Das Aalgift

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Titel: Das Aalgift
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 723–724
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[723] Das Aalgift. Unter diesem Namen wird in die große Reihe der Gifte gegenwärtig von der Wissenschaft ein neues eingereiht. Es ist furchtbar in seinen Wirkungen und in dem Blute unserer wohlschmeckenden Aale enthalten. Wer hätte daran gedacht, wenn er einen fetten großen Aal ansah, daß man aus dem Blute dieses Fisches eine Menge Gift gewinnen könnte, welche wohl genügt, um zehn Menschen zu tödten! Und doch ist die Thatsache wahr. Professor Mosso in Turin hat neuerdings seine interessanten Studien nach dieser Richtung hin veröffentlicht und wir heben aus seinem Bericht das Wichtigste hervor.

In der zoologischen Station in Neapel, von welcher Karl Vogt in früheren Jahren unseren Lesern berichtet hat, befaßte sich Professor Mosso mit Studien über die Zusammensetzung des Fischblutes und wollte vor allem feststellen, warum gewisse Fische, wie z. B. die. Aale, in See- und Süßwasser leben können, während andere Seefische in kurzer Zeit absterben, wenn man sie ist Süßwasser bringt. Zu diesem Zwecke ließ Professor Mosso Aalblut gerinnen. Es bildete sich dabei wie gewöhnlich der sogen. Blutkuchen und das Blutwasser; das letztere sah gelb aus und hatte einen bläulichen Widerschein. Professor Mosso kostete einen Tropfen dieses Blutwassers. Kaum aber hatte er damit die Zunge berührt, so empfand er schon einen scharfen brennenden Geschmack und hierauf stellte sich eine reichliche Speichelabsonderung nebst deutlichen Schlingbeschwerden ein.

Sowohl das Blutwasser des gemeinen Aales, wie das des Meeraales und der Muräne zeigte dieselben Wirkungen. Es unterlag keinem [724] Zweifel, daß dieses Blutwasser giftige Eigenschaften besitzen mußte. In Turin wurden die Versuche weiter verfolgt und das Blutwasser der Aale tödtete alle Versuchsthiere, denen es ins Blut eingespritzt wurde. Ein Kaninchen z. B., dem man 3 Decigramm Blutwasser einer Muräne unter die Haut einspritzte, erlag der Wirkung in 2½ Minuten; ein Hund, dem ½ Gramm in die Halsader eingespritzt wurde, war in 4 Minuten todt. Die Vergiftungserscheinungen waren derselben Art, wie wir sie beim Schlangengift beobachten; mit dem Unterschied, daß das Schlangengift weit energischer wirkt. Glücklicherweise wirkt dieses Fischgift nur dann, wenn es unmittelbar in das Blut gebracht wird, und wir werden darum nach wie vor Aale „nach allen Arten“ essen können; denn das Aalgift verliert auch durch die Zubereitung des Fisches in der Küche seine verderbenbringenden Eigenschaften. Besonders wichtig aber ist die Erklärung des Professors Mosso über die Art der Wirkung des Giftes, da es auch auf die Behandlung des Schlangenbisses einiges Licht wirft. Unsere Leser werden auch als Laien wissen, daß in dem verlängerten Mark sich eine kleine Stelle befindet, welche der „Lebensknoten“ genannt wird. Sie ist nur so groß wie ein Stecknadelkopf und bildet das Centrum der Athembewegungen. Durchbohrt man diesen „Knoten“ mit einer starken Nadel, so fällt das Thier augenblicklich todt zusammen, da mit einem Schlage die Athembewegungen vernichtet werden. Das Aal- und Schlangengift scheint nun in erster Linie das verlängerte Mark zu beeinflussen und durch die Hemmung der Athmung den Tod zu verursachen. Wird nun künstliche Athmung eingeführt, so kann die Wirkung des Giftes nach der bedenklichen Richtung hin gehoben werden und dem Organismus wird die Möglichkeit geboten, sich nach und nach zu erholen.

Man darf den weiteren Forschungen des berühmten italienischen Gelehrten mit Interesse entgegensehen; vielleicht gelingt es ihm, vollgültige Beweise für die Richtigkeit seiner Auffassung zu bringen und ein Mittel gegen das Schlangengift zu finden.
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