Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Christian Fürchtegott Gellert
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Gebet
Untertitel: Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen
aus: Geistliche Oden und Lieder. S. 6–10
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1757
Verlag: Weidmannische Handlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Google = Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[6]
Das Gebet.

Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen,
Sey wach und nüchtern zum Gebet!
Ein Flehn aus reinem guten Herzen
Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht.

5
Erschein vor seinem Angesichte

Mit Dank, mit Demuth, oft und gern,
Und prüfe dich in seinem Lichte,
Und klage deine Noth dem Herrn.

     Welch Glück, so hoch geehrt zu werden,

10
Und im Gebet vor Gott zu stehn!

Der Herr des Himmels und der Erden,
Bedarf der eines Menschen Flehn?
Sagt Gott nicht: Bittet, daß ihr nehmet?
Ist des Gebetes Frucht nicht dein?

15
Wer sich der Pflicht zu beten schämet,

Der schämt sich, Gottes Freund zu seyn.

     Sein Glück von seinem Gott begehren,
Ist dieß denn eine schwere Pflicht?
Und sein Wünsche Gott erklären,

20
Erhebt dieß unsre Seele nicht?

Sich in der Furcht des Höchsten stärken,
In dem Vertraun, daß Gott uns liebt,
Im Fleiß zu allen guten Werken,
Ist diese Pflicht für dich betrübt?

[7]
25
     Bet oft in Einfalt deiner Seelen;

Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist.
Wie können dir die Worte fehlen,
Wofern dein Herz dich beten heißt?
Nicht Töne sinds, die Gott gefallen,

30
Nicht Worte, die die Kunst gebeut.

Gott ist kein Mensch. Ein gläubig Lallen,
Das ist vor ihm Beredsamkeit.

     Wer das, was uns zum Frieden dienet,
Im Glauben sucht, der ehret Gott.

35
Wer das zu bitten sich erkühnet,

Was er nicht wünscht, entehret Gott.
Wer täglich Gott die Treue schwöret,
Und dann vergißt, was er beschwur,
Und klagt, daß Gott ihn nicht erhöret,

40
Der spottet seines Schöpfers nur.


     Bet oft zu Gott, und schmeck in Freuden,
Wie freundlich er, dein Vater, ist.
Bet oft zu Gott, und fühl in Leiden,
Wie göttlich er das Leid versüßt.

45
Bet oft, wenn dich Versuchung quälet;

Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft.
Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet;
Er giebt den Müden Stärk und Kraft.

[8]

     Bet oft, und heiter im Gemüthe

50
Schau dich an seinen Wundern satt.

Schau auf den Ernst, schau auf die Güte,
Mit der er dich geleitet hat.
Hier irrtest du in deiner Jugend,
Im Alter dort. Er trug Geduld,

55
Rief dich durch Glück und Kreuz zur Tugend;

Erkenn und fühle seine Huld.

     Bet oft, und schau mit selgen Blicken
Hin in des Ewigen Gezelt,
Und schmeck im gläubigen Entzücken

60
Die Kräfte der zukünftgen Welt.

Ein Glück von Millionen Jahren,
Welch Glück! Doch ists von jenem Glück,
Das dem der Herr wird offenbaren,
Der ihm hier dient, kein Augenblick.

65
     Bet oft; durchschau mit heilgem Muthe

Die herzliche Barmherzigkeit
Deß, der mit seinem theuren Blute
Die Welt, der Sünder Welt befreyt.
Nie wirst du dieses Werk ergründen;

70
Nein, es ist eines Gottes That.

Erfreu dich ihrer, rein von Sünden,
Und ehr im Glauben Gottes Rath.

[9]

     Bet oft; entdeck am stillen Orte
Gott ohne Zagen deinen Schmerz.

75
Er schließt vom Herzen auf die Worte,

Nicht von den Worten auf das Herz.
Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen,
Nicht Worte, Seufzer, Psalm und Ton,
Nicht dein Gelübd rührt Gott; dein Sehnen,

80
Dein Glaub an ihn und seinen Sohn.


     Bet oft; Gott wohnt an jeder Stäte,
In keiner minder oder mehr.
Denk nicht: Wenn ich mit vielen bete:
So find ich eh bey Gott Gehör.

85
Gott ist kein Mensch. Ist dein Begehren

Gerecht und gut: so hört ers gern.
Ists nicht gerecht: so gelten Zähren
Der ganzen Welt nichts vor dem Herrn.

     Doch säume nicht, in den Gemeinen

90
Auch öffentlich Gott anzuflehn,

Und seinen Namen mit den Seinen,
Mit deinen Brüdern, zu erhöhn;
Dein Herz voll Andacht zu entdecken,
Wie es dein Mitchrist dir entdeckt,

95
Und ihn zur Innbrunst zu erwecken,

Wie er zur Innbrunst dich erweckt.

[10]

     Bist du ein Herr, dem andre dienen:
So sey ihr Beyspiel, sey es stets,
Und feyre täglich gern mit ihnen

100
Die selge Stunde des Gebets.

Nie schäme dich des Heils der Seelen,
Die Gottes Hand dir anvertraut.
Kein Knecht des Hauses müsse fehlen;
Er ist ein Christ, und werd erbaut!

105
     Bet oft zu Gott für deine Brüder,

Für alle Menschen, als ihr Freund;
Denn wir sind eines Leibes Glieder;
Ein Glied davon ist auch dein Feind.
Bet oft; so wirst du Glauben halten,

110
Dich prüfen, und das Böse scheun,

An Lieb und Eifer nicht erkalten,
Und gern zum Guten weise seyn.