Die Reformation

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Die Reformation
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aus: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung) S. 153–155
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Reformation.


A. Freuen sie sich, mein Freund.

B. Ich habe verlernt mich zu freuen.

A. Dies ist aber eine ächte Freude.

B. Auch sie wird mich nicht freuen.

A. Ihr Wunsch, der Wunsch aller Guten ist vor der Thür.

B. Ich wollt’ daß er schon hinein wäre. Manche Labung entschlüpft uns zwischen dem Becher und dem Munde.

A. Wissen Sie, die Reformation hat einen Tag angesagt, da sie alle unsre Sachen in Richtigkeit bringen will.

B. Ach der matten Hoffnung, und der gewisseren Furcht!

A. Welcher Furcht?

B. Furcht eines Scherzes, den man nach einem herben, bittern Hohngelächter auf unsre Klagen mit uns treibet.

A. Sie sind zu argwöhnisch.

B. Wah! Weißt du nicht, mein Freund, daß solche Versprechungen von Reformation, von Abstellung der Misbräuche das wirksamste Blendwerk zu neuen Erpressungen sind? ein Blendwerk, womit man einfältige Gemüther von einem gerechten Unwillen hinwegtäuscht, und sie zu einer neuen schändlichen Geduld heimschickt.

A. Ei doch! Menschen mit sehenden Augen, die auf eine Verbesserung der Dinge dringen, lassen sich nicht so betrügen.

B. Sehr leicht; wenn es nur mit Pomp, mit einem tragischen Apparat, mit großem Geräusch, und hochtrabenden Worten geschieht. Denn das ist die Krankheit des gemeinen Mannes, daß er mehr den Ohren als den Augen glaubt.

A. Er wird sich doch nicht eher beruhigen, bis das worauf er dringt, vor seinen Augen geschiehet.

B. O du Einfältiger! als ob man nicht eine Kleinigkeit ändern, hie und da etwas umrücken, und zugleich eine allgemeine Reformation versprechen könnte? Schaffe diesen oder jenen kleinen Unfug ab, und du hast gnug gethan; du hast, vor der Hand wenigstens, dir das ungestüme Dringen auf eine Reformation vom Halse gewiesen. So leicht ists, Nüsse vorzustreuen und damit den grossen Haufen für sich zu haben.

A. Ich weiß nicht, welche ausnehmende Hoffnung mit dabei in den Brunnen fällt: denn Sie erinnern mich an Exempel –

B. Laß uns, mein Freund, die Welt wie sie ist, tragen, und auf ihre Verbesserung nie hoffen: denn nie ist sie ärger, als wenn sie Aenderung und Verbesserung heuchelt. Wenn jemand mit großem Geräusch eine Wiedergeburt und Erneurung der Dinge ankündigt: so wollen wir lachen und denken, daß die Welt Eulen-Natur habe. Je mehr Licht umher, desto mehr ist sie im Dunkeln.

A. Lebe also wohl, Reformation!

B. Lebe wohl; auf dieser Erde werden wir dich nimmer sehen.