Die Straßenräuber

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Die Straßenräuber
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 113–115
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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[113]
Die Straßenräuber.

Anno 1349 war des Raubens und Mordens auf allen Straßen so viel, daß die Lübschen mit ganzem Ernst der Sache steuern mußten. Da machten sie am ersten Sonntag in der Fasten ein großes Verbündniß mit den Herren zu Holsten und Sachsen, weiterhin auch mit denen zu Hamburg und Grafen Adolf von Schauenburg, und verbanden sich festiglich nach allem Vermögen einander Beistand zu leisten. Der Adel aber war unverzagt, und verband sich auch mit Gut und Blut, und wollte von seinem bösen Beginnen nicht ablassen. Da zogen die Lübecker aus und hatten zu ihrem Hauptmann Hartich von Ritzerau; und kamen vor das Haus Bernstorp, welches den von Zulen gehörte, und schlugen 13 Räuber todt. Dann zwischen Pfingsten und Johannis gewannen sie binnen 10 Tagen 9 Raubschlösser, Zecher, Meidorp, Borchadestorp, Lanken, Nonnendorp, Steinhorst, die starken Vesten; und lagen vor Culpin und Gudow 4 Tage mit Bliden und anderem schweren Geschütz, ehe sie die gewannen; und nahmen die Veste Reburg. Nach kurzer Zeit wollte das Volk von Lübeck alle die Häuser und Vesten in Grund und Boden zerstören, damit die vorigen Raubvögel ihre Raubnester nicht wieder beziehen [114] möchten. Ein Rath aber gab ihnen zwanzig Reisige und seinen Hauptmann mit. Die kamen nach dem festen Hause Gallin, und fanden da einen großen Haufen Räuber versammelt. Da nahm Hartich von Ritzerau seinen Pfeifer und Trommelschläger und steckte die in einen Busch; er selbst aber ritt vor das Haus, und machte ein Gerücht, daß die von Lübeck im Anzuge wären. Da die Räuber nun pfeifen und trommeln hörten, sank ihnen der Muth; und sie verließen das Haus in der Nacht. So gewann der Hauptmann es ohne Schwertschlag, da es sonst große Mühe erfordert haben würde; aber das Volk steckte es in Brand und ließ es verbrennen.

Darauf hielten die Herren eine neue Tagefahrt, und beschlossen, den Räubern das Garaus zu machen. Am Abend der Geburt Mariä zogen sie vor das Haus Linau, das die Scharfenberge hatten; die von Lübeck legten 3 Wochen lang 1500 Bürger und Arbeitsleute davor, denn sie traueten den Andern nicht. Am Michaelistage nahmen sie das Schloß mit Sturm, und brachen den Thurm und die Mauern und zerstörten alles in den Grund, und alle Gefangenen ließen sie an die Bäume henken.

Nun flehen die räuberischen Junker zu dem Herzog von Meklenburg und thaten da großen Schaden mit allen bösen Dingen. Da klagten die Städte und sagten dem von Meklenburg: wie er solche Straßenräuber und mißthätige Leute bei sich halten möchte, da er doch früher ein so [115] friedsamer und redlicher Herr gewesen? Sein Bescheid aber war: er wäre jetzo allenthalben mit Feinden umgeben, und da müßte er nehmen, was er kriegen könnte; mit Blinden und Lahmen könnte er seinen Feinden nicht begegnen; er müsse Schälke mit Schälken vertreiben.

Damit waren die Lübschen ja nicht zufrieden, und so zogen Hartich von Ritzerau und der Vogt von Sachsen, Hinrich Lüchau, in das Land Wittenburg und gewannen 4 Raubnester in einem Tage: Nienkerken, Tessin und Kamin und Kössin; drei gehörten den Zulen, das vierte den Stuken. Da ward mancher Gefangene seiner Bande ledig; die Räuber aber wurden an Ort und Stelle aufgehängt.

Bemerkungen

[391] Bliden – Maschinen zum Werfen großer Felssteine.

Anmerkungen (Wikisource)

Die Ruinen der nach Belagerung tatsächlich damals zerstörten Burg Linau der Ritter Scarpenberg sind heute noch zu sehen.