Die Banken-Konzentration in Deutschland, ihre Vorteile und Gefahren

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Autor: Jakob Riesser
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Titel: Die Banken-Konzentration in Deutschland, ihre Vorteile und Gefahren
Untertitel:
aus: Handbuch der Politik Zweiter Band: Die Aufgaben der Politik, Elftes Hauptstück: Handel, Geld und Kredit, 55. Abschnitt, S. 337−345
Herausgeber: Paul Laban, Adolf Wach, Adolf Wagner, Georg Jellinek, Karl Lamprecht, Franz von Liszt, Georg von Schanz, Fritz Berolzheimer
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Dr. Walther Rothschild
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Erscheinungsort: Berlin und Leipzig
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[337]
b) Die Banken-Konzentration in Deutschland, ihre Vorteile und Gefahren.
Von
Geh. Justizrat Prof. Dr. Riesser, Berlin.

Literatur:[Bearbeiten]

S. bei Riesser, Die deutschen Grossbanken und ihre Konzentration, 4. Aufl. 1912, S. 489 Anm. 1.

I. Banken-Konzentration in Deutschland.[Bearbeiten]

Die Konzentration der Kapitalien, Kräfte, Betriebe und Unternehmungen ist nicht ein Kind der Neuzeit und nichts dem Bankwesen Eigentümliches. Sie zeigt sich vielmehr überall gleichzeitig mit den ersten Anfängen des industriellen Grossbetriebs, welcher dem Kapitalismus stets Tür und Tor öffnet. Die Konzentration lässt sich verfolgen gelegentlich der Aufsaugung von Kapitalien, Unternehmungen und Arbeitskräften durch die [338] Städte, in dem Wachstum der Industrie- und Grossstädte. Sie tritt zutage im Kampf des Grosshandels, der Warenhäuser und der Grossindustrie gegen Kleinhandel, Klein- und Hausindustrie und Handwerk, der „gemischten“ gegen die reinen Stahl- und Walzwerke, des Grossgrundbesitzes gegenüber dem bäuerlichen Besitze, der Grossmüller gegenüber den Kleinmüllereibetrieben u. a. m.

Die Konzentration kann sich jedoch im Bankgewerbe besonders intensiv und besonders schnell entwickeln, weil hier weit geringere technische Hemmungen vorhanden sind, als solche der Erweiterung industrieller Anlagen entgegenstehen. Zudem pflegen die Privatbankbetriebe der Banken-Konzentration durchaus nicht einen so kräftigen Widerstand entgegenzusetzen, als ihn gegenüber der industriellen Konzentration der industrielle Kleinbetrieb leistet, welchen letzteren häufig die Politik der Kartelle, zeitweise wenigstens, notgedrungen erhalten muss. Ferner treten die deutschen Kreditbanken meist in der Gewandung der Aktiengesellschaft auf, bei der die Leichtigkeit der Kreditbeschaffung besonders zur Kapitalvergrösserung anregt, zumal doppeltes Kapital in der Regel mehr als doppelten Umsatz ermöglicht. Mit dem Wachstum der Kapitalien pflegt sich jene Kapitalvergrösserungstendenz noch zu erhöhen, so dass sie bei grösseren Kapitalien in der Regel stärker ist als bei kleineren.

In Deutschland war die Konzentration im Bankwesen eine fast elementare Notwendigkeit. Denn schon gleich nach Gründung der ersten Kreditbanken um die Mitte des vorigen Jahrhunderts und dann wieder besonders unmittelbar nach der Reichsgründung traten ausserordentlich starke Kreditanforderungen des Staats und der Städte an sie heran, während zugleich die stürmische Entwicklung des (zunächst privaten) Eisenbahnwesens und die der Industrie, namentlich der Montan-Industrie und damit zusammenhängender Branchen, eine Verstärkung der anfänglich noch recht schwachen Kapital- und Kreditbasis bedingten.

Wir können feststellen, dass es in Deutschland in erster Linie diese grossen industriellen Kredit-Bedürfnisse waren, welche, bei fast gleichzeitigem Auftreten in allen Zweigen des bankmässigen Aktiv-Geschäfts, also im Kontokorrent-, Akzept-, Diskontierungs-, Lombard-, Report- und Kommissions-, sowie im Gründungs-, Umwandlungs-, Emissions- und Konsortialgeschäft, Umfang, Richtung und Schnelligkeit der Banken-Konzentration diktiert haben.

Mit der Erhöhung der Kredit-Bedürfnisse und des Kredit-Verkehrs konnte die Erweiterung der Kredit-Basis nicht gleichen Schritt halten. Denn bei schlechten Zeiten oder ungünstiger Lage und geringer Aufnahmefähigkeit des Marktes oder einem durch geringe Dividenden bedingten niedrigen Kursstand der Bank-Aktien sind junge Aktien schwer oder nicht emittierbar. Ausserdem hat die Möglichkeit der Kapitalerhöhung auch bestimmte technische Grenzen, da bei zu hohen Aktienkapitalien angemessene Dividenden nicht zu erwarten sind.

Hatten somit die Kredit-Bedürfnisse der Industrie und der Kredit-Verkehr der Banken die Tendenz in stärkerem Verhältnis und in rascherem Tempo zuzunehmen, als die eigenen Kapitalien der Banken, so wurde es bald zur Notwendigkeit, behufs Erweiterung der Kredit-Basis fremdes Kapital heranzuziehen, was die ersten deutschen Kreditbanken bis zu den 70er Jahren entweder gar nicht oder nur ungern und in sehr geringem Umfange getan hatten.

Diese Heranziehung fremder Gelder erfolgte in systematischer Weise, und zwar im Wege von Depositenkassen, zuerst seitens der Deutschen Bank, die erst 1870 mit dem bescheidenen Kapital von 15 Millionen M. begründet worden war. Durch jene Heranziehung fremder Gelder wurde aber nicht lediglich die Rentabilität der Bank erhöht, welche den Unterschied zwischen den geringen von ihr zu vergütenden und den höheren Zinsen verdiente, welche sie selbst mit jenen Geldern in ihrem Geschäftsverkehr erzielen konnte. Vielmehr erwiesen sich die Depositenkassen, obwohl sie als solche zunächst keinen Gewinn abzuwerfen pflegen, als besonders zugkräftige Vermittlungsstellen für die Erzielung weiteren Geschäftsverkehrs. Die durch sie der Bank zugeführte, in ihrer Kredit- und Vertrauenswürdigkeit bekannte, anlagebedürftige [339] und aufnahmefähige Klientel gewöhnt sich im gewöhnlichen Verlauf der Dinge von selbst daran, der Bank auch ihre übrigen finanziellen Geschäfte zuzuführen und diese Stammkundschaft wird nach und nach von selbst zum besten und sichersten Abnehmer der von der Bank emittierten Werte.

Mit der in dieser Weise wachsenden Emissions-Kraft steigen dann naturgemäss die Emissions-Erfolge, von denen jeder machterhöhend, also konzentrationsfördernd, wirkt. Denn jede Macht-Erhöhung muss schon aus psychologischen Gründen, die hier stark mitsprechen, den Umfang der Klientel und der Geschäfte und damit von neuem die Notwendigkeit und Schnelligkeit der Expansion und Konzentration vermehren.

Sobald aber die Bank bei heimischen (nationalen) Emissionen ihre Absatzfähigkeit erfolgreich nachgewiesen hat, wird sie auch bei internationalen Emissionen ein gesuchter Partner und gefürchteter Konkurrent, der den bei Massenemissionen erforderlichen Massenabsatz am raschesten und sichersten zu bewältigen verspricht.

Mit stärkerer Beteiligung an internationalen Emissionen ergibt sich alsdann wieder die Notwendigkeit weiterer Expansion im In- und Ausland, fernerer Erhöhung der Betriebskapitalien, ausgedehnterer Schaffung von Filialen, namentlich an den Zentralen des Uebersee-Verkehrs Hamburg, Bremen, London, New-York oder von besonderen Tochterbanken oder Kommanditen im Ausland u. a. m. Damit tritt aber wieder naturgemäss eine Steigerung im nationalen und internationalen Geschäftsverkehr der Bank ein, namentlich eine Erhöhung des Zahlungs-, Akzept-, Diskontierungs-, Devisen-, Giro- und Abrechnungs-Verkehrs, und so ist jeder Fortschritt sowohl Wirkung wie Ursache weiterer Entwicklung des Konzentrationsweges.

Umfang und Schnelligkeit der Konzentration wurde in Deutschland, abgesehen von schweren Fehlern der Stempel- und Börsen-Gesetzgebung, welche den Privatbankierstand schädigten, besonders durch folgende Vorgänge erhöht:

Zunächst gaben die grossen wirtschaftlichen Krisen, welche im Jahre 1873 und 1900 über Deutschland hereinbrachen, einer Reihe von Banken eine gute Gelegenheit, schwächer gewordene oder in Konkurs oder Liquidation getretene Banken aufzusaugen oder bei Sanierungen derselben mitzuwirken und so den eigenen Einfluss und Geschäftsumfang zu vermehren. Zu der konzentrationsfördernden Wirkung solcher Ereignisse trugen auch hier vielfach psychologische Vorgänge bei, z. B. der Eindruck der Tatsache, dass die Deutsche Bank am gleichen Tage, als die Zahlungseinstellung der Leipziger Bank zum grössten Schrecken weitester Kreise bekannt wurde, nämlich am 23. Juni 1901, publizierte, dass sie eine Filiale in Leipzig errichtete.

In zweiter Linie wirkte hier mit die gewaltige Verstärkung der industriellen Konzentrationsbewegung, welche in den Jahren 1893 und 1897 durch die Gründung des Rhein.-Westfäl. Eisen- und Kohlen-Syndikats eintrat. Denn falls es durch diese Kartelle gelang, der Preisschleuderei im Inland und der Konkurrenz des Auslands wirksam entgegenzutreten, war ein starkes Wachstum der industriellen Betriebe und der industriellen Konzentration sicher. Ebenso sicher war aber dann auch, dass jene Betriebe mit dem Kapital und Kredit ihrer bisherigen Bankverbindung allein nicht mehr auskommen konnten und dass nun jede Bank vor allem enge industrielle Verbindungen gewinnen musste. Hier gelang es nun wieder zuerst der Deutschen Bank gleich im Jahre 1897 durch den Abschluss einer Interessengemeinschaft mit der Bergisch-Märkischen Bank in Elberfeld und dem Schlesischen Bankverein in Breslau enge Beziehungen zur Industrie, bes. zur Montan-Industrie, in den industriereichsten Provinzen, Rheinland-Westfalen und Oberschlesien, herzustellen.

Mit diesem „kühnen Griff“, der zugleich den Anfang einer planmässigen Industrie-Politik im deutschen Bankwesen bezeichnet, begann ein bis in die heutigen Tage fortgesetztes Konkurrenz-Rennen der Kreditbanken behufs Herstellung besonders intimer industrieller Beziehungen, denen schliesslich durch Delegationen von Industrie-Kapitänen in den Aufsichtsrat der Banken und noch mehr von Bankdirektoren in den Aufsichtsrat industrieller Gesellschaften auch nach aussen ein weithin sichtbarer Ausdruck gegeben wurde.

[340] Bis es dahin kam, waren aber viele und schwere Etappen zu überwinden. Die Verbindung der Bank mit dem industriellen Unternehmen wurde zunächst auf dem Wege der Kreditgewährung eingeleitet und gefördert. Von dem Abschluss eines dauernden Kontokorrentverhältnisses, welches der Bank schon durch das jederzeitige Kündigungsrecht einen gewissen Einfluss verleiht, geht der Weg über die verschiedenen anderen Formen der Kreditgewährung (Akzept-, Diskontierungs-, Lombard-, Report- und Kommissionsgeschäft). Von hier aus führt die Reise, die nicht ohne die grössten Hemmungen und Konkurrenzkämpfe abgeht, zu den Macht erhöhenden und Gewinn versprechenden Umwandlungen und Emissionen oder zur Vermittlung von Fusionen und zu dauernder Beteiligung an industriellen Unternehmungen. Damit ist dann die Bahn frei für die allmähliche Eroberung ganzer industrieller Wirtschaftsgebiete, für die Anbahnung intimer Beziehungen zu mächtigen Industriekartellen und Syndikaten und schliesslich zum Beginn einer engen Verbindung von Bankgruppen und Industriegruppen. So standen auch 1900 hinter den damals noch bestehenden sieben Gruppen der grossen elektrischen Unternehmungen sieben Bankengruppen, die notwendig wurden, weil die Kreditansprüche jeder einzelnen dieser industriellen Gruppen sehr rasch über die Kraft einer einzelnen Bank hinauswuchsen. Auf solche Weise wurde in diesem Stadium die Banken-Konzentration durch die Industrie-Konzentration bedingt und gefördert. Dann aber führten wieder die vielen Beziehungen, die einerseits zwischen einzelnen Industriegruppen, andererseits zwischen einzelnen Banken oder Bankengruppen infolge des sonstigen geschäftlichen Verkehrs bestanden, dahin, dass umgekehrt wieder Banken (von welchen einzelne von vornherein mehreren Gruppen angehörten) weitere Zusammenschlüsse der industriellen Gruppen veranlassten. So wurde z. B. seitens der Bankgruppen, nachdem im Jahre 1902/03 eine Interessengemeinschaft zwischen der AEG. (Allgem. Electricit.-Ges.) und der zum Loewe-Konzern gehörigen UEG. (Union, Electricit.-Ges.) hergestellt war, 1904 eine völlige Aufsaugung der UEG. seitens der AEG. herbeigeführt, womit zugleich die Aufnahme der bisher zum Loewe-Konzern gehörigen Banken in die AEG.-Gruppe, also eine völlige Verschiebung der bisherigen Industrie- und Bankengruppen, verbunden war. In dieser und ähnlicher Weise findet ein beständiges Auf- und Abwogen des Einflusses der Banken und industriellen Betriebe auf die beiderseitige Konzentrationsentwicklung und die beiderseitige Gruppenbildung statt, ein Bild, dessen Betrachtung überaus interessante Einblicke und Ausblicke bietet. Natürlich ist der Einfluss der Banken und ihrer Konzentration auf die Entwicklung und den Konzentrationsgang der verschiedenen Industriezweige ganz verschieden. Bei der Montan-Industrie, deren Syndikate auch bei Gründung und Verlängerung durch die Banken stark beeinflusst werden, ist er sehr erheblich, bei der chemischen Industrie ist er ziemlich unbedeutend, während die gewaltige Entwicklung und der Konzentrationsgang der elektrotechnischen Industrie und des Kleinbahn- und Strassenbahnwesens ohne Bankenhilfe überhaupt nicht hätte gedacht werden können.

Die Wege und Formen, in denen sich die durch alle die geschilderten Vorgänge beeinflusste Banken-Konzentration in Deutschland vollzog, waren sehr verschiedene. Diese Konzentration war einerseits eine örtliche, insbesondere die Konzentration in Berlin, andererseits eine Kapital- und Macht-Konzentration.

Die letztere vollzog sich entweder direkt, durch Kapitalserhöhungen, Angliederung von Banken oder Privatbankgeschäften, Herstellung von Interessengemeinschaften, Gründung von Tochtergesellschaften oder indirekt mittelst einer vor allem die Einflusssphäre der Bank, also deren Macht steigernden Dezentralisation des Betriebes durch Errichtung von Kommanditen, Filialen, Agenturen oder Depositenkassen.

Von den sich bietenden Konzentrationsformen wird nach dem Gesetz der Oekonomie immer diejenige bevorzugt, mit der sich der Zweck in einfachster, raschester, vollständigster, billigster und gefahrlosester Weise erreichen lässt.

Von den Berliner Grossbanken, deren man heute, wenn man ein Kapital von mindestens 100 Millionen M. als Basis nimmt, nur 6 zählt (Deutsche, Disconto, Dresdner, Darmstädter, [341] A. Schaaffh. Bankverein und Berliner Handelsgesellschaft), ist nur die letztere noch fast völlig zentralisiert. Die 5 anderen bilden mit den ihnen affiliierten Banken in der Provinz (Konzernbanken) je 5 Gruppen, deren Kapitalmacht (Aktien plus Reserven) am 31. Oktober 1911 rund 2¾ Milliarden M. betrug. Diese Grossbanken und deren Konzernbanken hatten bis 30. September 1911 197 Privatbankgeschäfte und 64 Banken aufgesaugt. Die 41 Konzernbanken hatten Ende 1911 zusammen 285 Filialen, also etwa 6 Filialen im Durchschnitt, die Grossbanken durchschnittlich weniger, während die 63 Depositenbanken in Grossbritannien und Irland Ende 1908 nicht weniger als 6801 branches und sub-branches hatten (Ende 1910 waren es 7151); die Lloyds-Bank allein hatte schon 1908 589 (1912 660) branches, sub-branches und agencies.

Ebenso hatten die 3 grössten Kreditinstitute in Frankreich (Crédit Lyonnais, Comptoir national und Société générale) Ende 1908 in Paris und Vororten 199 Filialen und Agenturen und in der Provinz 961, also die 3 Institute hatten allein zusammen 1160 Filialen und Agenturen.

Allerdings besassen die 41 deutschen Konzernbanken Ende 1911, ausser den 285 Filialen, noch 377 Agenturen und 126 Depositenkassen, also zusammen 788 Zweigstellen, aber selbst diese Zahl ist – jedenfalls relativ – nicht bedeutend gegenüber den mitgeteilten englischen und französischen Ziffern.

II. Vorteile und Gefahren der Banken-Konzentration in Deutschland.[Bearbeiten]

1. Vorteile.[Bearbeiten]

a) Nicht rein privatwirtschaftliche Vorteile.[Bearbeiten]

Es ist kein Zweifel, dass die deutsche Industrie ihre nationale Aufgabe, zusammen mit der Landwirtschaft dem gewaltigen Bevölkerungszuwachs von jährlich etwa 850 000 Menschen Nahrung und Beschäftigung zu verschaffen, nicht hätte erfüllen können, ohne die energische und zielbewusste Hilfe der deutschen Banken, deren ausgesprochenes Ziel, meist schon bei ihrer Gründung, in erster Linie die Unterstützung von Handel und Industrie war. Aus den ersten Anfängen entwickelte sich dann eine immer planmässigere Industrie-Politik und eine von grossen Gesichtspunkten getragene Förderung der industriellen Export-Politik. Im Zusammenhang damit wurde unsere Weltpolitik kräftig unterstützt, deren Vorpostengefechte immer auf finanziellem Boden geschlagen werden, und ebenso unsere Schiffahrts-, Kolonial-, Kabel- und Kanal-Politik. Ein weiterer der Allgemeinheit zugute kommender Vorteil der Konzentration ergibt sich daraus, dass die Geschäftspolitik einer Grossbank, insbesondere einer solchen, die an der Spitze einer weitverzweigten Gruppe von Konzernbanken steht, mehr als die mittlerer oder kleinerer Banken, nach einem einheitlichen Programm geleitet werden und in erheblicherem Masse den allgemeinen und nationalen Interessen Rechnung tragen kann, also in grösserem Umfange auch Wirtschafts-Politik, nicht blosse Dividenden-Politik treiben wird.

Nach innen erleichtert eine konzentrierte Kolonialmacht zugleich eine elastischere Ausgestaltung des Kreditsystems, welche in kritischen und kriegerischen Zeiten ein energisches Eingreifen zur Stütze des Marktes, zur Verhinderung einer Panik, zur Verhütung von Zusammenbrüchen kleinerer Unternehmungen und zur Unterstützung der staatlichen Finanz- und Wirtschaftspolitik ermöglicht.

Den Grossbanken gestattet ferner ihre genaue Kenntnis der Kapital- und Geldmärkte, der wirtschaftlichen, industriellen und finanziellen Gesamtlage und der Gewohnheiten und Bedürfnisse ihrer Klientel in immer wachsendem Umfange das Herannahen einer Krisis an bestimmten bedrohlichen Anzeichen früher als andere Kreise zu erkennen. Sie kommen deshalb immer mehr in die Lage, rechtzeitig warnen und diejenigen vorbeugenden Massregeln treffen zu können, die eine Krisis zwar nicht ausschliessen, aber ihre Heftigkeit und ihre Dauer beschränken können. Bisher ist auf diesem Gebiete sicher nicht immer alles geschehen, was hätte geschehen können.

[342]

b) Privatwirtschaftliche Vorteile.[Bearbeiten]

Durch die genaue Übersicht, welche die Grossbank durch Filialen, Agenturen, Kommanditen, Tochter- und Konzernbanken und Depositenkassen über die Lage der Gesamtwirtschaft im In- und Ausland in stets grösserem Masse gewinnt, ist sie auch in der Lage, die Emissions- und Absatz-Möglichkeit für die von ihr für eigene oder fremde Rechnung emittierten staatlichen, industriellen, kommerziellen und eigenen Werte genau beurteilen zu können. Sie vermag also danach mit geringeren Irrtumsgrenzen ihre Entschliessungen auf diesem Gebiet zu fassen und die Werte in sicherer Kundschaft zu dauernder Kapitalanlage fest zu plazieren.

Sie kann das laufende Geschäft, welches auch in ungünstigen Zeiten eine angemessene Höhe der Dividende verbürgt, und die Heranziehung fremder Gelder im Wege organischer Pflege des Depositengeschäfts, welche eine gewisse Stetigkeit der Dividenden sichert, systematischer pflegen. Damit steigert sie ihre Bewegungsfreiheit auf dem Geldmarkt, ihren eigenen Kredit und ihre Interventionskraft zugunsten der Klientel. Sie ist dann aber auch in der Lage, der Kundschaft zuverlässige Informationen und Erleichterungen jeder Art, namentlich in ihren Anlage-, Wechsel-, Devisen- und Zahlungsbedürfnissen, zu gewähren, sie an den Scheckverkehr zu gewöhnen, durch den auch kleine Beträge, die an sich zinslos liegen bleiben würden, durch Vermittelung der Bank produktiv werden. Dadurch wird, da bei bankmässiger Vermittelung der Scheckverkehr immer nur der Durchgangsverkehr zum Überweisungs- und Abrechnungsverkehr sein wird, der Bargeldumlauf im Zahlungsverkehr vermindert und der sonach im Zahlungsverkehr frei werdende Betrag zur Verfügung des Kreditverkehrs gestellt.

Zu diesen privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten der Konzentrationsentwicklung im Bankwesen gesellt sich aber nicht etwa eine Verringerung der Geschäfts- und Verwaltungskosten, die man an sich erwarten würde. Vielmehr sind diese Generalunkosten, bisher wenigstens, fast beständig gestiegen, und zwar bei sämtlichen deutschen Kreditbanken (mit einem Kapital von mindestens 1 Million M.) von 12,4 Millionen M. im Jahre 1883 auf 165,2 Millionen M. a. 1910; bei den 6 Berliner Grossbanken betrugen sie im Jahre 1910: 30,7% des Bruttogewinns. Die Gründe liegen einerseits darin, dass die angegliederten Unternehmungen meist selbständig blieben, und andererseits darin, dass es in der Regel lange Zeit dauert, bis die Filialen, Agenturen, Depositenkassen und Tochtergesellschaften sich aus eigener Kraft erhalten können.

2. Gefahren.[Bearbeiten]

Von den Gefahren der Konzentrationsentwicklung ist zunächst die naheliegende Gefahr zu erwähnen, dass im Emissions-Verkehr, was namentlich für die staatlichen Anleihen bedenklich wäre, eine gewisse Monopolisierung durch die Grossbanken und deren Gruppen eintreten könnte. Diese Gefahr liesse sich allerdings, wie in Frankreich, auch bei uns durch ein festes Syndikat von selbständig gebliebenen Provinzbanken, wenn auch nicht ausschliessen, so doch wesentlich vermindern.

Eine durchaus nicht geringere Schattenseite der Konzentrationsentwicklung besteht darin, dass die Zweigstellen, Kommanditen und Tochtergesellschaften sowie die durch Interessengemeinschaft verbundenen Institute Geld- und Kreditsanprüche an die Zentralbank, noch dazu vielleicht in kritischen Zeiten, stellen, die unbequem werden könnten, und zwar ohne dass die zweckmässige Verwendung der Gelder und Kredite stets ausreichend kontrolliert werden kann.

Mit solchen Ansprüchen, die den auch an die Zentrale gestellten Anforderungen der fieberhaft vorwärts drängenden Industrie und des Handels zu einem wesentlichen Teil ihr Dasein verdanken, hängt zugleich die im Verlauf der Konzentrationsbewegung festzustellende, bis 1908 fast ständig gewachsene Verschlechterung sowohl der Banken-Liquidität wie der Bilanz-Klarheit und Übersichtlichkeit die Überspannung der Kredite sowie der Ansprüche an die Reichsbank, die Versteifung des Status und die Erschwerung der Diskontpolitik der letzteren eng zusammen.

[343] In einigen Richtungen dürfte aber eine allmähliche Besserung durch die jetzt seitens der meisten Banken veröffentlichten zweimonatlichen Rohbilanzen zu erwarten sein, und zwar in Verbindung mit der eigenen Kritik der Banken selbst, mit derjenigen der Konkurrenzbanken und der öffentlichen Kritik. Daneben ist aber eine dauernde Vermehrung der Barmittel, insbes. durch ständig höhere Giro-Guthaben bei der Reichsbank, unerlässlich (Näheres vgl. bei Riesser, Finanzielle Kriegsbereitschaft und Kriegführung, 2. Aufl. Gust. Fischer, Jena 1913).

Eine weitere bedenkliche Erscheinung, der nach dem Inkrafttreten des Börsengesetzes (1. Januar 1897) besonders zu Tage getretene, sehr bedauerliche Niedergang der mittleren und kleineren Privatbankgeschäfte, ist ohne Zweifel im wesentlichen durch die Konzentrationsentwicklung im Bankwesen hervorgerufen, die ja aber nur eine Einzelerscheinung des allgemeinen Kampfes des Grossbetriebes gegen den Kleinbetrieb ist; sie ist durch eine fehlerhafte Stempel- und Börsengesetzgebung nur erheblich beschleunigt und verschärft worden.

Es ist wohl möglich, dass in Folge der Novelle zum Börsengesetz, die insbesondere innerhalb bestimmter Grenzen das Termingeschäft wieder freigibt, in welchem geringere Mittel als im Kassageschäft festzulegen sind, eine gewisse Stärkung des Privatbankgeschäfts eintreten kann oder vielleicht, worauf einzelne Anzeichen hindeuten, schon eingetreten ist.

Es ist ferner möglich, dass mit jener Novelle – falls sie nicht zu spät gekommen ist – eine gewisse Stärkung jenes wichtigen finanziellen Machtfaktors, der Börse, wieder eintreten könnte, welche die wichtige Rolle der Preisbildung und Preisregulierung und den Ausgleichungsdienst zwischen Angebot und Nachfrage zu übernehmen hat und deren Aufnahme- und Widerstandskraft eine wesentliche Voraussetzung unseres wirtschaftlichen und finanziellen Gleichgewichts und des Gelingens unserer finanziellen Mobilmachung ist.

Einstweilen muss aber bedauerlicherweise festgestellt werden, dass dieser unentbehrliche Machtfaktor nicht nur durch schwere Fehler der Börsen- und Stempelgesetzgebung, sondern auch durch den naturgemässen Verlauf der Konzentrationsentwicklung schwer geschädigt worden ist. Die Banken bringen eben nur den nicht kompensierbaren Rest der bei ihnen zusammenströmenden Kauf- und Verkaufsaufträge auf dem Gebiete des Wertpapier-, Devisen- und Diskontverkehrs an die Börse; sie entziehen ihr also einen grossen Teil des für eine richtige Preisbildung und Preisnotierung unentbehrlichen Materials und damit die im Interesse der Gesamtwirtschaft unerlässliche Eigenschaft einer Zentralstelle für Angebot und Nachfrage aus dem ganzen Lande.

Wenn ferner nicht zu leugnen ist, dass sich im Verlauf der Konzentrationsentwicklung sowohl die Zahl der abhängigen Angestellten wie das Verhältnis der in Grossbanken tätigen zu den in mittleren und kleinen Banken beschäftigten Angestellten erheblich vergrössert hat, so ist dies ein Vorgang, der sich genau oder ähnlich auch auf ganz anderen Gebieten abgespielt hat. Es ist auch zu beachten, dass, wenn dadurch allerdings die Zahl derer stark herabgedrückt wird, welche Aussicht haben, einmal selbständig zu werden, doch andererseits das Aufrücken tüchtiger Beamten zu besseren und selbständigeren Stellungen innerhalb der Bank infolge der grossen Zahl der Filialen, Agenturen, Kommanditen, Depositenkassen und Tochterbanken wesentlich erleichtert worden ist.

Bedenklicher ist dagegen, dass die Stellung eines Bankbeamten sich innerlich verschlechtert hat, weil, was allerdings auch in anderen Grossbetrieben eingetreten ist, die Vielseitigkeit der Fachausbildung unter der immer mehr notwendigen Spezialisierung der Tätigkeit gelitten hat. Auch lässt sich nicht verkennen, dass einem entlassenen Beamten, der in einem einer grösseren Gruppe angehörigen Bankinstitut gearbeitet hat, der Übergang zu einer anderen Bank, namentlich der gleichen Gruppe, sehr erschwert ist.

Auf der anderen Seite sind die Gehälter der Bankbeamten im Verlauf der Konzentrationsentwicklung allmählich gestiegen, ohne dass ich sicher feststellen kann, ob diese Steigerung auch über den Betrag hinausgegangen ist, welcher der gleichzeitigen Steigerung der Lebenshaltung und Ausgaben entsprach. Gewiss ist nur, dass der Durchschnittsbetrag der Gehälter der Bankbeamten [344] sich fast durchweg über den Durchschnittsbetrag der Gehälter der übrigen deutschen Privatangestellten erhebt.

Entlassungen von Angestellten im Falle schlechter Konjunkturen oder Krisen sind mit dem Wachstum der Grösse der Bankkapitalien immer seltener geworden und ich habe, in Übereinstimmung mit den von mir befragten Vertretungen der Bankbeamten, auch feststellen können, dass, entgegen manchen Befürchtungen, Entlassungen von Bankbeamten infolge der zahlreichen Banken-Fusionen oder Aufnahmen von Privatbankgeschäften in keinem irgend nennenswerten Umfange eingetreten sind.

Auch die soziale Fürsorge, sei es im Wege der Ausdehnung der Sonntagsruhe, des Sonnabendfrühschlusses und einer besseren Regelung der Urlaubszeiten, sei es durch eine Sicherung der Zukunft der Angestellten und ihrer Hinterbliebenen, ist, in Übereinstimmung mit dem Programm, welches ich als Vorsitzender des I. Deutschen Bankiertages in Frankfurt a. M. im September 1902 entwickelte, im Verlaufe der Konzentrationsentwicklung erheblich gefördert worden. Schon im Jahre 1903, zu einer Zeit also, wo die Reichsregierung noch keine derartige Pläne für die Privatangestellten verfolgte, hat der Centralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes die umfangreichen und überaus mühevollen und langwierigen Vorarbeiten begonnen, um feste Grundlagen für eine Pensions- und Reliktenversorgung der Bankbeamten durch private statistische Erhebungen zu gewinnen. Auf Grund dieser Arbeiten ist 1909 der „Beamtenversicherungsverein des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes (a. G.)“ begründet worden, in dessen ehrenamtlichem Aufsichtsrat, dem ich vorsitze, Chefs und Angestellte zusammen sitzen, und der den im Verein befindlichen Beamten im Falle der Dienstunfähigkeit eine Pension und im Falle ihres Todes den Witwen und Kindern angemessene Witwengelder und Waisenrenten sichert. Dieser Verein ist nach dem Inkrafttreten des (Reichs-)Versicherungsgesetzes für Angestellte vom 23. Dezember 1911 vom Bundesrat als Ersatzkasse anerkannt worden.

Was die Leiter der Banken betrifft, so wird es mit dem Fortschreiten der Konzentrationsentwicklung, also mit der Grösse der zu leitenden Banken und Bankgruppen immer schwerer werden, solche Männer zu finden, welche mit den nötigen banktechnischen und wirtschaftlichen Kenntnissen und Erfahrungen die Stärke eines besonnenen Charakters verbinden, der den vielen Versuchen, die ihm auf diesem Gebiete entgegentreten, zu widerstehen vermag, und die zugleich weiten Blick, Initiative und organisatorische Tüchtigkeit besitzen. Gerade die letzteren Eigenschaften aber sind es besonders, welchen Deutschlands Privatbetriebe in Industrie und Handel bisher soviel zu verdanken hatten und die sich nur in Privatbetrieben voll und frei entwickeln können, da in Staatsbetrieben immer sowohl der Initiative, wie dem in kaufmännischen Dingen unerlässlichen Wagemut der Leitung starke Hindernisse entgegenstehen.

Bei der gewaltigen Rolle, welche unser Bankwesen in unserem gesamten wirtschaftlichen Leben spielt, dessen Kräfte, Bewegungen und Ziele sich in der Entwicklung des Bankwesens getreu wiederspiegeln, spielt die Frage eine grosse Rolle, ob an der Spitze stets unseres Bankwesens führende Männer stehen werden, welche mit den geschilderten Eigenschaften auch ein volles Verständnis verbinden für die ihnen ganz besonders obliegenden sozialen Pflichten und für die Notwendigkeit, von der zu ihrer Verfügung stehenden Macht nur einen massvollen und dem Gemeinwohl zuträglichen Gebrauch zu machen. Wenn es auch sicherlich, mindestens bei der heutigen Grösse unserer industriellen und kaufmännischen Unternehmungen, übertrieben ist, von den Banken als den „Leitern des wirtschaftlichen Unternehmungsgeistes“ zu sprechen, so lässt es sich doch nicht verkennen, dass sie sowohl wie ihre Leiter, namentlich auf dem Gebiete der Kredit-Gewährung, auf dem bisher häufig Fehler gemacht worden sind, aber auch in vielen anderen Beziehungen, einen starken Einfluss auf weite Gebiete unseres wirtschaftlichen Lebens ausüben. Ein bei ihren Leitern etwa vorhandener Mangel an Einsicht in die hier zu ziehenden Grenzen, oder Grossmannssucht und Mangel an Selbstbeschränkung wird also mit Notwendigkeit nicht nur, wie wir leider nicht allzu selten erlebten, zum Zusammenbruch der so geleiteten Bank selbst, sondern auch zu schweren Schädigungen unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens führen können und müssen.

[345] Im übrigen wird denen, welchen die bisherige Konzentrationsentwicklung an sich bedenklich erscheint, nicht ernst genug gesagt werden können, dass diese Konzentration – ein Kind nicht der Not, sondern der Notwendigkeit – eine der unentbehrlichsten Waffen ist, deren wir für unseren immer schwerer werdenden Konkurrenzkampf mit dem Auslande bedürfen. Eine gewaltsame Störung dieser Entwicklung würde eine einseitige wirtschaftliche Abrüstung darstellen, die unsere wirtschaftlichen Gegner nicht nachmachen, aber ausnutzen würden. Es kommt hinzu, dass auf wirtschaftlichem Gebiet, in dem ein beständiges Auf- und Abwogen von Kräften und Gegenkräften stattfindet, stets bestimmte Entwicklungsgrenzen gezogen sind, auch in der Konzentrationsentwicklung. Schon im Jahre 1905 habe ich darauf hingewiesen, dass wir bisher die Konzentrationsentwicklung nur als eine aufsteigende kennen gelernt hätten, dass aber ein schlechter Geschäftsgang oder andere ungünstige wirtschaftliche oder finanzielle Vorgänge nicht nur zu einem Stillstand der Konzentrationsbewegung, sondern auch, nach früheren Mustern, zu Rückbildungen führen könnten.

In der Tat hat, während die früher zurückgebliebene Konzentrationsentwicklung bei den Provinzbanken und sogar bei einer Anzahl von Privatbankgeschäften in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, die Konzentration bei den Grossbanken seit den Jahren 1907/1908 ziemlich unerhebliche Fortschritte gemacht, so dass man hier, von relativ unerheblichen Verschiebungen in der Zahl der Filialen, Depositenkassen etc. abgesehen, einen gewissen Beharrungszustand feststellen kann. Die erheblichste vertragsmässige Interessengemeinschaft, diejenige zwischen der Dresdner Bank und dem A. Schaaffhausen’schen Bankverein, ist sogar wieder aufgelöst worden.

Umsomehr ist davor zu warnen, durch unbedachtes Eingreifen, wie es vielfach auch hier, namentlich von Nicht-Sachverständigen, angeraten wird, den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen und wiederum durch übereilte Massregeln oder durch Gelegenheitsgesetze uns selbst zu schädigen und den Gegnern zu nützen. Aber es ist dahin zu streben, dass, unter Mitwirkung der Öffentlichkeit, deren kritische und überwachende Kraft gerade hier nicht zu unterschätzen ist, einer gesunden wirtschaftlichen Fortentwicklung, wie wir sie ungeachtet aller Schwierigkeiten erhoffen, allezeit eine gesunde Entwicklung unseres Bankwesens entspreche, welches zwar die geschäftlichen Zwecke naturgemäss in die erste Reihe stellen, aber auch die Bedürfnisse von Staat und Wirtschaft, von Privat- und Gemeinwohl sorgfältig berücksichtigen muss.