Die Perlenschoten zu Wiesenthal

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Perlenschoten zu Wiesenthal
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 431-432
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[431]
501) Die Perlenschoten zu Wiesenthal.
Lehmann S. 481. Flader a. a. O. S. 234 sq. Poetisch beh. b. Segnitz. Bd. I. S. 173 sq.

Im Jahre 1626 kurz nach dem großen Sterben wohnte in der Neustadt in Wiesenthal ein gewisser Michael Rothdörfer, ein Exulant von Luttitz in Böhmen, welcher mit Weib und 7 Kindern den Religionsfeinden glücklich entronnen war. Sein Töchterlein von 7 Jahren hatte vom Schutthaufen eines ausgegrabenen alten Kellers etliche Kapsamenstrünklein aufgelesen und in ihres Vaters Garten gesteckt. Da nun solcher wohl fortgekommen und gereift, nimmt sie die Schötchen ab und klopft sie aus, findet aber mit Verwunderung weiße Körnchen, die sie unwissend, was es sei, dem Vater weist und spricht: „je, Vater, sehet, was sind dies für Blätterlein?“ Der Vater erkennt, daß es rechte Perlen find, sucht und findet sie in den Schötchen selbst, also daß nach je zwei Samenkörnlein eine wahrhafte Perle lag, und so sammelten sie dieses Samens und der Perlen ein Näpfchen voll. Eine [432] durchreisende Gräfin von Haustein hat dieselben mit Verwunderung angesehen und gefunden, daß es wahrhafte Perlen seien. Daher hat sie dem Vater versprochen, wenn er einwilligen wolle, so wolle sie dieses glückselige Kind zu sich nehmen und ihm alle Güte widerfahren lassen. Als sie aber hierbei etliche dergleichen Schötchen selbst aufgemacht, sind die darin verborgen liegenden Perlen ihr unter den Fingern geschmolzen, welches auch andern Leuten begegnet ist, daher sie geurtheilt und gesagt: „ei, so ist es eine sonderbare Gnade von Gott, deren wir nicht würdig sind.“