Die beiden Zauberer (Grässe)

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die beiden Zauberer
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 230–231
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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834) Die beiden Zauberer.

Geht man auf dem geraden Wege von Budissin nach Neschwitz, so gelangt man, nachdem man das Gasthaus, der schwarze Adler, und das zum Posthorn passirt ist, in ein kleines Birkenwäldchen, wo man rechter Hand eine große Steinwacke gewahrt. Als dies Wäldchen noch ein großer Wald war, voll von Bären und Wölfen, wohnte dort ein alter heidnischer Zauberer, welchem die Erd- und Feuergeister dienstbar waren. Seine Macht benutzte er dazu, Schätze über Schätze aufzuhäufen, an deren Anblick er sich weidete. Zu gleicher Zeit lebte nicht weit davon ein anderer jüngerer Schwarzkünstler, dessen Befehlen nur die Wassergeister gehorchten, und dem der Meister der Gnomen und Salamander grollte, drohte, wo er wußte und konnte, ihm zu schaden bemüht war und endlich im bösen Herzen gar seinen Untergang beschloß. Nun trat jener einst, gleich einem Flußgotte, in des Alten Wohnung, von dem er wider Erwarten freundlich aufgenommen wurde. Ein Mahl, welches Erd- und Feuergeister bereitet hatten, wurde aufgetragen, wobei das weibliche Geschlecht derselben die Becher kredenzte. Während nun die Becher weidlich geleert wurden, entspann sich zwischen den beiden Magiern über ihre Wissenschaft ein Streit. Ungemüthlich ward daher der Gebieter der Erd- und Feuergeister und vergessend aller Pflichten der jenem erwiesenen Gastfreundschaft, anzüglich gegen den Jüngern, welcher, kalt wie sein [231] Element, sich vergebens bemühte, ihn zu beschwichtigen. Da warf der Alte endlich gar seinen Gast zur Thüre hinaus, schleuderte ihm gar manches irdenes Gefäß nach und hetzte seine Feuergeister gleich einer Kuppel Parforcehunde ihm nach. Daß darüber auch dem Jüngern die Galle überlief, wird wohl Niemanden, der nicht Fischblut besitzt, befremden. Er beschloß daher, augenblicklich Rache zu nehmen. Die Fenster des Himmels öffneten und die Brunnen der Erde ergossen sich. Von oben und unten, wie von allen Seiten, strömten die Wasserwogen, Teiche und Seeen durchbrachen ihre Dämme und unbezähmbar tosten die wilden Wogen. Da erbebte, vielleicht das Erstemal in seinem Leben, der sonst furchtlose Alte, wohl, jedoch zu spät, einsehend, daß das Wasser das furchtbarste aller Elemente sei. Donnernd herrschte er seine Geister an, welche ihr Möglichstes thaten, allein eben so wenig als der Korporalstock Muth und Patriotismus zu erzwingen vermag, vermochte sein drohender, beschwörender Ruf die heranfluthenden Wellen, welche Erdwällen und Feuerbränden spotteten, zu bändigen. Ertränkt wurde er, verschlämmt seine Schätze, und da, wo sie sich befinden, bildete sich jene Steinmasse, welche man noch jetzt sieht, und die unermeßliche Reichthümer birgt.