Der älteste Soldat der deutschen Armee in Frankreich 1870 und 1871

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Titel: Der älteste Soldat der deutschen Armee in Frankreich 1870 und 1871
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aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 740
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[740] Der älteste Soldat der deutschen Armee in Frankreich 1870 und 1871 scheint sich auf Grund unserer Nachforschungen endlich gefunden zu haben. Aber nicht der früher von uns erwähnte Herr Borghard ist es, und auch nicht der alte Camerad Dürr in Ludwigsburg, der zwar fünf Tage später geboren als Borghard (am 11. April 1821), aber vier Wochen früher in Dienst getreten und noch heute als Wachtmeister seiner württembergischen Traincompagnie activ ist. Diese beiden überflügelt Ferdinand Roggisz, welcher am 15. Januar 1814 in Rudersdorf bei Berlin geboren wurde und im Herbst 1836 bei der vierten Schwadron des dritten Ulanenregiments in Fürstenwalde eintrat. Im Jahre 1839 als Unterofficier zur Reserve entlassen, trat er bei der Mobilmachung 1859 freiwillig wieder in den Dienst, und zwar wurde er Sergeant bei dem sechsten Ulanen-Landwehr-Regiment in Langensalza. Sein Wunsch, gegen die Franzosen zu fechten, ging damals nicht in Erfüllung. Um so freudiger folgte er 1870, im siebenundfünfzigsten Jahre stehend, dem Rufe des Königs und trat, freiwillig und wieder als Sergeant, bei der vierten Schwadron des zweiten Reserve-Husaren-Regiments ein, das damals in Merseburg gebildet wurde. Mit demselben wohnte er der Belagerung von Straßburg und dann, beim Werder’schen Armeecorps, Division Schmeling, sämmtlichen Gefechten desselben und namentlich der dreitägigen Schlacht vor Belfort von Anfang bis zum Ende bei, alle Strapazen dieser schweren Tage stramm ertragend, und verfolgte die Franzosen Bourbaki’s bis an die Schweizergrenze. Im November 1870 wurde ihm sein erster Enkel geboren. Die Feldpostkarte, welche ihm dieses frohe Ereigniß verkündete, war lange umhergeirrt und in vielen Händen gewesen, ehe sie ihn traf; dadurch war diese Kunde weit im Heere herumgekommen, und darum erlebte der alte Held die Freude, daß er beim Vorbeimarsch von den Soldaten der verschiedensten badischen, ostpreußischen, posenschen und anderer Regimenter mit dem Zuruf: „Hurrah Großvater!“ begrüßt wurde. Er war eine Ehrengestalt für alle Soldaten, und selbst die Feinde achteten den tapferen und biederen alten Mann. Uebrigens standen mit ihm zugleich zwei Söhne im Felde, der ältere als Zahlmeister bei einem westfälischen Landwehrbataillon, der andere als Feuerwerksmaat bei der Marine. Nach der Rückkehr und Auflösung des Regiments schnallte auch Großvater Roggisz den Säbel ab und griff wieder, als Land-Feuersocietäts-Beamter, zur Feder, bis man ihm 1880 den wohlverdienten Ruhestand gönnte, den er zu Burg bei Magdeburg genießt.