Das Strandkloster

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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Das Strandkloster
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 142–143
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[142]

Das Strandkloster.

 Bollwerk und Mauer trutzen
Dem Wellenwurf schon ein Jahrtausend ja,
 Wir singen, elf Capuzen,
Ein kräftig schallend Deo gloria!

5
 Die Kutten, stark gewoben,

Umhingen uns in braunen Lappen lang,
 Sie sind gemach verstoben,
Die Stäubchen irrten durch den Klostergang.

 Die Orgel im Empore

10
Spielt unser zwölftes todtes Brüderlein,

 Hier rieselt uns im Chore
Der morsche Kalk sanft ins Geripp herein.

 Es glitt vor tausend Jahren
Dem Strand ein Sarazenensegel nah,

15
 Sobald’s vorbeigefahren,

Anstimmten wir ein kräftig Gloria.

 Ergötzt von unserm Singen,
Nahm der Pirat zu uns zurück den Lauf,
 Zwölf Köpfe ließ er springen,

20
Das Blut schoß wie aus Brunnenröhren auf.


[143]
 Wir singen ohne Kehlen,

Wir sitzen fröhlich ohne Schädel da,
 Wir singen mit den Seelen
Ein kräftig schallend Deo gloria!

25
 Der Morgenstrahl, der schiefe,

Durchs rechte Fenster äugelt er herein,
 Vergoldend in der Tiefe
Ein lustiglich psallierend Todtenbein.

 Der Abendstrahl, der schräge,

30
Durchs linke Fenster blinzelt er herein,

 Und zählt, ob allerwege
Wir richtig unser elf Gespenster sei’n.

 Oft übertäubt das Dröhnen
Des Meers die Noten unsrer Litanei,

35
 Aus unsern Orgeltönen

Erhebt sich oft ein schriller Möwenschrei –

 Bollwerk und Mauer trutzen
Dem Wellenwurf noch tausend Jahre ja,
 Wir singen, elf Capuzen,

40
Ein kräftig schallend Deo gloria!