Die goldene Ente

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Die goldene Ente
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 62-66
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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17. Die goldene Ente.

Es war einmal eine Witfrau, die hatte drei Söhne, Namens Kasper, Melchior und Baltes, die erlernten alle drei ein Handwerk; der älteste wurde ein Weber, der andere ein Schuhmacher, der dritte ein Sattler. Und als sie ausgelernt hatten, sollten sie wandern und in der Fremde ihr Glück versuchen. Da schickte die Mutter zuerst den Aeltesten auf die Reise, und füllte ihm, wie es in dem Orte Sitte war, das Felleisen mit selbstgebackenen Küchlein, so viele nur zu dem Zeuge, das er mitnahm, noch hineingiengen, und sagte: „lieber Sohn, wenn Dir ein Armer begegnet, so theile ihm auch von diesen Küchlein mit!“ – Darauf zog er von dannen, und nachdem er einige Tage gewandert war, kam er in einen Wald; da begegnete ihm eine alte Frau und bat ihn, daß er ihr etwas zu eßen geben möchte; er aber sagte: „ich werde selbst noch brauchen, was ich habe.“ Da bewirkte die Frau, welche ein Zauberfräulein war, daß er nicht weiter konnte, und auf der Stelle nach Haus umkehren mußte.

Als nun die Zeit kam, wo der zweite Sohn seine Wanderreise antreten sollte, da that ihm die Mutter gleichfalls Küchlein in sein Felleisen und sprach: „nun will ich doch sehen, wie weit Du kommen wirst. Vergiß aber nicht, auch den Armen von deinen Küchlein abzugeben!“ – Da zog er dieselbe Straße wie sein älterer Bruder, und kam nach einigen Tagen in den Wald, wo das Zauberfräulein sich aufhielt. Das begegnete ihm alsbald und sagte: sie sei [63] hungrig, er möge ihr doch etwas zu eßen geben. Allein er sagte: „die Küchlein eße ich selbst gern“ und wollte weiter gehen. Da machte es aber das Zauberfräulein, daß er keinen Schritt mehr vorwärts thun konnte und auf der Stelle zu seiner Mutter zurückreisen mußte.

Endlich schickte die Mutter ihren dritten Sohn auf Reisen und sagte: „wenn Dir’s nur nicht ebenso wie Deinen Brüdern geht; ich will sehen, wie Du durchkommst; ich habe Dir da auch Küchlein in Dein Felleisen gelegt, die mußt Du aber nicht allein eßen, sondern auch den Armen davon mittheilen.“ Dann trat er wohlgemuth seine Wanderschaft an und kam nach wenigen Tagen in den Wald, wo ihm die alte Frau begegnete und ihn um etwas zu eßen bat. Da nahm er sogleich sein Felleisen vom Rücken und machte es auf und schüttete der Frau alle Küchlein, die er noch hatte, in den Schooß, worauf das Fräulein sehr vergnügt wurde und ihm sagte: „weil Du so gut gegen mich gewesen bist, so soll Dir’s auch gut gehen. Da will ich Dir eine Ente schenken, die hat goldene Federn und heißt: „gute Gonda.“ Das mußt Du Dir merken; denn wenn Jemand sie Dir stehlen oder ihr eine Feder ausziehen will, so brauchst Du nur den Namen auszusprechen und dabei zu sagen: „es bleibe an dir hangen, was bei dir ist!“ so kann es nicht fort, sondern muß mit, wohin die Ente geht.“ Darauf bedankte er sich und zog weiter durch den Wald und kam in ein Wirthshaus, wo er übernachten und sein Abendbrod verzehren wollte. Die Ente aber durfte auch miteßen und fischte sich besonders die Fleischbrocken aus der [64] Schüßel heraus. Da guckten alle Leute groß auf, besonders aber drei Frauenzimmer, die ebenfalls in dem Wirthshause übernachteten, und baten den jungen Sattler, daß er ihnen doch eine Feder von der Ente schenken solle. Allein das schlug er ihnen ab; denn er mochte die kostbaren Federn seiner Ente nicht ausrupfen. Da besprachen sich die drei Mädchen mit dem Wirthe, daß er sie mit dem Sattler in demselben Zimmer zusammen schlafen laßen möge, was der Wirth auch zugab. Als es nun Nacht war und sie meinten, daß der Sattler fest schliefe, da stiegen sie still aus ihrem Bett und giengen zu seinem Lager, woneben die Ente saß und versuchten, ihr einige Federn auszureißen. Da schrie sie aber: „quack, quack!“ daß der Baltes sogleich aufwachte und sprach: „gute Gonda, bleibe stehn was bei dir ist!“ Da mußten die drei Mädchen fasernackt, wie sie waren, die ganze Nacht bei der Ente stehen bleiben; und als der Baltes am andern Morgen frühstücken wollte und seiner Ente rief: „gute Gonda, komm herunter und was bei dir ist!“ da mußten die Mädchen auch mit herunter und nackt frühstücken und ebenso hinter der Ente herziehen, als er weiter gieng.

Da kam er in ein Dorf, wo die Maurer an einem neuen Hause arbeiteten, und als die die nackten Mädchen sahen, liefen sie zu ihnen hin und hielten ihnen die Maurerkellen vor den Leib. Der Baltes aber sprach: „gute Gonda, es bleibe an dir hangen, was bei dir ist!“ Da konnten die Maurer nicht wieder fort und mußten auch mitziehen. –

Darauf zogen sie durch einen andern Ort; da schaute [65] gerade der Pfarrer zum Fenster heraus und sah den Zug und rief: „ei, so bedeckt Euch doch, ihr großen Mädchen! schämt Ihr Euch denn nicht, daß Ihr so nackt auf der Straße geht?“ Und dann kam er eilig aus dem Hause gelaufen und nahm seine große Kappe ab und wollte, auf daß Niemand ein Aergernis nehme, wenigstens das eine Mädchen damit zudecken. Der Baltes aber rief wieder seiner Ente: „gute Gonda, es bleibe an dir hangen, was bei dir ist!“ Da mußte auch der Pfarrer mit. –

Als sie so nun eine Weile gegangen waren, kamen sie abermals in ein Dorf, wo eine große Bäckerei war. Wie nun die Bäckerknechte den wunderlichen Zug und besonders die nackten Jungfern sahen, da kamen ihrer fünfunddreißig mit Backschaufeln aus dem Hause gesprungen, und hielten den Mädchen die Schaufeln vor den Leib, worauf der Baltes wiederum sprach: „gute Gonda, es bleibe an dir hangen, was bei dir ist!“ also, daß auch die fünfunddreißig Bäckergesellen dem Zuge sich anschließen mußten.

In dem Wirthshause, wo der Baltes mit seiner goldenen Ente und dem ganzen großen Zuge übernachtete, las er in der Zeitung, daß der König von Portugal eine Tochter habe, die niemals lache, und daß der König habe ausschreiben laßen: „wer seine Tochter zum Lachen bringen könne, der dürfe sie heirathen.“ Da machte sich der Baltes gleich am andern Morgen auf den Weg nach Portugal, und meldete sich, sobald er angekommen war, beim Könige und sagte: daß er es sich wohl getraue, seine Tochter zum Lachen zu bringen, worauf der König ihn sogleich am folgenden [66] Morgen um zehn Uhr mit seinen Leuten kommen hieß. Die Königstochter stand auf dem Altan, und wie sie von da herab den seltsamen Transport vor’s Schloß kommen sah, die drei nackten Jungfern, die Maurer mit ihren Kellen, den Pfaffen mit der großen Mütze und die fünfunddreißig Bäckerknechte mit ihren Schaufeln, da konnte sie sich nicht mehr halten und mußte überlaut auflachen. Und also gewann der Sattler die Königstochter zur Gemahlin, und erbte nach dem Tode des Königs das Reich.

Anmerkung des Herausgebers

[303] 17. Die goldene Ente. Mündlich aus Derendingen. Bei Grimm entspricht Nr. 64, die goldene Gans. In Bechstein’s Märchenbuch: Schwan, kleb an! Im Allgemeinen gehört dahin auch bei Wolf: „der Geiger und seine drei Gesellen,“ (Laufer, Bläser, Träger) mit deren Hülfe er eine Prinzessin gewinnt, indem er durch sein Spiel drei Schweine tanzen läßt und die Prinzessin dadurch zum Lachen bringt.