Die Reblaus als Ursache einer wichtigen Entdeckung

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Autor: Dr. Julius Erdmann
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Titel: Die Reblaus als Ursache einer wichtigen Entdeckung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 610
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[610] Die Reblaus als Ursache einer wichtigen Entdeckung. Unter den von Sachverständigen zur Vertilgung der Rebläuse in Vorschlag gebrachten Stoffen wurde auch eine Substanz empfohlen, die Schwefelkohlenstoff in Verbindung enthält und diesen bei der Berührung mit feuchter Erde wieder frei giebt. In Folge dessen konnte es nicht ausbleiben, daß die Fachmänner sich mit den Wirkungen dieser Substanz längere Zeit beschäftigten. Bei dieser Gelegenheit machte Herr Professor Zöller in Wien in jüngster Zeit eine eigenthümliche und interessante Entdeckung; er beobachtete nämlich, wenn er feuchte Erde mit geringen Mengen dieses Stoffes zusammenbrachte, den man wissenschaftlich mit dem nicht sehr mundgerechten Namen „xanthogensaures Kalium“ bezeichnet, daß selbst bei einer schwachen Entwickelung von Schwefelkohlenstoff in den Versuchsgefäßen niemals eine Pilzbildung zu entdecken war. Fehlte jedoch die Substanz, so trat unter sonst völlig gleichen Verhältnissen immer eine Pilzbildung auf.

Diese Beobachtung gab ihm die Veranlassung zu einer weiteren Prüfung, die darin bestand, den Schwefelkohlenstoff auf seine desinficirenden und conservirenden Eigenschaften zu untersuchen. Bei diesen Versuchen wurden die verschiedenartigsten Gegenstände, die unter Zutritt der Luft früher oder später dem Verderben unterworfen sind, durch geeignete Vorrichtungen in eine feuchte, etwas Schwefelkohlenstoffdampf enthaltende Atmosphäre gebracht.

Auf die angegebene Weise konnte man Ochsen- und Kalbfleisch zweiunddreißig Tage hindurch bei einer Temperatur von fünfzehn bis vierundzwanzig Grad Celsius vor Fäulniß schützen, und zeigten die angeführten Fleischsorten weiter keine Veränderung als ein Blaßwerden an der Oberfläche; im Innern blieb das frische Ansehen vollkommen erhalten. Geschlachtete und ausgeweidete Hühner wurden in gerupftem und ungerupftem Zustande zu einem zweiten Versuche verwandt, auch diese hielten sich bei der nämlichen Temperatur zweiunddreißig Tage, ohne Fäulniß zu zeigen. Heißes Roggen- und Weizenbrod, das sofort nach der Herausnahme aus dem Backofen in die schwefelkohlenstoffhaltige, feuchte Luft gebracht war, ließ nach vierzehn Tagen noch keine Spur von Schimmelbildung erkennen. Auch überreife Zwetschen hielten sich bei einer Zimmertemperatur, die nicht unter zwölf Grad Celsius sank, im Beisein von etwas Schwefelkohlenstoffdampf, einhundertzweiundneunzig Tage, ohne zu verderben, obgleich während der Dauer des Versuches das die Zwetschen enthaltende Gefäß acht bis zehn Mal geöffnet wurde.

Die weiteren Resultate, die Herr Professor Zöller erhalten, übergehe ich hier; sie beweisen ebenfalls die bedeutende Wirksamkeit des Schwefelkohlenstoffs als Conservirungs- und Desinfectionsmittel.

Aus Interesse für den im Vorstehenden besprochenen Gegenstand stellte ich einige Conservirungsversuche an, und zwar mit rohem Rindfleische. Ich erhielt, wie zu erwarten, dieselben Resultate wie der genannte Forscher und beobachtete dabei, daß in einer stark schwefelkohlenstoffhaltigen Luft etwa fingerdicke Fleischstücke durch die ganze Masse blaßgrünlich gefärbt wurden. Es ist also ein unnöthiger Ueberschuß dieses Conservirungsmittels zu vermeiden.

Es ist denkbar, daß die praktische Verwerthung dieser Conservirungsmethode für den Transport von Lebensmitteln, wie Fleisch etc. nach solchen Orten, wo Mangel in dieser Hinsicht vorhanden ist, auch eine volkswirthschaftliche Bedeutung gewinnen wird.
Dr. Julius Erdmann.