Der Schneider im Himmel (Meier)

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Der Schneider im Himmel
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 123-124
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Der Schneider im Himmel.


[123]
35. Der Schneider im Himmel.

Als der erste Schneider in den Himmel aufgenommen wurde, entstand dort eine große Freude, weil’s etwas gar Unerwartetes und Seltenes war, und der liebe Gott verordnete deshalb eine feierliche Prozession zu Ehren des Schneiders. Weil aber die Schneider ein merkwürdiges Völklein und ganz besonders hochmütig sind, so war’s auch unserm Schneider im Himmel viel zu gering, an dem Zuge Theil zu nehmen, und er blieb daheim und besah sich unterdessen den Himmel. Da kam er auch an den göttlichen Thron, stieg hinauf und setzte sich drauf, und bemerkte alsbald zur Seite ein Fenster, das öffnete er und schaute herab [124] auf die Erde und konnte von da aus Alles erkennen, was nur auf der Erde geschehen mochte. Da sah er alsbald einen Schneider am Fenster sitzen und der war eben im Begriff, ein kleines Knäuel Garn zu stehlen. Darüber ergrimmte der Schneider aber so sehr, daß er plötzlich ein Stuhlbein abbrach und das dem Schneider an den Kopf schleuderte. Als der liebe Gott zurückkam und den zerbrochenen Stuhl sah, fragte er den Schneider, wer das gethan habe? Darauf erzählte er die ganze Geschichte, die er gesehen hatte, sehr eifrig. Der liebe Gott aber sprach: „hätte ich also mit Dir verfahren, und jedesmal, wenn Du etwas gestohlen, Dir ein Stuhlbein an den Kopf werfen wollen, so würde hier gewiß kein einziges mehr zu finden sein.“ Dann mußte der Schneider wieder fort aus dem Himmel, und seither, sagt man, habe man nie wieder einen Schneider hinein gelaßen. Möchte wohl wißen, ob’s wahr ist.

Anmerkung des Herausgebers

[309] 35. Der Schneider im Himmel. Mündlich aus Wurmlingen. Verwandt ist in Grimm’s Kinder-Märchen Nr. 35, der Schneider im Himmel. Vgl. Wolf’s deutsche Sagen und Märchen Nr. 16, Jan im Himmel. – Nach heidnischer Vorstellung hatte Odhin einen Thron, von dem aus er Alles sehen und hören konnte, was auf Erden vorgieng. Dieser Thron heißt Hlid-skialf, d. i. Thürbank. Grimm’s Mythologie, S. 124 ff.