Die Tasso-Eiche

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Textdaten
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Autor: Marie Eugenie Delle Grazie
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Titel: Die Tasso-Eiche
Untertitel:
aus: Italische Vignetten,
S. 37-38
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Breitkopf und Härtel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Aus dem Zyklus „Rom“.
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 3. Die Tasso-Eiche.

Nach Jahren wilder, unerhörter Qualen
Dein stiller Platz im Schatten dieses Baum’s,
So nah der Sonne deiner Ruhmesstrahlen,
So fern der Stätte deines Seelentraum’s!

5
„Ferrara“ und „Lenore“ – ach, die Namen,

Die in der frommen Mönche düst’rem Kreis
Verschämt nur über deine Lippen kamen,
Hier schriest du sie vielleicht noch bang und heiß!

Hier durfte unbelauscht dein Herz verbluten,

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Und wenn dein Weh in Thränen sich ergoß,

Verklärten sie die reinsten Sonnengluthen –
Hier war dein Schmerz kein sündiger Genoß!

Dann schwanden Roma’s wirre Häusermassen
Wie Nebel, und nur eines sah dein Blick:

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Ferrara’s marmorschimmernde Terrassen

Und jener Tage blumiges Geschick!

Nun schlummerst du, entrückt dem Qualbereiche,
Das wärmste Herz im Bann des kühlsten Raum’s,
Doch noch umsäuseln mystisch jene Eiche

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Die Schauer deines unerfüllten Traum’s!


[38]
Ich fühlte sie.... und grünt ihr auch zur Seite
Der bitt’re Lorbeer – hier gebeut er nie,
Nur Sehnsucht reißt die Seele in die Weite,
Und Liebeszauber ranken sich um sie;

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Vor deiner Grust erstirbt jed’ eitles Wähnen,

Hier thront dein Ruhm in majestät’scher Ruh,
Doch wo der Mensch gelitten, fand ich Thränen,
Und schluchzen, träumen durft’ ich hier wie du!