Die Buchwalden

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Die Buchwalden
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 136–138
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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[136]
73. Die Buchwalden.

1366 war im Lande zu Holstein einer von dem Geschlechte der Buchwalden; dem hatte ein Bürger aus Lübeck, Namens Morkerke, eine große Summe Geldes auf etliche Güter gethan, und forderte von den Bauern des Landes die Pächte dafür. Das hat nun die Junker gar sehr verdrossen, daß ein Stadtkerl, wie sie zu sagen pflegten, ihre kostbaren Güter besitzen sollte. Deßwegen sind sie unter sich der Sachen eins geworden und haben auf eine Zeit dem Morkerken den Weg verrannt, ihn weggeführt und gefangen gesetzt, dazu gepeinigt, gereckt, und ihm viel Marter und Muthwill angethan wider Gottes Recht und alle Billigkeit. Hieraus sind nun etliche seiner Freunde dahin gekommen, haben gebeten und für den Gefangenen sich eingestellt, daß sie ihn in die Stadt Lübeck bringen und seiner pflegen möchten: sie wollten ihn hernach lebendig oder todt wieder einliefern.

[137] Das geschah also; aber nicht lange nachher starb der kranke Mann binnen Lübeck. Da hielten die Freunde ihr Wort und brachten ihn wieder hinaus zu den Junkern, wie sie gelobt hatten. Aber die Junker, als Bösewichter, nahmen den todten Körper, hieben ihm den Kopf ab und steckten den auf einen Staken, und trieben viel Muthwillen damit.

Wie nun dieß Gerücht in die Stadt kam, versammelte sich die ganze Freundschaft des Morkerken mit noch vielen andern Bürgern; fielen hinaus, verwüsteten alle der Buchwalden Güter, warfen ihre Häuser nieder, kriegten auch etliche der losen Junker und einen Ritter; denen schlugen sie die Köpfe ab, nahmen diese mitsamt dem todten Morkerken und begruben alles in der Burgkirche in der Morkerken Grab. Und keiner folgte, der einmal danach gefragt hätte.


Die von Buchwalden hatten in den holsteinischen Landen große Güter; aber da sie in eine Fehde mit der Stadt Lübeck gerathen, sind sie um die besten gekommen, wiewohl sie nachmals etliche wieder erlangt. Es ist endlich geschehen, daß ihrer zehn von den Lübschen in ihren eignen Schlössern gefangen und hernach zu Lübeck enthauptet worden.

Unter diesen zehn soll der erste, der zum Tode geführt wurde, Hecht gehießen haben. Als er nun auf dem [138] Wege den Scharfrichter gefragt, wie der hieße, und die Antwort bekommen, er hieße Kaulbârsch, hat der Junker gesagt: „ach wie tölpisch stehet es doch, und wie gar ist’s wider die Natur, daß solch ein kleiner Kaulbârsch einen großen Hecht fressen soll!“