Chronicon der mecklenburgischen Regenten/Das Zweite Buch

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aus: Chronicon der mecklenburgischen Regenten
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[629]

Demüthig, so das noch anzeigt
Alles Land ihren Todt mit Klage,
Adell und Bauren man hört sage,
Dem Land durch sie empfohlen seyn
Der höchste Trost und Gnaden-Schein,
Ihr Tugend und demühtiges Leben
Berühmet was dermassen eben,
Daß Gott ihr Seele in Obersten Trohn
Mittheilen wolte seine göttliche Crohn,
Vor ihr nicht lange ward verlohren
Hertzog Baltzar der Fürst auserkohren,
Der starb auch durch der Kranckheit Last,
Hertzog Erich ihm folget, Gott gebe ihm Rast!
Erich was der Jahre nicht alt,[…]atres […]ricus & […]lbertus.
Hat Gott geben durch sein Gewalt,
Er hatte recht Alter mögen erlangen,
Sein Regiment wäre in Ehr begangen,
Durch Lehre besuchet Walisch Land.
Sein gnädig Geberen ist vielen bekand,
Hertzog Albrecht der wehrte junge Hild
Gedenckt auch etwas durch seinen Schild,
Erübern, von Sitten und Gestalt,
Daß ihn ietzt lieben jung und alt,
Nach ihm umbsehen darff man (nin) nicht,
Mit Worte und Thate ist so gericht
Hertzog Heinrich muß die Bürde tragen,
Geschäfft ihn Mühen nau alle Tagen,
Ich glaube kein Fürst im Römischen Reich,
Brieffendlich lesen sey sein gleich.
Ehe er der Räuber litte Dampff,
Viel lieber macht sich selbst im Kampff,
Dieselbige suchen und reuten aus,
Vor ihm sie liegen wie ein Mauß.
Darnach so tracht der Edle Fürst
Entkomt jemand, der wagts auf türst,al. torst, thurst, s. aufs theurste.
Den Seinen und Geistlichkeit wohlgewagen,
Bereits gedachten in jungen Tagen,
Daß nicht einmahlen die Alten vergessen,
Sein Schloß Schwerin mit Amt und Messen
Versorget, wie ein Thumb-reich eben,
Hat auch betracht der Seinen Leben,
Erst bracht ins Land der Observant,Primi Observantes seu docentes.
Ein jeder zu lehren, wie er genant,
Damit die Tugend weiter kommen,
Er thut ihm Hülff, er zeigt ihm frommen,
Sein Recht er durch solch Weißheit spricht,
Ich hab es hörn verachten nicht.
Gott wolt ihm geben eine seelige Frist,
Von ihm noch viel zu schreiben ist,
Die Lebendigen soll man mäßig priese,
Sonst hätte man schreiben ander Wiese.

 Ende des ersten Buchs.


 Das andere Buch.

Lib. II. Dynastis Wer[…]nsis, seu Dominatus Venedi. […]s. Eine Vorrede in das ander Buch an den Durchlauchtigen Hochgebohrnen Fürsten und Herrn, Herrn Heinrich Hertzog zu Mecklenburg Fürst zu Wenden Graff zu Schwerin der Lande Rostock Stargard Herr, durch oben angezeigten Nicol. Marschalcum Thurium beyder Rechten Doctor.

Wiewohl ich in dem ersten Buche eben, […]rologus […] Ducem Henricum.
Beschrieben der Obetriten Leben,
Bis auf die Zeit der letzten alle,
Nicht desto weniger zu gefalle
Und sonder liebe Herrn Heinrich gut,
Der itzt regieret wohlgemuth;
So will ich weiter Mühe nicht spahren,
Sagen von seinen Vorfahren,
Welche aus den Obetriten kommen.
Der Büchlein vieren nachgenommen, […]e libris 5. […] quenti[…]s.
Und noch ein ander nicht ohn Fleiß,
Geordnet, und sag in Wahrheit Preiß,
Im andern Büchlein ich ernenne,
Die Herrn von Werla, wer sie kenne,
Von Anfang biß zu Ende will
Der lese das Büchlein, darnach ziel (zehle.)
Die Herrn genant von Rostock werth:
Im dritten Buch, wer das begehrt;
Im vierdten ich die Stargard Hild,
Beschrieben habe, sind alle von Schild
Der Obetriten ersten entsprossen.
Im fünften Büchlein unverdrossen,
Ich habe beschrieben die Wenden theure,
Welch unchristlich lebten ungeheure,
Und zogen aus von diesem Ort,
Welschland sie besuchten mit Raub und Mord,
Das hab ich mit Unterthänigkeit,
Der Wahrheit Herren Heinrich zubereit,
Damit seine Gnade sein Vorfahren sin
Erkennen möcht in wahren Schien,
Der manchen Jahr war verblichen gantz
Möcht kommen wieder in Lichtes Glantz,
Derweil er selbst nach Ehren lebet,
Und Fürstlich nach der Tugend strebet,
Und ihm auf Erden nicht liebet so hart,
Als adelich Gemüth, damit er zahrt
Bedacht zu enden all sein That,
Fredesam, gütig, klug und von Rath.

 Das I. Capitel.

Wie dann erst die Herren von Werle kommen welche man die Wendischen Herren genannt und wie die erste ist gewest Nicolothus Heinrich Burwins des jüngeren Sohn, welches Bruder Burwin der erster Rostocker Herr ward.

Als Burwin der junge gestorben was[…]ominus […] Werle […]imus […]colotus.
Sein Sohn Nicolothus ohne Haß
Genannt von Werla ein Herr der Wenden,
Dem that Gott seine Gnade senden,
Er war im Streit ein theurer Mann,
Güstrau[s 1] den Stifft er fieng erst an.
Er schickt erst in Wenden Land,
Von ([1]) Amelesborn die Gott machten bekandt,

[631]

Er gab den Herren zu Dobberan,
Zechelin und Glyn sein gedachte zu han,
Von ihm entsprungen schöne Knaben,
Eine Fürstin von Anhalt er wolt haben,
Von der sind Heinrich, Johann, Bernhardt;
Der letzte starb in kurtzer Fart,
Sein Kinder er gedacht in Tugend im best,
Er bauet seine Städte, sie wurden fest,
Genoye, Rebell, Malachau, [s 2]
Die Marggraffen sprachen nun zuschau,
Otto und Johann sie wahren genant,
Ist der nicht uns mit verwand,
Wir sollten je sein Herre wesen:
Er sprach, ich hoff mag noch genesen,
Mein Bruder und ich sind Zuversicht,
Dann Gott zu dienen niemand verpflicht,
Er ward darnach ein Tag geleget,
Unerschrocken als er pfleget,
Zwischen Plau und Prietzbalch gar,
Besuchte den mit wenig Schaar,
Die andern hat er hinter sich,
Sprach werdet ihr vernehmen mich
Mit Zeichen, folget auf der Stunde,
Beyde Marggfraffen Rede ihm geben begunden
Die den Herren zu leyden schwere,
Sie fragten erst um solche Mähre,
Warumb die Städte (sind oben genant)
Er hatte gesetze, der Gräntze zur Hand?
Er sprach, ihr waret ein Zeit überelegen,
Uns Jungen, als Witzige pflegen,
Nun hat mein Bruder und mir gegeben
Von Himmel Gott, dass wir unser Leben,
Selbst mögen regieren die Baure;
Der Marggräffen Rath, ich meine ihr laure,
Unsern Herrn, sprache er, bald aus Grimme,
Aus dieser Städte noch süsser Stimme,
Ihr sprechet und gebet seile bass
Der Herr sprach: Wisset ihr das,
Ihr habt gegeben euer Kleid,
Zu kommen herauff auf gut Geleit.
Des Geleits Herren gestehen wir nicht,
Unter diesen zweyen seyd eins bericht,
Folget, oder singet unsern Thone!
Der Herr der antwortet klug und schone,
Sie solten sie ihrem Schild nicht schwertzen,
Und bringen ihn so zu Schmertzen,
Er machte mit seinem Hut ein Schimpff,
Die Kleider zog abe mit Gelimpff.
Auf einem Baum die er schwang,
Umb seinem Hut ein Schnur was lang;
Er scheisset, und sprach, folget nach,
Des kam der Marggfraff in Ungemach,
Die Seinen kommen zu hessen bald,
Und folgeten ihren Herren dergestalt,
Der Marggraff kam in die Flucht,
Sechsig von Adel man fangen bracht,
Dazu die Knechte in grosse Bahn,
Er liegt begraben zu Dobberan,

Das II. Capitel
Von seinen Söhnen Johann und Heinrich.

SEin ältester Sohn genant Johan
Mit seinen Brüdern regieren began,
Vor Lindau des Graffen Tochter dar,
Er nahm 5. Söhne die ihm gebahr,
Nicolaus, Johann, Gunter, Heinrich, beredt,
Die letzten zwey wurden gelehrt,
Geistlich in den Priester-Orden,
Zu Rebell blieben begraben worden,
Gunter ward ein Thum-Herr eben,
Zu Magdeburg liess auch da sein Leben,
Er Nicolaus nahm aus Dennemark zart,
Des Königs Tochter und bis sie ward,
Eines rechten Alters mit seinen siene,
So zog er sie zu Dobbertine,
Von vier Jahr alt unter Jungfrauen schon,
Rixa genant, der Tugend eine Crone.

Das III. Capitel
Wie Herr Johann starb und sein Bruder Heinrich auch ein Weib nahm, und von seinen Söhnen ermordet ward, und wie Herr Nicolaus ihr Vätter das rächete.

HEinrich des alten Johann Bruder,
Heinrich und Nicolaus zeuget, ihre Mutter
In Schrifften nirgends gezeigtet an,
Er nahm ein ander Frau fort an.
Von Lüneburg seinen Söhnen uneben
Das kost dem Herren hernach sein Leben,
Noch nahm er die dritte fürwahr,
Gebohren von Stettin, die gebahr,
Ihm Barnim, ein Mönch solt er seyn,
Zu Colbas, starb in Orden fein,
Heinrich sein Sohn der tracht mit Sinne,
Mit seinem Bruder, und worden des inne,
Wie sie ihren Pater möchten sahen,
Zu Unglück haben ihn todt geschlahen
In Rügen bey dem Dorffe Sale,
Dobberan[s 3] begraben, ihr Glück wird schmahle,
Denn Herr Nicolaus ihr Vätter obgenand,
Der jagete die Mörder aus dem Land
Doch kam Herr Heinrich na zu Schwan,
Er möcht aber nicht werden eingelahn,
Vor dem Schloss auf blossen Stroh
Er lag, der Voigt war unfroh,
Er ward vom Ambte gesetzet abe,
Vom Herren, man sahe ihm förder trabe
Nach Güstrau, er war willkommen nicht,
Nach Waren war sein Weg gericht,
Die waren gereit an Herrn Nicolaus Hand,
Wie bald zu Pentzelin er rannt,
Die Hilden den Herren mit grossen Schaden,
Den Löwen von Mecklenburg dauchte geraden,
Er wolt auch von der Wilt ein Ort,
Umb seinen Vättern erhub sich fort,
Nahm in Schwan[s 4] gar bald mit Macht,
Das geschahe mit List gleich bey der Nacht,
Die Zeit so starb der Bruder ein,
Vor Leyde Er Nicolaus recht ich mein,
Als bald der Löwe gewann die Stadt,
Die noch die Löwe zum Nahmen hat,
Besatzt die wohl, so ward gemacht,
Ein Tag zu Rostock und gedacht
Durch Wisla der Rügen Fürsten sin
Und Bugisla Hertzog von Stettin,
Nach frede Herr Heinrich fodert bald
Seion genommen Städte, Herr Nicolaus schalt
Ihn vor ein Mörder offenbar,
So ward der Tag am Ende gar,
Die von Rostock als die klugen Leute
Dachten, möchten wir den Storm bedeute,
Zum besten befohlen die Thorn zu schliessen,
Zu Fusse er machte sich do danne

[633]

Zum Möhlenthort aus, ihm wenig Manne,
Folgeten, so kam er durch die Auwe,
Heimlich zu der Stadt Güstraue,
Er ward gesuchet eben genug
Die von Güstrau kommen in Unfug,
Ihre Höfe und Scheuren werden verbrand
Der Fürst von Rügen folget zur Hand.
Im besten nach gegen Güstrau zu,
Herr Heinrich sprach, kommet ihr nu,
Und fing in der Kirchen gebunden,
Ihm schicket nach Parchim zu der Stunden,
Der Löwe trug dass nicht gefall,
Er zog nach Parchim im grimmen Schall,
Dem begegnet Herr Heinrich stark mit List,
Schlug ihr viel todt zu der Frist
Gefangen worden auch ein Theil,
Der Sterneberg ward die Flucht zu Heil,
Man faget der Löwe war nicht darneben,
Ein guter Hauptmann ist halber Leben,
So werden zu letzt also vereinet
Die weil der Fürst von Rügen gemeinet,
In treuen zu richten, so solte er loss
Ohne Entgeltniss, und ohne Verdross,
Wieder gegeben Gnoyen[s 5] die Stadt
Die er von der Zeit inne gehabt
So Herr Heinrich ermordet ward,
Die Gefangen worden loss die Farth,
Der Löwe hatte Schwan noch inne,
Herr Nicolaus dacht in seinem Sinne,
Die Gäste thun den Bauren gross Leyd,
Mit Rostock nahm der den Bescheid,
Sie solten ihn helffen und beystahn,
Lauw und Schwan er so gewann,
Das Schloss das that viel grosse Wehre,
Zu letzt sie worden Hülsse leere,
So fing Herr Nicolaus zu der Zeit,
Zehen Ritter auf den Schloss mit Streit,
Und dazu zwantzig Wapner gut,
Das daucht dem Löwen nicht seyn gut,
Er trachte auch, ob er möchte rächen,
den Adell ümb Wahren (Warne) that er sprechen,
Die waren ihm hold und sand den Rath,
Ein Schüler er gar freundlich bat,
Der war des Obersten Rathsmanns Sohn,
Er soll abdrücken die Schlüssel schon,
So kreig er in den Stadt mit List,
Herrn Nicolaus sammelt zu der Frist,
Schiff auf Rebel, Plaue, Malchaue,
Und fuhr zur Stadt gantz still genaue,
Hinten durch die Blancken bald,
Die Stadt gewonnen mit Gewalt,
Die Bürger möchten auch die Zeite,
Vielleicht seyn auf Herr Nicolaus Seite,
Des Adels wäre wass ümbsüss,
Sie waren gefangen, im geschah Unlust,
Denn als sie wolten ihre Herberge rahmen,
Die Bürger der Thore ware nahmen,
Und schlossen sie aus nach ihren Gefallen,
So wurden sie das gefangen alle,
Parchim schatzte die wehrte Mann,
Erst nahmen die Herren Frede an,
Nicht lange Herr Nicolaus that Brutlacht
Mit Rixa der Königin, aus Dennemarck bracht,
Da waren Renner und Stecher viel,
Und andere Freude war ohne Ziel

Das IV. Capitel
Von Herrn Johann Herrn Nicolaus Sohn und seine Tochter.

DIe Königin gebahr dem Herrn einen Sohn
Johann genant, war klug und schon,
Dazzu ein Tochter hübsch und zart
König Erich aus Schweden verlobet ward,
Darnach ging abe und ward gegeben.
Graf Gerhard von Holstein ehlich leben,
Begab sich auch zur selben Zeit,
Von der Osten wegen ein grosser Streit.
Die hat verjagt Wisla von Rügen,
Thaten sich zu Herrn Nicolaus fügen,
Bey Ramelstorss der Streit geschach,
Die Rügen kamen in Ungemach,
Herrn Nicolaus fing der Rügen viel,
Er schätzte die Dörffer in grossem Ziel,
Darnach der Marggraff raubte und brant,
Bey der Thür die Wendische Land,
So bauet er erstlich da da Schloss,
Eltenburg schöne und war gross,
Da starb Herr Herrmann, und darnach,
Der Löwe unter seine Gewalt brach,
Ein Ritter genant von Goldstedt Johann,
Heinrich dem Todtschläger abgewann
Die Stadt Pentzlein in Herr Nicolaus Hand,
So ward loss beyde Leut und Land,
Wer Vater und Mutter Ehre nicht thut,
Man findet selten ihn kommen zu gut,
Herr Nicolaus ward darnach fast kranck,
Sein Bruder Johann das Land empfang,
So zog Er nach den Aertzten eben,
In Franckreich, solten ihm Hülffe geben,
Von Monpeler er ward erlöst
In etwas, und seiner Pein getröst.
Uebergab also das Regiment
Zu Doberan ward zu letzt gesendt.

Das V. Capitel
Von Herr Johann seinem Sohne und seinen zweyen Töchtern.

JOhann sein Sohn nahm sin,
Mechthold Hertzog Otten von Stettin
Tochter, do dannen ward gebohrn
Herr Nicolaus der hat auserkohrn,
Des Graffen Tochter von Lindau bald,
Johann der starb und ward nicht alt,
Zwo Schwestern sie hatten, die eine die nam,
Graff Otten Schwerin, die ander kam
In das Closter Dobbertin
In Tugend, und beten that sie schien.

[635] Das VI. Capitel
Von Herrn Nicolaus den vierdten Herren Johannes Sohn.

HErr Johann der liess ein Sohn bekandt,
Nicolaus der vierdte was genant,
Zu Goldberg wohnet, und war seine Fraue,
Gebohrne Gräffin von Lindaue,
Do dannen ward geborhen eben,
Gnese, Jäncke, zwo Schwestern gegeben,
Mechtild nahm Herrn Laurentz werth,
Von Güstrau, Agnes die begehrt
Herr Johannes Sohn Bernhardt genant,
So starb ohne Erben forder das Land;
Und so kam an ihre Vater sin,
Genennet die Herren von Kessin.

Das VII. Capitel
Von Herr Johann Herr Nicolaus Bruder und dem heiligen Blute zu Cracau und Güstrau, und wie der Durchlauchtige Hochgebohrne Fürst, Hertzog Heinrich von Mecklenburg, dem dis Büchlein von mir zugeschrieben, an den Ort, da das Sacrament zu Güstrau befunden, etliche Geistl. Herren der waren Observanten erst gefatzet.

HErr Johann Herrn Nicolaus Bruder eben,
Dem ward zum ehelich Gemahl gegeben,
Mechtild von Lüneburg gebohren,
Hertzog Otten Tochter auserkohren,
Bey seinen Zeiten, die Juden stargk
Die Kirch zu Krackau brachten in argk,
Das heilig Sacrament sie daraus stahlen,
Sie stachen mit Messern und mit Nalen,[s 6]
Am Ende sie worffen an die Strasse,
Herr Johann der kam auch mit zu masse,
Die Joden strafft mit Rad und Feuer,
Ihr Bossheit macht er ihnen recht theuer,
Durch alle sein Land er suchte den Bund,
Man fand verstreuet zu der Stund,
Die Hostien hin und her verlegt,
Herr Johann der ward dadurch bewegt,
Liess bauen eine Capelle gleich,
Die ward besuchet mit Opffer reich.
Das theilt er mit dem Thum-Herren recht,
Begab sich auch das Jüdische Geschlecht,
Das thut nicht gut, ein Frawe zart,
Durch List des Teuffels beweget ward,
Verkaufft dem Juden der Welt Heyl,
Zu Güstrau ward dem Juden zu theil
In ihrer Synagoga Pin
Ihm thaten macher Hande schien,
That er do der alle Dinge hat
In seiner Macht, ein Jüdin trat,
Von ihrem Irthum und bekandt Gott,
Ihr Bruder hat ein Frau in Spott,
Die getauffte Jüdin bat mit List,
Sie solt ihr Gast seyn zu der Frist,
die Jüdin-Christ mit Schmähe-Wort,
Die getauffte Frau verthädigte fort
Ihren Glauben, so ward erhaben ein Streit,
Die Jüdin sagt du bist die Zeit
Von uns gezogen, Buhschafft treiben,
Sie antwort, wie hat ich mögen bleiben,
Als ihr die Hostien stacht mit Nadeln,
Messern, Pfriemen mannigfalden,
Da sach ich säuberlich ein Kind,
Ich gedachte bald, wird sind verblindt,
Und Jodich Glaube der ist nicht recht,
Dis Kiefen hörten Schneider-Knecht,
Und brachten solches in den Rath,
Von Werla Herr Johann die Joden drat,
Fing die Verkaufferin, hub sich von dan,
Nach Müselmau, ihr folget etzlich Mann,
Und brachten sie hertiglich gefort,
Herr Johann sprach, wie hastu neuen Mord,
Gericht an der Werl (Welt) Heyl,
Sie ward gebunden mit Ketten und Seil,
Gebrand zu Aschen, bald darnach,
Von Werla Johan zu den Joden sach,
Ihren Hauptmann gütlich Lazarus,
Er ansprach, und nahm inn sünders us,
Er solt ihm sagen wohin kommen,
Das heilige Sacrament, im selbst zu frommen,
Solt das ihm und allen reichen,
So viel man ihm möchte schmeichen,
Nach seiner Frauen der that er tröst,
Eher solt sie sterben den werden erlöst,
Durch solch Maass, verbrennet worden
Die anderen Joden behielten ihr Orden,
Lazarus gab man treue Wort,
Sein Lebetag wolt man geben fort,
40. Marck und seiner Frauen,
Das heilige Blut solt lassen schauen.
Das was an ihm verlohren alle,
Man nahm die Frau in grossen Schalle,
Nachdem die Fürstin Mechtild theuer,
Ihr nicht abgefraget, und warss zu Feuer,
Lazarus rieff einen jeden an,
Er wolt sein Orden nicht verlahn,
Er dacht zu kommen in Abrahams Schooss,
Da ward der von seinen Feddern bloss,
Man sages es ist kein Ampt so ringe,
Man mag davon Geniesse bringen,
Der Voigt die Zeit zu Güstrau eben,
Der kreich, dass er desto bass mocht leben,
Er gab seinen Herren auch den Rath,
Sie kriegen beyde Geldes satt,
Zuletzt der Herr befahl gantz hart,
Herr Johann von Warkentien der zart,
Priester, der die Jüden gelart,
Da sie zum Christen Glauben gekart, (gekehrt,)
Solt ansprechen und sagen: Die Pein
Welche geleden die Juden in Feuers-Schein,
Sollten sie beyde leyden darnach,
Oder melden die Städte; solch Ungemach
Die getauffte Frau sprach will ich wenden,
Ich will euch führen zu den Enden,
Sie fasten alle und bathen GOtt,
Des Morgens früh ohn allen Spott,
So sie und Herr Johann mit GOtt bericht,
So war sie demüthig und schlicht,
Sie führte in ihres Bruders Hauss,
Man grub so viel, dass man daraus
Bracht des heiligen Wunder-Blut,
In leinen Tuch bewunden gut,
Und in ein Glass versorget sein,
Es ward erhaben in grossen Schein,
Und mehr besucht den Cracoven was,
Herr Johann von Werle in Ehre besass,
Sein Tage da bauet Capalle schon,
Die nu durch GOtt im höchsten Thron,
Geschicket durch Herr Heinrich gut
Von Mecklenburg, der hat treuen Muth,
Zu bessern durch ein geistlich Leben,

[637]

Die Seinen und zu einen Closter geben,
Der Herren genandt der Observant;
Herr Johannes Frau starb auch zur hand,
Zu Röbell sie begraben leit,
Herr Johann starb auch in kurtzer Zeit,
Zu Dobberan bebraben ward,
Sein Begraff ziereten auch die Farth,
Barnim Hertzog von Stettin,
Albrecht von Mecklenburg wolt da sin,
Dazu von Werla, Nicla, Johann
Von seinen Söhnen hört fortan.

Das VIII. Capitel.
Von seinen Söhnen, Herren Nicolaus, Herren Bernhardt und seinen Töchtern.

ER liess zween Söhne wohlgestalt
Die freyten beyde ohn Aufzog bald,
Zwo Schwestern von Holstein waren gebohren,
Graff Johannis Tochter auserkohren,
Bernard zehlet fort, Johann,
Metze, [2] Mizisla, Metza gewann
Heinrich von Mecklenburg fort zum Manne,
Nicolaus der liess zweene Söhne fort danne
Laurentz, Johann und Catharin
Nahm den Hertzog von Belgersdorf fin
Mizisla, welche Metze Schwester was,
Zu Eldena im Closter den Orden besass.

Das IX. Capitel.
Von Herr Lorentz Herr Nicolaus Sohne.

LAurentz der war gut und milde
Frede wohnet in seinen Schilde,
Mechtild nahm zum ehelichen Gemahl,
Gnese, Janicken Tochter der Wendischen Zahl,
Davon so zehlet Männliches Schlecht
Baltzer, Johann, Nicolaus, Wilhelm recht.
Und starb darnach zu seiner Frist,
Zu Güstrau er begraben ist.

Das X. Capitel.
Von Herrn Balthasar und Johann seinen Söhnen, dann Herr Niclaus und Herr Wilhelm sturben jung.

NIcolaus und Wilhelm storben jung,
Baltzar, der hatte guten Bedung
Hertzog Magnus von Mecklenburg Tochter nam,
Die starb ihm bald, zu Güstrau kam,
Den Herren begegneten darnach Streit,
Von Lübeck, er machte sie Geldes queit,
Nicht lange er nam von Schlesswig gut
Hedwig gebohren wohlgemuth,
Starb aber bald ohn Kind darnach,
Zu Güstrau liegt in Ungemach,
Herr Johann in kurtzen Tagen bald,
Zum Tode folget dergestalt,
Des Hertzog von Lauenburg Tochter fin,
Sein Frau nicht liess ein Kindlin.

Das XI. Capitel.
Von Herrn Johann Herrn Bernhard Bruder.

JOhann Herr Bernhards Bruder fin
Ein Herr genant von Guarin,
Aller Tugend voll von Art
Nahm Gnese Janicken Schwester zart,
Davon er zeuget nach der Bahn,
Niclaus, Christoph, Virian
Und zuletzte Wilhelm gut,
Mislavam und Agnet wohlgemuth,
Die erste liess Abtissin zu Quedlenburg eben,
Agnet zu Malchau im Closter ihr Leben.

Das XII. Capitel.
Von Herrn Nicolaus, Christoph und Wilhelm.

HErr Nicolaus der was Adelicher Mass
Nachdem er dann das Land besass,
Und sah das fest beschweret mit Geldt,
Er macht desto ringer sein Gezelt,
Löset was verstanden war,
Bracht wieder zusammen in kurtzen Jahr,
Frau Sophie nahm von Wollgast schon,
Ein Witwe Königs Erichs, König Albrechts Sohn,
Davon zeuget Fräulein Judith guth,
Die nahm Heinrich von Mecklenburg wohl gemuth,
Nicht lange Sophia starb in GOtt,
Christoph nahm auch ein Frau aus Rath, al. Noth.
Und blieb doch sunder Erben recht,
Erschlagen bey Meygeburg von Mercker Geschlecht,
Zu Röbell der begraben ward,
Herr Wilhelm in der Jugend zart,
Lernet die Buchstab in Böhmen zu Prage,
Zu Güstrau darnach nahm Wohnungs Lage,
Ein Probst der Kirche Cicilie reich
Sein Stamm der war vergangen gleich,
So nahm er durch seiner Freunde Rath,
Aus Päbstlicher Gnade von Fürstlichen Staat,
Annen gebohrnen von Anhalt fein,
Kein Erbe ihm liess darumme die Sein,
Ihm freyeten Sophie von Pommern gebohrn
Ein Tochter Cathrin war auserkohrn
Ihm zeuget, darnach so starb der Hild,
So ward begraben Speer und Schild,
Der Wendischen Herren, die Herrschafft kam,
An Stagard, und Mecklenburg nam,
Die waren Heinrich und Johann genant,
Catharin Sie gaben nach der Hand,
Zwantzig tausend silbern Marck,
Ihrem Vätter Herr Barnim sünder argk,
Ihrem Mutter Bruder zahleten sie das Geld,
Und löseten also beyde Städte und Feld.

Ende des andern Buchs.


  1. Anno 1170. wurde das Closter Dobberan mit einem Abte Conrado und verschiedenen Conventualen aus dem Amelunxbornischen Closter besetzet. Unter diesen ist auch gewesen Berno, welcher hernach Episcopus Megapolensis ac Vendorum apostolus geworden. Siehe hievon Casp. Iongelinus in Notitia abbatum Cisterciens. L. 3. p. 70. und Jo. Georg. Leuckfeld in Chronologia Abbatum Amelunxborn. §. 16. §. 55.
  2. (a) Die Mässige, a Metz, veteri Francico i. e. modus, mensura, Maasse. Immetze apud Notkerum est unmässig, mezhafft, moderate. Plura de hoc vocabulo et de mali hodierni sensus ratione vocis Metze vide in Antiquitatibus Mecklenb. Adde observata apud Schilterum, Wachterum, Frenzelium, ceteros.

Anmerkungen Wikisource

  1. Güstrow
  2. Genoye = Gnoien, Rebell = Röbel, Malachau = Malchin?
  3. Kloster Doberan
  4. Schwaan
  5. Gnoien
  6. Hostienfrevel und Judenprogromm am Beispiel der Stadt Sternberg