Das Brod mit harten Thalern

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Das Brod mit harten Thalern
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 388–389
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[388]
81) Das Brod mit harten Thalern.
S. Börner, Volkssagen aus dem Orlagau. Altenb. 1838 S. 235 fg.

Einst gingen zwei Bauerweiber, die leeren Tragkörbe auf dem Rücken, von Steinsdorf, einem Dörfchen an der Saale in der Nähe der Stadt Leutenberg, in die nahegelegene Waldung und besprachen sich freundlich mit einander über ihre häuslichen Geschäfte. Beide wollten am nächsten Morgen für ihr Gesinde und Angehörigen Brod backen. Da wurde mit einem Male ein Waldweibchen ihnen zur Seite sichtbar, bat und sprach:

Backt doch ein Brod
Auch mir in meiner Noth,
Groß oder klein,
Am Besten wie ein halber Mühlstein.

„Ach, liebe Frau! wir haben selbst Mäuler genug zu füttern!“ lautete die Antwort der Bäuerinnen, „der Ofen langt kaum zu, um Brod genug für uns zu backen“. „Darum wißt Ihr auch, wie Mangel thut und Armuth drückt“, erwiderte die kleine Bettlerin, „erbarmt Euch doch, backt mir ein Brod und legt es morgen hierher auf diesen dreifach bekreuzten Stock“. [389] Weg war nach diesen Worten das wunderbare Wesen. Die Bauernfrauen besprachen sich hin und her, was zu thun sei, allein großmüthig meinten sie zuletzt, sie dürften doch das arme Ding nicht vergebens Brod auf leerem Stocke suchen lassen, und bucken aus ihrem Vorrath von Mehl gemeinschaftlich ein Brod so groß wie andere Brote auch. Drauf gingen sie und trugen es in den Wald an den bemerkten Ort.

Nach drei Tagen machten nun jene Weiber denselben Weg ins Holz. Da fiel ihnen das Brod ein: „wird es denn das Waldweibchen geholt haben?“ sie sahen nach, aber die ihnen so schwer gewordene Gabe lag noch unangerührt, wie es schien, auf derselben Stelle. Hatte die kleine Frau sie blos zum Besten gehabt mit ihrer Bitte und die Gabe nun verschmäht? war die Hilfe zu spät für die Leidende gekommen? oder war sie zuletzt eine Beute Berndietrichs geworden? Die eine Möglichkeit wie die andere bekümmerte die guten Bauerweiber. Unrecht aber, das sahen sie ein, wäre es gewiß, wenn sie das liebe Gut noch länger draußen liegen lassen wollten. Sie nahmen also das Brod auf, aber, hilf Himmel! wie schwer war es doch geworden; es konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Neugierig schnitten die sich verwundernden Weiber den Laib Brodes auf, aber siehe, lauter harte Thaler rollten daraus hervor. Wer war froher erschrocken als die Beiden? Redlich wurde der reiche Lohn ihrer Gutherzigkeit von ihnen getheilt; es war Geldes genug für ihr beiderseitiges Auskommen auf lange Zeit hinaus.