Der See im Glase

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Textdaten
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Autor: Emil Adolf Roßmäßler
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Titel: Der See im Glase
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 252–256
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Der See im Glase.


Neben dem „Ocean auf dem Tische“, der in englischen Küstenstädten jetzt so allgemeinen Beifall findet, darf sich „der See im Glase“ für die Binnenlandsbewohner schon sehen lassen. Beide sind erfreuliche Zeichen von dem täglich zunehmenden Geschmack für Natürliches, und neben der Beschreibung des ersteren in Nr. 38 des vorigen Jahrg. der Gartenl. von einem andern Verfasser, der in Deutschland zuerst Mittheilungen über das Aquarium überhaupt gab, geben wir nun hier eine Beschreibung des „See's im Glase“ und eine ausführliche Anleitung zu dessen Einrichtung und Abwartung.

Als von England aus der Ocean auf dem Tische oder, wie man das geschmackvolle und lehrreiche Ding auch nennt, das Aquarium, dem Verfasser dieser Mittheilungen zuerst bekannt wurde, hätte er sich an die Stirn schlagen mögen, daß er, ein Naturforscher im Dienste der Verallgemeinung seiner reichen, schönen Wissenschaft, nicht längst daran gedacht habe, die seit vielen Jahren von ihm gepflogene Gewohnheit, zu wissenschaftlichen Beobachtungen in großen Gläsern Wasserthiere und Wasserpflanzen zu ziehen, zu einem neuen Mittel zu machen, naturwissenschaftlichen Sinn zu wecken und pflegen. Die sofort eingeleiteten Veranstaltungen zur Herstellung genügender Glasgefäße und Gestelle haben nach vielfältigen vergeblichen Versuchen erst jetzt zu dem gewünschten Ergebnisse geführt;[1] und nun ist auch die Wiederkehr des Frühlings beflissen, uns die Gefäße mit Leben zu erfüllen.

Das etwa 20 par. Zoll hohe und 15 Zoll weite Glasgefäß füllt man zunächst am Boden etwa 3 Zoll hoch mit Flußsand. Ein weiteres aus dem Steinreiche zu entlehnendes Erforderniß – denn es vereinigen sich alle drei Reiche im Aquarium – ist eine gehörige Anzahl größerer und kleiner Stücke von dem Kalksinter, welcher schon längst als Einfassung von Gartenbeeten oder zu Miniaturfelsen auf Blumengestellen in Gebrauch und allgemein bekannt ist. Dieser schöne Stein, das Erzeugniß kalkhaltiger Quellen aus der jüngsten erdgeschichtlichen Vorzeit, verleiht dem Aquarium nicht nur einen großen Schmuck, sondern gewährt auch den Pflanzen und Thieren eine erwünschte Stätte. Die Pflanzen treiben ihre Wurzeln in die vielen röhrenartigen Zwischenräume des Kalksinters, aus welchem viele von ihnen zugleich eine gedeihliche Nahrung ziehen, und kleinere Thiere finden in denselben einen Zufluchtsort, wenn sie von größeren verfolgt werden. Von größeren Kalksinterstücken baut man in der Mitte des Gefäßes einen Felsen, welcher mit seiner Spitze über das Wasser hervorragt und, je nachdem man die Botanik oder die Zoologie vorherrschen lassen will, für letzteren Fall sogar noch über den Rand des Gefäßes hinausragen kann. Die Porosität des Steines zieht auch in diese als Felseninsel emporstehende Spitze fortwährend Wasser in die Höhe, so daß in ihre Spalten und Risse gepflanzte Moose und andere kleine Pflanzen freudig wachsen und so dem Steine das Ansehen eines bebuschten Felsens en miniature verleihen. Rings um den Fuß des kleinen Berges bedeckt man den Flußsand mit kleinen, höchstens faustgroßen Steinstücken oder kleinen Bachkieseln. Sie geben nicht nur dem Boden das Ansehen eines felsigen Meeresbodens, sondern verhindern auch die Thiere, den Sand aufzuwühlen, wodurch das Wasser getrübt werden würde.

Ehe ich weiter beschreibe, muß ich an meine Leser die Vorfrage richten, ob sie ihrem Aquarium mehr einen landschaftlichen Charakter geben wollen, oder ob es mehr das Ansehen eines Pflanzenkübels erhalten soll.

Nehmen wir zunächst letzteren Fall an (nach welchem der Holzschnitt aufgefaßt ist), so muß in die Mitte des Gefäßes ein etwa 8 Zoll hoher und 4 Zoll weiter walzenförmiger Korb, aus ungeschälten Weidenruthen weitläuftig geflochten, gestellt werden, den man durch an seine Seiten angelegte Kalksinterstücken verdeckt. In diesen Korb setzen wir mit etwas Teichschlamm einige größere Wasserpflanzen, die sich nun scheinbar aus dem Steinfelsen hoch über die Wasserfläche erheben. Der Korb ist überflüssig, wenn man aus passend geformten Steinen einen kleinen Krater für die Pflanzen zusammenbauen kann. Ohne der Liebhaberei für Ausländisches wehren zu wollen, so spreche ich doch in Folgendem nur von einheimischen Pflanzen, denn ich räume der Fremde nur erst dann ein Recht ein, wenn die Heimath sich unzulänglich erweist. Und in der That bietet der Spiegel unserer Sümpfe und verschilfter Teiche genug Pflanzen dar, welche in das Aquarium versetzt, sich sehr gut ausnehmen, ja welche vielen meiner Leser und Leserinnen wegen ihrer zum Theil abenteuerlichen Formen wie ausländische vorkommen werden. Zudem sind diese Pflanzen überall zu finden, wo die ihnen zusagende Oertlichkeit vorhanden ist, was überall in ganz Deutschland der Fall ist. Neben den straußartig aus dem Mittelpunkte des Gefäßes hervorwachsenden höheren Pflanzen kann man theils in den Zwischenräumen der äußeren Steinumkleidung des Korbes, theils in den Fugen der am Boden vertheilten Steine kleinere Pflanzen anbringen; ja eine unserer schönsten Wasserpflanzen, der Froschbiß, Hydrocharis morsus ranae, schwimmt ganz frei auf dem Wasserspiegel, indem sie ihre etwa fingerlangen schön bewimperten Wurzeln in das Wasser frei hinabhängen läßt.

Als die für diese Einrichtung des Aquariums (als Pflanzenkübel) geeignetsten Pflanzen nenne ich folgende: 1. Das Pfeilkraut, Sagittaria sagittifolia, nächst den gelben und weißen Seerosen unstreitig diejenige Pflanze, welche dem landschaftlichen Charakter unserer Teiche und Lachen einen geradehin tropischen Zug verleiht. Schon Mancher wollte mir kaum glauben, daß die Pflanze mit dem vollkommen einem Pfeile gleichenden Blatte und den sonderbaren dreiblättrigen Blümchen eine gemeine deutsche Wasserpflanze sei. 2. Der Igelkolben, Sparganium ramosum. Auch dieses schilfartige Gewächs mit den abenteuerlichen Blüthen wächst beinahe in jedem Teiche und ist doch außer Botanikern, Fischern und – Badenden den Wenigsten bekannt. 3. Der Froschlöffel, Alisma Plantago. Neben den pfeilförmigen und den langen säbelförmigen Schilfblättern der beiden vorigen bietet eine dritte Blattgestalt diese in jedem Graben wachsende Pflanze. Ihre Blätter sind länglichrund. Ihr mit vielen Hunderten dreiblättriger rosenrother Blüthchen übersäeter Blüthenschaft bildet ein zwei Fuß hohes, ungemein zierlich und leicht verästeltes Bäumchen. 4. Das Riedgras oder Segge', Carex. Von dieser artenreichen Gattung sollte man stets jenen drei Gewächsen eine ihrer größeren Arten beigesellen, namentlich C. stricta, limosa, vesicaria, ampullacea oder Pseudocyperus. Die ansehnlichen äußerst zierlich aus zahlreichen Schlauchfrüchtchen zusammengesetzten weiblichen Blüthenähren, welche auf zarten Stielen bogig überhängen, werden Vielen zum ersten Male zu Gesicht kommen, da diese schönen Gräser meist an unzugänglichen Stellen sich verbergen.

Diese vier Pflanzen reichen zu einer Gruppe vollkommen aus; ich nenne jedoch noch einige, welche sich ebenfalls dazu eignen.

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Die Gartenlaube (1856) b 253.jpg

Der See im Glase.

[254] 5. Die Wasserviole, Butomus umbellatum. Sie hat über 1 Elle lange aufrecht stehende bandförmige Blätter und auf hohem Schafte eine reiche Dolde violetter Blüthen. 6. Das Sumpfschlangenkraut, Calla palustris, die Gattungsschwester des bekannten Aaronstabes, Calla aethiopica; jedoch niedriger bleibend und mit herzförmigen Blättern. 7. Die Sumpfbrunnenkresse, Nasturtium palustre; sie empfiehlt sich durch ihre fein fiederspaltigen Blätter und findet sich fast überall in Gräben. Gar nicht oder nur wenig treten über den Wasserspiegel empor. 8. Die Wassernuß, Trapa natans, eine zierliche auf dem Wasser schwimmende Blätterrosette bildend. 9. Das Hornblatt, Ceratophyllum demersum; 10. Das krausblättrige Laichkraut, Potamogeton crispus; 11. Der Wasserstern, Callitriche verna; 12. Der Froschbiß', Hydocharis morsus ranae.

Soll das Aquarium vorzugsweise eine kleine botanische Garteninsel für möglichst viele Sumpf- und Wasserpflanzen werden, mit nur beschränktem Spielraum für die Fischchen am Umfange des Steinbeetes, wozu der Kalksinter so sehr passende Gelegenheit bietet, so wähle man aus nachbenannten Pflanzen, die fast überall auf den deutschen Moorbrüchen wachsen: 13. Der Fieberklee, Menianthes trifoliata, eine unserer schönsten deutschen Pflanzen mit einem schlanken Schafte, welcher hyacinthenähnliche, blendend weiße, inwendig zart bebartete Blumen trägt; 14. Das Vergißmeinnicht, Myosotis palustris; 15. Der Gagel, Myrica Gale, ein zierlicher, schön beblätterter kleiner Strauch. 16. Die Parnassie, Parnassia palustris, eine wunderschöne Blume; 17. Die Kriechweide, Salix repens, ein astreiches Weidenbüschchen, welches nicht über eine Spanne hoch wird; 18. Swertia perennis mit dunkelblauer Sternblume; 19. Die Sumpftofieldie, Tofieldia palustris; 20. mehrere Orchisarten, z. B. Orchis viridis, conposea, palustris und andere; 21. Die Sumpfheidelbeere, Vaccinium oxycoccos, ein zarter kriechender Strauch mit fadendünnen Stämmchen und rosenrothen Blumen; 22. Die Bärenwurzel, Meum athamanticum, eine kleine Dolde mit haarfeinen, tausendfältig zerschlissenen Blättern, 23. Das Siebenfingerkraut, Comarum palustre, mit schönen aus sieben Blättchen zusammengesetzten Blättern und schwarzrother Blume; 24. Die Rauschbeere, Empetrum nigrum, ein höchst zierlicher, dicht mit kleinen Blättchen bedeckter kleiner Strauch von Fingerlänge; 25. Die Moorhaide, Erica Tetralix, den capischen Haiden unserer Gewächshäuser nicht nachstehend; 26. Der Wassernabel, Hydrocotyle vulgaris, ein zartes Gewächs mit kreisrunden, sonnenschirmartig auf dem Blattstiele sitzenden Blättern, 27. Die Borstbinse, Scirpus setaceus, ein äußerst zartes Gras, welches dichte kleine Rasen bildet.

Unser Aquarium ist vielleicht auch berufen, unsere zarteste deutsche Pflanze, welche ihren fast mährchenhaft lautenden Namen, Sonnenthau, Drosera rotundifolia, mit Fug und Recht trägt, von ihrem für die Spaziergänger fast unzugänglichen Standorte in unser Zimmer zu versetzen. Dieses reizende Gewächs wächst immer auf den wassergetränkten Moospolstern mooriger Wiesen und würde ohne Zweifel, mit einem Moosbüschel zugleich ausgehoben und mit diesem in das Aquarium versetzt, in diesem gedeihen und, was man fest behaupten darf, staunendes Entzücken erregen. Ueberhaupt ist Freunden der kleineren, meist so zierlichen Pflanzenformen anzurathen, im Aquarium ein nur 1–2 Zoll über dem Wasserspiegel emporragendes steinumfriedigtes Moorbett für diese einzurichten.

Endlich sind noch einige höhere Gewächse nachzutragen, welche namentlich im Frühjahre das Aquarium schmücken: 28. Die Dotterblume, Caltha palustris, welche als kräftiger voller Stock mit seinen großen dottergelben Blumen im März und April dem Aquarium einen schönen Schmuck verleiht. 29. Die Waldbinse, Scirpus silvaticus; 30. Die Wollgräser, Eriophorum latifolium, augustifolium und vaginatum zieren nach dem Verblühen ihren Standort durch die blendendweißen Wollbüschel der Fruchtährchen. 31. Die gelbe Schwertlilie, Iris Pseudacorus.

Ist eine Auswahl aus den genannten 31 Pflanzen getroffen, und dieselben theils auf dem Grunde, theils in den Fugen des Mittelfelsens und in dem Korbe im Innern dieses mit nur weniger Schlammerde eingepflanzt, so füllt man das Gefäß bis etwa 3–4 Zoll unter dem Rande mit Fluß- oder Bachwasser. Um nicht zu lange Zeit ein trübes Wasser zu haben, gießt man es natürlich langsam und ruhig ein, wo möglich so, daß es gegen die innere Wand des Gefäßes strömt, und von dieser breit auf den Boden abfließt. Am besten bedient man sich beim Ein- und Ausgießen des Wassers eines Guttaperchaschlauches als Heber.

Der Kalksinter enthält oft, namentlich wenn es Stücken sind, die nicht frisch gebrochen wurden, sondern vielleicht schon lange Zeit am Boden der Witterung ausgesetzt gelegen haben, in seinen Zwischenräumen Erde und Staub, welche man mit einer Bürste oder einem kleinen Besen von Birkenreisern vorher auswaschen muß, damit nicht das Wasser lange Zeit dadurch getrübt wird, indem sich diese anhängende Masse erst nach und nach ablöst.

Hat man kein Flußwasser zur Hand, so kann man auch reines Brunnenwasser nehmen, dessen Kohlensäure zwar sofort etwas von dem Kalk auflösen und das Wasser für einige Stunden etwas milchig machen wird, worauf sich aber die dadurch gebildete, sehr geringe Menge weißen Kalkpulvers auf den Boden niederschlagen wird, so daß der Niederschlag nicht einmal als weiße Farbe darauf sichtbar bleibt. Hierbei entwickelt sich anfangs sehr lebhaft der bekannte Kalkgeruch, der aber bald verschwindet. Nach dem Einfüllen des Wassers auf dessen Oberfläche schwimmende Körperchen entfernt man leicht, indem man die Hand in das Wasser taucht, an der dieselben, wenn man sie wieder heraus zieht, hängen bleiben. Man spült sie dann von der Hand in einem andern mit Wasser gefüllten Gefäß ab.

Wenn wir nun die Anlegung des Aquariums mehr in landschaftlichem Charakter auffassen, haben wir manche der genannten Pflanzen zu vermeiden und einige andere hinzuzufügen. Wir werden dabei den Busch in der Mitte ganz wegzulassen haben, vielmehr in der Mitte eine womöglich mehrkuppige kleine Felseninsel aufthürmen und bis vielleicht 5–8 Zoll noch über den Rand des Gefäßes herausragen lassen. Es ist dabei maßgebend, ob die Porosität des Kalksinters im Stande ist, das Wasser so hoch über den Spiegel desselben emporzusaugen, denn im entgegengesetzten Falle würde man die Steine weniger über das Wasser herausstehen lassen dürfen, da dieselben durch und durch immer feucht sein müssen. Es ist gut, wenn man zu dieser Auffassung zunächst das untere Fünftel der Höhe des Gefäßes, welches der engste Theil desselben ist, mit grobem Flußsand ausfüllt und dann erst auf diesen den Kalksinterfelsen aufführt, wobei man am wenigsten vergessen darf, die ganze, nun etwas beträchtlichere, Grundfläche mit kleineren Brocken von Sinter zu belegen. Hat man dazu ein sehr weites Gefäß, so daß man vielleicht über eine runde Bodenfläche von einer Elle Durchmesser zu verfügen hat, so läßt sich auf dem sandigen Grunde leicht ein Miniaturbild von untermeerischen Gebirgszügen und dazwischen liegenden sandigen Ebenen darstellen. Sechs pariser Zoll Wassertiefe ist dann hinreichend, damit die kleinen Felsenpartien nicht zu tief im Wasser stehen und an ihren Seiten und auf den Kuppen mit passenden Gewächsen bepflanzt werden können. Hierzu eignen sich nun ganz vorzüglich einige unserer deutschen Farrenkräuter, deren Wurzelstock selbst im Wasser stehen darf, jedoch nur so tief, daß die sich bildenden jungen Wedel sogleich aus dem Wasser heraustreten können. Von unseren Farren sind am tauglichsten 32. 33. die beiden Tüpfelfarren, Polypodium Dryopteris und P. Phegopteris; für eine Stelle über dem Wasser auch 34. P. vulgare, eben so der in den westlichen Theilen Deutschlands vorkommende 35. Ceterrach, Ceterach officinarum, 36. der Rippenfarren, Blechnum Spicant, 37. die Mauerraute, Asplenium ruta muraria, und 38. der schöne Haarfarren, Asplenium Trichomanes. Ganz vorzüglich durch die zarte Zertheilung des Laubes empfiehlt sich auch (jedoch nicht tief unter den Wasserspiegel zu bringen) 39. der zerbrechliche Blasenfarren, Cystopteris fragilis. Will man vielleicht aus der Felspartie in der Mitte einen größeren Farrenbusch seinen schönen Fächer entfalten lassen, so dient dazu irgend eine Art der Schildfarren, Aspidium, vor allen 40. A. Thelypteris und A. Oreopteris, welche auch eine tiefere Einsenkung ihres Wurzelstockes in das Wasser vertragen, dasselbe gilt von dem prachtvollen Königsfarren, Osmunda regalis, welcher auf Moorwiesen und in moorigen Waldungen an vielen Orten Deutschlands vorkommt.

So können wir die ganze Pflanzenwelt unseres Landschafts-Aquariums [255] aus lauter Farrenkräutern herstellen. Das lebhafte Grün der vielgestaltigen Wedel (so nennt man das Laub der Farrenkräuter), die zierlichen Fruchthäufchen auf deren Rückseite ohne sich einmischende Blüthenformen bringen einen eigenthümlichen fast fremdländischen Charakter hervor. Er erinnert uns unwillkürlich an jene vorzeitliche Pflanzenwelt, aus deren Ueberresten sich unsere mächtigen Steinkohlenlager gebildet haben, und in welcher die Farrenkräuter, freilich meist als ansehnliche Bäume, den Hauptzug bildeten. Dann dürfen wir aber, um die Aehnlichkeit vollständig zu machen, 43. den Waldschafthalm, Equisetum silvaticum, nicht vergessen, dessen quirlartig verästelte Stengel die elegantesten Bäumchen bilden. Er verträgt den Stand im Schlamm sehr gut.

Will man auch einige andere Gewächse zwischen den Farren vertheilen, so empfehlen sich dazu von den aufgezählten ganz besonders Nr. 21. 22. 24. 25. 26. und 27.

Von allen diesen für die landschaftliche Gruppirung aufgezählten Pflanzen wähle man kleine Exemplare aus, die man mit ein wenig Moorerde in passende Grübchen und Fugen der Steine locker einbettet.

Noch ist aber eines wesentlichen Schmuckes zu gedenken: der Wassermoose. Ziemlich viele Arten unserer Laubmoose wachsen entweder geradezu im Wasser, namentlich in steinigen Bächen, oder wenigstens auf moorigen Wiesen, und gedeihen dann auch sehr gut in dem Wasser unseres Aquariums. Namentlich in gebirgigen Waldgegenden wird man leicht solche Moose selbst auffinden, die man dann mit den Steinchen, an denen sie fest sitzen, einsammelt, und ohne sie unterwegs vertrocknen zu lassen, in das Gefäß bringt. Ich nenne, obgleich hier eine namentliche Bezeichnung kaum nöthig ist, 44–46. mehrere Astmoose, namentlich Hypnum riparium, H. palustre und H. alopecurum und 47. das Drehmoos, Funaria hygrometrica. In die Fugen der feuchten Oberfläche der Steine passen 48. 49. die Sternmoose, Mnium cuspidatum und punctatum, 50. der graue Gabelzahn, Dicranum glaucum, und 51. einige der kürzeren Arten der Gattung Wiederthon, Polytrichum.

Endlich sind zum Schluß der Pflanzenwelt noch die Algen zu erwähnen, jene bekannten grünen Fadenschöpfe der Bäche und Mühlgerinne. Man wähle solche, welche im Wasser an Steinen und Baumwurzeln festsitzen, da diese am meisten einen regelmäßigen schopfartigen Wuchs haben. Alte Mühlräder werden am leichtesten einen Vorrath liefern.

Wir gehen nun zur Thierwelt unseres Aquariums über. Wollen wir in diesem den Pflanzenschmuck vorherrschen lassen, so werden wir uns mit wenigen Arten von Thieren begnügen müssen, indem natürlich diejenigen zu vermeiden sind, welche von den Pflanzenwurzeln und Blättern leben. Dahin gehören vor allen alle, wenigstens die größeren, pflanzenfressenden Wasserschnecken. Da aber diese gerade durch ihre Lebensweise viel Unterhaltung und Belehrung bieten, so kann man wenigstens einige wenige aufnehmen. Diese großen Arten sind die große Schlammschnecke, Limnaeus stagnalis und die hornfarbige Tellerschnecke, Planorbis corneus. Beide leben gemein in unsern Teichen. Im Frühjahre legen sie ihren krystallhellen gallertartigen Eierlaich an die Glaswände ab, und man kann dann mit einer einfachen Lupe die Entwickelung der jungen Schneckchen von Tag zu Tag verfolgen. Aus dem winzigen hellgelben Dotterkügelchen entwickelt sich in einigen Wochen unter fortwährender langsamer Achsendrehung die kleine Schnecke mit dem Gehäuschen innerhalb eines Eierfaches im Laiche. Unsere beiden großen Sumpfschnecken: Paluvina vivipura und fasciata sind fleischfressend und daher den Pflanzen nicht nachtheilig. Sie reinigen im Gegentheil das Wasser von allerhand thierischen Abfällen. Sie bringen lebendige Junge zur Welt von Erbsengröße, und diese haben gleich ein Gehäuse von 4 Umgängen. Die Sumpfschnecken können die Mündung ihres Gehäuses hinter sich mit einem hornartigen Deckel fest verschließen. Neben diesen großen Arten wimmeln die meisten Wiesengräben und sumpfigen Lachen von einer Menge kleiner Schneckenarten und auch einigen kleinen erbsengroßen Muscheln, von denen man viele aufnehmen kann. Die Thiere, deren zierliche Gehäuse sehr manchfaltige Gestalten haben, bevölkern die Wände des Gefäßes auf eine angenehme Weise. Größere Muscheln, namentlich die Teichmuscheln, Anodonta, und Flußperlenmuscheln, Unio, darf man nur aufnehmen, wenn das Thierreich vorherrschen soll, weil sie meist ohne Unterlaß, freilich langsam wie der Zeiger der Uhr, den Grund durchfurchen und daher die Pflanzen aufwühlen.

Ich schalte hier die Jagd nach diesen kleinen Schnecken und anderen kleinen Wasserthieren ein. Sie ist nichts weniger als umständlich und zeitraubend. Man kann sie auf verschiedene Weise ausführen. Mit einem großen weißen sogenannten Zucker- oder Einmachglase geht man aus und sucht einen mit Pflanzen durchwachsenen und viel abgestorbene Blätter auf seinem Grunde enthaltenden Wiesengraben, oder eine solche Lache oder Sumpf. Mit der Hand oder mit einem Haken nimmt man auf’s Gerathewohl einige Klumpen von verwesenden Blättern und Wasserpflanzen und Stengelstückchen, die den Boden bilden, herauf und thut sie in das mit Wasser gefüllte Glas. Nachdem man den Brei etwas umgerührt hat, wodurch die darin enthaltenen Thiere sich in dem Wasser vertheilen, so schöpft man, ehe sie zu Boden sinken, die entvölkerten Blätter heraus. Die übrigen in dem Wasser vertheilten Dinge fallen zu Boden, während sich die Schnecken nach und nach alle an den Wänden des Glases versammeln, von denen man sie leicht abnehmen kann. Besonders ergiebig ist die Jagd, wenn man in heißem Wetter einen Graben findet, welcher durch Austrocknung das Wasser schon ziemlich ganz verloren hat. Dann finden sich die Schnecken gewöhnlich in großer Menge zwischen den noch nassen Blättern, welche recht eigentlich einen verfaulenden Blätterteig am Boden bilden. Dann kann man auch, wenn man das Glas nicht zur Hand hat, solche halb trockene Klumpen zu Hause entvölkern. Eine andere Art der Jagd auf kleine Wasserthiere geschieht mit einem Schmetterlingsnetz. In diesem wäscht man jene Blätterklumpen unter Wasser aus, wobei sich alle Thiere unten im Zipfel des Netzes ansammeln, während man die Blätter oben wieder herausfischt. Die gefangenen Thiere nimmt man ohne Wasser, blos naß, in einem kleineren Glase, welches man dann mit etwas Moos locker zustopft, oder in einer gebundenen, nicht geleimten, Schachtel mit nach Haus. Das Wasser würde selbst auf einem nur eine halbe Stunde langen Heimwege warm und faulig und für die Thiere tödtlich werden.

Bei dieser Jagd hat der, welcher sie zum ersten Male machte, ohne es zu ahnen zugleich eine Menge anderer Thiere mit erwischt, von denen viele in das Aquarium gehören. Auch nur einen Theil derselben hier namentlich aufzuzählen, würde zu weit führen. Das Aquarium, wenn es dabei vorzugsweise auf thierisches Leben abgesehen ist, ist eben eine wahre Wasser-Menagerie, welche dem Freunde der Natur eine Menge kleine Geheimnisse, noch nicht gesehene Thiere, vor Augen führen wird. Zu entfernen sind von der unwillkürlichen Beute die großen Wasserkäfer (namentlich Dityscus marginalis und andere) und die Blutegel, weil beide den größeren Thieren und auch den Schnecken nachstellen. Sicherlich hat uns ein solcher Fischzug auch einige Larven der Köcherjungfern (Phryganea) verschafft. Sie sind vor allen Dingen zu beachten, denn sie sind geschickte Mosaikarbeiterinnen. Jede baut sich nach ihrer Art entweder von kleinen Rinden-, Holz- und Blattstückchen, oder aus kleinen Steinchen oder aus kleinen leeren Schnecken- und Muschelschalen ein einen Zoll langes und längeres köcherförmiges Gehäuse, was sie immer mit sich herumschleppt. Vielleicht schwärmt eines Tages eine prächtige Libelle in unserem Zimmer herum, die wir als Puppe im Wasser auch mit gefangen haben. Die Köcherjungfern sind weniger schön geflügelte Schwestern der Libellen.

Zu den Fischen übergehend, haben wir unser Aquarium vor den räuberischen Fischen zu bewahren, den Forellen, Hechten und Barschen. Kleine Samenfischchen aller Art eignen sich, denn der Fisch streckt sich nach der Decke und bleibt im kleinen Lebensraume ein Zwerg. Dies beweist der Goldfisch, eigentlich ein Karpfen, Cyprinus auratus, der in Bassins auch über 1 Fuß lang wird, in unseren Gläsern aber in zehn Jahren nicht merklich wächst und höchstens 4–5 Zoll lang wird. Nebenbei gesagt, ist der Goldfisch, von Nationalität ein Chinese, der einzige aus fremden Welttheilen bei uns eingeführte Fisch. Wir füttern unsere Fischchen, aber ja nicht zu reichlich, mit gedörrten Ameiseneiern (wenn es nicht eine Schande für einen Naturforscher ist, die Ameisenpuppen Eier zu nennen), weißen Oblaten, Brotkrümchen u. dergl. Sie finden außerdem mancherlei zu leben auf dem Grunde des Gefäßes, auf welchem sich mit der Zeit, wie in der freien Natur, als Beute für solches Gethier kleine Pflänzchen und Thierchen einfinden. Die kleinen Ellritzen, die in einem Gefäße von der [256] angegebenen Größe zu Hundert Platz haben, bilden ein sich munter umhertummelndes Fischpublikum neben den bedächtigen in Gold gekleideten Chinesen. Bringen wir als Wetterpropheten einen Wetterfisch, Cobitis fossilis, mit in das Aquarium, so müssen wir seinetwegen eine Stelle des Sandgrundes frei von Steinen lassen, damit er darin herumwühlen kann.

Wir kommen nun zu den Lurchen, wie wir echt deutsch die Amphibien nennen wollen. Leider herrscht vor ihnen ein grundloses Vorurtheil bei den Leuten, welches einzig und allein bei der Kreuzotter oder Viper kein grundloses ist, obgleich ich die häßliche Kröte, mit ihrem scharfen, aber durchaus nicht giftigen Harn, durchaus nicht liebenswürdig wie das Fischchen nennen will. Aber die harmlosen Molche, namentlich die kleinen sogenannten Teichsalamander, Triton cinereus, mit dem schönen Hautkamme über Rücken und Schwanz, gehören nothwendig in das Aquarium, welches wir ihretwegen nicht zu hoch mit Wasser füllen dürfen, da sie sonst gern herausklettern. Soll die Botanik in dem Aquarium die Hauptrolle spielen, so müssen die Molche leider wegbleiben, weil sie gern an den zarten Stämmchen, z. B. der Farrenkräuter, in die Höhe klettern und sie dann umknicken.

Das wäre nun ungefähr das Leben für unser Aquarium. Aber wird es darin auch Leben bleiben? Wird es uns nicht viel Sorge und Mühe machen, es zu erhalten? Wie oft müssen wir das Wasser erneuern? Antwort: Niemals. Wenn die Pflanzen darin recht freudig gedeihen so saugen sie mit ihren Wurzeln alle fauligen Stoffe auf, welche von dem Abgang der Thiere sich dem Wasser beimischen. In diesem Augenblicke steht neben dem Arbeitstische, an welchem dies geschrieben wurde, seit 6 Monaten ein großes Aquarium, ohne daß das Wasser einmal erneuert worden wäre. Nur zuweilen nachzufüllen hat man das, was durch die Verdunstung verloren geht. Doch weise man dem Süßwasser-Aquarium seinen Platz nicht an einem Fenster ein, das von der Sonne stark und lange beschienen werden kann, das Wasser darin nicht zu stark erwärmt werde. Größere Leichen, – todte Fische entgehen der Aufmerksamkeit nicht, weil sie sofort auf der Seite liegend, oben auf schwimmen – kann man leicht entfernen ehe sie faulen. Gleichwohl sind in meinem Aquarium in der angegebenen Zeit wenigstens zehn größere Schnecken gestorben und verfault, deren leere Gehäuse nun am Boden liegen. Ein Fisch ist darin noch nicht gestorben. Was das Thierleben gefährden könnte, wird sofort von den Pflanzen als gedeihliche Nahrung aufgenommen.

Dem Hornblatt (9), was langen Fichtentrieben ähnelt und sich in jedem Teiche findet, glaube ich vorzüglich das Gedeihen meines Aquariums zuschreiben zu müssen. Denn im October vorigen Jahres hineingelegte abgerissene fingerlange Stengel desselben sind seitdem zu ellenlangen armleuchterähnlich beblätterten Guirlanden erwachsen, welche im Lichte ununterbrochen kleine Perlen von Sauerstoff austreten lassen und dadurch so wie wahrscheinlich durch eine lebhafte Einsaugung von Kohlensäure das Wasser für die Thiere athembar halten. Gleich gute Dienste würde ohne Zweifel die schwimmende Salvinie, Salvinia natans, leisten, ein sehr niedlicher Wasserfarren, welcher sich in manchen Gegenden Deutschlands häufig auf dem Wasserspiegel großer Sümpfe findet.

So möge denn diese das reichhaltige Thema, welches dem eigenen Nachdenken und Erfinden immer noch Spielraum genug läßt, nur theilweise erschöpfende Mittheilung etwas dazu beitragen, die Freude an der Natur zu unterstützen.

Das Aquarium ist im häuslichen Familienkreise ein wirksames Mittel, die Kinderwelt an den vertrauten Umgang mit der Natur zu gewöhnen. Spielschulen und Kindergärten, ja jede gute Schule sollte sich dieses Mittels bedienen. Es schärft das Auge und lenkt die Beobachtungsgabe auf ein bisher von der Menge unbeachtet gelassenes Feld. Die Entwickelungsgeschichte der Schnecken, vieler Insekten, der froschartigen Lurche gewährt nicht blos dem wißbegierigen Auge des Kindes eine angenehme Unterhaltung, sondern vermittelt nützliches Wissen.

Dem See-Aquarium gegenüber hat das unserige ganz entschieden einen Vorzug, den der Verbindung des unter dem Wasserspiegel sich herumtummelnden Thierlebens und des freudig sich über ihm erhebenden Grün der Gewächse, während im Seeaquarium Alles unter Wasser bleiben muß.


  1. Mit dankenswerthem Eifer war die Glaswaarenhandlung von Fritzsche und Breiter in Leipzig bemüht, nach Anleitung des Verfassers Süßwasser-Aquarien herzustellen, so daß sie nun, in diesem hohen Grade der Vollendung wenigstens, unseres Wissens in Deutschland allein und zuerst damit hervortraten. Für Leipzig und nächste Umgegend besorgen sie das Aquarium (siehe nebenstehendes Bild) mit der Füllung für auswärts ohne dieselbe.