Das Gespenst in dem Zobelschen Hause zu Annaberg

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Das Gespenst in dem Zobelschen Hause zu Annaberg
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 442-443
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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509) Das Gespenst in dem Zobelschen Hause zu Annaberg.

M. E. Zobel, hist. u. theol. Vorstellung d. abenteuerlichen Gespenstes, welches in einem Hause zu Annaberg zwei Monate lang im 1691. Jahre viel Schrecken angerichtet. Lpzg. 1692. 8 u. Declaratio apologetica oder schutzschriftliche und fernere Erklärung über die St. Annaberg. Gespensterhistorie wider des H. Balth. Bekkers Buch, gen. die bezauberte Welt Lpzg. 1695. 8. S. a. Hauber, Bibl. Mag. Bd. III. pag. 343 sq. u. Remigius, Daemonol. II. S. 251 sq., Auszug bei Lehmann, Obererzgeb. Schauplatz S. 951.

Im August und September des Jahres 1691 hat ein teuflisches Gespenst in dem Bürgerhause des M. Enoch Zobel zu Annaberg vielerlei Unruhe und Confusion angestiftet, wie derselbe selbst weitläufig beschrieben hat. Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen alles Hausraths, Rufen, Lachen, Zupfen an den Kleidern, schimpflichen Necken einer Magd viel seltsame Händel getrieben; ist bisweilen als [443] ein dunkelgrauer fortrauschender Schatten erschienen, hat sich einst mit einem nackenden Arme blicken lassen, grünes Waldreißig auf die Hausthüren gesteckt, dergleichen auch auf den Spiegel gethan. Im hinteren Hofgewölbe hat sichs hören lassen, als ob Bergleute arbeiteten, eine Kugel hat es die Treppe hinunter geworfen, alte Kleider hat es hervorgetragen und seltsam aufgehängt, den Schlafenden die Betten nehmen wollen, bei Tage etliche Betten verschleppt, brennend Licht auf den Boden getragen. Einen wachenden beherzten Bürger überfiel, seinen Gedanken nach, etwas in der Nacht ganz wie ein zottiger brauner Bär. Bisweilen sah es zum Stallfenster heraus, ganz wie ein altes Angesicht mit einer schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß man die rothen Striemen noch des andern Tages sehen konnte, es steckte die Ofenkrücke, Ofengabel, einen langen Borstwisch mit allerlei Lumpen behangen, zur Hausthüre hinaus auf die Gasse, zog den großen Wassertrog ab, versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes Licht auf die Hausbank, schürte Feuer auf den Heerd. Dergleichen Schalkheit übte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streuete Korn vom Boden herab auf den Hof, der Hausgenossen Betten trug es auf den Gang hervor, man sah aber keinen Träger. Es steckte noch allerlei Sachen zusammen in den Ofentopf. Ein Studiosus sah etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn mit Steinchen, hielt ihm rücklings beim Clavier mit kalten Händen die Augen zu, entführte auch unterschiedliche aufgebreitete Wäsche. Den 26. September befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, worauf die Hausbewohner Lärm machten, daß es bald gelöscht wurde. Mittlerweile war aber allenthalben gute Anstalt wider alle Gefahr gemacht worden; im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden gebetet und gesungen, es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte angestellt, es hat sich aber nachgehends weiter nichts spüren lassen.