Die Königstochter zum goldenen Berge

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Textdaten
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Autor: Karl Spiegel
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Titel: Die Königstochter zum goldenen Berge
Untertitel:
aus: Märchen aus Bayern, S. 8-10
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 4. Februar 1898
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Selbstverlag des Vereins für bayrische Volkskunde und Mundartforschung
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Erscheinungsort: Würzburg
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Quelle: Commons
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6. Die Königstochter zum goldenen Berge.
(Unterfranken: Birkenfeld b. Marktheidenfeld).

Drei desertierte Soldaten gingen in eine Wildnis hinein. In dieser Wildnis stand ein Schloß. Die Fallbrücke war aber aufgezogen. Als sie so beim Schlosse stehen blieben und es betrachteten, gab sich die Fallbrücke herunter. Sie gingen darüber und in das Schloß hinein und gelangten in die Stube. Hunger und Durst hatten sie auch, darum zogen sie den Tischkasten auf; es lag aber nur ein Kartenspiel darinnen und darauf stand geschrieben: Niklös. Da sagten sie zu einander: „Für unsern Hunger und Durst wollen wir einmal karten.“ Als sie anfingen zu karten, kam so ein altes Männlein hinein und frug, was ihr Begehren sei? Sie antworteten ihm, sie hätten Hunger und Durst, und weil sonst nichts da sei, so wollten sie karten. Da sagte das Männlein, Essen könne er ihnen keines geben, aber Geld könnten sie haben, so viel sie wollten. Er führte sie darauf in die Silbergrube. Sie steckten ein, soviel sie konnten. Dann führte er sie in die Goldgrube. Da warfen sie das Silber weg und steckten dafür Gold ein. Zuletzt führte er sie zu den Edelsteinen. Nun warfen sie das Gold weg und packten Edelsteine ein. Als sie fertig waren, sprach das alte Männlein: „Jetzt habt ihr soviel als eine ganze Stadt Währschaft hat, kommt aber nicht mehr.“

Die Soldaten gingen nun wieder gegen ihre Heimat zu und hielten alle Tage Ball. Es ging aber ihr Geld doch zu Ende. Da hielten sie Rat und beschlossen, wieder zum Schlosse zu gehen und führten den Entschluß auch richtig aus. Als sie hinkamen, war die Fallbrücke wieder hinaufgezogen. Nachdem sie ein wenig dagestanden waren, ging der Verschlag, die Fallbrücke, herunter. Sie gingen hinein, zogen den Tischkasten auf und taten die Karten heraus. Als sie diese heraus getan hatten, kam das alte Männlein wieder und sagte: „Hab’ ich es euch nicht gesagt, daß ihr nimmer kommen sollt? Jetzt muß einer da bleiben.“ Die drei Soldaten losten untereinander und der, den das Los traf, blieb da. Die anderen steckten soviel Edelsteine ein, als sie konnten und gingen auf die Heimat zu. Zu dem, der dableiben mußte, sagte das Männlein, jetzt müsse er Jahr und Tag am Falltor Schildwache stehen. Die Zeit vergehe ihm aber schnell; sobald es ihn hungere, sei sie herum. Das war richtig so. Als ihm der Hunger kam, war die Zeit herum und er ging ins Schloß zurück. Das Männlein wies ihm ein Zimmer an und sagte, in dem Zimmer müßte er drei Nächte liegen. Dabei sah der Soldat unter der Bodenstiege drei Schwäne sitzen. Das Männlein sagte noch, in der ersten Nacht, die er in dem Zimmer zubringe, kämen Männer, die fragen würden, wie viel Schläge er haben wolle? Und da solle er sagen: einen Schlag. Sie würden ihm wohl mehr anbieten, er aber solle nicht mehr sagen als einen Schlag. Nachts um 11 Uhr kamen sie auch und frugen, wie viele Schläge er haben wolle? Da sagte er: „Einen Schlag.“ Sie sprachen, er müßte mehr annehmen. Er aber blieb dabei, nicht mehr als einen Schlag nehmen zu wollen. Um 12 Uhr verließen ihn die Männer. Als [9] er früh herunterkam, waren die Schwäne („Schwane“) unter der Bodenstiege schon etwas schöner. Vor der zweiten Nacht sagte das Männlein: „Heute antwortest du: zwei Schläge.“ Um 11 Uhr nachts kamen sie wieder und fragten, wie viele Schläge er haben wolle. Er antwortete: „Zwei Schläge.“ Sie boten ihm zwar mehr an, er aber blieb auf seiner Aussage stehen. Um 12 Uhr gingen sie wieder fort. Früh, als er herabkam, waren die drei Schwäne wieder schöner. Jetzt sagte das Männlein zu ihm: „Heut’ ist die letzte Nacht, heute sagst Du drei Schläge, aber nur fest darauf geblieben! Sie werden dann Messer heraus tuen und sie wetzen, als wenn sie Dich umbringen wollten.“ Um 11 Uhr kamen sie wieder miteinander und fragten, wieviel Schläge er wolle. Er sprach: „Drei Schläge.“ Sie aber sagten, er müsse mehr haben. Sie taten ihre Messer heraus und machten sie scharf. Aber um 12 Uhr nachts gingen sie fort. Früh, als er erwachte, war das Zimmer an den Wänden golden. Er blieb noch etwas liegen und betrachtete das veränderte Zimmer.

Die drei Schwäne unter der Stiege aber waren drei verwünschte Königstöchter. Sie kamen jetzt, weil sie erlöst waren, in sein Zimmer und sagten zum Soldaten, er solle nun aufstehen. Als er aufgestanden war, sprachen sie zu ihm, er hätte jetzt die Wahl unter ihnen drei. Er nahm die vom goldenen Berg. Diese sagte: „Wir sind immer („als“) noch nicht fertig, wir müssen in drei Nächten zwischen 11 und 12 Uhr in jene Kirche gehen.“

Auf dem Wege zu dieser Kirche stand ein Wirtshaus, da hinein ging der Soldat und logierte sich ein. Auf die Nacht verlangte er zu trinken. Da sagte die Wirtin, das Wasser in dem Brunnen sei nicht gesund, sie wolle ihm Zitronenwasser geben. Sie aber gab ihm einen Schlaftrunk. Er ging zwar hinaus, setzte sich an den Weg, schlief aber ein. Um 11 Uhr kam die Königstochter gefahren mit vier Rappen und die Chaise war schwarz behangen.

Am zweiten Tag ging der Soldat wieder in das Wirtshaus. Die Wirtin machte es ihm gerade so wie das erstemal und gab ihm Schlaftrunk. Er setzte sich darauf an die Straße und schlief wieder ein. Um 11 Uhr kam die Königstochter gefahren. Die Chaise war mit vier Fuchsen bespannt und rot behangen. Der Soldat sah und hörte aber nichts. Am dritten Abend dachte er: heute Nacht komme ich doch mit. Er nahm den Knecht mit hinaus, daß dieser ihn wecke, wenn er wieder schlafe. Die Wirtin hatte ihn nocheinmal betrogen. Als die Prinzessin angefahren kam, hingen vier Schimmeln an der Chaise und diese war weiß behangen; er aber saß dort und schlief. Sie stieg aus, wollte ihn wach bringen, ebenso der Knecht. Doch sie konnten ihn nicht aufwecken. Als die Prinzessin von der Kirche zurückkam, stieg sie wieder aus und gab sich nocheinmal die Mühe, ihn aufzuwecken. Doch alles war vergeblich. Sie zog nun seinen Säbel aus der Scheide und schrieb mit goldenen Buchstaben darauf: hier hast du meinen goldenen Ring zum Andenken. Dann fuhr sie fort. Früh morgens rief der Soldat den Knecht und fragte, wo sein goldener Ring sei. Der Knecht mußte den goldenen [10] Ring hergeben, worauf der Soldat ihm den Kopf abhieb. Dann rief er der Wirtin, sagte zu ihr, sie sei eine Hexe, und habe gemacht, daß er nicht mit der Königstochter in die Kirche gekommen sei. Der Soldat nahm jetzt seinen Säbel wieder und hieb der Wirtin auch den Kopf ab. Dann rief er die Magd. Zu dieser sagte er, sie solle das Anwesen haben. Darauf machte er sich auf und ging fort.

Der Soldat hatte noch drei Brüder. Als er zum ersten kam, sagte er zu ihm: „Grüß Gott, Bruder, lebst du noch?“ Der antwortete: „Ja.“ Darauf fragte der Soldat, ob er nicht wüßte, wo der goldene Berg sei. Der Bruder antwortete, wo der goldene Berg sei, wüßte er nicht; er könne aber die Vögel zitieren; wenn die es nicht wüßten, er wüßte es nicht. Jetzt zitierte er die Vögel miteinander, aber keiner wußte etwas von dem goldenen Berg. Da nahm er den stärksten Vogel davon, setzte den Soldaten darauf und befahl dem Vogel, ihn so weit zu tragen, als er könne, und ihn dann abzusetzen. Dann reiste der Soldat weiter und kam zu seinem zweiten Bruder. Er sagte zu ihm: „Grüß Gott, Bruder, lebst du noch?“ Der antwortete: „Ja.“ Er fragte ihn nun, ob er nicht wüßte, wo der goldene Berg sei. Der antwortete, nein, aber das Wildbret („Wilpert“) könne er miteinander zitieren, wenn das es nicht wüßte, er wüßte es nicht. Jetzt zitierte der Bruder das Wildbret, aber keines wußte etwas vom goldenen Berg. Da nahm er das stärkste Getier davon und setzte den Soldaten darauf. Das mußte diesen wieder so weit tragen, als es konnte. Hierauf reiste der Soldat weiter und kam zu seinem dritten Bruder. Den grüßte er auch wie die andern zwei. Dann fragte dieser ihn, wo er herkomme. Der Soldat legte ihm aus, wie es ihm seither erging; dann fragte er seinen Bruder auch, ob er nicht wisse, wo der goldene Berg sei. Dieser sagte, er wüßte nichts vom goldenen Berg, aber die Wolken könne er zitieren, wenn die es nicht wüßten, so sei er angeführt. Jetzt zitierte sein Bruder die Wolken. Es kam immer eine um die andere und keine wußte etwas vom goldenen Berg. Hintennach kam noch so ein schwarzes („Pöpela“) Wölkchen. Sein Bruder fragte es, ob es nichts vom goldenen Berg wüßte. Das antwortete, ja, es wüßte, wo der goldene Berg sei, und morgen hätte die Königstochter Hochzeit. Da sagte des Soldaten Bruder, es solle den Soldaten aufpacken und solle mit ihm fort, so schnell es könne, damit es noch vor der Hochzeit ankäme. Und es kam auch richtig vor der Hochzeit mit dem Soldaten hin. Dieser ging gleich vor die Residenz und ließ drinnen sagen, die Königstochter solle einmal herausgehen. Als sie kam, zeigte er ihr den Säbel mit den goldenen Buchstaben und den goldenen Ring. Der andere Bräutigam mußte darauf fort und der Soldat bekam die Königstochter zur Frau.


Erzählt am 4. Februar 1898 von Johann Lang zu Birkenfeld b. M. Sonstige Bemerkungen wie bei Ziff. 5.