Der Trompeter von Rothenstein

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Trompeter von Rothenstein
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 391–392
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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85) Der Trompeter von Rothenstein.
S. Eisel Nr. 716. Münnich, die malerischen Ufer der Saale. Dresden, Dietze. o. J. in qu. Fol. S. 66. Weitläufig Greß a. a. O. S. 97 fgg.

Am Fuße des Rothenbergs, bekannt durch die herrliche Aussicht, die man von seinem Gipfel aus genießt, liegt das hübsche Dorf Rothenstein. Hinter diesem Orte, wo man die Aussicht der Ruinen von Lobdaburg immer vor Augen hat, zieht sich links die Straße an einer steilen Felswand hin, an welcher eingehauene Hufeisen das tragische Schicksal eines jungen hübschen schwedischen Trompeters, Namens Axel von Gellingen, auf die Nachwelt gebracht haben[1]. In früheren Zeiten verband das Dorf Rothenstein mit dem gegenüberliegenden Oelknitz eine hölzerne Brücke, allein dieselbe ward im 30jährigen Kriege von Wallensteins Truppen abgebrannt, ist auch erst im J. 1839 wieder hergestellt worden. Nun hatte besagter Trompeter eines Tages von seinem Regimente, welches hinter Jena bei Kahla herum stand, eine Botschaft nach dem Truppentheile auf dem andern Ufer der Saale zu überbringen, er machte sich also in einer mondhellen, herrlichen Sommernacht auf um den mehrmals schon gemachten Weg abermals zu durchmessen. Allein diesmal sollte es ihm nicht so gelingen. Bei dem hellen Mondenlicht gewahrten ihn feindliche patrouillirende Reiter, die wohl vermuthend, daß er eine wichtige Botschaft trage, ihm nachsetzten. Mit Windeseile jagte er dahin, seine Verfolger immer hinter ihm her; da sah er ein Wäldchen vor sich, schnell jagte er hinein, dort Schutz suchend, allein plötzlich bäumte sich sein Roß, er stand vor einem Abgrunde auf hoher Felsenwand und schon hörte er die Hufschläge der ihm nachsetzenden Rosse hinter sich; er wagte todesmuthig den kühnen Sprung in die Saale, sein treues Pferd trug ihn unverletzt bis ans jenseitige Ufer, wo es aber todt vor Erschöpfung [392] niedersank, er aber nahm seine Trompete zur Hand und schmetterte laut das Lied „nun danket alle Gott“ hinaus in die Ferne, da traf ihn die wohlgezielte Kugel eines Kroaten vom linken Ufer. Er sank lautlos zu Boden und so fanden ihn seine Kameraden am anderen Tage, noch hielt er mit der einen Hand seine Trompete, die andere ruhte auf der Brust, wo er seine Botschaft versteckt hatte.


  1. Eine ähnliche Begebenheit erzählt man übrigens beim überhängenden Kebrafelsen an der Saale, ¼ Stunde unterhalb des sogenannten großen Bleiloches.