Der Mars von Florenz

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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Der Mars von Florenz
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 244-246
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
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[244]

Der Mars von Florenz.

Die Thürme von Florenz umblaut
Der süße Lenz, der junge Lenz,
Die Frauen singen leis und laut
In allen Gassen von Florenz.

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Am Rand der Arnobrücke steht

Ein schwarzverwittert Marmelbild
Mit Helmgeflatter, Kriegsgerät,
Gott Mars, und lächelt falsch und wild.

– „Gott Mars, wohl magst du finster schaun,

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Drommete dröhnt im Lenze nie,

Raub’ eine dir von unsern Fraun!
Hoch über Venus preis’ ich sie!“

Ein Jüngling ruft’s dem Gott empor
Mit lachend ausgestreckter Hand –

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Ihm dringt ein Erzgedröhn ans Ohr,

Er eilt und steht am andern Strand.

Rasch tritt aus einem Haus hervor
Ein Edelweib, das höhnt und lacht:
„Zur Amidei? Junger Thor!

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Dir war das Schön’re zugedacht!


Nach Gottes Rathschluß ist’s geschehn!
Heut wirst du – heißt’s – mit ihr getraut –
Jetzt sollst du die Donati sehn:
Blick her! Vergleich’ mit deiner Braut!“

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Sie zerrt ein Mägdlein an das Licht,

Es kämpft ins dunkle Haus zurück,
Im jungen bangen Angesicht
Erräth er aller Himmel Glück.

„Hinweg! die Amidei harrt!

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Hinweg! Mein Kind ist keine Dirn!

Ihr blicket frech!“ Der Jüngling starrt
Auf die gesenkte Mädchenstirn.

Der Wunsch ist Glut! Die Scham ist Glut!
Die hohe Doppelflamme loht!

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Er streckt die Hand. Das höchste Gut

Ergreift er und ergreift den Tod.

„Frau, strafet mich nicht allzuschwer!
Das süße Haupt! Das blonde Haar!
Gewähret sie mir!“ stammelt er.

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„Ich führe stracks sie zum Altar!“


Den Ring, der ihm die Hand bereift,
Der Amidei Trauungsring,
Hat rasend er sich abgestreift
Und schleudert ihn. Da rollt er. Kling …

45
Jetzt kniet er im Capellenraum,

An Freveln und an Wonnen reich,
Zur Linken kniet sein sünd’ger Traum,
Wie Engel schön, wie Todte bleich.

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Dem Paar zu Häupten murmelt leer
50
Und schnell ein feiles Priesterwort –

„Die Rosse her! Die Rosse her!
Zum Thor hinaus! Ins Freie fort!

Du lieb Geschöpf! Du bebst wie Laub!
Verlarve dir das Angesicht!

55
Faß Muth! Ich bringe meinen Raub,

In eine Burg, die keiner bricht!“

Am Rand der Arnobrücke steht
Ein schwarzverwittert Marmelbild
Mit Helmgeflatter, Kriegsgerät,

60
Gott Mars, und lächelt falsch und wild.


Das Schwert des Gottes schüttert leis.
Da springt hervor mit Erzeslaut
Ein Hinterhalt, ein Mörderkreis,
Die Sippe der verrathnen Braut.

65
„Verdammter, stirb!“ – „Geliebte, flieh!“

Wild ringend stürzt er umgebracht,
An seinen Busen gleitet sie
Und sinkt mit ihm in Eine Nacht.

Herab von aller Thürme Hang

70
Verkündet gellend Sturmgeläut

Den Bürgerkampf. Das Schwert erklang
Dem Gott, der sich des Mordes freut.