Così nel mio parla voglio esser aspro

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Textdaten
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Autor: Dante Alighieri
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Titel: So rauh will meine Stimme sich erheben
Untertitel:
aus: Die unbekannten Meister – Dantes Werke, S. 78–81
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: Così nel mio parlar voglio esser aspro
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Quelle: Commons
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[78]
So rauh will meine Stimme ich erheben,

Wir hart in Taten dieses Bild von Steine;
Ihr wachsen im Vereine
Härte und Grausamkeit von Stund zu Stunden;

5
Von Jaspis scheint ihr ganzer Leib umgeben.

Drum – oder weil sie flüchtet, wie ich meine –
Hat noch bei ihr in keine
Blöße des Köchers Pfeil den Weg gefunden.

[79]
Sie aber trifft; vor ihren Todeswunden
10
Kann weder Flucht noch Schutz uns Rettung bringen.

Hin schwirrt auf schnellen Schwingen
Ihr Pfeil zum Ziel, zersplittert alle Waffen:
Ich weiß nicht Rat, kann keine Hilfe schaffen.

Da ist kein Schild, den sie mir nicht zertrümmert,

15
Kein Ort, der ihrem Blick mich könnt’ verhehlen.

Doch hoch in meiner Seelen
Thront sie wie Blüten droben an den Zweigen.
So wenig gilt mein Leid ihr, wie sich kümmert
Der Schiffer um das Meer, dem Wellen fehlen.

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Kein Reim kann je erzählen,

Wie schwer die Last ist, der ich mich muß neigen.
Willst, grausam harte Feile du, nicht zeigen –
Da heimlich du genagt an meinem Leben –
Warum du ohne Beben

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Mein Herz mir also stückweis kannst zernagen?

Mir bangt, von deiner Kräfte Quell zu sagen!

Mir zittert ja das Herz, wenn ich beginne,
Dort etwa meiner Fraue zu gedenken,
Wo andre auf mich lenken

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Den Blick (mir bangt, man könnt’ ins Herz mir sehen) –,

So schreckt mich nicht der Tod, der in die Sinne
Nagend der Liebe Zahn sich läßt versenken.
All meine Kraft verschenken
Läßt der Gedanke mich; ich muß vergehen.

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Zu Boden schlug sie mich – und auf mir stehen

Seh’ ich sie mit dem Schwert, das Dido fällte;
Und meine Klage gellte
An Minnes Ohr und flehte um Erbarmen;
Doch sie zeigt keine Gnade für mich Armen.

Die edle Frau im Fenster von Dante Gabriel Rossetti, Seite 80

40
Von Zeit zu Zeit hat sie den Arm erhoben,

Als ob sie frevelnd meinem Leben dräute,
Am Boden hält als Beute
Sie rücklings mich, daß alle Kräfte weichen.

[80]
Im Geist hab’ ich zu klagen angehoben,
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Und all mein Blut (das rings im Leib zerstreute)

Eilt, wie der Ruf entbeute,
Flüchtend zum Herzen hin. Ich muß erbleichen,
So stark weiß links ihr Ziel sie zu erreichen,
Daß rückwärts hin zum Herz die Schmerzen wandern.

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Da sprach ich: „Wenn zum andern

Mal sie noch zuschlägt, wird mich Tod umfangen,
Eh’ noch der Streich hernieder ist gegangen.“

Könnt’ doch zerissen ich ihr Herz erschauen,
Wie grausam sie das meine ließ zerspalten:

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Für schwarz würd’ ich nicht halten

Fortan den Tod, den mich ihr Reiz läßt sehen;
Sie gibt bei Tag ihn und im nächt’gen Grauen,
Raubgierig läßt sie ihren Blutdurst schalten.
In heißen Abgrunds Spalten

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Schrei’ ich nach ihr! Warum muß sie nicht flehen?!

„Ich komme,“ rief ich flugs, „dir beizustehen!“
Voll Freude täte ich’s und würde packen
Das blonde Haar im Nacken
(Das Minne golden lockte – mir zum Leiden –)

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Mit meiner Hand, um mich daran zu weiden.


Hätt’ ich sie erst bei ihren blonden Haaren
(Gleich Rut’ und Geißel schlagen sie mir Wunden!),
Würd’ von den Morgenstunden
Zur Vesper und zum Abend ich dran ziehen,

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Und mich nicht sanft und sittsamlich gebaren:

Des Bären Freude würde ich bekunden!
Und Rache hätt’ gefunden
Ein jeder Streich, den Minne mir verliehen.
Ihr schönes Auge (daraus Funken sprühen,

75
Die das zerrißne Herz zum Lohen brachten)

Würde ich starr betrachten:
Das wär’ die Rache, daß sie mich gemieden!
Und dann schlöss’ ich durch Minne mit ihr Frieden.

[81]
Mein Lied, geh’ graden Wegs hin zu der Fraue,
80
Die mich ins Herz traf und mir das genommen,

Wofür ich heiß entglommen.
Dein spitzer Pfeil soll ihr ins Herze dringen,
Denn Rache wird uns stolzen Ruhm erringen.