Die fromme Hexe

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Wilhelm Busch
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die fromme Hexe
Untertitel:
aus: Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. S. 121-122
Herausgeber: Otto Nöldeke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Lothar Joachim
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[121]
20.

Es war mal ein altes Weib, das ging oft in die Kirche und sang auch im Hause immer fromme Lieder. Die Magd bemerkte aber, daß sie immer so viel Butter und auch allerlei Essen kriegte, ohne daß das Mädchen wußte, wo das alles herkam. Sie ging darum an’s Gericht und zeigte es an. Als [122] nun die Gerichtsleute in das Haus kamen, saß die Alte im Kuhstalle und sang ein geistliches Lied aus dem Kirchengesangbuche. Der Richter aber schrie hinein: »Heraus mit dir, du alte Donnerhexe!« Da kam das Weib heraus und that so übel und erbärmlich und unschuldig und beweglich, als wenn sie ein neugeborenes Kindlein wäre. »Mine leiben säuten heeren«, sagte sie, »wo müeget sä doch säo wat van mi denken; o lüe un kinners, eck äne hexe! Dat kann mi doch käner na seggen, dat eck in minen leben änen minschen wat täo lede daen hebbe. Un nu geit et mi säo? Bin eck nich jeden sönndag in de kerke gaen? Gott ja, lüe? eck segge man! hebbe eck nich ’esungen un ’ebäet! un nu meent ji, dat eck äne hexe bin?« Aber da half kein Jammern. »Ins Wasser«, hieß es, »ins Wasser!« und wurde das alte Weib alsbald an die Weser gebracht und da hinein geworfen. Ob die Alte nun wohl mit dem größten Vertrauen auf dem Wege gesagt hatte, ihre Unschuld werde sich schon durch Gottes Hülfe zeigen, ja schön! Sie schwamm nur oben auf und war also doch eine Hexe, wurde an den Pfahl gebunden und zu Tode gebrannt.