Das spulende Kind

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Textdaten
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Autor: Paul Haller
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Titel: Das spulende Kind
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 55–56
Herausgeber: Erwin Haller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: H. R. Sauerländer & Co.
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Erscheinungsort: Aarau
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Das spulende Kind

Hundert Kinder, schulentsprungen,
Ziehn die Sonntagskleidlein an.
Lustig in den bunten Röcken,
Und mit spitzen Wanderstöcken,

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Aus dem Städtlein geht’s bergan.


Vor der Tür beim letzten Häuschen
Steht der ärmsten Mutter Kind:
Augen, tränenschwer beladen,
Schickt es nach den Kameraden,

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Die im Wald verschwunden sind.


Kehrt zur düstern Hinterkammer,
Wo am Rad die Mutter schilt:
„Spulen hilf mir, statt zu gaffen!“
Still beginnt das Kind zu schaffen,

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Und die Spule dreht sich wild.


Doch die kleine Seele wandert,
Nimmt den Lauf zum Berg empor,
Sucht die Spur der Kameraden
Klettert auf den steilen Pfaden

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Und durch’s schwarze Felsentor.


An den lichten Blumenhängen
Freudig holt sie ein den Zug,
Singt und spielt im Kinderreigen,
Bricht das Blust von jungen Zweigen,

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Hascht den Schmetterling im Flug.
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Hundert Kinder, schulentsprungen,
Schwärmen mit dem Frühlingswind.
Glauben nicht, daß eines fehle,
Denn mit ihnen spielt die Seele,

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Und zu Hause spult das Kind.