Daß Tiere einander das Leben retten

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Daß Tiere einander das Leben retten
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aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1915, Vierter Band, Seite 212–213
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Erscheinungsdatum: 1915
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart, Berlin, Leipzig
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[212] Daß Tiere einander das Leben retten, ist schon häufig beobachtet worden. Recht bemerkenswert erscheint hierbei die Tatsache, daß es sich bei diesen Vorfällen oft um Tiere handelt, die sich sonst feindlich gesinnt sind. Das Gefühl des Mitleids, das die helfenden Tiere zu der Rettungstat drängt, entspringt mithin durchaus nicht immer einer schon vorher bestehenden freundschaftlichen Zuneigung.

Auf dem Dampfer „Viktoria“ der Woermannlinie befanden sich einmal zwei Reisende, die jeder einen Hund mit nach Südwestafrika nahmen. Obwohl der Terrier „Fox“ und der Pudel „Mohr“ nun die einzigen ihres Geschlechts auf dem Schiffe waren, vertrugen sie sich derart schlecht miteinander, daß man sie nach ein paar Beißereien, bei denen Mohrs eines Ohr stark zerfetzt wurde, an die Leine legen mußte, um weiteren Feindseligkeiten ein Ende zu machen. Beim Eintreffen in Swakopmund wurde Fox dann durch das Tau eines Dampfkrans, in das er sich verwickelt hatte, über Bord geschleudert. Die See ging ziemlich hoch und warf den Terrier so kräftig gegen die Bordwand, daß er halb betäubt langsam untersank, noch bevor man ihm Hilfe bringen konnte. Da sprang der Pudel, der sich an der Reeling aufgerichtet und den Unfall beobachtet hatte, plötzlich, ohne daß ihn jemand dazu ermuntert hätte, seinem Feinde nach, tauchte unter und brachte ihn, indem er ihn mit den Zähnen im Genick gepackt hielt, glücklich wieder an die Oberfläche, wo bald hilfsbereite Matrosen beide Hunde in ein Boot zogen.

„Eine Katze“, so berichtet eine Tierschutzzeitung, „hatte vier Junge zur Welt gebracht, und der Besitzer ließ drei von den kleinen, neugeborenen Tierchen in den Fluß werfen. Zwei gingen gleich unter, das dritte aber war kräftiger und vermochte sich kurze Zeit über Wasser zu halten. Durch das klägliche [213] Miauen angelockt, eilte eine Hündin herbei, sprang ins Wasser, packte das Kätzchen, schleppte es ans Ufer und trug es zu ihren eigenen Jungen. Sie übernahm dann auch die Pflege und Ernährung des hilflosen kleinen Tieres.“

Eine indische Zeitschrift wieder erzählt folgenden Fall: „Nördlich von Patna befindet sich an einer flachen Stelle des Ganges die Elefantenschwemme, wo täglich Dutzende dieser Riesentiere ihr Bad nehmen. Als nun eines Tages bei einem Frühjahrshochwasser der mächtige Fluß gefährliche Strudel bildete, fiel von einem vorüberfahrenden Dampfboot ein Hund ins Wasser und wurde von der Strömung schnell an eine Stelle geführt, wo ein großer Wirbel alle in der Nähe vorbeitreibenden Gegenstände – Baumäste, Bretter, losgerissene Grasstücke – mit unheimlicher Gewalt förmlich verschluckte. Der Hund, der die drohende Gefahr ahnen mochte, stieß ein klägliches Geheul aus und versuchte mit ganzer Kraft gegen die kreisende Flut anzukämpfen. Diesen Vorgang bemerkte ein Elefant, der sich in der Nähe soeben mit Hilfe seines Rüssels eine ausgiebige Dusche zuteil werden ließ. Trotz des Verbotes seines Führers watete der Elefant plötzlich auf den bereits versinkenden Hund zu und bekam ihn noch im letzten Augenblick glücklich mit dem Rüssel zu packen. Dem gewaltigen Dickhäuter vermochte der Strudel natürlich nichts anzuhaben, und so erreichten beide Tiere wohlbehalten das Ufer.“

W. K.