Die Hexen zu Meuselwitz

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Hexen zu Meuselwitz
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 384–388
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[384]
80) Die Hexen zu Meuselwitz.
S. Altenb. Kirchengalerie Nr. 61. S. 348 fgg.

Als in den ersten Tagen des Februar 1648 noch kaiserliche Einquartirung in Meuselwitz lag und deshalb verstärkte Nachtwache gehalten werden mußte, bemerkten mehrere Wächter, daß feurige Lufterscheinungen sich über die Kirche hinzogen und in der Gegend der herrschaftlichen Scheune beim Kellerhäuslein niedersenkten. Gleichzeitig hatte ein Viehsterben auf dem Hofe Heinrichs von Clauspruch des Jüngern die Ställe gelichtet. Man nahm nun an, jene Erscheinung am Himmel sei der in Drachengestalt sich zeigende Teufel gewesen und die Viehseuche eine Wirkung desselben. Es kam also nur darauf an, seine Verbündeten und Werkzeuge ausfindig zu machen. Nun wohnte in dem Kellerhäuslein ein Tagelöhner, Martin Eichler, dessen Ehefrau Marie aber, 28 Jahre alt, seit zwei Jahren kränkelte, damals bereits bis zum Skelett abgezehrt, völlig entkräftet und offenbar geistesschwach war, aber in diesem Zustande Aeußerungen über sich selbst und andere Personen gethan hatte, die man für bedenklich hielt und der auflauernden Gerichtsherrschaft hinterbrachte. Clauspruch ließ die Kranke erst durch ihren Mann ausforschen, begab sich darauf am 11. Februar selbst zu ihr und fragte sie, ob sie den Drachen habe. Als dies nebst andern daran geknüpften Fragen von ihr bejaht, auch sofort gerichtliche Aussage der oben erwähnten Wächter beigebracht [385] worden war, ließ er die schon halbtodte Frau in einem Backtroge ins Gefängniß tragen. Dies geschah am 12. Februar und am 13. und 14. erfolgte die Vernehmung durch den Gerichtsverwalter Johann Kind. Den Drachen habe sie vermuthlich von ihrer Mutter in deren Sterbestunde erhalten und zwar mittels eines Stückes aufgewärmten Fleisches, welches diese ihr zu essen aufgenöthigt; darauf habe sie sich mit ihm verlobt und nähern Umgang mit ihm gepflogen, in dessen Folge einige Male garstige Würmer von ihr gegangen seien, er habe sich George genannt (sie nennt ihn aber Saugörge) und einmal sei sie mit ihm zum Tanz auf dem Rupperts- (Bloks-) Berge gewesen. Dies sei das andere Jahr, als sie den Drachen angenommen, am Walpurgisabend geschehen, denn im ersten Jahre habe sie sich abgeredet und die letzten zwei Jahre habe sie wegen ihrer Krankheit nicht hinauf kommen können. Ueber die nähern Umstände dieser Fahrt befragt, sagte sie, sie habe sich auf einer Ofengabel hinaufbegeben, Essen sei oben nicht dagewesen, wohl aber Bier zum Trinken, ein Viertel etwa, auch habe als Einschenker eine Frau fungirt, im untern Gesichtstheile weiß und fein dickblüntzschigt, auch etwas hinkend, wie sie geheißen, wisse sie nicht, aber von Spora sey sie gebürtig gewesen. Das Bier wäre aus Töpfen und Krügelchen getrunken worden, aber hätte nicht gut geschmeckt. Nach ihren Mitschwestern gefragt, bezeichnete sie fünf Ehefrauen und eine Wittwe aus dem Dorfe, die sämmtlich als Hexen mit auf dem Ruppertsberge gewesen seien, ein alter Musicant aber aus demselben Orte, Namens Krombsdorf, habe mit seiner Fidel zum Tanze aufgewartet. Weiter erzählte sie, der Drache habe ihr gleich anfangs zehn Thaler gegeben, wofür sie Einiges eingekauft, etliche Male habe er sie zu sich ins Holz bestellt und hätte dann dort gestanden wie ein kleines Närrchen, hätte einen „Sahm“ Holz zusammengebunden gehabt und ihr solches heimzutragen gegeben, auch hätte er ihr helfen Butter und Käse machen und einen Sommer über etwa zehn Mal, jedesmal eine Wasserkanne voll Milch gegeben, daß sie aber von [386] ihm zaubern gelernt und die Clauspruchschen Pferde und Kühe krank gemacht, davon wisse sie nichts. Gefragt, ob ihre Mitschwestern auch mit getanzt und jede von ihnen einen Buhlen gehabt, bejahte sie solches und beschrieb diese sogenannten Junker als große Männer in gelben Kleidern und rothen Höschen mit schwarzen Mützen. Der Leipziger Schöppenstuhl verdammte die Eichlerin hierauf zum Feuertode, allein sie starb vorher, am 1. März 1648.

Inzwischen war am 23. Febr. der schon erwähnte Hans Krombsdorf, ein 77jähriger Greis eingezogen worden, derselbe leugnete zwar anfangs, allein, als ihm die Eichler ihre Anklage ins Gesicht sagte, gestand er zwar, er habe mit seinem Fidelchen zum Tanze aufgespielt, dies sei aber auf einer Wiese des Junkers von Bünau zu Wildenhain geschehen. Weiterhin bekannte er auf der Folter noch mehr und nannte als eine der Tänzerinnen die Frau des Leinwebers Georg Graulich zu Meuselwitz. Diese leugnete zwar auch, allein nachdem sie am 11. März torquirt worden war, räumte auch sie ihren Umgang mit dem Teufel ein und ward deshalb mit dem Fiedler nach geschehenem Urtheilsspruche am 22. März auf dem Galgenberg lebendig verbrannt. Eine ziemlich bejahrte, lahme Wittwe, Katharina Deckner, war von der Eichler und der Graulich auch als Mittänzerin angegeben worden, der Mann der Graulich sagte von ihr aus, sie habe vor einigen Jahren einen Schubkarren mit einem Stricke von ihm geliehen, bei der Zurückgabe habe er einen Knoten in dem Stricke gefunden und als er denselben zu lösen versucht, sei es ihm in die linke Hand, besonders in den Mittelfinger gefahren, der so böse geworden, daß ein Glied nebst Beinlein herausgegangen sei, welches er in sein Stubenfenster gelegt, daraus es aber weggekommen sei. Da nun ihre eigenen Söhne für sie nicht einmal Bürgschaft leisten wollten und zugestanden, daß ihr solche Rabenteufelei schon längst Schuld gegeben worden sei, obwohl sie selbst niemals etwas bemerkt, so ward sie ebenfalls eingezogen und am 20. März so furchtbar torquirt, daß sie am 17. Mai daran [387] starb, obwohl der Schöppenstuhl zu Leipzig sie schließlich freigesprochen hatte.

Bald darauf kaufte der schwedische Generalproviantmeister Johann Losse (1649) das Gut Meuselwitz und zu diesem zog ein früherer Soldatenjunge Hans Michael Weinle als Knecht. Derselbe bekam im J. 1650 epileptische Zufälle und obwohl man dies erst für ein Stück der schweren Noth hielt, so überzeugte man sich doch angeblich bald, daß es teuflische Besitzung sei, brachte den Kranken ins Gefängniß und dort gestand er, daß der Teufel in Gestalt einer Jungfrau zu ihm gekommen und ihn zur Unzucht verleitet habe, er habe nun mit demselben ein Bündniß gemacht und von demselben die trockne Taufe auf den Kopf (woher noch sein Kopfschmerz rühre) erhalten, derselbe habe ihn in Gestalt eines kleinen, nur ½ Elle langen, aber mit viel längerem Barte versehenen Männchens aufgeweckt und allerlei Kurzweil gemacht, er habe auch vom Teufel eine Salbe erhalten, womit er die Frau Kanzlerin Münch aus Zeitz, die sich damals zu Meuselwitz aufgehalten hatte, die Käsemutter und die Köchin geschabernackt und ihnen Ungelegenheit und Schmerzen zugezogen. Er bekannte auch, daß ein Lehrer in Prag ihn in der Kunst zu zaubern, Ungeziefer und dergl. zu machen, mit andern Knaben unterwiesen habe. Seine Mutter gab über ihn die Aussage ab, er sei bereits in der Schule wegen Versuchs, die Zauberei zu erlernen, castigirt und der böse Geist durch die Jesuiten von ihm ausgetrieben worden, ihr thue nichts mehr leid, als daß ihr Sohn bei den Lutheranern sitze und zur Religion derselben gebracht werden würde. Hierauf ward ihm das Schwert zuerkannt, und er im April 1651 hingerichtet.

Nun ward im J. 1672 die 80jährige Wittwe von Georg Mengel, der früher einmal (1663) der Schule zu Meuselwitz Feld legirt hatte, Ursula, welche als Auszüglerin lebte, von ihrer frühern Dienstmagd, Anna Weber, beschuldigt, sie habe vor 20 Jahren Buhlschaft mit dem bösen Feinde getrieben, der im Koller und Federbusch zu ihr gekommen sei, auch [388] wimmle es noch jetzt in ihrer Wohnung von Mäusen und unlängst habe man des Nachts gesehen, daß ihr Hof voll Feuer wäre und der Drache sich daselbst niederließe. Da nun überdieß die im J. 1649 verbrannten obgedachten Personen sie damals als Mitschwester bezeichnet hatten, so zog man sie ein und legte sie an eine Kette, und als man bei einer Haussuchung bei ihr einen zweiköpfigen Thaler fand, war man überzeugt, daß sie solchen vom Teufel erhalten habe, man machte ihr den Prozeß und folterte sie auf Befehl des Jenaischen Schöppenstuhls. Sie hielt aber die Tortur, während welcher sich ein furchtbarer Sturm erhob, aus und bekannte nichts. Gleichwohl ward sie, nachdem sie in Folge der großen ihren angethanen Martern den 6. Decbr. gestorben war, durch den Scharfrichter abgeholt und unter dem Galgen eingescharrt.