Der dankbare Schuldner

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der dankbare Schuldner
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 193–195
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[193]
217) Der dankbare Schuldner.
Curiosa. Sax. 1736. S. 72. (nach D. Mauritii Brandts Chronica p. 575.)

Im Jahre 1267 ist Graf Rudolph von Habsburg aus [194] Schlesien nach Pirna im Lande Meißen mit einigen Dienern gekommen, und weil ihm unterwegs sein Geld alle geworden, er solches auch von Haus aus nicht so schnell hat bekommen können, hat er Abends den regierenden Bürgermeister Paul Strauske zu sich zur Mahlzeit laden lassen und ihn dabei angesprochen, ob er ihm nicht bei dem Rathe zu Pirna 200 Schock Groschen zu Wege bringen könne, weil er solche auf seiner Reise jetzt höchst benöthigt sei, er wolle ihnen solche nicht allein mit Interessen getreulich wieder erlegen, sondern auch solche Freundschaft also mit Dankbarkeit vergelten, daß es die Nachkommen genießen sollten. Der Bürgermeister entschuldigte sich zwar hierauf des Raths wegen mit Vorwendung vieler Ausgaben bei der damaligen Zeit, da auch die Rathskammer sehr erschöpft sei, doch versprach er solches Ansinnen dem Rathe vorzutragen und dabei so viel zu thun, als ihm möglich. Das geschah auch, und der Rath zahlte ihm des andern Tages 200 Schock guter Münze alsbald aus. Ob nun zwar wohl der Graf sich verschrieben, innerhalb Jahresfrist solches Geld dem Rathe wieder auszuzahlen, konnte er es doch auf die bestimmte Zeit nicht bewerkstelligen, weil seine Erwählung zum Kaiser (1272) nebst anderen Kriegshändeln dazwischen kam. Er kam darauf 1273 selbst persönlich von Eger nach Pirna, ließ den ganzen Rath vor sich fordern und tractirte denselben auf’s Freundlichste, erinnerte sich dabei an seine Schuld und ließ ihm 300 Schock Geldes dafür aufzählen, welches aber der Rath nicht annehmen wollte, weil es sammt den Zinsen nicht so viel betrüge, wollte es ihm auch als ihrem gnädigen Kaiser schenken, der Kaiser aber wollte nicht und nöthigte sie, bis sie endlich 200 Schock von ihm annahmen. Dafür bedankte er sich auf’s Freundschaftlichste, daß sie ihm dazumal in der Noth so willig beigesprungen und ihm als einem Fremden die 200 Schock anvertraut, begnadigte auch die ganze Stadt mit besonderen Freiheiten und verordnete unter andern, daß, so oft eine Pirnaische Jungfrau heirathen würde, ihr aus seiner kaiserlichen Kammer 30 Schock Geldes zum Heirathsgut ausgezahlt werden solle. [195] So soll er gleichfalls auch der studirenden Jugend in Pirna verschiedene Stipendia verordnet haben. Es gedenket auch der obengedachte Autor, daß kurz nachher, als der gefährliche Krieg zwischen dem Kaiser und dem König Ottocar zu Ende gegangen und der Kaiser ganz Böhmen, Oestreich, Lausitz und Meißen an sich gebracht hatte, er mit Ernst befohlen hatte, daß die Stadt Pirna allein von allen Contributionen frei blieb. Als er aber zur Kaiserkrönung sich nach Speier aufmachte, hat er unterwegs zu Graf Friedrich von Hohenstaufen gesagt: Nun wollen wir uns gegen die liebe Stadt Pirna recht dankbarlich verhalten, wegen ihrer redlichen Treue und Aufrichtigkeit, so sie gegen uns erzeiget, und soll sie erfahren, daß, wie sie in meiner Noth mein Vater gewesen, ich auch ihr Vater und Helfer sein will.