Die Hochzeitsnacht (Eichendorff)

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Textdaten
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Autor: Joseph von Eichendorff
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Titel: Die Hochzeitsnacht
Untertitel:
aus: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen. S. 272-276
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1826
Verlag: Vereinsbuchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
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Quelle: Universitätsbibliothek Greifswald, Signatur: 520 Bn 420; Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[272]

Die Hochzeitsnacht.

Nachts durch die stille Runde
Rauschte des Rheines Lauf,
Ein Schifflein zog im Grunde,
Ein Ritter stand darauf.

[273]
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Die Blicke irre schweifen

Von seines Schiffes Rand,
Ein blutigrother Streifen
Sich um das Haupt ihm wand.

Der sprach: „Da oben stehet

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Ein Schlößlein über’m Rhein,

Die an dem Fenster stehet:
Das ist die Liebste mein.

Sie hat mir Treu’ versprochen,
Bis ich gekommen sey,

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Sie hat die Treu gebrochen,

Und alles ist vorbei.“

Viel Hochzeitleute drehen
Sich oben laut und bunt,
Sie bleibet einsam stehen,

20
Und lauschet in den Grund.


Und wie sie tanzen munter,
Und Schiff und Schiffer schwand,
Stieg sie vom Schloß herunter,
Bis sie im Garten stand.

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Die Spielleut’ musizirten,

Sie sann gar mancherlei,
Die Töne sie so rührten,
Als müßt’ das Herz entzwei.

[274]

Da trat ihr Bräut’gam süße

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Zu ihr aus stiller Nacht,

So freundlich er sie grüßte,
Daß ihr daß Herze lacht.

Er sprach: „Was willst Du weinen,
Weil alle fröhlich sei’n?

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Die Stern’ so helle scheinen,

So lustig geht der Rhein.“

Das Kränzlein in den Haaren
Steht Dir so wunderfein,
Wir wollen etwas fahren

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Hinunter auf dem Rhein.


Zum Kahn folgt’ sie behende,
Setzt sich ganz vorne hin,
Er setzt’ sich an das Ende
Und ließ das Schifflein zieh’n.

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Sie sprach: „Die Töne kommen

Verworren durch den Wind,
Die Fenster sind verglommen,
Wir fahren so geschwind.

Was sind das für so lange

50
Gebürge weit und breit?

Mir wird auf einmal bange
In dieser Einsamkeit!

[275]

Und fremde Leute stehen
Auf mancher Felsenwand,

55
Und stehen still und sehen

So schwindlich über’n Rand.“ –

Der Bräut’gam schien so traurig
Und sprach kein einzig Wort,
Schaut in die Wellen schaurig

60
Und rudert immerfort.


Sie sprach: „Schon seh’ ich Streifen
So roth im Morgen steh’n,
Und Stimmen hör’ ich schweifen,
Vom Ufer Hähne kräh’n.

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Du siehst so still und wilde,

So bleich wird Dein Gesicht,
Mir graut vor Deinem Bilde –
Du bist mein Bräut’gam nicht!“ –

Da stand er auf – das Sausen

70
Hielt an in Fluth und Wald –

Es rührt mit Lust und Grausen
Das Herz ihr die Gestalt.

Und wie mit steinern’n Armen
Hob er sie auf voll Lust,

75
Drückt ihren schönen, warmen

Leib an die eis’ge Brust. –

[276]

Licht wurden Wald und Höhen,
Der Morgen schien blutroth,
Das Schifflein sah man gehen,

80
Die schöne Braut d’rin todt.