Die ernsthafte Fastnacht 1814

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Textdaten
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Autor: Joseph von Eichendorff
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Titel: Die ernsthafte Fastnacht 1814
Untertitel:
aus: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen. S. 246-248
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1826
Verlag: Vereinsbuchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
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Quelle: Universitätsbibliothek Greifswald, Signatur: 520 Bn 420; Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[246]

     Die ernsthafte Fastnacht 1814.
Als Wittenberg in der Nacht mit Sturm genommen wurde.

Wohl vor Wittenberg auf den Schanzen
Sind der edlen Werber viel,
Wollen da zur Fastnacht tanzen
Ein gar seltsam Ritterspiel.

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Und die Stadt vom Felsen droben

Spiegelt sich im Sonnenschein,
Wie ein Jungfräulein erhoben –
Jeder will ihr Bräut’gam sein.

„Jäger! laßt die Hörner klingen

10
Durch den Morgen kalt und blank!

Wohl, sie läßt sich noch bezwingen
Hört sie alten deutschen Klang.“

[247]

 Drauf sie einen Reiter schnelle
Senden, der so fröhlich schaut,

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Der bläßt seinen Gruß so helle,

Wirbt da um die stolze Braut.

„Sieh’, wir werben lang’ verstohlen
Schon um Dich in Noth und Tod,
Komm! sonst wollen wir Dich hohlen,

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Wann der Mond scheint blutigroth!“


Bleich schon fallen Abendlichter –
Und der Reiter bläßt nur zu,
Nacht schon webt sich dicht und dichter –
Doch das Thor bleibt immer zu.

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Nun so spielt denn, Musikanten,

Blaßt zum Tanz aus frischer Brust!
Herz und Sinne mir entbrannten,
O Du schöne, wilde Lust!

Wer hat je so’n Saal gesehen?

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Strom und Wälder spielen auf,

Sterne auf und nieder gehen,
Stecken hoch die Lampen auf.

Ja der Herr leucht’t selbst zum Tanze,
Frisch denn, Kameraden mein!

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Funkelnd schön im Mondesglanze

Strenges Lieb, mußt unser sein! –

[248]

Und es kam der Morgen heiter,
Mancher Tänzer lag da tod,
Und Victoria bließ der Reiter

40
Von dem Wall ins Morgenroth.