Die Weiber-Treu der Frauen zu Weinsberg

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Autor: Sigmund von Birken
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Titel: Die Weiber-Treu Der Frauen zu Weinsberg
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Erscheinungsdatum: ca. 1660
Verlag: Paul Fürst
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: im VD17 unter der Nummer 1:091614L
Kurzbeschreibung: Gedicht zum Stoff der Weiber von Weinsberg, verfasst nach Harms von Sigmund von Birken
Flugschriften des 17. Jahrhunderts

Illustration von Peter Troschel
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WS:Handschriftliche Anmerkung: 1886. 139      130°

Die Weiber-Treu
Der Frauen zu Weinsberg.
Zusingen nach der Weise; Amarintha / die ich hasse / etc.


   LAsset uns ein Liedlein singen
    von belobter Weiber-Treu/
   Weiber-Lob in Reimen bringen/
    alte Thaten machen neu;
   sie sind würdig zuerzählen:
    Es verdienen ein Gedicht
   solche fromme Weiber-Seelen/
    und eine ewigs Ruhmgerücht.

2. Weinsberg / eine Burg zu Bayern/
    (die einmal ein Weinberg war)
   heißet uns die That verneuern
    ihrer frommen Weiber-Schaar.
   Welff / der Herzog wild von Sitten/
    wurde von dem Keyserheer
   hart belagert und bestritten/
    that aus Weinsberg gegenwehr.

3. Unversöhnlich war entbrennt
    das ergrimmten[1] Keysers Zorn.
   Weinsberg wurde hart berennet;
    Welffen war der Tod geschworn;
   Er / kond keine Gnad erwerben;
    Conrad / Weinsberg schleiffen wolt.
   Ach da ware nah / das Sterben;
    Gnade / theurer war als Gold.

4. Stolze Männer / dörfft ihr sagen/
    daß ihr Alles könnt allein/
   wie daß ihr nit weggeschlagen
    von der Burg benahmt vom Wein/
   die gefürchten Feindeshauffen?
    wo blieb damals euer Trutz?
   daß dem Tod ihr kondt entlauffen/
    wurden Weiber euer Schutz.

 

5. Weiber / wusten Raht zufinden/
    da den Männern Witz gebrach;
   Weiber konden überwinden/
    da die Männer wurden schwach.
   Conrad / hatt erhöht ihr Flehen/
    daß ein jede sicherlich
   aus der Vestung möchte gehen/
    tragen / was sie könd[2] / mit sich.

6. Was beginnen da die Weiber?
    Nicht (wer hats gehöret je?)
   Gold und Silber; nein die Leiber
    ihrer Männer fassen sie
   auf dem zarten schwachen Rücken/
    tragen sie zur Burg hinaus;
   Väter / Brüder / sah man drücken
    ihre Achseln vor dem Haus.

7. Keyser Conrad / zwar betrogen/
    muste dannoch dieser Treu
   in dem Hertzen seyn gewogen:
    dessen Zeug sein Weinen sey;
   Herzog Welffen ward verziehen/
    und der schönen Burg verschont.
   Solch ein löblich Liebsbemühen
    billich ward mit Gnad belohnt.

8. Männer! legt die Feder nieder/
    rühmt nit mehr wie ihr gethan
   den Eneas und zween Brüder/
    die aus Troja und Catan
   aus dem Brand hinweg getragen
    ihre Eltern / ist es wahr:
   Höret hier / was mehr ist / sagen
    von der frommen WeiberSchaar

 

9. Euren Ruhm habt ihr zubauen
    auf drey Männer nur allein:
   Dreissigmahl drey treue Frauen/
    dreymahl mehr zu loben seyn/
   Dencket doch: es trugen Weiber/
    schwach von Rücken / arm an Stärk/
   die so schweren Männer-Leiber.
    O ein treues Wunderwerk!

10. Lasst es mir ein Wunder heissen/
     weil es Wunder auch gethan:
    Als / die Sag hiervon / thät reisen
     zu dem Herzog von Toscan/[3]
    und ihn krank fand auf dem Bette/
     machte sie ihn stracks gesund;
    Weiber Treu thät an stätte/
     was die Arzeney nit kond.

11. Schweiget nun / ihr WeiberFeinde;
     lobt / was ihr zuvor geschmäht.
    Frauen / sind die treusten Freunde/
     ihre Lieb vor alles geht.
    Welcher Mann wolt anderst sagen/
     soll nit seyn so würdig auch/
    daß ihn eine Frau solt tragen
     auf dem Rücken oder Bauch.

12. Nit wehrt ist er (will ich sagen)
     daß ihn lang in Mutterleib
    und auch lange hat getragen
     auf dem Arm / ein treues Weib.
    Aber mehr als gute Zeiten
     der verdient und auch bekam/
    der ins Buch der Ewigkeiten
     trägt den wehrten Weiber-Nahm.


Zufinden in Nürnberg / bey Paulus Fürsten / Kunsthändlern.


WS:Handschriftliche Anmerkung: 9A3360m

Anmerkungen

  1. korrigiert: ergimmten
  2. so entziffert
  3. Laurentius Medica. Vid. Joh. Bodin. Sternchen-Anmerkung der Vorlage