Das Posthorn

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Das Posthorn
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 67-68
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[67]
19. Das Posthorn.

Es war einmal ein sehr kalter Winter, da fuhr ein Postillion auf dem Schwarzwalde in einem Hohlwege und sah einen Wagen auf sich zukommen, nahm sein Horn und wollte dem Fuhrmann ein Zeichen geben, daß er stillhalte und ihn erst vorbeilaße; allein der Postillion mochte sich anstrengen wie er wollte, er konnte doch keinen einzigen Ton aus dem Horne hervorbringen. Deshalb kam der andre Wagen immer tiefer in den Hohlweg hinein, und da keiner von beiden mehr ausweichen konnte, so fuhr der Postillion geradeswegs über den andern Wagen hinweg. Damit aber dergleichen Unbequemlichkeiten nicht noch einmal vorkommen möchten, so nahm er alsbald wieder sein Horn zur Hand und blies alle Lieder hinein, die er nur wußte; denn er meinte, das Horn sei zugefroren und er wollte es durch seinen warmen Athem wieder aufthauen. Allein es half alles nichts; es war so kalt, daß kein Ton wieder herauskam.

[68] Endlich gegen Abend kam der Postillion in das Dorf, wo ausgespannt wurde und wo ein andrer Knecht ihn ablöste. Da ließ er sich einen Schoppen Wein geben, um sich zu erwärmen; weil aber in dem Wirthshause grade eine Hochzeit gefeiert wurde und die Stube von Gästen ganz voll war, so begab er sich mit seinem Wein in die Küche, setzte sich auf den warmen Feuerheerd, hieng sein Horn auf einen Nagel an die Wand und unterhielt sich mit der Köchin. – Auf einmal aber erschrack er ordentlich, als das Posthorn von selbst an zu blasen fieng; da blies es zuerst einige Male das Zeichen, das die Postillione gewöhnlich geben, wenn Jemand ausweichen soll; dann aber auch alle Lieder, die er unterwegs hineingehaucht hatte und die darin festgefroren waren, und die jetzt an der warmen Wand alle nacheinander wieder aufthauten und herauskamen, z. B. „Schier dreißig Jahre bist du alt u. s. w.“ „Du, du liegst mir am Herzen.“ „Mädle, ruck ruck ruck“ und andere Schelmenlieder. Zuletzt auch noch der Choral: „Nun ruhen alle Wälder,“ denn dieß war das letzte Lied, welches der Postillion hineingeblasen hatte.

Anmerkung des Herausgebers

[303] 19. Das Posthorn. Mündlich aus dem Schwarzwalde. Auch in Münchhausens Reisen, nach Volkserzählungen.