Das Newe Testament Deutzsch/Kol

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« Phil Martin Luther (Übersetzer): Das Newe Testament Deutzsch (Lutherbibel), Wittenberg 1522
Brief des Paulus an die Kolosser
1 Thess »
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Kapitel
1 - 2 - 3 - 4

[312] [WA.DB 7,224]

Vorrhede auff die Epistel sanct Pauli zu den Colossern.

Gleych wie die Epistel zu den Galatern sich arttet vnd geratten ist nach der Epistel zu den Romern, vnd eben dasselb mit kurtzem begriff fasset, das die zu den Romern weytter vnd reycher außfuret. Also arttet sich dise zu den Colossern nach der zu den Ephesern, vnd fasset auch mit kurtzem begryff, den selben ynnhalt.

Auffs erst lobet vnd wunschet der Apostel den Colossern, das sie bleyben ym glawben vnd zunemen, vnd streycht aus, was das Euangelion vnd glawbe sey, nemlich, eyn weyßheyt die Christum eynen herrn vnd Got erkenne, fur vns gecreutzigt, die von der welt her verporgen, vnd nu durch seyn ampt erfur bracht sey. Das ist das erst Capitel.

Ym andern Capitel warnet er sie fur menschen leren, die alltzeyt dem glawben entgegen sind, vnnd malet die selben so eben abe, als sie nyrgent ynn der schrifft gemalet sind, vnd taddelt sie meysterlich.

Ym dritten, ermanet er sie das sie ym lauttern glawben fruchtbar seyen mit allerley gutten wercken gegen ander, vnd beschreybt allerley stenden yhr eygen werck.

Am vierden befilht er sich ynn yhr gepet, vnd grusset vnd stercket sie.

[313] [WA.DB 7,226]

Die Epistel S. Pauli Zu den Colossern.
Das Erst Capitel.
Luther Das Newe Testament Deutzsch 335 Initial.jpg
Paulus eyn Apostel Jhesu Christi: durch den willen

Gotis, vnd bruder Timotheos.

2 Den heyligen zu Colossen, vnd den gleubigen brudern ynn Christo.

Gnade sey mit euch vnd fride von Gott vnserm vater vnnd dem herrn Jhesu Christo.

3 Wyr dancken Gott vnd dem vater vnsers herrn Jhesu Christi, vnd beten alltzeyt fur euch, 4 nach dem wyr gehoret haben von ewrm glawben an Christum Jhesum, vnd von ewr liebe zu allen heyligen, 5 vmb der hoffnung willen, die euch beygelegt ist ym hymel, von wilcher yhr gehoret habt durch das wort der warheyt ym Euangelio, 6 das zu euch komen ist, wie auch ynn alle welt, vnd ist fruchtpar, wie auch ynn euch von dem tag an, da yhrs gehort habt, vnnd erkant die gnade Gottis ynn der warheyt, 7 wie yhr denn gelernet habt von Epaphra vnßerm lieben mitdiener, wilcher ist eyn trewer diener Christi fur euch, 8 der vns auch eroffnet hat ewre liebe ym geyst.

9 Derhalben auch wyr, von dem tage an, da wyrs gehoret haben, horen wyr nicht auff, fur euch zu beten, vnd bitten, das yhr erfullet werdet mit erkentnis seynes willens, ynn allerley geystlicher weyßheyt vnd verstand, 10 das yhr wandelt wirdiglich dem herrn, zu allem gefallen, vnd fruchtpar seyt ynn allem guttem werck, 11 vnd wachset ynn der erkentnis Gottis, vnd gestercket werdet mit aller krafft, nach seyner herlickeyt macht, ynn aller gedult vnnd langmutickeyt mit freuden, 12 vnd dancksaget dem vater, der vns tuchtig gemacht hat, zu dem erbteyl der heyligen ym liecht.

13 Wilcher vns erredtet hat von der vbirkeyt der finsternis, vnd hat vns versetzt ynn das reych des sons seyner liebe, 14 an wilchem wyr haben die erlosung durch seyn blut, nemlich, die vergebung der sund, 15 wilcher ist das ebenbild des vnsichtbarn Gottis, der erstgeporner fur allen creaturn, 16 Denn [228] durch yhn ists alles geschaffen, das ynn hymel vnd auff erden ist, das sichtbar vnd das vnsichtbar, es seyen die thronen odder hirschafften, odder furstenthumen, oder vbirkeyten, Es ist alles durch yhn vnd zu yhm geschaffen, 17 vnd er ist fur allen, vnd es bestehet alles ynn yhm.

18 Vnd er ist das hewbt des leybs, nemlich, der gemeyne, wilcher ist [314] der anfang vnd der erste geporner von den todten, auff das er ynn allen dingen den furgang habe, 19 Denn es ist das wolgefallen gewesen, das ynn yhm alle fulle wonen solt, 20 vnd alles durch yhn versunet wurde zu yhm selbs, es sey auff erden odder ym hymel, damit, das er fride macht durch das blut an seynem creutz, durch sich selbs.

21 Vnd euch, die yhr weyland entfrembdet vnd feynde wart, durch die vernunfft ynn bosen wercken, 22 nu aber hat er euch versunet mit dem leybe seynes fleysches durch den tod, auff das er euch darstellet heylig vnd vnstrefflich vnd on taddel fur yhm selbs, 23 so yhr anders bleybet ym glawben gegrund vnd fest vnd vnbeweglich von der hoffnung des Euangeli, wilchs yhr gehoret habt, wilchs gepredigt ist vnter alle creatur die vnter dem hymel ist, wilchs ich Paulus diener wurden byn.

24 Nu frewe ich mich ynn meynen leyden, die ich leyde fur euch, vnd erstatte den feyl, der trubsaln Christi an meynem leybe, fur seynen leyb, wilcher ist die gemeyne, 25 wilcher ich eyn diener wurden bynn, nach dem predigampt, das myr geben ist vnter euch, mit der fulle außzupredigen das wort Gottis, 26 nemlich, das geheymnis, das verporgen gewesen ist von der welt her, vnd von den zeytten her, nu aber offinbart ist seynen heyligen, 27 den Got gewolt hat kund thun, wilcher da sey der herliche reychthum dises geheymnis vnter[1] den heyden (wilches ist Christus ynn euch) der da ist die hoffnung der herlickeyt, 28 den wyr verkundigen vnd vermanen alle menschen vnnd leren alle menschen mit aller weyßheyt, auff das wyr darstellen eynen yglichen menschen volkomen ynn Christo Jhesu, 29 daran ich erbeytte vnnd ringe nach der wirckung des, der ynn myr wirckt mit krafft.

Das Ander Capitel.

Jch laß euch aber wissen, wilch eynen kampff ich habe vmb euch vnd vmb die zu Laodicea, vnd alle die meyne person ym fleysch nicht gesehen haben, 2 auff das yhre hertzen ermanet werden, die zusamen fasset sind ynn der liebe, zu allem reychthum des volligen verstands, der da ist ynn [230] dem erkentnis des geheymnis Gottis des vaters vnd Christi, 3 ynn wilchem ligen verporgen alle schetze der weyßheyt vnd des erkentnis.

4 Jch sage aber dauon, das euch niemant betriege mit vernunfftigen wortten, 5 Denn ob ich wol nach dem fleysch nicht da byn, so byn ich aber ym geyst mit euch, frewe mich vnd sehe ewer ordnung vnnd die festung ewrs glawbens an Christum. 6 Wie yhr nu angenomen habt den herrn Jhesum Christon, so wandelt ynn yhm, 7 vnd seyt gewurtzelt vnd erbawet ynn yhm, vnd seyt fest ym glawben, wie yhr geleret seyt, vnd seyt ynn dem selbigen vbirflussig mit dancksagung.

8 Sehet zu, das euch nicht widderfare eyn rewber durch die philosophia vnd lose verfurung, nach der menschen satzungen, vnnd nach der welt satzungen, vnd nicht nach Christon, 9 Denn ynn yhm wonet [315] die gantze fulle der gottheyt leyplich, 10 vnd yhr seyt desselben vol, wilcher ist das hewbt aller furstenthum vnd vbirkeyt, 11 ynn wilchem yhr auch beschnytten seyt, mit der beschneyttung on hende, durch ablegung des sundlichen leybes ym fleysch, nemlich, mit der beschneyttung Christi, 12 ynn dem, das yhr mit yhm begraben seyt durch die tauffe, ynn wilchem yhr auch seyt aufferstanden, durch den glawben, den Got wircket, wilcher yhn aufferweckt hat von den todten.

(vorhaut ewres) Das ist, fleyschlich leben ist die rechte vorhaut geystlich, die durch die leypliche vorhaut bedeut ist.
(handschrifft) Nichts ist ßo hartt widder vnns, als vnser eygen gewissen, damit wir als mit eygener handschrifft vbertzeuget werden, wenn das gesetz vnd die sund offinbart, da mit wyr solche handschrifft geschrieben haben. Aber Christus erloßet vns von solchem allem durch seyn creutz, vnd mattet auch den teuffel mit der sunden[2] etc.
13 Vnd hat euch auch mit yhm lebendig gemacht, da yhr todt waret ynn den sunden vnd ynn der vorhaut ewres fleyschs, vnd hatt vns geschenckt alle sund, 14 vnd ausgetilget die handschrifft widder vns, durch schrifftlich satzung erweyset, wilche vns entgegen war, vnnd hatt sie aus dem mittel than, vnd an das creutz gehefftet, 15 Vnd hat außgetzogen die furstenthum vnd die geweldigen, vnd sie schawtragen mit freydickeyt, vnd eyn heer prangen aus yhn gemacht durch sich selbs.

16 So last nu niemant euch gewissen machen vber speyß, odder vber trang, odder vber eyns teyls tagen, nemlich, den feyrtagen odder newmonden odder sabbather, 17 wilchs ist der schatten von dem, das zukunfftig war, aber der corper selbs ist ynn Christo. 18 Last euch niemant das zill verrucken, der nach eygener wal eynher geht, ynn demut vnd geystlickeyt der engel, des er nie keyns gesehen hat, vnnd ist on sach auffgeblasen ynn seynem fleyschlichen synn, 19 vnd helt sich nicht an dem hewbt, aus wilchem der gantze leyb, durch gelenck [232] vnnd fugen handreychung empfehet vnd an eynander sich enthelt, vnd also wechst zur grosse, die Got gibt.

20 So yhr denn nu seyt gestorben mit Christo von den weltlichen satzungen, was last yhr euch denn fangen mit satzungen als weret yhr lebendig? 21 Die da sagen, du solt das nicht anruren, du sollt das nicht essen noch trincken, du solt das nicht anlegen, 22 wilchs sich doch alles vnter handen vertzehret, vnd ist nach gepoten vnd leren der menschen, 23 wilche haben wol eyn scheyn der weyßheit, durch selb erwelte geystlickeyt vnd demut, vnd durch das sie des leybes nicht verschonen, vnd an das fleysch keyne kost wenden zu seyner nodturfft.

Das Dritte Capitel.

Seyt yhr nu mit Christo aufferstanden, so suchet was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten hand Gottis, 2 seyt des gesynnet was droben ist, nicht des das auff erden ist, 3 Denn yhr seyt gestorben, vnd ewr leben ist verporgen mit Christo ynn Gott. 4 Wenn aber Christus ewer leben sich offinbarn wirt, denn werdet yhr auch offinbar werden mit yhm ynn der herlickeyt. 5 So todtet nu ewre glider die auff erden sind, hurerey, vnreynickeyt, luste, bose begirde, vnkeuscheyt vnnd den geytz (wilchs ist abgotterey) 6 vmb wilcher willen kompt der zorn Gottis vber die kinder des vnglawbens, 7 ynn wilchen auch yhr weyland gewandelt habet, da yhr drynnen lebetet. [316] 8 Nu aber leget alles von euch, den zorn, grym, boßheyt, lesterung, schandpare wort aus ewrem mund, 9 lieget nicht vnternander, zyhet den alten menschen mit seynen wercken aus, 10 vnd zyhet den newen an, der da vernewert wirt zu der erkentnis Gottis, nach dem ebenbild des, der yhn geschaffen hat, 11 da nicht ist, Krieche, Jude, beschneyttung, vorhaut, Vnkrieche, Schyta, knecht, freyer, sondern alles vnd ynn allen Christus.

12 So zyhet nu an, als die außerwelten Gottis heyligen vnd geliebten, hertzlichs erbarmen, freuntlickeyt, demutt, sanfftmut, langemut, 13 vnd haltet eyner dem andern zu gut, vnd vergebt euch vnternander, ßo yemand eyn klage hat widder den andern, gleych wie Christus euch vergeben hat, also auch yhr, 14 Vber das alles aber zyhet an die liebe, die da ist das band der volkomenheyt, [234] 15 vnnd der fride Gottis behalte die vberhand ynn ewrem hertzen, zu wilchem yhr auch beruffen seyt ynn eynem leybe, vnd seyt danckpar.

16 Last das wort Gottis ynn euch wonen reychlich, ynn aller weyßheyt, leret vnd vermanet euch selbs, mit psalmen vnd lobsengen vnd geystlichen lyden ynn der gnade, vnd singet dem herrn ynn ewren hertzen, 17 Vnd alles was yhr thutt mit wortten odder mit wercken, das thut alles ynn dem namen des herrn Jhesu, vnnd danckt Gott dem vater durch yhn.

18 Yhr weyber seyt vnterthan ewrn mennern, wie sichs gepurt ynn dem herrn. 19 Yhr menner liebet ewre weyber, vnd seyt nicht bitter gegen sie. 20 Yhr kinder seyt gehorsam den Elltern ynn allen dingen, denn das ist dem herrn gefellig. 21 Yhr veter zanckt euch nicht mit ewren kindern, auff das sie nicht kleynmutig werden. 22 Yhr knechte seyt gehorsam ynn allen dingen ewren leyplichen herrn, nicht mit dienst fur augen, als den menschen zugefallen, sondern mit eynfeltickeyt des hertzen vnd mit Gottis furcht, 23 Alles was yhr thutt, das thutt von hertzen, als dem herrn vnd nicht den menschen, 24 vnd wisset, das yhr von dem hern empfahen werdet die vergeltung des erbes, Denn yhr dienet dem herrn Christo, 25 Wer aber vnrecht thut, der wirt empfahen was er vnrecht than hat, vnd gilt keyn ansehen der person. (4, 1) Yhr herrn was recht vnd gleych ist, das beweyset den knechten, vnd wisset, das yhr auch eyn herrn habt ym hymel.

Das Vierde Capitel.

Halt an, an dem gepet, vnd wachet ynn dem selben mit dancksagung, 3 vnd betet zugleych auch fur uns, auff das Gott vns die thur des worts auffthu, zureden das geheymnis Christi (darumb ich auch gepunden byn, 4 auff das ich dasselbe offinbare) wie ich sol reden. 5 Wandelt ynn der weyßheyt gegen die draussen sind, vnd loset die zeyt. 6 Ewr rede sey alltzeyt ynn der gnade mit saltz gewyrtzet, das yhr wisset, wie yhr eynem yglichen antwortten solt.

[317] 7 Wie es vmb mich stehet, wirt euch kund thun Tychicos der liebe bruder vnd getrewer diener vnd mitknecht ynn dem hernn, 8 wilchen ich [236] habe zu euch gesand vmb dasselbe, das ich erfare, wie es sich mit euch helt, vnd das er ermane ewre hertzen, 9 sampt Onesimo dem getrewen vnd lieben bruder, wilcher ist von den ewern, alles wie es hie zustehet, werden sie euch kund thun.

10 Es grusset euch Aristarchus meyn mitgefangener, vnnd Marcus der neff Barnabe, von wilchem yhr habt gepot empfangen, ßo er zu euch kompt, nemet yhn auff. 11 Vnd Jhesus, der da heyst Just, die aus der beschneyttung sind, Dise sind alleyn meyne gehulffen am reych Gottis, die myr eyn trost worden sind. 12 Es grusset euch Epaphras, der von den ewren ist, eyn knecht Christi, vnd alletzeyt ringet fur euch mit gepeten, auff das yhr bestehet volkomen vnnd erfullet mit allem willen Gotis. 13 Jch gebe yhm zeugnis, er hat eynen grossen eyffer vmb euch vnd vmb die zu Laodicea vnd zu Hierapoli. 14 Es grusset euch Lucas der artzt, der geliebte, vnd Demas. 15 Grusset die bruder zu Laodicea, vnd den Nymphen, vnnd die gemeyne ynn seynem hause. 16 Vnnd wenn die Epistel bey euch gelesen ist, so schafft, das sie auch ynn der gemeyne zu Laodicea gelesen werde, vnnd das yhr die von Laodicea leset, 17 vnd saget dem Archippo, Sihe auff das ampt das du empfangen hast ynn dem herrn, das du dasselbe außrichtist. 18 Meyn gruß mit meyner Paulus hand. Gedenckt meyner bande. Die gnade sey mit euch, AMEN.

Geschrieben von Rom durch Tychicon vnd Onesimon.


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