Die böse Frau

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Textdaten
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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Die böse Frau
Untertitel:
aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 175–176
Herausgeber:
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
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Erscheinungsort: Bautzen
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Quelle: MDZ München, Commons
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[175]
LXXIX. Die böse Frau (wend. ta sła żona).[1]

Krumm und sehr gebückt schleicht in den Dörfern am hellen Tageslichte ein kleines, altes, verrunzelt und verschrumpftes Weib, mit triefenden Augen, großem Kopfe, [176] warzigem Gesichte und mächtigem Höcker auf dem Rücken, an einer Krücke umher, kriecht in Keller und Scheuren, – da, wo sie weilt, melken Kühe und Ziegen Blut, ergiebt sich keine Butter, verdirbt der Käse, schlickert die Milch, bekommen die Schaafe Pocken, Hunde Raude, der Wurm kommt ins Korn, das Gespinnste wird von Mäusen zerfressen; kurz, es waltet Unfall, wohin ihr Auge blickt und ihr Fuß tritt. Erblickt sie ein Kind unterm Jahre, so beschreit sie es, und es bekommt Friesel, Ausschlag, geschwollenen Leib u. dgl. Die Wenden nennen es: das böse Weib. Kräftige und furchtlose Männer dieser Nation haben schon mehreremale, wenn sie es gewahrten, ihre Fäuste gegen selbiges in Bewegung setzen wollen, allein es ist mit einem schallenden Gelächter vor ihren Augen verschwunden und die Frevler sind erkrankt.


  1. Hat Aehnlichkeit mit dem No. XII. erwähnten Holzweibchen.