Hunde als Nahrungsmittel der Menschen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Hunde als Nahrungsmittel der Menschen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 740
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Verzehr von Hundefleisch in verschiedenen Gegenden der Welt
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[740] Hunde als Nahrungsmittel der Menschen. Wo auch immer Menschen weilen, überall ist der Hund ihr treuer Begleiter, ihre wirksamste Stütze und Hülfe. Heißt es doch schon im Vendidad, dem ältesten und echtesten Theil des Zend-Avesta: „durch den Verstand des Hundes besteht die Welt.“ Für die erste Bildungsstufe des Menschengeschlechts waren und sind noch heute diese freilich einigermaßen mystischen Worte eine goldene Wahrheit. Die Rinder und Schafe der Arier werden bewacht vom Hunde, dessen Bellen einer feinen Bemerkung Lazarus Geiger’s zufolge der erste Sprachversuch eines Thieres ist, von diesem allerältesten Hausthiere, das auch nebst Knecht und Wittwe dem Häuptlinge in’s Grab nachfolgte. Professor Schaafhausen, der scharfsinnige Durchforscher so mancher prähistorischen Fundstätten Europas, entnahm aus der Art der gewaltsamen Zertrümmerung der Hundeknochen westfälischer Höhlen, daß der Hund dem Menschen einst zur Nahrung gedient hätte. Sogar jene kleine Rasse, die Vorfahren des sogenannten Torfhundes, deren Reste in den mährischen Höhlen Schipka und Certovadira Professor Woldrich so erfolgreich untersuchte, wurde verzehrt. Und doch besteht ein gewaltiger Unterschied in dieser Beziehung zwischen den hundeessenden Höhlenbewohnern Europas und den heute Hunde züchtenden und essenden polynesischen oder afrikanischen Rassen.

„Wo der Hund als Nahrungsmittel geschätzt wird, bleibt er stupid,“ ist ein treffender Ausspruch Darwin’s. Träge und dumm sind jene Hunde auf den Marquesas, Hawaii und Tahiti, die nicht bellen, nur heulen, die man ausschließlich mit Früchten ernährt und mästet, durch Ersticken tödtet und durch heiße Steine in Gruben zum leckeren Mahle zubereitet. Die auf den Antillen lange vor Oviedo gezüchteten stummen Hündchen galten als große Leckerbissen, und von Mexico bis Peru und auf den weiten Grasflächen bis Guyana finden wir den gleichen Gebrauch des Hunde-Essens, wie in Asien bei den Bewohnern von Nedschd, bei den Nagas in Bengalen, den Dayaks auf Borneo, den Battas auf Sumatra etc. In den verschiedensten Gegenden des „Schwarzen Erdtheils“ trafen Reisende solche Hunde-Esser, z. B. die Chevas und Tumbucas, die Ovambos und die Cameruns.

Nach den Berichten der englischen Expedition unter Burton und Speke stehen die krüppelhaften Pariahhunde bei den Maurwis in großer Gunst; sie halten ein Dämpffleisch von jungen Hunden der Tafel eines Monarchen würdig, ganz wie die Engländer in den Tagen Karl’s des Zweiten. Wenn Bongo und Dinka es unbegreiflich finden, daß die Mittus so gern und leidenschaftlich Hunde verzehren, so hat das nach Schweinfurth darin seinen triftigen Grund, weil bei diesen die wilde Katze eine große Delicatesse bildet. Zwischen Fondj und Rohl fand derselbe Reisende eine großartige Hundezucht etablirt; überall wimmelte es von jungen Welpen, welche an die Madis um Sclavinnen verhandelt werden. Bei den Modes und Brôtos kostet eine Frau nur zwei bis drei fette Hunde.

Und gäbe ich noch seitenlange Berichte von Andern, sie würden nur den bekann[t]en Ausspruch Bernardin de St. Pierre’s in seinen „Etudes de la nature“ illustriren: Hunde verzehren ist der erste Schritt zum Cannibalismus. Das Züchten derselben zu Mastvieh macht zugleich den Geist dieser Thiere stumpfsinnig. Derartig waren die Hunderassen der prähistorischen Menschen nicht. Die Thiere dienten ihnen zur Jagd, zur Bewachung der Heerden, zum Schutz des Eigenthums und der Familie. Höchstens erlaubte man sich Eines:

War nämlich durch Verletzung oder Krankheit der kluge, geistig so hoch über den anderen Hausthieren stehende Hund unbrauchbar geworden, so verzehrte man ihn vielleicht mit ähnlichen Hintergedanken, wie z. B. die Karagassen durch Verzehren des Zobels oder Fuchses ihr Jagdglück zu stärken wähnen, wie die Indianer durch den Genuß des Wolfsfleisches auch die Kraft jenes Thieres, durch Ausschlürfen des Gehirnes auch dessen Scharfsinn sich anzueignen meinen.