Die Etablissements von Benjamin Hüttig & Co. in Leutersdorf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Diverse
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Etablissements von Benjamin Hüttig & Co. in Leutersdorf
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 2, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 2, Seite 127–128
Herausgeber: Louis Oeser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Neusalza
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[Ξ]
Album der Sächsischen Industrie Band 2 0255.jpg

Fabrik baumwollener Waaren v. Benjamin Hüttig & Co. in Leutersdorf.
August Neumann.

[Ξ]
Album der Sächsischen Industrie Band 2 0257.jpg

Fabrik baumwollener Waaren v. Benjamin Hüttig & Co. in Leutersdorf.
Benjamin Hüttig.

[127]
Die Etablissements von Benjamin Hüttig & Co. in Leutersdorf.


Zu den Ortschaften der Oberlausitz, welche sich durch ihre Gewerbthätigkeit auszeichnen und deren Bewohner ihrer Mehrzahl nach durch Fabrikarbeiten beschäftigt sind, steht in erster Reihe mit das Dorf Leutersdorf, welches bis noch vor wenig Jahren unter zwei Landeshoheiten getheilt war, indem nur Ober- und Mittel-Leutersdorf zu Sachsen gehörte, Nieder-Leutersdorf aber, obgleich gänzlich von sächsischem Gebiet umschlossen, zu Böhmen zählte. Es war dieser Dorftheil schon 1635, wo die Oberlausitz gänzlich an Sachsen abgetreten wurde, bei Böhmen geblieben, indem die damalige Herrschaft desselben ihre anderen Besitzungen durchaus in Böhmen hatte, und von Sachsen nichts zum Lehn haben wollte, was wahrscheinlich in Religionszwistigkeiten ihren Grund hatte.

Dieses Verhältniß führte zahllose Unbequemlichkeiten herbei, die namentlich in Bezug auf das Zollwesen arg waren, denn natürlich stand Nieder-Leutersdorf unter österreichischen Zollgesetzen, doch waren dieselben schwierig genug durchzuführen, da die Bewohner ihre Bedürfnisse fast gänzlich aus Sachsen beziehen mußten, und die Fabriktreibenden bei Versendung ihrer Waaren viele Weiterungen durch sächsische und böhmische Zollbeamte erfuhren, bis endlich vor wenig Jahren diese Schranken fielen, indem Nieder-Leutersdorf nebst dem dazu gehörigen Neu-Leutersdorf und Josephidorf, gleich den anderen in Sachsen liegenden böhmischen Enklaven, durch Vertrag von Oesterreich an Sachsen abgetreten wurden, womit denn auch zahlreiche Weitläufigkeiten ihre Endschaft erreichten.

Ganz Leutersdorf, mit allen seinen einzelnen Theilen, hat gegenwärtig 376 bewohnte Häuser und 2,788 Einwohner. Es liegt von Zittau drei Stunden, von Rumburg in Böhmen eine und eine halbe Stunde und von Löbau vier Stunden entfernt, an der von Großschönau nach Eibau führenden Chaussee, [128] eine Stunde von dem Bahnhofe zu Oderwitz, wohin es in Bezug auf seinen Waarenverkehr hauptsächlich gewiesen ist, wobei aber durch den Umweg der fahrbaren Straße die Stunde Entfernung zu fast zwei Stunden ausgedehnt wird. – Deshalb ist es auch der Wunsch, daß der Verkehr der so lebhaften Fabrikdörfer, wie Ebersbach, Gersdorf, Leutersdorf, Seifhennersdorf und Großschönau durch Anlage einer Eisenbahn nicht nur erleichtert, sondern auch gehoben werden möchte, worüber schon viele Vorschläge gemacht sind, und selbst eine Linie von dem Bahnhof Oderwitz aus bereits abgesteckt wurde, ohne daß es den Anschein gewinnt, als ob diese Linie in Angriff genommen und sonst ein Vorschlag zur Ausführung kommen sollte, so dringend nöthig es auch sonst im Interesse der so lebhaften Fabrikgegend wäre, wie schon an anderer Stelle unseres Albums gesagt wurde.

Die Bewohner Leutersdorfs beschäftigen sich hauptsächlich mit Weberei, sowohl in Wolle, als auch in Leinen und es giebt hier zahlreiche Fabrikanten, die oft sehr ansehnliche Geschäfte treiben, hauptsächlich in baumwollenen Waaren. Die bedeutendste Fabrik ist die von

Benjamin Hüttig u. Comp.,

deren Gebäude in zwei Complexe zerfallen.

Das Etablissement beschäftigt sich hauptsächlich mit der Fabrikation von halbwollenen und baumwollenen Hosen-, Rock- und Westenstoffen, welche ihren Hauptabsatz im Zollverein finden, so wie auch nach Dänemark, Schweden und Norwegen, theils auf den Messen zu Leipzig und Frankfurt an der Oder, theils auf Bestellungen vom Hause.

Die Waaren befanden sich auf der Industrieausstellung in München und wurden daselbst durch die Preismedaille ausgezeichnet.

Dieses Etablissement beschäftigt fortwährend drei Comptoiristen und mehrere hundert Weber und Zuarbeiter. Diese Zahl wird sich späterhin noch vermehren, nach Aufstellung einer Dampfmaschine und damit verbundener Einrichtung größerer Maschinen, welches schon längst geschehen sein würde, wenn der Kohlentransport nicht so kostspielig wäre.

Besitzer des Etablissements sind die Herren

Karl Benjamin Hüttig und
Friedrich August Neumann.

Das Geschäft wurde 1835 von Herrn Karl Benjamin Hüttig unter der Firma Benj. Hüttig gegründet, nach Eintritt des Herrn Friedrich August Neumann aber wurde Benjamin Hüttig u. Co. firmirt, welche Firma auch bis heute unverändert fortbestanden.

Zu jener Zeit befand sich das Geschäft noch in Ober-Leutersdorf, als aber Nieder-Leutersdorf an Sachsen abgetreten war, erstanden die Herren Besitzer daselbst die Grundstücke, in denen die Fabrik gegenwärtig betrieben wird, und richteten dieselben durch zum Theil umfangreiche Neubauten zum großartigeren Betriebe der Fabrikation ein.