Das gestohlene Laken

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Seeger
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das gestohlene Laken
Untertitel:
aus: Sagen aus der Provinz Sachsen VI, in: Zeitschrift für Volkskunde, 1. Jahrgang, S. 346–347
Herausgeber: Edmund Veckenstedt
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Alfred Dörffel
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA*, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[346]
3. Das gestohlene Laken.

Aus einer Mühle, welche nicht weit von einem Dorfe in der Nähe von Magdeburg stand, wurde häufig etwas gestohlen, aber man konnte nicht heraus bekommen, wer der Thäter war. Nun war eines Tages ein neuer Knappe in die Mühle gekommen. Der Müller gab ihm ein neues Mehllaken und sagte ihm, er möchte doch darauf recht acht geben: es werde auf der Mühle gestohlen, besonders aber habe es der Dieb auf die neuen Mehllaken abgesehen. Die Thäter könne man nicht erwischen.

Der Knappe dachte bei sich: „Dir soll so etwas nicht vorkommen, Du willst schon aufpassen, dass Dir das Laken nicht gestohlen wird.“ Als es nun Abend wurde, legte er das Laken so hin, dass er es immer vor Augen hatte: dann machte er es sich bequem, schloss aber kein Auge, sondern wollte lieber die ganze Nacht wach bleiben, als sich das Laken stehlen lassen. Aber es kam doch anders. Als es am nächsten Morgen hell wurde, war das Laken richtig wieder fort. Ob der Knappe doch eingenickt war, oder was sonst geschehen sein mochte, das wusste der Knappe nicht, genug, auch er hatte das Laken am andern Morgen nicht mehr. Nun beschloss er aber, der Sache ein für allemal ein Ende zu machen.

Am andern Tag nahm er alle sein Geld, welches er noch hatte, und ging damit zu einem Mann in der nächsten Stadt, von dem er gehört hatte, dass er Gewalt über Diebe hätte. Diesem gab er das Geld und erzählte ihm alles.

[347] Der Mann sagte ihm nur: „Es ist schon gut, ich weiss schon alles, geh nur nach Hause, du wirst dein Laken wieder bekommen, dafür werde ich sorgen.“

Der Knappe ging nach seiner Mühle, und richtig, am andern Morgen hing das Laken auf dem Sterz.

Fortan wurde in der Mühle nichts mehr gestohlen.

Seeger.