Die Rochows auf Rekahn

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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Die Rochows auf Rekahn
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aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 721–723
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[721]
Die Rochows auf Rekahn.
Zur Armee- und Schulgeschichte in Preußen.

Es sind gerade hundertunddreißig Jahre, da war, trotz des weltberühmten „Kammergerichts in Berlin“, im zweiten Regierungsjahre des damals noch jungen „alten Fritz“ ein Gewaltact möglich, der seitdem im Staate Preußen nicht mehr seines Gleichen gefunden hat.

Die preußische Armee zieht in der Gegenwart die Blicke der Theilnahme und Bewunderung in einem Maße auf sich, daß man das Thun und Treiben im Entwickelungsgang derselben mit eben dem Interesse bis in die Jugendzeit verfolgt, wie bei einer denkwürdigen Person, bei welcher man ebenfalls gern zurückgeht bis auf die Flegeljahre. Ferner haben die jüngsten großen Kriege Preußens ein paar Zweige ihres Lorbeerkranzes auf die Volksschule fallen lassen, man hat eine Verwandtschaft des Bakels mit dem Feldmarschallsstab herausgefunden. Und da nun auf der Stätte jenes „Straf-Lagers“ eine Musterschule für das preußische Volk entstand, so werden unsere Leser es nicht für unzeitgemäß erklären, wenn wir diese militärischen und pädagogischen Seltsamkeiten aus vergilbten Blättern hervorholen und wieder auf weiße bringen.

Der königlich preußische Staatsminister Friedrich Wilhelm v. Rochow war früher Präsident der Kriegs- und Domainenkammern der westfälischen Länder des Königs gewesen. Als solcher soll er sich gewissen unrechtmäßigen Verfügungen und Handlungen von Personen widersetzt haben, welche mit dem Hofwind zu segeln verstanden. Außerdem war auf dem eigenen Stammbaum derer von Rochow ein Generallieutenant v. Rochow zu Gölzig verzeichnet, der mit Jenem wegen des „Havelbruchs“ in Feindschaft lebte und dazu einen Schwiegervater besaß, einen Feldmarschall v. Katt, der auf die Wahl des Orts, wo das Lager, von dem wir nun erzählen werden, aufgeschlagen werden sollte, nicht ohne Einfluß sein konnte. Diese genealogischen Andeutungen tragen jedenfalls zur Erklärlichkeit des Vorgangs bei.

Als König Friedrich der Zweite im December 1740 den ersten schlesischen Krieg eröffnete, hielt er es für nothwendig, zur Deckung seiner Länder im ober- und niedersächsischen Kreise eine Armee in der Gegend von Brandenburg in einem Feldlager aufzustellen. Die Truppenmasse sollte aus fünfunddreißig Bataillonen Infanterie und zweiundvierzig Escadrons Reiterei mit der nöthigen Artillerie und sonstigem militärischen Zubehör bestehen. – Nun dehnten sich südlich von Brandenburg die Besitzungen des damaligen Staatsministers Friedrich Wilhelm v. Rochow aus und umschlossen die Güter und Dorfschaften Rekahn (seit neunhundert Jahren der Sitz der Familie), Krahne, Gettin, Rotscherlinde und Mesdunk. Das Flüßchen Plane, ihm zur Linken die Temnitz und andere Bäche, bewässerten die von einzelnen Gehölzgruppen unterbrochenen weiten waldigen Auen; zur Linken der Temnitz aber zog sich bis zur krummen Havel hinauf ein wohlgepflegter starker Kiefernwald, der zur Anziehung der Regenwolken beitrug, den Flugsand von [722] den Feldern und Wiesen abwehrte und reich an Hochwild war, also eine dreifache Wohlthat und Zierde der Besitzung. Und der Eigenthümer wußte besonders diesen Schatz zu würdigen, weil er zu seinen eifrigen Gutsverbesserungen wesentlich beigetragen hatte. War es dem Fleiße und der Umsicht des Ministers doch gelungen, den Abwurf dieser Güter, den er mit kaum zwölfhundert Thaler Höhe überkommen hatte, bis zum Jahre 1740 auf mehr als sechstausend Thaler zu steigern. Kein Wunder, daß ihm eine solche Besitzung eben deshalb ganz besonders am Herzen lag.

In schnurgeraden Linien mittendurch diese Güter, von Gettin an, das in etwa halbstündiger Entfernung von Brandenburg liegt, anfangs die Plane entlang, dann querfeldein bis nach dem Kirchdorf Krahne hin, in einer Länge von fünf Viertelstunden, wurden im Frühjahr 1741, die Zeltpflöcke eingeschlagen, und bald marschirte und trabte es heran, füllte Zelte, Baracken und Ställe und warf ein großartiges Kriegsbild mitten in die Gefilde des Friedens. Die Fronte dem Rittersitz und Hauptquartier Rekahn zugewendet, stand das Centrum der ersten Lagerlinie, lauter Infanterie; die beiden Flügel nahm die Cavallerie ein. Die zweite, in viertelstündiger Entfernung mit der ersten parallel laufende und etwa eine Viertelmeile kürzere Lagerlinie bewahrte im Centrum den Artilleriepark, zu beiden Seiten lagerten wieder Infanterie-Abtheilungen, und auf beiden Flügeln Dragoner. Bei Schmöllen an der krummen Havel und am Rande des obengenannten Fichtenwaldes war das Proviantmagazin und die Brodbäckerei hinter Feldschanzen geborgen und das Lazareth in Brandenburg eingerichtet, Commandirender der gesammten Armee war, wie bereits bemerkt, der Feldmarschall v. Katt.

Und nun ging’s los. Man kann sich mit dem besten Willen nicht einreden, daß Schonung des Rochow’schen Eigenthums der Mannschaft zur besonderen Pflicht gemacht worden sei. Es ist kaum glaublich, wie weit die vollendetste Rücksichtslosigkeit in der Verwüstung hier gegangen ist. Daß die Wasserbauten in der Plane, namentlich im Mühlteich, völlig verdorben, der Fluß versandet wurde, kann durch den außerordentlichen Wasserbedarf entschuldigt werden; aber daß man auch den ganzen Kiefernwald ruinirte, indem man nicht weniger als vierunddreißigtausend Bäume umschlug, während das nöthige Holz von allen Seiten leicht beigeschafft werden konnte, ist schon höher anzukreiden. In ähnlicher Weise litten alle Dörfer. In Krahne kam schon Ende April zu allem Unglück auch noch eine Feuersbrunst hinzu und legte das ganze Dorf sammt Vorwerk, Schäferei und Kirche in Asche. Später gesellte sich zur eingerissenen Noth noch die rothe Ruhr und decimirte die Bevölkerung so, daß ganze Häuser ausstarben. Alles mitten im Frieden und Freundesland.

Das Empörendste ist aber das Folgende. Im adeligen Hause zu Rekahn, in dem Familiensitz der Rochows, residirte Feldmarschall v. Katt, der feindselige Vetter des Hauses. Er hatte seinen Bedienten die Gerichtsstube zur Wohnung angewiesen, in welcher nicht nur viele wichtige Acten, sondern auch das alte Familienarchiv aufbewahrt wurde. Der Anordnung, Bedienten einen solchen Aufenthaltsort anzuweisen, verdankt man es, daß nach zwölf Wochen, wo v. Katt das Zeitliche gesegnete und dem neuen Commandirenden, dem General-Feldmarschall Fürsten v. Dessau und dem General der Infanterie, Prinzen v. Zerbst Platz machte, von sämmtlichen Actenstücken und Familienpapieren keine Spur mehr vorhanden war; sie waren sämmtlich verbrannt, als ob die vierunddreißigtausend niedergehauenen Fichtenbäume des Waldes nicht zur Feuerung ausgereicht hätten.

Sieben volle Monate währte die Herrlichkeit dieses Lagers, und als die Armee endlich abgezogen war, hinterließ sie eine Wüste, nicht schöner, als wenn die Türken in der Gegend gehaust hätten. Trotz alledem hat eigentlich Niemand das Recht, dieses königliche Truppen-„Campement“ ein Straflager zu nennen, denn obrigkeitlich ist es durchaus nicht als ein solches angekündigt oder rechtlich verhängt worden. Wenn man aber ferner erfährt, daß allerdings eine königliche Commission den mannigfaltigen Schaden auf den Rochow’schen Gütern selbst auf fünfzigtausend Thaler schätzt (und sie hat gewiß nicht überschätzt!), und daß dennoch dem Geschädigten nur wegen des Dorfes Krahne sechstausend Thaler Vergütung zuerkannt wurden, so wird sich wohl vom Standpunkt geschichtlicher Beurtheilung aus die Bezeichnung „Straflager“ nicht vermeiden lassen.

Wie durchgreifend die Verwüstungen waren, zeigt am besten die Nachhaltigkeit derselben. Im folgenden Jahr zählte das ganze Kirchspiel nur eine Trauung und fünf Geburten, während zweiundvierzig Personen männlichen und neununddreißig weiblichen Geschlechts starben – genau wie nach einem verheerenden Krieg. Die Bodenverschlimmerung durch das Niederhauen des großen Fichtenwaldes war eine der härtesten Nachwehen der allgemeinen Verwüstung des Gutes, und erst nach zwanzigjährigen rastlosen Arbeiten war der Ertrag desselben dem vor der Lagerherrlichkeit wieder nahe zu bringen gewesen.

Um sich der Rettung seines Eigenthums ausschließlich zu widmen, hatte Minister von Rochow im Jahre 1742 seine Entlassung genommen. Sein Sohn, Friedrich Eberhard v. Rochow, war der denkwürdige Mann, zu dem unser Artikel nun übergeht. Er ist am bekanntesten als der Domherr v. Rochow und als Reformator des preußischen Volksschulwesens in Wort und Leben, durch Lehre und That.

Wie so oft das Schicksal dem Menschen in der Jugend die Wege nicht verräth, die er als Mann laufen soll, so hätte wohl auch hinter dem wilden preußischen Garde-du-Corps-Reiter in den Schlachten von Lowositz und Prag schwerlich Jemand den frommen Domherrn gesucht, der nicht nur als trefflicher Landwirth, sondern noch mehr als Volkserzieher im Basedow’schen Geiste den Segen des Friedens hochhielt. Die Umkehr dieses Saulus in einen Paulus vermittelte allerdings ebenfalls das Schwert, denn wären dem kecken Reiter nicht nach der Prager Schlacht die Pulsadern der rechten Hand nebst der Hand selbst so durchhauen worden, daß er bei der Reiterei nicht weiter dienen konnte, so hätte ein Jährchen später das Fräulein v. Bose, die noch den herzoglichen Hof von Weißenfels gesehen, wo ihr Vater als Kanzler und Geheimrath geglänzt hatte, schwerlich den sanften Mann bekommen, mit dem sie, wenn auch selbst kinderlos, die geistige Mutter der Paar Hunderte von Kindern des ihr untergebenen Landvölkchens geworden ist.

Der Weg von der Gardereiterei bis zur Reformation der Volksschule ging mitten durch die Landwirthschaft hindurch. Die kostspieligere Kriege Friedrich’s des Großen hatten zur Verwahrlosung der Schulen auf dem platten Lande beigetragen und diese Vernachlässigung des Unterrichts drohte mit ihrem Gefolge von Unwissenheit, Aberglauben und Verdorbenheit auch die Nahrungsquellen des Bauern zu zerstören. Am bittersten spürte der Domherr dies an seinen eigenen Gütern. Binnen nur zehn Jahren waren ihm durch die Schuld seiner Schäfer allein für neuntausend Thaler Schafe zu Grunde gegangen. Es ist auch erstaunlich, auf welche Curen diese Leute bei ausbrechenden Schafkrankheiten verfielen. Ein solches Mittel war das sogenannte Nothfeuer. Der Schäfer mußte es durch Reiben mit einem Wagenrade und bei ernsthaftestem Stillschweigen hervorbringen, und durch dieses Feuer hindurch wurden dann die Schafe gejagt. Andere machten einen Reif von einem Faß rothen Weins auf dem Boden fest und jagten durch diesen die Schafe. Wehe dem Thierarzte, welcher sich diesen unfehlbaren Mitteln der Schäfer widersetzt hätte!

Mußte so zunächst wohl die Nothwendigkeit einer Schäferschule, wie eine solche bereits zu Stolpen in Sachsen bestand, dem Domherrn einleuchten, so scheint von da der Schritt zur Radicalcur der gesammten Volksschule ein sehr rascher gewesen zu sein. Schon im Jahre 1773 errichtete derselbe die neue Schule zu Rekahn, bildete sie zu einer Musterschule für seine übrigen Dörfer aus und sorgte durch seine vielen und vortrefflichen Schriften dafür, daß dieses Beispiel endlich sich auch über die Provinz Brandenburg und weiter in den Staat, in „das Reich“ hinaus Ansehen und Geltung erwarb.

In jene Zeit und diese Schule führt uns Niemand in liebenswürdigerer Weise ein, als der Vater der neuen Geographie, der alte Anton Friedrich Büsching. Dieser gründliche Mann machte mit seiner Gattin im Jahre 1775, und zwar vom dritten bis achten Juni, eine „Reise von Berlin über Potsdam nach Rekahn unweit Brandenburg“, deren Beschreibung er in einem Buche von nicht weniger als dreihundertzweiunddreißig Seiten mit einem Register von vierzehn Seiten und „Landkarten und anderen Kupferstichen“ herausgab. – Auf der Eisenbahn legen wir jetzt die Strecke dieser „Reise“ von Berlin nach Brandenburg mit dem Courierzuge in einer Stunde vier Minuten zurück; Büsching fuhr die acht Meilen in einer anstrengenden Tagereise von früh [723] drei bis Nachts elf Uhr, erlebte aber auch die Freude, über diesen einzigen Tag vierzehn Druckbogen voll schreiben zu können.

Beide, der Domherr wie Büsching, waren ihrer Zeit treue und wahrhafte Volksfreunde und der Hinblick auf ihr energisches Streben für die möglichste Erhebung der Volksschule thut noch heute dem Herzen wohl. Dazu kommt für unsere Gegenwart, daß viele Klagen über damalige Zustände der Lehrer und der Schulen fast klingen, als wären sie nicht beinahe hundert Jahre alt, sondern von gestern. Wie entrüstet ist Büsching über Diejenigen, welche behaupteten, es sei für die gemeinen Leute wegen des Jochs, welches sie drücke, schädlich, ihnen viel Einsicht und feines Gefühl zu verschaffen! „Also ganz wie in Rußland,“ ruft er, „wo von den Edelleuten behauptet wurde, daß die Kinder ihrer Bauern weiter nichts zu lernen brauchten als den Satz: ‚Sergé powelel!‘ zu Deutsch: der heilige Sergius will es, nämlich, daß Du als Soldat hingehst, wohin man Dich schickt.“ Leider ist Rußland nicht das einzige Land, wo man so denkt; es giebt auch westlich davon noch Landstrecken, wo angesehene Leute, schwarze und bunte, unter sich dieselbe Ansicht hegen.

Wer denkt auf hundert Jahre zurück, wenn er folgenden Zornausbruch liest? Büsching sagt: „Ich weiß nicht, ob ich mich wundern oder ärgern soll, daß man so wenig auf hinlängliche Mittel bedacht ist, den Stadt- und Landschulen tüchtige Lehrer zu verschaffen. Es fehlt zwar in Ansehung derselben nicht an Klagen, Wünschen und Schriften, wohl aber an Geld und Ehre, und doch ist ohne beides nichts anzurichten! Gesetzt auch, man ertheilte beides den Lehrern, welche dem Rang nach die ersten sind, so sieht man doch gar zu wenig auf die Belohnung und Ermunterung der untersten Lehrer, auf welche doch das Meiste ankommt. Ich kann den alten Wahn kaum länger erdulden, daß zu dem Unterricht in den ersten Anfangsgründen Leute von geringerer Geschicklichkeit hinlänglich wären, da doch unaussprechlich viel darauf ankommt, daß die Kinder nicht im Zuschnitt verdorben werden.“

Der Domherr spricht beziehungsreiche Wahrheiten aus in Folgendem: Woher rührt die Vortrefflichkeit des preußischen Kriegsheers anders, als von den Officieren, die von unten auf gedient haben? Unsere Premierlieutenants können im Nothfall ganz füglich die Stellen der Obersten vertreten (– das ist 1775 geschrieben, nicht 1871 –). Alles dieses hat einleuchtende Wahrheit. Dagegen hat man bisher zu den Küster- und Schulmeisterstellen auf dem platten Lande nur Handwerksleute und Bediente bestellt, welche in Seminarien höchstens mechanisch zu denken und zu unterrichten lernten. Der Handwerksmann und Bediente denkt aber sein Leben lang als ein solcher und wenn man ihn zum ansehnlichsten Rang erhöbe. Also sind beide Arten der Menschen für das Lehrfach im Zuschnitt verdorben, und was sie später etwa noch lernen, ist nur so lange zu schätzen, als man es auf eine Reparatur, nicht auf einen Hauptbau zur Verbesserung der Nation abgesehen hat.

Auf diesen Hauptbau war des Domherrn edler Geist gerichtet. Seine reformatorische Thätigkeit beschränkte sich, wie bereits bemerkt, nicht auf die Errichtung von Schulen im Basedow’schen Geiste zu Rekahn, in dem Mutterdorfe Krahne, in Gettin etc.; er ging auch in seinen Wünschen für die Lehrer dem Staate mit seinem guten Beispiele voran, indem er für das sorgte, was noch jetzt in der Lehrerwelt nicht weniger Landstriche so schmerzlich vermißt wird: entsprechende Würdigung ihres Wirkens durch gerechte Einnahme und wohlverdiente Ehre. Dafür verlangte er Fähigkeit, Geschick und Eifer derselben für die Erstrebung seines Zweckes: eine bessere sittlicher Ausbildung und die Beförderung einer größeren Brauchbarkeit der Kinder auf dem Lande nach ihrer besondern künftigen Lage, und danach waren Hauptgegenstände des Unterrichts: Verstandesübung, moralische Bildung, Sprache und Sachkenntnisse.

Die Rochow’schen Schulen trugen schon nach wenigen Jahren gute Früchte, und die Rochow’schen Schriften sorgten dafür, daß Beides nicht verborgen blieb, sondern zur Nachahmung aufforderte. Schon die Titel dieser Schriften deuten uns an, was Geist und Herz dieses edeln Mannes vor Allem beschäftigte. Da lesen wir: Versuch eines Schulbuchs für Kinder der Landleute; der Kinderfreund, ein (weltbekannt gewordenes) Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen; ein Handbuch in katechetischer Form für Lehrer, welche aufklären wollen und dürfen; – Von der Bildung des Nationalcharakters (schon 1779!). Auch veröffentlichte er eine „Geschichte meiner Schulen“ und errichtete sich damit selbst das schönste Denkmal.

Das war die Rache derer v. Rochow für das „Campement“ auf dem väterlichen Erbgute. Durch Geist und Fleiß im Bunde mit Herzen, die auf dem rechten Flecke saßen, erwuchs aus der Verwüstung wieder ein blühender Besitz und aus diesem die noch edlere Blüthe einer mit aufopfernder Liebe gepflegten Volksbildung. Und als der Domherr im Jahre 1805 starb, ein Glücklicher, der den Fall Preußens und die tiefste Erniedrigung Deutschlands nicht erleben sollte, war diese Blüthe der schönste Schmuck seines Namens.

Was bis heute davon übrig geblieben? Wir sind darüber ohne Kunde, aber wünschenswerth wäre es schon, es zu erfahren.

Friedrich Hofmann.