Der kranke Löwe

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Textdaten
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Autor: Eduard von Bauernfeld
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Titel: Der kranke Löwe
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 238
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Commons = Google-USA*
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Der kranke Löwe.

Es lag der gnädige Löwe krank.
In seiner Höhle war grosser Stank.
Sich zu zerstreu’n liess seine Gnaden
Die Tiere zum Besuche laden.

5
Des Kämmerers Ruf erging an drei:

An den Esel, den Bock und Fuchsen dabei;
Die hätten sich gern der Ehr’ enthoben,
So ward der Esel vorgeschoben,
Der zitternd trat in die Höhle ein. –

10
Da lag der König im Dämmerschein.

Der spricht, indem die heisse Gier
Aus seinen Feueraugen blinkt:
»Freund Baldwyn, sag’, wie riecht es hier?« –
»Herr König«, schnuppert der Esel, »es stinkt!«

15
Das Eselein, der Wahrheit beflissen,

Ward für sein keckes Wort zerrissen. –
Kam drauf der Bock gehüpft, vor Graus
Stehn ihm die Augen beim Kopf heraus.
»Mein Böcklein, sprich, wie riecht es dir?« –

20
»Herr König wie Bisam duftet es mir.«

Der Schmeichler war nichts Besseres wert:
Ihm ward sein Inn’res herausgekehrt. –
Nun kam der Fuchs auf leisen Sohlen,
Was wird Herr Reineke sich holen?

25
»Mein guter Fuchs, du treue Seele,

Sprich doch, wie riecht’s in meiner Höhle?«
Der Reinhard niest: »Ich kann’s nicht sagen,
Mich thut ein arger Schnupfen plagen.«
Der König schweigt, beisst in die Lippe

30
Und reicht ihm eine Eselsrippe:

»Da nimm und iss, du kluger Mann,
Ich seh’s, du bist kein heuriger Hase;
Wer den Geruch verleugnen kann,
Der hat die allerfeinste Nase.«


Eduard von Bauernfeld.