Der Handschuh

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Textdaten
Autor: Friedrich Schiller
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Titel: Der Handschuh
Untertitel: Erzählung.
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 41 – 43
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1797 (Balladenjahr)
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
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Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck.
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[41]
Der Handschuh.

Erzählung.


Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,

5
Und rings auf hohem Balkone

Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Aufthut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt

10
Ein Löwe tritt,

Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,

[42]
15
Und streckt die Glieder,

Und legt sich nieder.

     Und der König winkt wieder,
Da öfnet sich behend
Ein zweites Thor,

20
Daraus rennt

Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut
Brüllt er laut,

25
Schlägt mit dem Schweif

Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu

30
Grimmig schnurrend,

Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

[43]

     Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöfnete Haus

35
Zwey Leoparden auf einmal aus,

Die stürzen mit muthiger Kampfbegier
Auf das Tigerthier,
Das pakt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll

40
Richtet sich auf, da wirds still,

Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.

     Da fällt von des Altans Rand

45
Ein Handschuh von schöner Hand

Zwischen den Tiger und den Leu’n
Mitten hinein.

     Und zu Ritter Delorges spottender Weis’
Wendet sich Fräulein Kunigund:

50
„Herr Ritter ist eure Lieb so heiß
[44]

Wie ihr mirs schwört zu jeder Stund,
Ey so hebt mir den Handschuh auf“.

      Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger

55
Mit festem Schritte,

Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

      Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehens die Ritter und Edelfrauen,

60
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück,

Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.

65
Und der Ritter sich tief verbeugend, spricht:

Den Dank, Dame, begehr ich nicht,
Und verläßt sie zur selben Stunde.

SCHILLER.
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