Die Tasso-Eichen in Rom

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Titel: Die Tasso-Eichen in Rom
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 137, 162
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Marie Eugenie Delle Grazie: Die Tasso-Eiche, in: Italische Vignetten, 1892.
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[137]
Datei:Die Gartenlaube (1898) b 0137.jpg

Die Tasso-Eichen in Rom.
Nach der Natur gezeichnet von R. Püttner.

[162] Die Tasso-Eichen in Rom. (Zu dem Bilde S. 137.) Als vor drei Jahren die dreihundertste Wiederkehr von Torquato Tassos Todestag in Italien feierlich begangen wurde, hat auch die „Gartenlaube“ ihren Lesern ein Bild des tragischen Lebensganges geboten, der am 25. April 1595 im Kloster Sau Onofrio am Monte Gianicolo in Rom sein Ende fand. Hier in der stillen Zelle, die den heutigen Besuchern des Klosters als eine Art Nationalheiligtum gezeigt wird, erlöste der Tod den von schwerer Geisteskrankheit gequälten Mann gerade als seine langersehnte Dichterkrönung auf dem Kapitol erfolgen sollte. Noch heute wird an Tassos Todestag alljährlich von den Mönchen des Klosters dem edlen Sänger der ritterlichen Kämpfe um das Grab des Erlösers eine Seelenmesse gelesen im Beisein einer zahlreichen Gemeinde. Die großen schattigen Steineichen aber, die etwas oberhalb des Klosters an einer Stelle des ehemaligen Klostergartens stehen, über die jetzt der Weg zur Höhe des Janiculusbergs führt, sind nach Tasso benannt; hier war sein Lieblingsaufenthalt in jenen letzten Tagen seines Lebens, unter den Zweigen der einen dieser Eichen, die seitdem von Blitz und Sturm arg mitgenommen wurde, entstanden Tassos letzte Verse.

Kein Deutscher, der in Rom weilt, versäumt den Besuch dieser Stätte. Erhielt sie doch von einem Dichter die Weihe, dessen ergreifendes Schicksal durch Goethes Dichtung uns allen innig vertraut ward. Aber noch ein anderer Ruhm lockt den Fremden zu den Tasso-Eichen auf dem Monte Gianicolo, dessen gartenreiche Anlagen die Tiberstadt im Südwesten malerisch umwallen. Schon Martial rühmte die entzückende Aussicht, welche sich vorn Mons Janiculus aus über das weite herrliche Rom dem Auge bietet, unter den Tasso-Eichen des Klosters San Onofrio, das am westlichen Abhang des Hügels liegt, erhält diese berühmte Aussicht ihren besonderen Charakter durch die Nähe des Vatikans und des Petersdoms, der mit seiner gewaltigen himmelanstrebenden Kuppel jedes andere Bauwerk Roms hoch überragt. Das stimmungsvolle Bild R. Püttners läßt uns die Peterskirche zwischen den Stammen der alten Eichen erschauen, während rechts, nahe der Straße, die Gebäude des Klosters Onofrio sichtbar sind. Die Treppe links, neben welcher die eigentliche, vorn Blitz versehrte Tasso-Eiche steht, führt zur Höhe hinauf, von welcher seit zwei Jahren das großartige Garibaldidenkmal auf die ewige Stadt niedergrüßt.