Die todte Liebe

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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Die todte Liebe
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 180f.
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
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[180]

Die todte Liebe.

Im Schatten wir,
Das Dorf im Sonnenkuß,
(Fast wie das Jüngerpaar,
Das ging nach Emmaus,

5
Dazwischen leise

Redend schritt
Der Meister, dem sie folgten
Und der den Tod erlitt.)
So schreitet zwischen uns

10
Im Dämmerlicht

Unsre todte Liebe,
Die leise spricht.
Sie weiß für das Geheimniß
Ein heimlich Wort,

15
Sie kennt der Seelen

Allertiefsten Hort.
Sie deutet und erläutert
Uns jedes Ding,
Sie sagt: So ist’s gekommen,

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Daß ich am Holze hing.

Ihr habet mich verleugnet
Und schlimm verhöhnt,

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Ich saß im Purpur,

Blutig, dorngekrönt,

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Ich habe Tod erlitten,

Den Tod bezwang ich bald,
Und geh’ in eurer Mitten
Als geistige Gestalt –
Die Weggesellin

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Blieb unerkannt,

Da hat uns wie den Jüngern
Das Herz gebrannt.