Das Kloster St. Marienstern

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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Das Kloster St. Marienstern
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aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 163–164
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Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
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Erscheinungsort: Bautzen
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Quelle: MDZ München, Commons
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LXVIII. Das Kloster St. Marienstern.

Im dreizehnten Jahrhunderte, Ausgang des Aprilmonds, jagte Bernhard von Kamenz in den dicken Forsten der Dörfer Pawzig (Panschwitz) und Kukow (Kukau), als ihm ein ungeheuerer Eber aufstieß. Kräftig schwang er seinen Jagdspieß und verwundete den Borstenträger, welcher jedoch schnell in undurchdringliches Dickicht eilte und die Kreuz und Quere den edeln Ritter irrte. Schon war die Sonne gesunken, allein unermüdet setzte der furchtlose Jäger dem Schwarzwilde nach. Dunkel war die Nacht, kein Stern äugelte vom Himmel und in Strömen stürzte ein Gußregen aus den Wolken nieder; allein nichts vermochte den wackern Weidmann von des Thieres Verfolgung abzuziehen, ihm den Fang zu geben war sein einziges Dichten und Trachten und so verfolgte er – unbekümmert, was sonst vor, neben oder hinter ihm vorgänge – dessen schweißtriefende Spur. Allein auf einmal verschwand es spurlos seinen Blicken und sein muthiges Roß sank tief in einen Morast. Unbekannt mit der Gegend, ringsum keine Menschenseele, in wüster, wilder Einöde sahe sich der Mannliche verlassen und unvermögend war er sich und seinen Gaul dem Bruche zu entwinden, der qualvollste Hungertod, oder ein schreckliches Ende durch reißende Thiere mußte ihn in dieser menschenleeren Gegend, die selbst der Jäger selten betrat, treffen. Da schickte er [164] zutrauensvoll sein inbrünstiges Gebet zu des Welterlösers Mutter und gelobte, wenn er aus dieser Todesgefahr gerettet würde, zu Ehren der heiligen Jungfrau und zum Heil der Menschenseelen ein Kloster zu erbauen. Ernstlich und inbrünstig war sein Gebet, daher es erhört wurde. Der Regenguß endete, die Himmels-Königin schwebte in hoher Gestalt, mit einem weißen Schleier um das Haupte an ihm vorüber, freundlich blickte der Morgenstern aus reinem Gewölk, vester wurde unter ihm der Boden, allmälig begann der Morgen zu grauen, ein starker Sporenstich brachte den von Anstrengung triefenden Gaul aus dem Moraste und wohlbehalten langte der Ritter auf nun bekanntem Wege in seiner Heimath an.

Nicht uneingedenk war der Dankbare seines Gelübdes, er ließ daher die wilde Gegend, wo er so wunderbar gerettet worden war, ausholzen, die Moräste austrocknen, den Boden urbar machen und 1264 den Grund zu dem Jungfernstifte legen, welches er der Jungfrau Maria weihte, 1284 glücklich vollendete und der sieben und zwanzigste Bischof zu Meissen wurde,[1] wo er 1321 am 12. October starb.


  1. S. Albin’s meißn. Berg- und Landchronik, Hoffmanni rer. script. Lusat. – Carpzov’s Ehrentempel I. 329. – Großers laus. Merkwürdigkeiten. – Poetisch bearbeitet ist diese Legende vom Prof. Otto und in dessen von seinem Sohne herausgegebenen Nachlasse, Leipzig 1827 S. 306 zu finden.