimlich über die Elben zu Hauß
Gegen Wineta die Stadt in grimmigen Sauß. Wineta, eine berühmte Handel-Stadt.
Die lag in Pommern und was die Zeit
Der berühmtesten so in Europa leit.
Griechen, Russen, Musken und Pohlen
Die pflegten all Nahrung da hohlen,
Sie ward verstört und heist Wollin
Die Gelegenheit thut anzeigen Schyn.
Da nahm er an des Reiches Gewalt
Und that eine Rede dergestalt.
Er gedachte zu rächen seines Vaters Todt
Da kommen die Holstäter alle in Noht
Er macht sich auf mit seltsahmer Arth
Mit alle demjenigen die verkart
Waren, und bracht gantz in die Flucht
Was über der Elben, sie liessen mit Zucht
Hauß und Hoff und lieffen davon,
Die Zeit er zoch zu Solde stohn
Von Dennemarck König Canuto genant
Und ward sein Oberster Feld-Hauptmann zu Hand,
Wider Norwegen Schweden, und bracht sie bald
Mit Mord und Brand zu des Königes Gewalt
Er tast auch an mit streitlicher Hand
Den König von Engeland in seinem Land.
Verdienet also des Königes Kind
Von Dennemarck, die war ihm auch nicht find,
Syricta genant, war from und schon
Das was seines Königlichen Streites Lohn
Mit der so zog er über den Balt
Und kam zu Hauß mit grosser Gewalt
Die Seinen empfingen ihn alle mit Lust
Den richte er zu einen höfflichen Kost.
Und da er hatte betracht gar eben
Seines Vaters Grimheit und Heydnisch Leben.
Und sah auch wie sein Land verstörth,
Den Glauben er nahm an und bauete fort
Städte und Tempel und schamete sich nicht
Was ihme sein Meister in der Jugend bericht,
Seinen Wenden zu predigen zu der Stund
Denn sie verstunden nicht Teutschen Mund,
Jungfrauen und Monichen er machte,
Clöster, und darnach ferner gedachte
Er wolte gezogen seyn mit Krafft
Die Heydnische Völcker, mit Streite behafft
Bringen unter des Glaubens Ehre
Und als er seinem Volcke gab Lehre
Zu Lentzen, liegt an der Elben eben,
So nahmen ihn so sein Volck sein Leben
Neben seinen Priester Poppo genant
Und ander Geistliche da zu hand,
Verjagten die Wüterich auch seine Frau
Die Königin, möget ihr Elend schau,
Sie nahmen ihr allen Fraulichen Schmuck
Sie liessen ihr kaum einen alten Rogk,
Gegen Mecklenburg in die Stadt gar eben,
Sie zog darinnen, so hatte am Leben
Ihr Herr gebauet 3. Tempel groß,
Der Geistlichen ward sie dar Genoß.
Die Wenden liessen auch nicht abe,
Sie brachten der Christen mehr zu Grabe
Sanct Answer in der Ratzeburger Land
Gefangen mit den seinen zur hand.
Die tröstete der Werthe auf seinen Knien.
Die Wenden sahe man allenthalben ziehen.
Und steinigten die Christen Leute mit Schalle
So blieb er und seine Gesellen alle,
Von Mecklenburg Joan der Bischoff klug
Sie führeten gefangen mit Unfug
Durch alle die Stadt mit Kolben geschlagen
Zuletzt thäten gen Rheta ihn jagen.
Der grossen Stadt, und hieben ihn abe
Füsse und Hände, auf einem Stabe
Das Haupt sie antworten Radegast,
Die andere Gliedmaß alle fast
Sie streueten durch die Strassen breit,
Blusso der Fürst kam auch in Leyd.
Der hatte König Godeschalcks Schwester recht,
Der kam und wolte das Wendisch Geschlecht
Straffen, sie nahmen den Theuren unsüsse,
Sie hieben ihm abe beyde Hände und Füsse.
Bis von Sachsen Ordelaph genandt
Der streitet mit ihm in waffender Hand.
Zwölff Jahr nach bracht wenig Frommen
So gantz der Glaube was ümme kommen
So erhub sich da ein Streit gar balde
Unter ihnen selbst zu rechter Unfalde
Die Kyssiner überfielen der Rheten Land
Den Schatz des Gottes Radegast genannt
Sie wolten haben und begehrten ein Theil
Der Rheter und Stargarder zu grossen Unheil.
Verlohren den Streit zu dreymahlen
Sie besoldten die Dänen mit grossen Qualen
Das andere Theil hatte auch frembde Gäste
Das kommen sie beyde in grosse Läste,
Koch und Kelner schieden den Streit
Radegast war seines Geldes queit.
Die frembden Fürsten nahmen davon
Als man pflegt, den besten Lohn.
Von dieser Zeit der Thurn Altenburg Reich
In drey getheilet, Abelen gar gleich
Da blieb gegen Ratzeburg Aristo kam
Von Hierusalem aber Herr Johann der nahm
In Mecklenburg kam aus Schottland
Godeschalk dem Könige er was bekant
Der that ihme grosse Zucht und Ehren
Sein Volcker solte den Glauben lehren.

Das XXI. Capitel.
Wie König Godeschalck Lübeck erst bauet, und erst den Königen der Obetriten gehöret, darnach an viele Herren kommen, und zuletzt an das Römische Reich

ZWischen der Trabe und Wagnitz breit Godeschalcus fundator Lubece.
Die Zeit König Godeschalck erstlich leit
Eine Stadt die hatte der Nahmen viel
Bute, grossen Kollen, auch Lübeck mit Ziell,
Auf Wendisch Lübeca, ein Bulichen man nennet;
Und hätte auch jemand Poeten erkennet,
Der findet Bute in Frau Venus holde,
Die Stadt Frau Veneris Berg seyn solde.
Das ward auch mit der Zeit also
Frau Venus da ist allezeit froh.
Wäre auch jemand von Leyde halb todt
Ihr süsse Gnade die hilfft aus Noth
Sie mag verwandeln in alle Gestalt
So groß ist Frau Venus Gewalt
Die Altenburg König Godeschalck machte,

[581]

Die Stadt zu zieren er fleissig dachte,
Bute sein Sohn der wohnet auch da
In Königlichen Sahl und was des froh
Alß nun König Godeschalck ermordet was
Und Heinrich sein Sohn das Reich besaß
Da zog von Rügen Crito unmilde
Zu Hülffe den Wenden mit Spere und Schilde,
Der fing erst an das Schloß zu enden,
König Heinrich den ersten Tempel thät lenden.
Und überwand der Rügen Hand;
Vor der Stadt der Ranberg noch genant
Die todten Cörper muste dulden,
Der Obetriten Könige die Stadt muste hulden,
Dar kamen Pribislaus und Nicolot
Und andere mehr biß daß durch Noth,
So kam auch Adolph der Holstæter Grafen
Der hat erst Mauer und Torn erhafen,
Das bedaucht der Sassen Löwen nicht gut,
Sie halb zu haben das was sein Muth,
Seine Bothen er sandte aber gantz umsüst
Des kam der Graffe in grosser Unkost.
Der Lauwe verbrand in Oldeschlo
Die Sültze verstöhret, das ward er froh.
Die Stadt Luneburg bald hernach;
So kam die Stadt in Ungemach
Durch Feuer, do that der Lauwe Geboth,
Die Kauffleute solten sünder Spott
Der Stadt nicht nahen; und bauete gleich
Die Lauwen-Stadt, wolt die machen reich,
In Ratzeburger Lande und wuste die Stadt,
So fand Graff Adolph schnelle einen Rath,
Verkauffte der Lübischen Boden mit Grunde,
Do kam es zu derselbigen Stunde
An den Lauwen, der gab ihn reich
Freyheit und that ihm Hülffe gleich,
Und stöhret die Lawen-Stadt zu der Zeit
Lag an der Wagnitz dieweil nicht weit
Die Städte, die grossen Schiffe zu halten,
Er brach sie abe und führte mit Salten[10]
Die Gebaue gegen Lübeck und brachte do fort
Die Obetriten davon mit Raub und Mord,
In Holsteten bauet zu Aldenburg schone
Einen Stifft der nahesten Stiffte Crone
Darnach zu Ratzeburg auch ein Stifft,
Mecklenburg die Zeit auch begiefft
Von der Obetriten Lande,
Die brachte er gewaltig an seinen Hände,
Und gab den Bischöffen Güther genug
Und sprach zu ihnen nicht ungefug,
Von mir ihr solt die Lehen empfahen;
Wie bärmlich die Obetriten sahen
Bis das so lang sein Reichthum stund,
Kayser Friederich der ander brach sein Bund
Und aus dem Reiche verjaget 3. Jahr
In Engelland weit, das glaub fürwahr,
Und belagert da Lübeck die Stadt,
Der Ungern und Böhmen Hülffe das that.
Sie rieffen viel dicke dem Löwen um Treu,
Er konte nicht helffen, des bracht ihm Reu,
Und rieth sie solten dem Reich sich geben
Behalten ihr Habe, Schiff, Häuser und Leben.
So kam sie erst an das Römische Reich,
Ein König von Dennemarck dachte gleich
Die Stadt stund ihm recht zu Gate
Er kunte (kante) der Hafen merckliche bate.
Canut er hieß, und zog sie abe

[583]

Dem heiligen Reiche mit ihrer Haabe.
Ihm folgte von Jutland Woldomar,
Viel, überfals 24. Jahr
Sie litten und worden gefest mit Mauer
Ihr Unpflicht ward die Zeit ihm sauer,
So lange Kayser Friedrich weiß und milde,
Der brachte sie wieder mit Heeres Schilde,
Zu dem Reiche, und gab ihm viel
Der Freyheit, da ward zu dem Ziel
Die Burch gebrochen und Closter gemacht,
Die Stadt mit feinen Gebauen bedacht
Denn dreymahl ist die Stadt verbrandt
Ihr Ankunfft ist so recht bekant.

Das XXII. Capitel.
Vom König Godeschalcks Söhnen Bute und König Heinrichen, welcher gebohren von Syrithia des König von Dennemarck Tochter.

BUte Königes Gottschalcks Sohn Filii Godeschalci.
Geböhret nach seinem Vater die Cron
Aber die den Vater hatten erschlagen
Bedachten, er mochte die flüchtig, jagen,
Darum entsatzten sie ihn von Land
Seiner Mutter Geschlecht mir unbekant,
Aber Heinrich sein Bruder wohl gemuth
Gebohren von einer Königin gut,
Aus Dennemarck welche Syritha hieß
Der floh auch und sein Land verließ.
Zu Dennemarck blieb er manche Zeit,
Aus Rügen Crito gewann mit Streit,
Obetriten Land, was Grini Sohn,
Gegen Bardewick floh do Bute schon,
Die Fürsten von Sachsen rieff er an
Sie thaten Hülffe den wehrten Mann
Und brachten ihn wieder in sein Reich
Die Seinen sprachen zu ihm gleich,
Herr König ihr seyd den Christen hold
Wir geben euch des am Ende euren Sold.
So blieb der König geringer Macht
So lange Crito der Tyranne bedacht,
Und bracht durch List den Herren zum Tod,
Zu Plöne sein Bruder sprach: O GOtt,
Mein Bruder kömt so erbärmlich dan
Und machte sich auf mit manchen Mann,
Ueber den Wald (Balt,) und man da raubt
Und bracht hinweg was floh oder staubt.
Zum andern und dritten er wieder kam,
Der Güther der Wenden so viel er nahm
Zum letzten sie fast der Schimpff verdroß,
Machten ihn mit Crito des Reichs-Genoß.
Crito der that das um des willen
Sein Fürnehmen das wolte er bald stillen
Umbringen wie er sein Bruder gethan,
Die Königin warnet den theuren Mann;
Slavina genandt mit Liebe behafft
Des Jünglinges, durch ihre Hülff und Krafft
Als Crito auf einer Hochzeit saß
Durch trincken seiner Sinne und Witz vergaß,
Und zu der Stuben-Thür ausging
Ein Däne seine Axt gleich umfing'
Und schlug ihn für die Stirn gar eben
So brachte er den schnöden Tyrannen von Leben
Daß er fuhr blutig zu der Höllen Grund
Er hatte regieret zu derselbigen Stund,
Zu Mecklenburg vier und viertzig Jahr,
König Heinrich nahm seine Königin dar
Zu der Ehe, so hatte er ihr versprochen
So ward seines Bruders Tod gerochen.
König Heinrich machte der Freude viel,
Die Fürsten von Sachsen zu dem Ziel
Die Holsteiner nahm in seiner Gewalt
Sein Reich da hatte solche Gestalt
Von der Eider biß an die Weser stoltz
War alles sein, über Berg und Holtz
Zu Lübeck was sein Lager gemein
Das war ein Christen-Tempel allein.
Er bracht auch erst das Volck zufrieden,
Zu ackern und pflugen nach alten Sitten,
Die Strassen-Räuber er auch ausrotte
Die Wenden gedachten sonder Spotte,
Unser König der lebe in solcher Macht,
Das Seil recht über die Hörner bracht
Christlich zu leben und geben Tribut
Sie beriffen alle gleiche laut.
Einen Streit, der König unverzagt
Aus Holsten kam gegen ihn gejagt
Ohn Hülffe Hertzog Magnus aus Saxen Land
Im Schmiler Felde ist wohl bekant
Da that ihm GOtt gnädige Steuer
Die Sonne verblendet und brante wie Feuer
Der Wenden Schaar mit ihrem Glantz
Sie wurden zerstreuet dar gantz.
Die Hauptleute baten des Königes Holde
Gott das gleich so haben wolde.

Das XXIII. Capitel.
Wie Konig Heinrich die Rügianer schlug für Lübeck, als sie ihn daselbst auf seinem Schloß belagert, und wie von den todten Cörpern vor der Stadt heißt ein Berg, noch der Raneberg, Rangberg.

ALs Crito war erschlagen todt Hinricus Victor Rugianorum.
Seine Freunde die brachten bald in Noth
König Heinrich, belagert Lübeck hart
Mit Schiffen: Er sprach zu der Farth
Seinen Hauptmann an, und gab ihm Zeichen
Am 4ten Tage wolte Hülffe reichen.
So kam Heinrich in Holsteiner Land
Mit Hülff er zu Lübeck wieder rant,
Die Rüger nicht dachten auf frembde Gäste,
Des kommen sie bald in Noht, und Läste;
Ueberfiel sie an den Ufer zur Stund
Er schlug ihr viel, viel wurden wund
Ertruncken auch viel da zur Zeit
Der Ranberg macht noch kund den Streit.
Da liegen begraben die todten Mann,
Der König folgt in Rügen fort an
Und gewann die Insel und breitet sein Reich
Von der Weichsel bis an die Weser gleich.

Das XXIV. Capitel.
Wie die Rügianer erschlugen König Heinrichs Sohn Baldomar, davon oben gesagt.

Als König Heinrich überwunden gar Boldemari fata.
Die Rüger, sein Sohn hieß Baldomar
Den satzte zu den König, in kurtzer Frist
Erwürgete den Herren mit Betrug und List.
König Heinrich zog mit Heeres Krafft,
Viel Herren ihn hatten Hülff geschafft,
Für Wohlgast that er sie ansprechen,
Sie musten, und all ihr Hauptleut rechen,
Bald gab ihm gnädig Trost und sprach
Die Rüger forchten Ungemach,

[585]

Sie hatten Botschafft hierum holde,
Gnade zu kauffen mit Silber und Golde.
Die Herren die schätzten nicht für recht
Ungerochen zu lassen sein Geschlecht,
So machte er Ordnung und gab ihnen lose.
Die Zeit so was das Eiß so grosse,
Man möchte das überreiten und fahren
Zu Fusse sie giengen nach seinen Lahren
Die Sachsen die führten des Streites Spitze
Gehörte ihnen zu nach alten Witze,
Die Rüger erschracken der frembden Leute
Und dachten, möchten den König bedeute.
Ihres Gottes Priester sie schickten aus Rathe,
Der fiel zu Fuß und bat Genade,
Vier und viertzig tausend Marck
Gelobet, die nam der König ohn argck,
Ihres Gottes und fräulich Schmuck gar eben
Sie müsten den König Zubusse geben.
Denn die Zeit Geld nicht da was
Bracht einer dies, nam wieder das,
So wechselten sie nach alten Tagen
Ihr Silber und Gold ohn Müntze geschlagen.
So zog der König frölich abe
Und wartet der versprochenen Habe
Dieweil aber nicht befunden so viel,
Daß sie bezahlten zu dem Ziel
So zog er wieder über das Eiß
Mit Hertzog Luther von Sachsen mit Preiß,
Drey Tage, und nach die Inseln kahrte (kehrte)
Darnach so kam ein Schlag rein harte,
Daß er must eilen aus dem Land
Seiner Tugend ich mehr will thun bekand.

Das XXV. Capitel.
Wie König Heinrich mit den Brandenburgischen und Havelbergischen Streit gehalten.

DAs bedarfft das niemand haben will Bellum cum Brandenburgens.
Das offt mit Streit und Heeres Schild
Man Land gewinnet und wieder verleust,
Nu höret zu wem nicht verdreust.
Brandenburger Land und Havelberg fort
Die haben vor Zeiten zugehört
Den Obetriten, derhalben dacht bald
König Heinrich, sie mit Gewalt
Zu bringen an ihre alten Herren,
Sich hub ein Ziehen und ein Zerren.
Havelberg er in kurtz belagert,
Sein Sohn Mistevoi war unverzagt
Der nahm zu sich in heimlicher Stille
Drey hundert Roß war wohl ihr Wille,
Rupiner und Lindoper Land ersuchte,
Durch Wald und Brüche (Brock) zu guter Gerüchte
Da nie kein Feind was kommen ein
Zwene Tage er raubt Pferd, Kühe und Schwein.
Und alles er zog nach seinen Gesellen
Verirret er sich zu Ungefällen,
So folgten ihm die beraubten Mann
Das Vieh abjagten, und hört fort an
Ein jeder bracht doch etwas danne,
So brachte König Heinrich unter die Fahne
Der Obetriten wieder derselben Land.
Machen uns die alten Bücher bekant.
Bald starb er in seine Stadt gar eben
Welcher grossen Coln (Kollen)[11] zu Nahmen geben,
Und ließ sich graben in die Borge
In seine Capelle, welche mit Sorge
Sein Vater und Bruder erbauet gar,
Er hatte regieret zwantzig Jahr,
Vizelin den Priester erst that dolde, (dulden)
Den Christen Glauben lehren solde.

Das XXVI. Capitel.
Von Pribislao und Nicolotho, den Söhnen Bute, der ermordet ward von Critone.

ALs Bute ward ermordet bitter, (a. 1066.) Pribislaus, Nicolotus.
Von Crito Tyranno, da jagten die Ritter,
Auch aus dem Lande das Edel Blut,
Pribislaum und Nicolothum guth,
Der Obetriten rechter Stamm
Sie mochten nicht dulden Christen Mann,
Oder geben ihren Herren Pflicht,
Zur Untugend war ihr Wille gericht.

Das XXVII. Capitel.
Von den Söhnen Königs Heinrichs Suentepolck, Canut, Mistevoi, Boldomar.

ALs nun König Heinrich war begraben, Sventepolch, Canutus, Mistevojus.
Da hub sich unter den jungen Knaben
Sventepolck und Canut ein Streit
Sventepolck hielt den Sieg der Zeit
Und aus dem Lande vertrieb Canut
Sie flohen man hörte über lut
Er folgte ihm nach gegen Plöne gar eben,
Der Jüngling muste lassen sein Leben
Wie wohl er offt gar freundlich bat,
Seinen Theil, darnach so zog mit Rath
Graff Adolph von Holstein vor Werla das Schloß
Und gewann, ihn weiter nicht verdroß.
Rostock er mit Völcker berant
Darnach gegen Lübeck allzuhand
Sich machte, und ließ das Volck hindan
Die Zeit kamen die werten Mann,
Ludolph und Volckward von Falder[12] wehrt,
So der Graff von Vitzelin begehrt,
Zweene Priester, und lernet sie Christlich milde,
Von Stund, ein Holsteiner da so wilde
Erstach den König Sventepold in der Stadt,
Da er seinen Bruder ermordet hat.

[587]

Lütkenburg was die Stadt genandt,
In Holstein liegt ist wohl bekant,
Mistevoi in der Jugend starb
Baldomar auch den Todt erwarb
Im Rüger Landt ward todt geschlagen
Von Sventepold Sohn will ich sagen.

Das XXVIII. Capitel.
Von Svinico König Sventepolts Sohne.

SVinico, nach seines Vaters Leben Suinico.
Das Reich annahm, nun mercket eben
Sein Groß Vater König Heinrich weiß
Als er regierte im grossen Preiß.
Er sprach mir ist verkündiget zwar
Mein Geschlecht nicht wahret lange Jahr,
Das kam also in kurtzer Frist,
Zu Altenburg erworget ward mit List
Svinico, so nahm er ein Ende,
König Heinrichs Blut kam nun behende.
Die Kinder folgten dem Vater nicht nach
Darümb sie kamen in Ungemach.

Das XXIX. Capitel.
Wie das Reich der Obetriten nach dem König Heinrich, und Abgang seines Geschlechts, unter das Reich Dennemarck kam, und wieder von dannen.

DIe Zeit ein König aus Dennemarck eben Regnum Obotritarum sub Erico Rege Dan.
Erich gedacht zu zieren sein Leben,
Der hatte einen Bruder unehlicher Arth
Zu Hierusalem zog er auf die Fahrt.
Nicolaus dem befohl er Land und Lüde,
Dazu seinen jungen Sohn Canute.
Der König auf der Reise starb
Sein Bruder nach dem Reiche warb,
Vertrieb seines Bruders jungen Sohn
Der war gantz freundlich und schon,
Des Kaysers Hoff er balde besucht
Da lernet er Weißheit und Zucht.
Der Kayser war Luther (Lotharius) genant
Zu Fusse ihm fiel zu Hand,
Bat üm der Obetriten Reich
Und sagte ich bin ein Erbe gleich,
Von König Heinrich der Mutter nach,
Auch bin ich sonst in Ungemach,
Vertrieben durch meines Vettern Unhold,
Dem Kayser gab er Silber und Gold
Und rieff auch an der Kayserin mit Bete,
Und auch in des Kaysers Hoff viel Räthe.
So kam er an ein neues Land
Ein König der Obetriten genant
Mit Königl. Crohn und grosser Gewalt,
Innahm das Reich, und fing so bald
Die rechten Erben, Pribisla, Nicolot,
Und alle ihre Helffer bracht in Noht,
Er führte sie hin nach Schlesewick,
Er gab ihn für einen seltsamen Stick,
Geisel musten die Herren setzen
Sie wolten all ihr Tag nicht letzen,
Oder irren an dem Reich Canut.
Nicht lange ein Gerichte kam überlut,
Sein Vätter wär zu Schleswick inne,
Canut gedacht in seinem Sinne,
Ich will mich machen auf die Bahn,
In Königl. Zierde auch sehen lahn,
Und als er saß in Königlichen Watt[13]
Beneben seinem Vätter in die Stadt,
Und ihm nicht that wöhnliche Reverentz,
Mit Niegen oder Küssen, sonst Credentz;
So bedacht sein Vätter in seinem Muth
Möcht ich ihn tödten, wär wohl gut,
Da zu reitzt fast sein Weib mit List,
Sprach: Herr ich sage euch zu der Frist,
Wir werden kommen alle in Last
Und werden noch des Reiches ein Gast,
Mein Sohn König Magnus wie ein Feuer,
Und förchtet, und stehet eben theuer,
Daß er ihn nach eures Lebens Ende
Vertreibe woll aus dem Reiche behände
Canut ward darauff gedencken
Sie gingen üm mit List und Rencken
Und macht sich bald in Still von dannen,
Gab das zu verstehn all seinen Mannen,
Der Kayser und ander Fürsten in Reich,
Den Krieg sie balde machten gleich;
Sein Vätter schwor ihm einen Eyd,
Von den Seinen ihm nicht solt wesen leyd.
Nicht lange Magnus seines Vättern Sohn,
Der batt ihn freundlich und schon,
Er solte mit wenig Dienern kommen,
Seine Frau sprach, ihr nehmet nicht frommen,
Ich habe einen schweren Traum müssen tragen,
Als je empfunden in meinen Tagen.
Canut gläubet dem Eyde und Treue,
Do dannen ward sein Leyden neue
Er ward empfangen und stechend gekoßt (geküst)
Von seinen Vettern durch sein Brost,
Man letzt (zuletzt) seinen Kopf gespaltet hatte
Von Ohren zu Ohren mit Hugformatte,[14]

[589]

Von Dienern fort gehauen in Stücken,
Die Vogel man sah die Gliedmassen zücken.
Ingeborg seine Frau des sehr erschrack,
Der Kayserin Rixa mit Bete anlag,
Den Kayser vermögen mit Heeres Krafft,
Der Kayser hätte wohl Ehre beschafft;
So kam der König reich mit Golde
Und bat, daß er dannen ziehen wolde,
Er wolte sich geben unter das Reich,
Und dienen andern Fürsten gleich;
So blieb vergessen die Uebelthat.
Canut ward heilig in ewigen Rath.


Das XXX. Capitel.
Wie König Erich, ein Bastard, sein Bruder, ihm
folgete in dem Reich der Obetriten und seines
Bruders Todt that rächen.

SEin Bruder Erich bald gedacht, Ejus Fratre.
Und stalt dazu bey Tage und Nacht
Die Dänen grieff er an mit Streit,
Ihm worden seelige Mähre[15] die Zeit.
Die Seinen gaben ihm Königliche Ehre
Seinen Bruder zu rächen all eileten sehre.
Zu Schleswick ward er wohl empfangen,
Von Holstein Graff Adolph that verlangen,
Nach Gelde, den gab er bald zu Solde,
Von Silber hundert Pfund er wolde,
Aber als er nach der Stadt that eilen
So ward verstreüet in etzlich Meylen
Sein Volck wider sein selbst Geboth
Des kamen sie alle in grosse Noht.
Die ersten waren in Thiener Holtz,
Die letzten an der Eider stoltz,
Verachten gantz ihr Ordnung halten,
König Magnus kam mit seinen Gewalten,
Und schlug der selbigen Mann viel todt
Der Graff kam selbst in fliehends Noth,
So machte sich Erich aus der Stadt,
Gegen Schone der Insele was sin Rath,
Dem folgete bald König Magnus nach
Er kam aber des in Ungemach,
Kam eben auf den Pfingst-Tag,
Daß er mit seinen Volcke erlag,
Seine Räthe wiederriethen do den Strit,
Er aber achte nicht der heiligen Tiet
So blieb er in dem Streite todt
Man soll für Augen halten Gott,
Glaub und Treu der Adel vor allen,
Ihr Tugend soll einem ieden gefallen,
Als nun König Erich hatte den Preiß,
War from, ernsthafft und dazu weiß
So ward ihm auch der Dähnen Crohn,
Seinem Vattern Nicolaus ward sein Lohn,
Er flog gegen Schleßwig in die Stadt,
Und bat sie alle um Hülff und Rath,
So waren etliche fromme Hilde.
Den nicht behaget wüterisch Unmilde,
Ueberfielen ihn und schlugen ihn todt,
Untugend pfleget zu rächen Gott.


Das XXXI. Capitel.
Wie das Reich der Obetriten wiederkommen an die
rechten Erben, Pribislaum und Nicolotum
der Konige Gebrüderer, welche lange
Zeit gefangen.

Restitutum Pribislao & Nicoloto.
ALs nun die Dänische Linie zergieng,
Pribislaus und Nicolotus fing,
Zu ruffen die Fürsten von Sachsen an,
Den machten sie sich zinsbahr Mann,
Damit sie kommen zu ihrem Reich,
Holsteiner Land das gab sich gleich,
König Pribislao bis an die Trabe
Mecklenburg solte Nicolotus habe,
Mit Rostock und den Wenden Landen,
Sein Unglaub bracht ihn bald zu Schanden,
Sie beteten beyde die Abgötter an,
Pribislaus auch Segeberg verbran, a. 1140.
Nicht lange die Rüger dachten nach
Der alten Feindschafft und ihre Schmach,
Belagerten Pribisla in der Stadt,
Die nun Lübeck zu Nahmen hat,
Mit ihrem Fürsten Rate genand,
Die Burg sie brachen und Stadt zur Hand
Die Holsteiner rieffen auch üm Trost
Graff Heinrich von Bardewick, so lost,     (löset,)
Sich vom König Pribisla das Land,
Zu Ploena er ward belegt, berandt,
Der Seinen viel erschlagen todt
Die Stadt gewonnen, er kam in Noth,
Nicoloth besorget auch Ueberfall,
Graff Adolph von Holstein in Süssenhall
Er anrieff, und macht mit ihm Verbund
Der bauet wieder Siegeberg die Stund
Und jaget aus Holsteiner Land die Wenden
Bracht neue Landsassen aus manchen Enden,
Flandern, Seeland, Holland, Friessen
Sah man allenthalben dahin riessen.


Das XXXII. Capitel.
Wie das gantze Römische Reich darzu that, das
man die Obetriten mit ihrem Volcke unter dem
Glauben brächte, da war Pribislaus todt, und
Nicolotus hatte das Reich allein.

DEr Christen Glaube an allen Enden, Christianismo inimicum.
Behafftet, was den bey den Wenden,
Die Obetriten hielten hart,
Abgötterey nach heydnischer Art,
So warff sich auf eine grosse Schaar,
Kayser Conradt gab dieselbige Lahr,
Mit König Ludovicus aus Franckreich,
Sie wolten alle machen gleich,
Die Heyden zu Christen mit Gewalt
Gegen Constantinopel kommen sie bald,
Der König ließ ihn Speise werden,
Er sprach, ihr kommet zu frembder Erden,

[591]

Bedörffet, sehet eucd eben vor
Erbarmet sich ihr nach Königl. Bor. (i.e. Gebühr)
Sie zogen fort durch Berg und Thal,
Durch Regen und Donner eine grosse Zahl,
Umkamen, und durch der Feinde List,
Viel wurden kranck zu der Frist,
Ein Theil sich gab nach Lissebon,
Die Stadt sie machten Christen schon,
Mit ihrem Könige. Das ander Theil
Aus Rath des Reiches und Gott zu Heil,
Zogen nach der Obetriten Lande,
König Nicoloth ward do ande,[16]
Man siehet noch den alten Wall,
Dobin er machte mit grossen Zall
Da wolt beiten[17] als ein Hild,
Graff Adolph rieff er an, sein Schild
Gedachte der Graff zu kehren nicht
Wider das Reich, so ward ihr Pflicht,
Gebrochen, darum Er überfiel
Den Graffen, und nahm ihn ohne Ziel.
Viehe darzu dreyhundert Mann,
Ueber die Traben müsten gahn,
Flandern, Seeland, Holland, Friesen
Welche hatten da neue Wohnung kiessen,
Die Schiffleute auch in Noth bracht
Ihr Schiff mit Führ wohlbedacht.
Als nun kam hart des Reiches Steüre,
Uber ihn, sie machten ungeheure
Der Lager zwey, das eine Dobbin
Das ander belagert bald Demmin.
Und rieffen auch die Dähnen üm Mann,
Daß sie die Wenden möchten bestan,
Nicolotho der dacht in seinem Sinne
Kanstu den Dahnen was abgewinne,
Berand sie an des Meeres Kande,
Viel schlug ihr zu Tod, viel brachte zu Bande,
Frantzosen, und Teutschen die möchten nicht rechen,
Das Wasser zu Fusse nicht könten durchbrechen.
Und müsten so schauen ihr Gesellen fall.
Des erschracken die Hauptleute allzumahl,
Und machen Friede mit solcher massen,
Die Wenden solten ihren Abgott lassen,
Die Worte waren gut, es wäret nicht lange,
Sie gedachten, hilff nur aus dem Zwange,
So bald die Christen zogen davon
Die Wenden machten ihren Anschlag schon,
Ueberfiehlen die Dähnen über den Bald,
Graff Adolph forcht auch ihre Gewalt
und richte wieder auf den Bund
Seine Gefangen erlöset auch zur Stund.


Das XXXIII. Capitel.
Von dem Streit dem der König Nicoloth hatte
mit der Stadt Reta, welche ist verstöhret
und den Kissinern, die heissen nun das
Land zu Rostock.

Die Rheter und Kyssiner GrimmeNicoletus evertit Rethram.
Ihrem König entbohten feindlich Stimme,
Darümb Nicoloth aus weisen Rath
Gegen Lüneburg reitet in die Stadt
Da war die Fürstin Clementia
Ihr Herr der Löw von Saxen ja,
Der was die Zeit in Bayern eben,
Er baht, sie wolte ihm Hülffe geben,
Dazu kriegt er 2000. Mann,
Von Adolph dem Graffen und zog fort an
Verwüstet Rheta mit ihrem Gotte,
Radegast kriegt sonder Spotte
Goldes und Silber viel,
Von seinen Feinden zu dem Ziel.


Das XXXIV. Capitel.
Wie Herzog Heinrich der Löwe von Saxen gegen
König Nicolotho kriegete, und wie durch ihn
Brandenburgsch Land verlohren und auch Havelberg.

Nicoloth war streitbahr und fasteEjus Bellum cum Henrico Leone Sax. Duce.
Möchte nicht dulden Fried oder Raste,
Begab sich eben zu der Zeit
Kayser Friedrich führte grossen Streit.
In Waland von der Stadt Meylan
Der Löwe solt ihn dabey stahn,
Als er nun wolt sein Land verlassen,
Nicoloth erboth mit freundlicher maassen,
Er solt seinen Nachbahren nicht berauben
Und solt ihm halten festen Glauben,
So bald aber was der Löwe hinweg,
Gegen Dennemarck richt er seinen Steg,
Und that den Dänen grossen Schaden,
König Boldemar ward durch ihn beladen.
Als nun der Löwe kam mit seiner Schaar
Zu ihm sich fügte König Boldomar,
Und klagt ihn über Nicoloth
Des kam er balde in grosser Noth,
Er gedachte der Löwe ist grimm und wilde
Selbst zündet er an seine Schloß, unmilde.
Mecklenburg, Ilaw, Schwerin, Dobbin,
Allein er glaubt Schoß Werle fin;
Die Zeit seine Söhne wohl bekandt,
Pribislaus und Vratislaus genandt,

[593]

Kommen für Lübeck heimlich stille,
Die Burg zu erlauffen was ihr Wille,
So ward das eben ein Priester gewahr,
Athelo genandt und zog fürwahr,
Die Brücken auf zur selben Zeit,
Der Löwe gewann durch Brand und Streit
Ilow und die Stadt Suerine,
Nicolothus mit dem Sohnen siene;
Kam gen Werle auf das Shloß,
An der Warle (Warne) gelegen war fest und groß.


Das XXXV. Capitel.
Wie König Nicoloth erschlagen ward, er that
dem Löwen eine grosse Schlacht.

Der Löwe folgete dem Könige nachEjus ultima Fata.
Er kam aber das in Ungemach
seine Leute de waren der Wege unkundt,
Die schlugen des Königes Reuter die Stund,
seine Söhne die thaten auch der gleich
Dann wann sie Futtern[18] wolten im Reich,
Sie verhielten die Feinde, und schlugen todt,
Am Ende des beyde kommen in Noth
Und flohen zu des Vaters Trost,
Der empfing se gar mit ringer Lost.
Er hieß sie Metzen, und nicht sein Kind.
In Klugheit selbst der König erblindt,
Er wolte sie rechen, die Futterer dachten,
Harnisch sie heimlich an sich brachten,
Und da der König an sie kam;
Seines Schlahens keiner Schaden nahm,
so wolt entfliehen solcher List;
Der König, und ward zu der Frist,
Unerkandt durchstochen todt,
Seine Söhne kamen in weiter Noht.
Sie zündeten an ihr Schloß behende
Werla, und suchten ihrer Höltzer Ende.
Des Königes Haupt der Löwe erkandt,
Das bracht ihm einer in seiner Handt.


Das XXXVI. Capitel.
Von Königs Nicolothi Söhne Vratislao und
Pribislao, und wie Schwerin erst zu einer
Graffschaft ward.

Aus dem Walde wilt verhauenFilii Vratislaus & Pribislaus.
Möcht man täglich anschauen
Wie den Feinden brachen abe
Des Königs Söhne die jungen Knabe,
Bis so lange Vratislao balde,
Mit seinem Adel machte aus dem Walde,
Und kam gegen Werle auf das Schloß
Dem Löwen das gar sehr verdroß,
Belagerte das in grimmigen Zorne,
Stormet darzu von hinten und forne,
Wie er zu Meilan hatte thun lernen
Fürsten sollen in Jugend gerne,
Sehen frembde Häupter nach Ehren streben.
So wird berühmt ihr Fürstlich Leben
Zu der Zeit ward auch verwund
König Vratislaus, und sein Bund
Graff Adolph brach, und halff dem Fiende,
König Pribisla greiff von seinen Gesinde
Hundert, als sie Futter brachten,
König Vratisla mit seinem Adel dachten;
Uberwindt das Schloß der Löwe mit Krafft;
Wir werden alle mit Tode behafft
So rieff er an den Graffen werth,
Er wolt sich geben, Gnade begehrt,
Gefangen must er Bruneschwig leiden,
Mit dem besten Adel; bey den Zeiten,
Worden loß die gefangen Mann
Der Löwe gedacht rath fort an.
Er wolt besetzen mit seinen Leuten
Die Land, so möcht er baß bedeuten,
Zu Schwerin setzte er Güntzelin
Einen Edelmann der was klug und fin,Origo Comitatus Sverinensis.
Von dem so worden mit der Zeit,
Graffen, ihr Nahm bekandt ist weit.
Gegen Kyssin setze er Ludolph eben
Sein Voigt von Braunschweig er that geben
Mecklenburg, Heinrich von Schacke genant,
Der war aus Flandern, die andre Land
Er theilet seinen Rittern und Knechte,
So dann sind hier noch viel Geschlechte.
Bischoff Berno zu Mecklenburg setzte Muth
Gab ihm dreyhundert Hufen gut,
Gegen Ratzeburg bracht er auch die Zeit
Viel aus Engern darnach ward Streit.
Pribisla gedachte seinen Bruder zu rächen
An Mecklenburg begunt er störmen und brechen
Darauf da was geringe Warte[19]
Fiel bald, die Pfordte er umme Karte,[20]
Und alle die Flemming die er fand,
Den macht er kund des Todes Band;
Siebentzig find ich an der Zahl
Ein Bischoff begrub die allzumahl,Berno.
dann die Zeit was das Stifft noch reich,
Zu Mecklenburg, nun zu Schwerin gleich,
Den Bischoff unter der Gräbniß-Zeit,

[595]

Hatten ermordet, die Wenden mit Streit.
So kam von Soldwedel Richard bald
Und steuret die Wenden ihrer Gewalt
Nicolot brand, und tilget die Stadt
So ist sie kommen in wüsten Rath
Er zog auch nach den Schloß Ilow,
Da sprach er an, beyde Mann und Fraw.
Und klaget ihn all sein Leyd und Noht
Guntzelin wolt dan ihn helffen mit Rath,
So begegnet der König ihn auf der Farth
Und brachte ihn in die Fluchte gar zart,
Belagert Malchau und Kessin
Den Sachsen die er fand gar fin
Gab er über die Elben Geleite
Der Löwe an einem Baum, was breite,
Hänget seinen Bruder zu der Frist,
Vor Malchau der Stadt; da floch mit List,
Pribisla zum Fürsten Pommerland
Der Löwe den Junglinck starck nachrand,
Mit Märckern, Holsteinern und Dänen viel.
Der Jüngling kühne zu dem Ziel,
So Heinrich der Löwe seinen Speißwagen richt
Er fand sich neben, was träge nicht,
Ueberfiel ihn, wäre geringe verschlaffen,
Er schnappet ihn hätte mit seinen Waffen,
Darnach nicht lange so ward ein Streit
Graff Adolph ward erschlagen die Zeit
Von den Wenden, und viel von Adel,
Guntzelin hatte unter seinen Sattell
Dreyhundert Roß, das halff geringe,
Er könte nicht helffen, da hört man klinge
Die Trommet, und der Löwe kam,
Der Wenden Schaar das Schaden nam,
Doch fielen ihr viel von beyden Seiten,
Der Todt bedeckt das Feld mit Streiten,
Der Wenden blieben auf die Farth,
Fünff und zwantzig hundert zarth,
Die Zeit so floch König Pribisla
Zu Casimir und Boosla.
Von Pommern, die empfingen den wehrten Mann
Wie bald den Löwen ward kund gethan,
Der König von Constantinopel werth
Durch seinen Legaten geschickt begehrt
Zu Braunschweig ihn zu sprechen jo
König Pribisla ward der Mähre froh,
Und als der Löw ließ das Land
Die Dänen er sucht mit Raub und Brand,
Die Zeit der Löwe die Pommern that warnen
Ob sie nicht wolten sein Zorn erarnen,
Sie solten lassen Pribisla bald,
So ward geringert sein Königl. Gewalt
Sein alter Adel von Marte beraubet
Kein Unglück allein, vorwahr mir glaubet,
Wann einer zwagt, gar selten geschicht,
Das der nächste auch pflücket nicht,
So geschah auch König Pribisla gut
Marggraff Albrecht der Bähr in seinem Muth,
Gedacht es ware nun eben Zeit
Zog über die Elben, gewan mit Streit
Brandenburger und der Havel Land
So kamen sie erst an der Marggraffen Hand
Und zu Gedächtnis thäten nennen
Die neue Marck auch solt man kennen,
Sie wolten den Wendisch Art nicht dulden
Sie schreiben auch mit reichen Solden
Flandern, Jülich, der Masse breit,
Holland, Bergen, Engern geleit,
Sie solten kommen und Wohnung machen
Sie gedachten das kömt zu guten Sachen.
Sie nahmen das Land gar lieblich ein
Man findet noch der Nahmen Schein.

Das XXXVII. Capitel.

Wie König Pribislaus des Reichs ein Theil wie-
der überkam, und der Löwe Graff Bernhard von
Anhalt, gab das Land Ratzeburg, davon bey Kay-
ser Friedrichs Zeiten, Fürstenthum worden, und
gab Graff Adolphen Holstein, und Schwerin
Guntzelin.

DEr Löwe der gedacht in seinem Muthe Pribislai Regimen.
Er wolte machen der Kirchen zu gute
Neue Stifft und nahm do bald
Des Königs Güter ungezalt
Aufrichtet Schwerin und Ratzeburg eben
Die Bischöff müsten ihm Löbniß geben
Sie wolten seyn sein Lehen-Mann
Den König hieß er stille stahn,
Und solt mit Rostock seyn zufreden
Und Werle, do solt er haben sein Steden.
Ratzeburg gab der Löwe bald
Bernhardt gebohren von Anhalt
Graff Adolph, Holsted do bekam.
Kayser Friderich Ratzeburg gab den Nahm
Fürstlicher Ehre, auch ward Guntzelin
Genennet ein Graff von Schwerin.
Damit so ward der Löwe erhaben
Wer hoch sitzt hüt sich billig für Schaden,
Döringer, Mercker, Kollenisch schlüchte,
Friesen er drenget, auch möchte nichte
Kayser Friderich vor Meylen haben sein hold
Wie wohl er bot ihm Silber und Gold.
Er fiel ihm auch selbst zu Füsse
Er möchte ihm nicht singen so süsse
Er zog ohn seinen Danck do dannen,
Darum so ward er billig verbannen,
Aus dem Reich drey gantze Jahr,
Auf Erden mercklich ist fürwahr.
Niemand über Kayserliche Krohn
Gottes Stadt er trägt gar schon
Den sollen billig in Ehren halten
Alle Welt beyde junge und alten.

Das XXXVIIX. Capitel.

Wie Pribislaus mit seines Bruder Uratislai Sohne
Nicolotho Christen worden, und wie sie das
Reich wieder überkommen.

DEr Löwe zog in Engeland
Zu Würtzburg in das Reich verbandt
Dieweil Pribislaus wohl gemuth
Des Königs von Norwegen Tochter guth,
Voisclavam nahm, die lernet die Frist
Anbeten ihr Herrn Jesus Christ.
So nahm er mit seinen Vätern die Safft
Der Tauffe, und ward im Glauben behafft.
Von Oldenburg Bischoff gut, Gerold,
Sie wuchß und bracht in Gottes Hold,
Zu Mecklenburg bestättiget ward
Vom Könige bald in guter Art
Des Löwen Gabe und mercklich Giefft,
Die er gegeben hatte dem Stifft.
Sein Titel zeiget die Zeit noch an
Obetriten, Kyssiner, Circipan
Und der gantzen Wendschafft schon
Dazu trug er eine Königliche Cron.

[597]  Das XXXIX. Capitel.
Von Pribislai und Nicoloti der Könige mercklichen Thaten.

NIcht ferne von Rostock an der See
DoRes gesta Dobberanenses et Rostochienses. sahe man die Zeit lustig stehe,
Ein Abgott, nu heist Dobberan,
Den warffen die Könige von der Bahn,
Und baueten ein Closter hoch von Steine,
Do haben die Fürsten noch gemeine
Begräbniß biß auf diesen Tag
Nicolotus auch die Zeit nicht lag,
Zu Rostock bauet ein festes Schloß
Ist nun ein Tempel Sanct Petros.
Die Zeit ward in das Closter bracht
Herr Berno von Amelungs-Born bedacht
Von dem Könige Ehrentreich
Machte sein Closter seelig und reich.


 Das XL. Capitel.
Wie selbige Könige und auch die Bischöffe von dem Löwen der Lehen Entfahung entlediget.

KAyser Friedrich zu Würtzeburg in der Stadt
LagBannum Henrici Leonis, et Libertas Regum. mächtig in des Reiches Rad
Und klaget denen Fürsten allgemeine
In Waland der Löwe ihn gelassen alleine;
Derhalben so würden all sein Mann[21]
Erlöset ihre Treu durch seinen Bahn. i.e. Bannum.


 Das XLI. Capitel.
Wie ein Schäffer von Dobberan das heilige Sacrament verberget.

ALs erst das Land war Christen worden
Und Miraculum Eucharisitiae Dobberanensis.so man predigt Christlich Orden
Ein Schäffer nahm in seinem Muth,
Gott spricht ich bin ein Hirte guth
Er möchte dir helffen von der Noth
Die Wölffe nicht bissen die Schaafe todt.
So barg der Schäffer das Sacrament
In seinen Stab und trug behend
Etliche mahl umb seine Schaffe
Das heilige Sacrament gaffe
Ihm ward das gantze lange Jahr
Kein Schaafe genommen von Wolffes Schaar
Seiner Frauen gab er das zu halde
Sie barg es in ihren Bettlein balde
So kam zu ihr dieselbige Fahrt
Ein Fraw arm und batt sie hart
Ein zeitlang mit ihr theilen ein Hauß,
Die sahe zwey Lichter, das brachte ihr Grauß,
Sonst niemand sach Licht en dem Bette
Die Frau die Schäfferin anredte,
So ward sie auch von Gott erhört
Daß sie die Licht sahe alsofort
Dem Schäffer sie die Sache kund that
Der gab ihr einen schnellen Rath,
Den Stab solt sie baß behalten
Eine Kiste solt seiner Hute walten,
So was der Stabe ein wenig zu lange
Sie nahm ein Messer und kürtzte die Stange,
Jemehr sie schneid, jeweniger eben,
Er ward ins Stroh, sie must ihn geben.
Selten zwey Weiber in einem Hauß
Nicht leben wie die Katz und Mauß
Kieffen ist ihnen angebohren
Unter den Weibern erwuchß ein Zorn.
Die Schäfferin schlug die frembde Fraue
Sie lieff zum Voigt, sie sprach und schaue
Ich will dir zeigen seltsahm Ding
Der Voigt mit etlichen Mönnichen ging
Den Stab sie funden unter dem Strohe
Voll rothes Blutes, worden frohe,
Sich hub darnach eine grosse Fahrt,
Aus frembden Land besuchet ward
Do dannen ward Dobberan erhaben
Es kamen Alte und Knaben.


 Das XLII. Capitel.
Wie König Pribislaus gegen Jerusalem zog mit dem Löwen von Sachsen, auch wie er und sein Bruder storben, die Gefahrten Herr Conradt Bischoff zu Lübeck, Herr Heinrich Abt von Lüneburg, Guntzelin Graff von Schwerin, Herr Siegfried Graff von Blanckenburg, viel Adels, Marggraff Friedrich von Subach kam zu ihm, und der Marggraff aus Steyermarck, der Bischoff starb allein in Cypern.

DEr Löwe als er drey Jahr verbrachtPribislai iter Sanctum.
In Engelland bey seinem Schwager, er dacht,
Gegen Jerusalem nach der heiligen Stadt
König Pribisla zu Gefährten bat
Der was ihn nach viel Kriegen werth,
Des heiligen Grabes auch begehrt
Alls billig thut all Adelich Blut
Mit tausend Mann wahren gut
Sie zogen nach dem heiligen Land
Der Heydnische Sultan bat zur hand,
Zu sich, gab ihnen 1000. Pferd,
Türcken und Retzen ihre Kunde begehrt.
Darzu gab er ihn 5. Elephand,
Mit großer Ehr sie kommen zu Land,
Und als König Pribisla kommen was
Seine Frau eines jungen Herren genaß,
Heinrich mit dem Nahmen Burvin
Nicht lange die Fürstin von Sachsen sin
Zu Lüneburg hielten Ritter-Spiel
In dem Stechen der König fiel,
Den Halß do stürtzet der Herr entzwey
Da hub sich an ein Heulen und Schrey.
Do ward begraben auf dem Berg.
Die Mönch von Dobberan durch sein Werck
Holeten die Beine gegen Dobberan,
Er hat ihm mercklich gut gethan
Die Wenden bald nach seinem Todt
Verliessen den Glauben, da kam in Noth
Dobberan, raubeten und stöhreten fast
Der Mönche sie todten eine grosse Last
Und wüsten die Städte sieben Jahr
Von Geistlichen Nahmen ihr Götter fürwahr,
Und satzten die an der heiligen Stadt
Nicolothus sein Vätter fand ihm Rath,
Sein Volck an der Peen versamlet bald
Und gedacht zu stöhren der seinen Gewaldt
Die kommen ihm starck entgegen alle,
Gegen Rostock jagten den König mit Schalle.
Nicht lange er ward geschlagen todt
Mit 80. der Seinen, geschach durch Gott,
Bey seinem Bruder und Frauen zart
Sein Leichnam da begraben ward.

  1. Curt. libr. 6. cap. 5.
  2. alii 13.
  3. i. e. zum Unsegen, zum Unglück. Salt apud veteres Salus. Unsalt, i. e. infelicitas, unde unsalig, selig, i. e. unglücklich, seelig. Vide infra.
  4. Cohors, horde, garde.
  5. Alii Obetritas, Abotritas, Obytridas, Obdoritas dictos volunt a fluvio Oby Russorum, alii ab Abderitis, populis Thraciae. Nonnullis placet etymon Abendreuter, Abendstreifer. Alii iterum legere malunt Abotrita, Abdruta, ein Abgetretener. Rectius a Slavico Obtrit, Obtrite, tersus, deterere, detersus i. e. sauber, gesäubert; Der Ausschuß, die Leibgarde, vel si mavis, gens moratior. Fuse de his Vocibus in Antiquitatibus nostris Mecklenburgicis c. i.
  6. I. e. ohngefehr, unversehens, forte fortuna. Histor. Lomb. de S. Ambros. princ.
  7. i. e. Oldenburg.
  8. i. e. Feliciter cum salute, vide cap. 21.
  9. Alii mächtig: Sed erronee. Michel enim idem ac groß, unde Cambrium mych, græcum μέγας, μεγάλοι, gothicum Mikil. Et Michelburg i. e. magna Urbs. Alexandri Mikla Saga i. e. Alexandri Magni vita, apud Torfaetan in Catal. monum. Island. Idem docent Stiernhelm, Verelius, Peringskiold in Annotat. ad Theod. Vit. ed. Holm. 1699.
  10. In aliis legitur: mit tantzen, ubi aperte Salten accipitur pro Saltu, Saltare; Springen. Sed Salt apud veteres Francos & Germ. idem est ac palatium. Unde Caroli Magni palatium in Franconia audit Salt apud Poetam Saxonicum in Vita Caroli M. ad an. 790. Vel si hujus regii palatii nomen vindicare malueris Salæ fluvio; hoc certum tamen, Sal veteribus germanis significasse domum, aulam, templum. In Legibus Allem. apud Heroldum Tit. 81. legitur: si quis domum vel Salam suam incendat. In Capitularibus apud Baluzium, palatia veniunt sub nomine Salarum. Lex Salica apud Eccardum Tit. 19. §. 8. habet. Sald, Saldeba, i. e. domus, domuncula. In Breviario rerum fiscal. Caroli M. hæc leguntur: Invenimus in Asnapio Salam Regalem. Inde nec inconcinna est Verelii & Schilteri sententia de Voce Upsal, h. e. suprema Curia. Quamvis mallem facere cum Peringkioldo, hane explicante Ussi Aulam, Palatium. Idem Verelius in ind. & Rudbeckius notant, quod in ant. Codice Ulfilæ Porticus Salomonis dicatur Ubisali, Ubizali. Et accedit prope Notkeri Tertii Labeonis, Paraphrasis Psalterii Davidici, in Psalm. 17. v. 8. Ps. 34. v. 8. ubi Templum Dei dicitur Gottes Saal, heilig Sal. Et alibi sæpius. Cui ex Lexico Kunico Wormiano addendum vocabulum Salur, palatium, salut fialla, palatium montanum. Quid, quod Altingio in Not. Germ. inf. teste, justitiæ Tribunalia Comitatuum Flandriæ dicantur Salæ, Sala Bladellensis, Sala Falcoburgensis, & reliqua. Hinc facile explicatu sunt plura alia vetera Germanica. Selde seu Sald apud Anglo-Saxones idem est ac principis sedes, palatium. Quod docet Benson in Voc. Anglo-Saxon. Inde Selida forte idem est ac domuncula, siquidem Otfridus & Tatianus in Versione Francica hac voce utuntur pro nido. apud Wendelinum & alios Salethu est tabernaculum, Salith, mansio. Idem in glossario Sal. pag. 182. docet, Salbuch apud Flandros denotare Codicem palatinum, aulicum. Communiter vero hæc notio accipitur pro Libro Domestico. Largior & eidem, vocem Salman denotare Aidis possessorem. Quod idem sentit Dufresne. Sed significentius rectiusque Salman explicatur Curiæ s. Aulæ Vasallus, Curialis Minister, Palatinus, Ministerialis. Quod docent documenta varia & formula diplomatum: Fide Salamannica promittere, h. e. fide curiali, homagiali, ministeriali seu Vasallitico. Qua formula Dux Austriæ Albertus utitur in literis investituræ Advocat. Lucellens. apud Schilter p. 3. in Glossar. Teut. pag. 697. Adde quæ habet Cangius voce Salman, & diploma Ottonis Imperatoris apud Ughelli. Ital. Sacra T. VII. pag. 129. Collineant huc voces aliæ Salland, h. e. Terra palatina, vel secundum Eccardum ad Legem Sal. Terra domui adhærens. Salisuchen in decreto Thassilonis, h. e. domiscrutinium, Haußsuchung, de quo plura Cangius, Verelius, Wendelinus. Et notio Legis Salicæ, i. e. palatinæ seu Legis procerum, quod docent autores citati & Coccejus, Ludewigius. Sensus igitur Poetæ hujus loci forte accipiendus de Palatiis, templis Leoburgi præcipuis. Vel si mavis, divinari poterit e vocabulo Salthun, quod occurrit apud Tatianum in Prol. §. 2. in sensu Traditionis, Venditionis. Et docet Freherus in Explicat. Orat. Dom. quod Sellen denotet actum aliquem Venditionis, exhibitionis. Anglis idem est to Sell, Suecis Salja; unde Kleider Sellen est vestes vendere, Arfsal est translatio hæreditatis, Ursal, quæ vox in Speculo Sax. occurrit, notat traditionem judicialem. Venditionem igitur vel translocationem dirutarum domuum indigitare forte vult Poetaster. Subit vero alia explicatio a Saldo, h. e. Salute, Benedictione, Felicitate. Ita. Notkerus Ps. 9. Ps. 111. Salde the i. e. Benedicat Te[?] Werlt Salde, i. e. Mundi felicitas. Quo sensu vocem sæpius repetit Otfridus. De quo vide glossas Freweri, Schilteri, Scherzii, juxta quas Mareschalci rhythmus indigitat rerum occupationem felicem & factam cum benedictione. Addo ultimam conjecturam, desumtam a Voce Salter, quæ denotat Psalterium. In quem sensum hac vocula utuntur Kero c. 16. 18. Notkerus Psalmo 80. pag. 8. ubi Saltersang idem ac Psalmus. Forte igitur mit Salten hoc loco idem est ac cum Psalmis, cantiunculis triumphi & gaudii.
  11. i. e. Lubeck. Autor alibi hanc vocem repetit a herbis, caulibus, unde græcum καυλὸς & Anglo-Saxonicum caul, germanicum Kohl. Sed hoc loco infeliciter satis. Alii pro magna Colonia accipiunt, unde Cölner, i. e. Colonarius. Kölnhof, Coloni hova, apud Goldast. ad script. Paræn. p. 441. Forte malles a Kele, Kölle. i. e. Navis. Unde Anglo-Saxonicum Ceol apud Bensonem, & voces, cella, cellarium, Keller, item Kehlen, hoc est, cavum facere. Unde Kellen & Koggen sæpe in chartis Mecklenburgicis seculi XII, XIII. obveniunt in significatu navium ampliorum. Kogg enim est a Celtico Kawg, cavus, unde & Koger, Kocher seu receptaculum, theca. Sed de hoc alibi in notulis ad diploma Henrici Leonis de Episcopia Suerinensi de a. 1170. ubi Suerinensibus impertitur usus duarum Koggen in portu Wissemer.
  12. Faldera Saxonice, Wippendorp, hodie Neumünster. Prima vocula est Slavica, vel si placet, Wandalica a fluvio Swal, Wal, unde Valdera. Vide Danckwerth in Chorograph. Holsat. p. 192. De Wipenthorp, lege privilegium Adalberti Archi-Ep. Hamb. Vicelino datum a. 1136. apud Staphorstium in Hist. Hamb. Eccles. T. I. p. 537. & ejusd. Confirmationem præposituræ novi monasterii de a. 1142.
  13. i. e. Kleide. Watte enim apud Francos, Wædde, Gewede Saxonibus est vestimentum, Wattan, vestire, Wattmon, vestium seu pannorum Venditor. Quod docent Tatianus, Otfridus, Glossæ Keronis & Vadianus de Monaster. apud Goldastum. Origo vocis videtur a Wad, Weden, quod Veteribus notat pannum, texere, Weben. Unde Leinwand, Linteum, item Wand, pannus, Gewand. Nec incognita hodie apud germanos est res & vocula: Seiden Watt, apud Bohemos itemq; apud Polonos, panni seu Velaminis hujus subtilioris existimatores, Twat. Apposite Frenzelius in orig. Sorabicis idem notat de Sorabis; licet vocem ab Hebraico Lad, lino repetere maluerit p. 994. Pertinet huc haud obsoleta vox Wattsac, qua indigitari solet is, cujus vestibus amplior & sacco haud absimilis. Apud Gothos Wastjo est vestimentum, nec dubium est, cum hoc convenire latinum Vestis item Investitus, ut Vaslus, Servus, unde & germanicum Lakey, famulus, descendere dixeris a Laken, panno seu veste famulititia. A Wat, Wast, Wedt, vero est germanicum Weste, Westerhemde seu Vestis sacer, Hemd enim a geheim. Vel, si mavis, a seimen voce gothica, i. e. tegere, occultare, unde Heim, geheim, occultum, tectum, secretum. Licet in alia & diversa eant Diecmannus in Specim. Glossarii, Wegnerus de alba Veste Baptizatorum & Schilterus in glossario voce Westparn. Aliis forte placet, vocem Wester pro Vestitura, investitura accipere, & Westerhemd explicare Investituram cum indusio s. indumentum linteoli, tunicæ lineæ. Apud Notkerum Ps. 21, occurrit vox hemida i. e. Francis tunica, tegmen, seu hemd, forte a hemp, lini specie. Sed mallem hanc, ut supra dictum, vindicare Notioni Heim; ut igitur idem sit ac tunica interior, intima, tectum occultum. Inde Heimat, tegumentum seu domicilium proprium, avitum; Haim, Hamm, locus interior, sylvosus, Hæmma, Hema, vocabula Svecica, & Islandicum Heimila, h. e. Tectum, mansio tecta de quibus legendæ sunt glossæ Loccenii, Meursii, aliorumque.
  14. Hugformatte, esse instrumentum videtur, quo sit dissectio. Matten, est secare, solvere, unde matt,[589] languidus, abmatten, debilitare, vermadden, formatten seu dissolvere scindere in particulas. Facit huc vox Matschen, occidere, & latinum Mattiarius i. e. Lancearius, item graecum ματξοῦκα[s 13], clava. Forte Mareschalci vocabulum dividendum in hug & fermatten; hug enim apud Alemannos & Gothos denotat cogitationem, mentem. Quod patet ex variis locis Ottfridi, Keronis. Mit Hug itaque idem ac ex animo, meditate, cogitate. Et recte Leibnitius nomen Hugo idem esse asserit ac Circumspectum, attentum. Conferantur glossae Scherzii & Schilteri in glossar. p. 471. sq.
  15. Seu Nova, nuntii, relationes. Sine dubio a mæhren manifestare, divulgare. Varia loca Otfridi & Willerami vide apud Schilterum. Adde vocem Anglo-Saxonicam, Mæra campa i. e. famosus, celebratus miles; Campa, Kämpfer, unde Cimber. Pertinent huc voces Wisimarus, Marabodus, Gundemarus, Luitmaru aliaeque mar, maer habentes, quae omnes famam, celeberitatem notant. Plura apud Loccenium, Junium, Palthenium in notis ad Tatian. A vocula Mähr est Mährlein, fabula in vulgus nota.
  16. Alia lectio: war das ande, ubi ande accipitur pro alieno, peregrino. Autore enim Eccardo formula: thut mir ande, idem est ac mihi alienum erat, ab anten, privare, alienare. Alii ande pro enge explicare videntur, unde angst. Quibus auxiliatur vox Andena, spatium terrae brevissimum & unius ictus falcis, item vox Andecinga in Legibus Bajuariorum i. e. ager emensuratus. Vide Spelmannum p. 176. Convenientior videtur explicatio a verbo anden, i. e. nuntiare, siquidem in Symbolo Apostolico & alibi apud Eccardum haec legitur formula: grandet sin, Gottes Sun geandet ward, i. e. annuntiatus. Unde hoc loco verborum explicatio haec esset: ward das inne, vel quod res Nicoloto innotuerit, nuntiata fuerit. Sed nuntiis haud opus videtur, Rectius formula explicatur ex Anglo-Saxonico, Gothico, Francico vocabulo ante, ande i. e. zuwieder, adversum, contra, unde graecum αντι, apud Junium habetur vox Andewurd, h. e. Gegen Wort, Antwort. Et in LL. Salicis occurit: Ande Sitto, i. e. adversus mores. Addo quod Andran, Anten apud Keronem notet zelare, irasci, ulcisci. Unde vox hodierna ahnden, Ahndung. Facit huc Antemo, vox apud Otfrid, III. 72. & Notkerum Ps. 68 v. 10. quoe est zelus, ira, ultio. Docet hoc Strikerus de Exped. C. M. c. 5. verbis: dat ich ande i. e. ulciscar, apud Schilterum c. l & Fragmentum de Bello Caroli M. v. 2287. Ubi formula: Thie rechent gerne thienen aude, i. e. Hi vindicant libenter tuum zelum. Poëta igitur nostras iratum animum & zelum Nicoloti indicat.
  17. Beiten i. e. warten, exspectare, bleiben, morari, manere. Ab antiquo peit, pett, pedden, pes, stare, persistere. Aliae lectiones hoc loco habent, arbeiten. Sed minus recte. Aliae: Beuten, i. e capere, unde Beute praeda. De primo significatu vide ex lingua Gothica, Francica & Anglo-Saxonica, plura apud Wachterum gloss. p. 143. & Schilter c. l. p. 97.
  18. H. e. Munire, tegere, item nutrire, alimentare, vitam tueri. Unde Gothicum Fodr, i. e. vagina, & vox Futter, pannum, itemque cibum notans. Hinc explicandum vocabulum Anglo-Saxonicum Feoh, i. e. stipendium, Gothicum Feoda, alimentum, Germanicum Föden, unde Feodum, Feod, Feudum, infeodatus, & barbarum Fodrum, Feodarius, ein Futterer. Facit huc Suecicum, Fodring, alimentum, de quo Verelius plura. Adde, quod de formula, Futter und Mal geben, & de etymo Feodi, i. e. stipendii, beneficii notant Dn. a. Ludewig in jure Clientelari, c.2. Spelmannus gloss. p. 216. sqq. Stiernhelmius in gloss. Goth, Ulphil. p. 47.
  19. i. e. Specula, Custodia, Praesidium Turris. Dicitur a Warten, Waren, custodire, unde, Italicum gwardia. Plura de hac voce Warta notat Scherzius ad varia loca Otfridi. Adde vocem Wartman i. e. inspector, Warantia Warenda & Warendatio, qua utitur Speculator Saxo pro Evictione, Gewehr-Leistung, seu defensione Venditi. Spectant huc voces Warenna sylva, i. e. custodita, prohibita, Wardwit seu immunitas a praesidio & barbarum latinum: Guardianus, Gardingus, custos: guarantia, Guarantigionatum Et vote ista Warta, Warten, seu tueri facile explicantur vocabula rerum alia ac civitatum, utpote Warne, Warnau, Warini, Werini, Waren, Castrum olim Megapolitanum, nunc oppidum, item vox Warder, Werder, insula, Wart, Vigil, Marquart, custos finium, Burgward, Tutor, Defensor Castelli, Seeward, custos maris, & quo utitur Lex Bajuar. Tit. 19 Howa Wart seu custos domus. Alibi vero ultima vox significare solet altam Speculam, Hochwarte, locus editior, prospiciens. Vice Loca apud Notkerum, & plura notanda huc pertinentia apud Spelman p. 564. Cangium, Junium, Schilterum.
  20. Umkarten idem est ac dejicere, discerpere, mutare, umkehren, ab antiquo Kart, Carta, unde Karten, carminare, discerpere, item Kartetschen, ferra denticulata. Adde Celticum cartha, purgare, quod ex Boxhornio notavit V. Clarissimus WACHTERVS in glossario germanico, nuperrime eod. p. 817.
  21. i.e. Vasalli, Ministeriales, Manni. Mannbücher sunt Libri feudales. Vide plura apud Scriptores de Ministerialibus Estor, Glafey, Riccius.
[599]

Sein Begraff ward geehret vor wahr
Aus Rügen der Fürste Jeremar
Und von Pommern Uratisla
Mit andern Herrn waren da.
Das Closter wieder kam zu Ehre
Die Wenden wieder Christlich Lehre
Nahmen, und blieben von der Stund
Im Glauben fest und Christen-Bund.

 Das XLIII. Capitel.

Von Herren Heinrich Burvin des alten Königs
Pribislai Sohn.

HEinrich mit dem Nahmen Burvin Regis Pribislai Filius H. Burevinus, I. Dominus.
Wiewohl er was klug hübsch und fin
So hat er doch erst lassen fallen
Den Königlichen Titul hoch mit Schallen,
Das that er durch der Seinen Lehre
Sein Reich das ward gemindert sehre.
Wer een mercket auf meine Lahr
Der findet noch eine andre klar,
Wie die Land seynd von ihm gekommen
Und von den frembden Gästen genommen
Sein Reich gleich gebauet eben
Des Königs Tochter von Pohlen gegeben
Ihm ward, Mechtild die war genant;
Das Closter Sonnfeld wohl bekant
Erst bauet sie aber nach 8. Jahr
Die Stadt ihr nicht behaget fürwahr,
Sie brachte, daß an einen andern Ort
Das neu Closter sie do nante fort,
Ihr Herr nach vieler guter That
Verstarb, bey seinen das Gräbniß hat.

 Das XLIV. Capitel.

Von Heinrichs Burvins Söhnen, Burvin den Jün-
gern und Nicoloto und wie sie das Reich
theileten.

DEm Vater folget hübsch und finBurevinus jun et Nicoletus.
Heinrich genant der ander Burvin
Und Nicolotus auch sein Sohn
Die theileten da das Land gar schon.
Mecklenburg fiel zu Nicolot
Nicht lang er fiel und starb in Gott.
Zu Gadebusch der begraben ward
Heinrich Werla mit sein Art
Zukam, der that do bald fryen
Des Königes Tochter aus Schweden Sophien
Von der er zeuget so gleich 6. Kind
Zwey Töchter unter ihm befunden sind,
Zu Güstrau richt er auf den Stifft,
Sanct Cicilien hat er wahl begiefft,
Da liegt er in den Tempel eben
Auf S. Cicilien Tag ihr Leben.
Die Wenden erst nahmen die Tauff
Bishieher blieben alle zu Hauff
Die Königin lieget zu Dobberan
Ihrer Kinder Leben höret fort an.

 Das XLV. Capitel.

Wie die nachgelassene Kinder Johannes, Nicolo-
thus, Burvin, Pribislauf, und zwo Töchter, wel-
cher Nahmen vergessen, die Land theileten, und
das Land Rostock erstlich einen Fürstlichen
Titul bekam. <poem>JOhann dem ältesten fiel zu Theil Divisio inter filios. Mecklenburg, Burvin zu seinem Heil [600]

[601]

Er nahm, sein Grab zu Gadebusch find.
Und von ihm kam gegen Mecklenburg eben
Sein Land dar recht nach seinem Leben.
Johann sein Sohn nicht lebet lange
Wislai von Pommern ohne Zwange
Tochter er kriegt, Helena genannt,
Und wolte darnach auf Pöeler Land
Fahren über des Meeres Grund,
In Eile erhub sich zu der Stund,
Er tranckt mit vielen seinen Mannen,
Sein Jäger Juba kam kaum von dannen
Den schwemmeten an den Ufer zwene Winde
An ihren Wind-Stricken hielt er geschwinde.
Der Herr ward gefunden todt
Zu Wismar begraben, genade ihn Gott,
Lieget bey den Observanten,
Eine Tochter er ließ, Lütgard sie nandten,
Die verlobet dreyen Graffen zart,
Nach einander, der erste Gerhard
Von der Hoy, Adolph der Ander,
Von Holstein von Lindower Lande
Gunther je der 3te waß,
Der alte Johann zu Gadebusch saß,
Der zog mit Heinrich seinen Sohne
Für Rüge, macht die Christen schone,
Darnach er starb, eine Tochter ließ,
Zu Gadebusch sein Grab war ohn Verdrieß.
An Mecklenburg so kam Gadebuscher Land
An Heinrich den Löwen von Mecklenburg genant,
Der gab den Töchtern Geld davor
Damit vertrauet nach ihrer Cor.

 Das XLVII. Capitel.

Von Herr Heinrich von Mecklenburg deßelbigen alten Herren Johann Sohne von welchen Heinrich ward gebohren, Heinrich der Löwe von Mecklenburg genandt.

HEinrich des alten Johann Sohn
Der folget seinem Vater klug und schon,
Der ward in Lieffland jung gebohrn,
Als sein Vater auserkohren
Die Heiden bracht an Christen-Glauben,
Die Zeit erlernet mit Streit und Rauben,
Daß er ein theurer Herr geacht
Von Pommern, Barnim bald gedacht
Anastasia seine Tochter geben hold,
Damit kriegt er auch Silber und Gold.
Die Frau was aus der massen zart
Sie zielete ihrem Herren Lutgard,
Dazu Heinrich den Löwen genant
Und Johann was auch wol bekant.

Das XLVIII. Capitel.

Wie Herr Heinrich gen Jerusalem zog und ward gefangen und dem Suldan bracht und saß 26. Jahr ehe den er loß ward, als er weg zog, da war Herr Hinrich der Löwe sein älter Sohn 3. Jahr alt.

BEy Herrn Heinrichs Zeiten das geschah
Der Suldan bracht in Ungemach.
Groß Armenien und ander Land
Er mordet die Christen, er raubet und brand.
Das bracht von Franckreich König Ludewig Schmertzen
Als billig gebohret sich Königliche Hertzen.
Er zog in Heydenschafft mit zweyen Söhne,
Und der König von Navarra schone
Nicht lange ein Pestilentz da entstund,
Der junge von Franckreich aus dem Bund
Ihm starb, dem folgt der Vater nach,
Sie kamen alle in Ungemach.
Herr Heinrich gebohrn von Königlichen Blut
Die Zeit nahm auch in seinem Muth,
Gleich wie sein Vater vor gethan
Die Heyden mit Streite auch wolt angahn.
Und folget dem ausgezognen Heere
Auf dem Wege kommen Mähre,
Die Reise wäre zurücke gestalt,
In seinem Sinne er dachte bald;
Du wilt ja nicht vergebens abe,
Und zog also zum heilgen Grabe.
Sein Geleites-Brieff gebrochen ward
Er ist gefangen auf der Fart.
Und abgefahrt von seinem Manne,
Ein Knecht gefahrt nun mit ihme danne,
Martin Bleyer was genant
Gar elend durch heidnisch Land,
Von Hierusalem aus dem Tempel wehrt,
Wie wohl er offte Gnade begehrt,
Gegen Damasco ward er erst gebracht
Gegen Alkier fort, und ward mit Macht,
Geworffen in ein Kercker hart,
Die Heyden hielten ihn unzart;
Sie verdroß der Christen Ueberfall
Das was sein Unglück ohne Zahl.
Sein Speise war klein und spate
Der Knecht der fand in seinem Rathe
Er lernet weben heydnisch gut,
Das macht ihnen beyden fröhlich Muth,
Davon sie Speise und Kleidung nahmen
Seiner Fürstin bald die Mähre kamen,
Von Schrecken ward ihr Hertze kalt
Sie rang ihr Hände mannigfalt,
Sie rieff auch an den Kayser werth,
Von alle dem Reich sie Schrifft begehrt
Sie wolt auch all ihr Kleinoth geben,
Sie möchten fristen ihrem Herren sein Leben.
Sie schicket Brieff mit theurer Kost
Ueber Meere dem Soldan, aber umsonst,
Seines Vaters That in Lieffland gleich
Ihm Schaden gebracht, auch hielten sie reich
Ihn so er wäre von Königlichen Stamm;
Bey seinem Gefängniß der dritte Soldan
Erwehlet ward, das war für wahr
Sein Gefängniß fünff und zwantzig Jahr
Sein Farb ihn und Gemühte verändert,
Im solchem Elend kam gewandert
Der neue Soldan in der Nacht
So Marie Christum auf Erden bracht,
Und sprach ihm heimlich an gar stille;
Heinrich wie stehet nun dein Wille
Begehrest du nicht zu schauen froh,
Dein väterlich Land? O Kayser o!
Wer hilfft mir aus dieser grossen Noth,
Verlassen hat mich Mensch und Gott,
Auch wenn ich schon käme wieder dar,
Niemand nehme mich an fürwahr
Mein freundliches Weib zu dieser Stund
Vielleicht mit andern Herren Bund
Der Ehe gemacht, und machte mich todt
Ich weiß meines Traurens kein Rath.
So will ich je viel lieber sterben
Denn daheim noch weiter Elend werben,
Der Soltan sprach, verzage nicht
Wir sind das durch Bohtschafft bericht



Anmerkungen Wikisource

  1. Text nach Google.
  2. Radegast: slawischer Gott
  3. Rethra: slawisches Zentralheiligtum in Mecklenburg
  4. Peene: Fluss in Vorpommern
  5. Svantevit: slawischer Gott
  6. Kap Arkona mit dem Zentralheiligtum
  7. Waldemar I. der Große: König von Dänemark (1153–1182)
  8. Lutizen - loser Bund einiger nordwestslawischer Stämme, welche im Mittelalter den Südosten des heutigen Mecklenburg-Vorpommern und den Norden des heutigen Brandenburg bevölkerten.
  9. Rethra
  10. Kessiner - Teilstamm der slawischen Lutizen
  11. Teterow
  12. Bogislaw I. - ein Herzog von Pommern
  13. Im Original ματξοῦκα für ματσοῦκα.