Die Gefangennahme des ersten Franzosen

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Die Gefangennahme des ersten Franzosen
Untertitel:
aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1915, Dritter Band, Seite 233–234
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Erscheinungsdatum: 1915
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart, Berlin, Leipzig
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[233] Die Gefangennahme des ersten Franzosen im Kriege 1870/71 schildert die Saarbrückener Kriegschronik folgendermaßen: „Der Grenzaufseher Tempelstein aus Gersweiler hatte am 19. Juli 1870 wenige Stunden nach Bekanntwerden der Kriegserklärung einen französischen Soldaten beobachtet, der, mit Blechgefäßen [234] und Feldflaschen beladen, nach dem Grenzdorfe Kreuzhütte wanderte, offenbar um dort Schnaps einzukaufen. Tempelstein teilte dies seinem Kollegen Stabe mit, und beide beschlossen, den durstigen Franzosen abzufangen.

Sie legten sich also auf die Lauer, und es dauerte nicht lange, so sahen sie ihren Mann daherkommen. Er hatte sein Gewehr als lästige Bürde daheimgelassen und war nur mit dem Seitengewehr bewaffnet. Erst als der Franzose ganz nahe war, erblickte er die ‚Grenzgard‘ und ergriff das Hasenpanier.

Doch Stabe, ein behender Mann, eilte ihm nach, und es gelang ihm, den Franzmann zu fassen, noch ehe dieser die nächste Anhöhe erreicht hatte, auf der er von den in Schönecken lagernden Franzosen bemerkt worden wäre. Nach einigem Widerstande wurde der Gefangene von den Grenzwächtern gefesselt und im Triumph nach Gersweiler gebracht, wo alles Volk zusammenströmte, um sich den französischen Krieger in der Nähe zu betrachten.

In einem Wirtshause ließ man ihm zu essen geben, und hier erzählte er einem der französisch sprechenden Einwohner, daß er schon lange diene und auch in Algerien gewesen sei. Nachdem er sich gestärkt hatte, wurde er einer Patrouille übergeben, die gerade nach Gersweiler gekommen war und nun mit der ersten lebenden Trophäe nach Saarbrücken zog. Der Franzose gehörte zum 23. Linienregiment. Er sah recht unbedeutend aus, so daß ein Bürger zu den Soldaten sagte: ‚Wenn sie alle so sind wie der, dann habt ihr leichtes Spiel.‘ Die genossenen Getränke und die allgemeine Aufmerksamkeit, deren Gegenstand er war, schienen dem Franzmann inzwischen zu Kopf gestiegen zu sein. Er riß den Adler von seinem Tschako und rief, indem er in der Luft damit herumfuchtelte, ein Mal übers andere Mal. ‚Vive l’aigle!‘ Dem begleitenden Unteroffizier wurde schließlich die Sache zu toll, und er versetzte ihm mit den Worten: ‚Wart, ich will dich belägeln!‘ einen derben Puff, worauf der Franzose wieder ganz bescheiden wurde.“

W. K.