Das Hammergespenst

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Das Hammergespenst
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 482–484
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[482]
542) Das Hammergespenst.
Lehmann a. a. O. S. 944.

Am 30. September des Jahres 1670 hat sich in einem Bergorte zugetragen, daß ein gewisser Mann, Namens C. B., seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung über Feld in’s nächste Dorf verschickte. Als er wieder zurückgeht, begegnet ihm sein gewesener Pathe, ein Hammerherr, der schon vor 6 Jahren gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn im Sarge angezogen gesehen hatte. Der sieht ihn an und spricht: „siehe Pathe, bist Du es? steht mein Hammer noch? ist er noch nicht weggebrannt?“ Der Knabe erschrickt und schüttelt den Kopf, will auch desto mehr nach Hause, das Gespenst aber ist bald vor bald hinter ihm und brummt etwas, was er nicht verstehen konnte, und veränderte sich dreimal in Kleidern. Da der Knabe über das Dorf herauskommt, [483] fängt jener an: „ach, wie müde bin ich! ach wenn mich doch Jemand trüge! Pathe, gehe in meinen Hammer, an dem Orte wirst Du Geld finden, Dir ist’s bescheert,“ und damit däuchte es dem Knaben, er sehe Geld vor sich liegen und schimmern. Als er seinem Städtlein nahe kam und zuvor durch ein Büschlein gehen mußte, da fing sich erst ein Lärm an: das ganze Büschlein war voll schwarzer Männer, die den Hammermeister umringten, bald verwandelten sie sich in große rothe Hirsche, daß der Knabe nicht wußte wo aus noch ein, bald sah er einen Mann kommen, der hatte eine Ruthe in der Hand und drohete damit dem Gespenste und den Hirschen. Der Knabe lief mit Furcht und Zittern fort, die Hirsche verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn noch ein Stück Weges und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm, lehnte sich’s noch einmal über den Knaben hinüber und sahe ihm scharf unter die Augen, ging dann aber einen andern Weg, vor sich hinmurmelnd. Der Knabe kam heim, klagte es seinen Eltern und lag dann 8 Tage lang sehr krank.

Im J. 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher zwar ein großer Freund der Schule und Kirche, sonst auch ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen und Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen war, und doch nach seinem Tode als greuliches Gespenst umging. Es ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, da er gewohnt, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stalle unter das Vieh, seine Tochter über den Leib, daß sie 8 Wochen krank lag, und vexirte die Arbeiter, daß Niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Frieden und Ruhe vor ihm, aber da nach diesem ein Bauer ohngefähr über eine unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißt und sie heimführen und nunmehr das letzte Bret abreißen will, drückt ihn der gespenstige Mann, daß er sterben mußte. Da fing er sein Mordspiel wieder an und drückte Caspar Bibern, einen Kohlenmesser, auf dem Hofe todt. Den Tag [484] vor dem Christfeste im Jahre 1659 schlägt er in der Nacht stark an’s Thor, der Wächter meint, es sei sonst eine nöthige Post und macht auf, da präsentirt er sich in einem schwarzsammtnen Pelze und mit einem spanischen Rohre und drückt dem Wächter alle Glieder entzwei und begeht andere Thaten mehr, daß sich die Wächter vor diesem gespenstigen Geiste sehr gefürchtet.