Die Papiere des Grafen Heinrich Mathias von Thurn

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Textdaten
Autor: Konstantin Höhlbaum
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Titel: Die Papiere des Grafen Heinrich Mathias von Thurn
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 1 (1889), S. 172–173.
Herausgeber: Ludwig Quidde
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[172] Die Papiere des Grafen Heinrich Mathias von Thurn. In der Wallenstein-Forschung hat man, um von anderem zu schweigen, nach dem Verbleib des Archivs von Graf Heinrich Mathias von Thurn noch immer vergeblich gesucht. Manche wichtige Briefe des Grafen hat neuerdings E. Hildebrand in der Schrift über Wallenstein und seine Verbindungen mit Schweden aus dem schwedischen Reichsarchiv bekannt gemacht; das gräfliche Familienarchiv seit 1649 soll in Stockholm in dem Archiv des kgl. Kammercollegiums beruhen (Irmer, die Verhandlungen Schwedens mit Wallenstein, 1, S. XIV, A. 2); aber noch nicht ermittelt ist der Verbleib der Hauptmasse von Thurn’s Papieren. Graf Heinrich Mathias starb am 18. Januar 1640 (nicht 1641) in Pernau bei seiner Schwiegertochter Magdalena, geb. Gräfin Hardeck, der Wittwe des Grafen Franz Eberhard von Thurn, und wurde erst am 8. März 1641 in der Domkirche zu Reval beerdigt, wo das Grab noch heute gezeigt wird. Hiernach hat man vermuthet, dass die Papiere nach seinem Tode in ein estländisches Archiv gerathen seien (Irmer a. a. O. S. XI). Mir scheint, mit wenig Recht, schon wenn man die damalige politische Zugehörigkeit des Sterbeortes und die erwähnten Fundstätten Thurn’scher Briefe beachtet. Aber neuerdings angestellte Erkundigungen weisen die Vermuthung auch unmittelbar zurück. Herr Harald Baron Toll, estländischer Ritterschaftssecretär in Reval, durch die tief eindringenden Studien seines Vaters und durch eigene Forschungen mit den Archiven von Estland vertraut, immer von Theilnahme für geschichtswissenschaftliche Fragen erfüllt, hatte die Güte, neue Umschau zu halten. Er stellte zunächst fest, dass nicht das estländische Ritterschaftsarchiv, ebenso wenig aber auch das grosse Archiv von Kuckers in Estland, dem Besitzthum seiner Familie, wo man die Nachweise über die Familienarchive von Esthland [173] findet, eine Spur von dem Briefwechsel und überhaupt von Papieren des Grafen Thurn noch erkennen lasse. Herr Baron Toll forschte weiter und wandte sich nach Audern in Livland, das mit der Grafschaft Pernau einst durch Gustav Adolf dem genannten Grafen Franz Eberhard von Thurn verliehen war; aber auch in der „Brieflade“ von Audern sind nach den Mittheilungen des Herrn Baron Alf Pilar von Pilchau Papiere der Thurnschen Familie überhaupt nicht vorhanden, vielleicht weil das Gut Audern in der Zeit der sogenannten Reductionen von der schwedischen Regierung eingezogen worden ist. Auch hierdurch wird man wieder auf Schweden gewiesen, während das livländische Ritterschaftsarchiv in Riga für die Frage ganz unergiebig zu sein scheint. Wie Herr Baron Toll mir ferner angibt, ist eben diese Grafschaft Pernau mit dem Gute Audern im Jahre 1665 in den Besitz des Grafen Magnus Gabriel de la Gardie übergegangen (nach dem mir nicht zugänglichen Werke von L. v. Stryk, Beiträge zur Geschichte der Rittergüter Livlands I). Nicht ausgeschlossen wäre es nun, dass in den familiengeschichtlichen Sammlungen der Grafen de la Gardie der lange gesuchte Gegenstand ermittelt werden könnte. Die Bibliothek der Grafen, die einen bedeutenden Umfang hat, wird auf Löberöd in Schonen, fünf Meilen von Ystad, aufbewahrt und ist vor fünfzig Jahren von P. Wieselgren repertorisirt worden, nicht ausreichend, mehr summarisch. In seinem Werke begegnet nur Graf Heinrich von Thurn als schwedischer Generalgouverneur in Reval zum Jahre 1655; aber es liegt nahe, in den anderen Theilen der Sammlung reichere Aufschlüsse zu vermuthen. Die längste Zeit mit der Bibliothek auf Löberöd vereinigt, ist das eigentliche Archiv der de la Gardie neuerdings der Universitätsbibliothek in Lund übergeben worden. Hier hätten meines Erachtens neue Nachforschungen einzusetzen. Wie das grosse Oxenstierna-Archiv zu Tidö, jetzt im schwedischen Reichsarchiv, werthvolle Beiträge zur deutschen Geschichte gespendet hat, so liessen sich wenigstens brauchbare Bausteine, wie mir scheint, aus den de la Gardie’schen Archiven erwarten. Jedenfalls aber müsste die Forschung nach den Thurn’schen Papieren sich auf die Archive und Bibliotheken von Schweden, zunächst von Schonen, insbesondere von Lund, richten, um zu einem Ergebniss zu gelangen. Der Zweck dieses kurzen Berichtes über die Erkundigungen in den ritterschaftlichen Archiven von Estland ist erreicht, wenn er die deutsche und skandinavische Forschung zu neuen Erhebungen über die Papiere des Grafen Heinrich Mathias von Thurn in Schweden selbst anregt; die estländischen Archive kommen hierbei weiter kaum noch in Frage.

Konst. Höhlbaum.