Die Erfinderinn der Künste

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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Die Erfinderinn der Künste
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung) S. 49-51
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1797
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: Google und Commons
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[49]

 Die Erfinderinn der Künste.

 Daphne.

Liebe wars, die jede schöne Kunst erfand.
Des Geliebten Umriß schattend an der Wand
Zeichnete das Mädchen, und von Glanz umstrahlt
Hat an Amors Fackel liebend sie’s gemahlt.

 Daphnis.

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     Liebe wars, die jede schöne Kunst erfand.

Als am Marmorfelsen Amor bildend stand,

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Fühlete der Marmor; und von Venus Thron
Stieg ein liebend Mädchen zu Pygmalion.

 Beide.

     Liebe, die dem Leben jeden Reiz erfand,

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Die dem Sieger Myrthen um die Schläfe wand,

Die zu Myrth’ und Rosen Grazien-Gewand
Spiel’ und Artigkeiten, Tanz und Kuß erfand.

 Daphnis

     Und mit Zaubertönen, voll von süßem Schmerz,
Schafft sie uns’ im Herzen ein wie andres Herz!

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Freundschaft, hohe Tugend, Braut und Vaterland! –

Liebe wars, die jede schöne That erfand.


[51]

 Daphne.

     Liebe, die der Sprachen schönste Sprache fand.
Was der Mund zu sagen sich nicht unterwand,
Sprach die goldne Cither; Wunsch und Sympathie

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Goß sich in die Saiten, so ward Poesie.


 Beide.

     Liebe, du der Menschen göttlichster Verstand,
Die des Unglücks Stürme siegend überwand,
Die im Unglück fester Herz an Herzen band,
Knüpfe Seel’ an Seele, knüpfe Hand in Hand.